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Aber diese Theorie hat schon seit Langem zwei offensichtliche Schwächen. Ein erhöhter Cholesteringehalt im Blut kann ebenso wie die meisten anderen Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei den meisten Patienten durch Veränderung der Lebensweise wie mehr Bewegung, eine gesunde Ernährung und die Vermeidung von Übergewicht gesenkt werden. Und zweitens haben Statine oft gefährliche und mitunter sogar tödliche Nebenwirkungen wie Leberschäden, Schädigungen der Hirnfunktion, manchmal irreversible Muskelschädigungen und Störungen des Sehvermögens.
Aber es gibt noch einen dritten Grund, dieser Geldmaschine der Pharmaindustrie namens Statin-Therapie nicht auf den Leim zu gehen. Neue Forschungen des Johns-Hopkins-Krankenhauses, die am 16. November auf der wissenschaftlichen Jahrestagung der Amerikanischen Herzgesellschaft AHA in Chicago vorgestellt wurden, zeigen, dass diese Medikamente viel zu häufig verschrieben werden. Diese Medikamente als »vorbeugende Therapie« gegen künftige Herzanfälle gesunden Frauen und Männern, die bisher noch keine Anzeichen für gefäßverengende Kalzium-Ablagerungen zeigen, aufzudrängen, ist einfach nur schlechte Heilkunde.
Diese neuen Forschungsergebnisse wurden von der »Multiethnischen Untersuchung zu Arteriosklerose« (MESA) unter Federführung des John-Hopkins-Krankenhauses erarbeitet. Die Studie sollte als erste genaue Kriterien ermitteln, wer von den etwa sechs Millionen gesunden amerikanischen Erwachsenen mit einem normalen Cholesterinblutwert überhaupt als Kandidat für eine sogenannte präventive Statin-Therapie in Frage käme.
In der JUPITER-Studie (Kurzform von »Rechtfertigung des Einsatzes von Statinen in der primären Prävention: Ein interventionelles Hilfsmittel zur Bewertung von Rosuvastin«), die 2008 veröffentlicht wurde, hieß es, das Statin-Medikament Rosuvastin (das unter dem Namen Crestor stark beworben und vertrieben wird) trage wirksam zur Verhinderung von Herz- und Schlaganfällen bei einigen Personen bei, die hohe Werte des C-reaktiven Proteins (CRP) im Blut aufwiesen. Aber als die Forscher des Johns-Hopkins-Krankenhauses diese Ergebnisse im Rahmen einer neuen Untersuchung noch einmal überprüften, kamen sie zu ganz anderen Schlüssen.
Sie wählten Teilnehmer der MESA-Studie aus einem Pool von 7.000 Erwachsenen unterschiedlicher ethnischer Herkunft (Afro-Amerikaner, Amerikaner chinesischer Abstammung, Weiße und spanischstämmige Amerikaner) aus, die den gleichen Kriterien wie bei der JUPITER-Studie entsprachen. Diese 950 Freiwilligen wurden dann im Johns-Hopkins-Krankenhaus und fünf weiteren medizinischen Zentren in Nordamerika betreut und überwacht.
Die Ergebnisse zeigen, dass lediglich Personen mit einem messbaren Anstieg des
gefäßverhärtenden Kalziums in ihren Blutgefäßen über den gesamten Zeitraum der sechsjährigen Untersuchung eine hohe Rate an gefährlichen Herznotfällen aufwiesen. Aber praktisch bei der Hälfte der Teilnehmer lagen die Kalziumwerte so niedrig, dass sie sich kaum nachweisen ließen, und bei dieser Personengruppe kam es nur bei etwa fünf Prozent zu unerwünschten Ereignissen (U.E.) im Zusammenhang mit Herzerkrankungen – das heißt die tägliche Einnahme von Statinen als »vorbeugende Maßnahme« hätte nichts zum Schutz der Herz-Kreislauf-Funktionen beigetragen, wäre aber mit erheblichen Risiken gefährlicher Nebenwirkungen belastet.
Nachdem nun in den vergangenen Jahrzehnten fast schon hysterisch immer wieder die Cholesterinwerte gemessen wurden, fordern die Wissenschaftler der Johns-Hopkins-Universität, man solle die Kalzium-Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen messen, um herauszufinden, ob jemand wirklich ein erhöhtes Risiko aufweise, Herzanfälle zu erleiden. »Es trifft sicherlich nicht zu, dass alle Erwachsenen es [Statine] einnehmen sollten, um Herzinfarkte oder Schlaganfälle zu vermeiden, denn bei der Hälfte der betroffenen Gruppe ist das Risiko für plötzliche Herzanfälle in den kommenden fünf bis zehn Jahren vernachlässigbar gering«, erklärte Dr. Michael Blaha, Leiter der Studie und Kardiologe an der Medizinischen Fakultät der Johns-Hopkins-Universität, gegenüber den Medien.
Erinnern Sie sich noch an die in den Medien aufgebauschten Berichte, dass ein hoher CRP-Blutwert auf einen drohenden Herzinfarkt hindeute? Es stellte sich bei der Johns-Hopkins-Untersuchung heraus, dass bei einigen Teilnehmern im Verlauf der Studie Schwankungen bei den Blutwerten dieses Entzündungs-Nebenproduktes, das als Indikator für alle möglichen Herzerkrankungen gilt, auftraten. Aus den neuen Forschungsergebnissen geht aber hervor, dass dies nicht zutrifft. Selbst ein erhöhter CPR-Wert von zwei oder mehr Milligramm pro Liter Blut ließ keine zwingende Risikobewertung zu, nachdem andere Risikofaktoren wie Alter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Bluthochdruck, Cholesterinwerte, krankhaftes Übergewicht, Diabetes, Raucher und Herzerkrankungen im engeren familiären Umfeld herausgerechnet worden waren.
Die Quintessenz: Dieser neue statistische Vergleich der Ergebnisse zeigt, dass, wenn überhaupt, nur wenige Herzinfarkte oder Schlaganfälle innerhalb von fünf Jahren hätten vermieden werden können, wenn alle an der Untersuchung Beteiligten Statine eingenommen hätten. Die einzige Ausnahme bilden Patienten, bei denen sich bereits Kalziumablagerungen in den Gefäßen befanden. Aber selbst in der Patientengruppe mit einem moderaten Kalziumanstieg in den Blutgefäßen wäre bei je 94 behandelten Patienten nur ein Herzinfarkt und bei je 54 behandelten Patienten ein Schlaganfall verhindert worden.
»Eine Statin-Therapie sollte nicht wie eine Diät oder Bewegung als Lösung auf breiter Basis zur Verhinderung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingesetzt werden. Es geht hier um die lebenslange Einnahme mit möglichen, wenn auch seltenen Nebenwirkungen. Ärzte sollten sie nur bei Patienten mit einem extrem hohen Risiko und besonders bei Patienten mit hohen Kalzium-Werten in den Koronararterien erwägen«, betonte der Kardiologe Prof. Dr. Roger Blumenthal, Mitverfasser der Studie und Direktor des Ciccarone-Zentrums für präventive Kardiologie am Johns-Hopkins-Krankenhaus in einer Presseerklärung. Er wies auch darauf hin, dass bei etwa fünf Prozent der Patienten, die Statine einnehmen, ernste Nebenwirkungen wie Muskelschmerzen auftreten, zusätzlich werde wahrscheinlich einer von 255 Patienten aufgrund der Einnahme Diabetes entwickeln.
NaturalNews
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