Thursday, 25. August 2016
28.09.2014
 
 

Das Karstädt-Protokoll: Süßer Verführer Fructose − die böse Zuckerschwester aus der Raffinerie

Uwe Karstädt

Sie fehlt fast in keinem Fertigprodukt. Ihr Name klingt harmlos, ist aber in Wahrheit tödlich. Die Fructose wird für 180.000 Todesfälle pro Jahr verantwortlich gemacht. Das Karstädt-Protokoll Nr. 5 zeigt auf, warum der oft in Sirup verkleidete Industriezucker unser Immunsystem belastet, den Zuckerstoffwechsel auf den Kopf stellt, schlummernden Krebszellen Wachstum verleiht und Kinder bereits im Vorschulalter zu »Zucker-Junkies« werden lässt.

 

»Ganz ohne Kristallzucker − nur mit Zucker aus Früchten gesüßt« - bei einem solchen Produkt greift man doch als gesundheitsbewusster Verbraucher gern zu. Immer häufiger ist dieser Werbeslogan im Supermarktregal zu finden. Zucker aus Früchten − das klingt nach einem biologisch wertvollen Naturprodukt. Und genau das ist es auch, was gerissene Werbetexter besorgten Eltern mit solchen Applikationen beispielsweise auf dem Kinderjoghurt mitteilen wollen.

 

Wer käme da auf die Idee, dass hinter so viel gesundheitsstrotzender Aussage eine Riesengaukelei steckt? Natürlich kommt Fructose in der Natur vor. Der Einfach-Zucker findet sich in Obst, Gemüse und Honig. Doch die in fast allen Industrieprodukten verwendete Fructose ist nicht natürlichen Ursprungs, sondern wird industriell unter Verwendung von gentechnisch veränderten Mikroorganismen gewonnen.

 

Ein weiteres Problem entsteht durch die Dosierung: Es ist quasi nicht möglich durch den Verzehr von Früchten auch nur annähernd so hohe Fructosemengen zu sich zu nehmen, wie sie mit einem durchnittlichen Fertiggericht verabreicht werden. Zudem ist es natürlich ein riesengroßer Unterschied, ob man einen frischen Apfel mit all seinen natürlichen und sich positiv auf unser Gesundheitssystem auswirkenden Inhaltsstoffen oder ein chemisch von allen nützlichen Wirkstoffen befreites Industrieprodukt konsumiert.


Mit Fructose lässt sich Geld machen

Der Vorteil für die Lebensmittelindustrie, mit künstlich hergestelltem Fruchtzucker Waren zu produzieren, liegt darin:

  • Fructose ist spottbillig in der Herstellung,
  • Fructose verfügt über eine 20 Prozent höhere Süßkraft als herkömmlicher Kristallzucker und
  • Fructose lässt sich in Form von Sirup unproblematisch in Riesenmengen in Tanklastzügen transportieren.
  • Fructose bindet und speichert Feuchtigkeit in Lebensmitteln, was den Geschmack verbessern kann

Bei so viel logistischer wie auch kostengünstiger Konstellation ist es nicht verwunderlich, dass die Fructose zum Süßungsmittel Nr. 1 weltweit aufstieg. Kaum ein Supermarktprodukt, in dem nicht Fructose zu finden ist. Marmelade, Schoko-Riegel, Limonade, Gummibärchen, Joghurt, Kaubonbons, Grütze, Pudding, Pasta-Soße, Tütensuppe, Fruchtsaft − die Liste Fructose-haltiger Lebensmittel ließe sich endlos fortführen.

Auf der Verpackung findet sich unter Zutaten oft nur der Hinweis auf Sirup. In der Regel ist damit industriell verarbeiteter Maissirup gemeint. Mais eignet sich, wie zuallererst die amerikanischen Ernährungsforscher entdeckten, besonders gut als Süßungsmittel. Der im Maissirup enthaltene Glucose-Gehalt kann mit Hilfe von Enzymen reduziert und gleichzeitig der Fructosegehalt auf bis zu 90 Prozent erhöht werden. So entsteht der sogenannte HFCS (High Fructose Corn Syrup = fructosereicher Maissirup). Mehr als 90 Prozent der Erfrischungsgetränke auf dem US-Markt werden mit HFCS gesüßt.


Fructosegehalt von US-Softdrinks

Zuckerprofil von US-Drinks

Quelle: NutritionJML.com

 

Bei uns in Europa wird Glucose-Fruktose-Sirup auch als Isoglucose bezeichnet. Die Verwendung solcher Sirupe ist in der EU-Zuckermarktverordnung auf fünf Prozent des Zuckerverbrauchs beschränkt. Bereits 2017 endet die EU-Zuckermarktverordnung und es ist auch hierzulande mit einem enormen Marktzuwachs für Isoglucose zu rechnen.

 

Fructose in der Nahrung − was bedeutet das für den Stoffwechsel?

Ein gesundheitliches Problem bei der Verwendung von HFCS entsteht dadurch, dass der Zucker nun nicht mehr hauptsächlich aus Glucose (Traubenzucker), sondern aus Fructose besteht. Um die Fructose überhaupt verwerten zu können, muss der menschliche Körper sie zunächst in Glucose umwandeln. Kohlenhydrate, die in Form von Zucker eingenommen werden, gelangen über den Magen in den Dünndarm. Dort werden sie in Traubenzucker aufgespalten.

 

Anschließend gelangt dieser Zucker über die Darmwand ins Blut. Nun kommt das Hormon Insulin ins Spiel, das in unserer Bauchspeicheldrüse gebildet wird. Die Aufgabe des Insulins besteht darin, den mit der Nahrung aufgenommenen Zucker aus dem Blut zu entfernen und ihn an sämtliche Körperzellen und Organe weiterzuleiten, die daraus dann ihre Energie gewinnen.

Fruchtzucker trickst unser Hungergefühl aus

Der menschliche Körper ist jedoch nicht dafür gebaut, große Mengen an Fructose zu verstoffwechseln. Auch wenn Fruchtzucker am leichtesten zu verdauen ist, so zählt er doch zu den Kohlenhydraten, die am langsamsten ihre Energie freisetzen. Das hat einmal zur Folge, dass wir das richtige Gespür für unser Hungergefühl verlernen und dadurch ständig zu viele Kalorien aufnehmen, was auf lange Sicht zu Übergewicht führt. Dieser heimtückische Prozess wird auf der anderen Seite dadurch geschürt, dass Fructose in großen Mengen die Fettsynthese fördert. Anders ausgedrückt: Fett setzt sich leichter am Gewebe fest. Denn das Kohlenhydrat Fructose wird vom Körper wesentlich schneller in Fett umgewandelt als Glucose.


Neue Daten von der Yale University School of Medicine im amerikanischen New Haven zeigen zudem, dass die Wirkung von Fructose auf unser Gehirn in einem engen Zusammenhang mit Gewichtszunahme steht. Die Wissenschaftler um Studienleiterin Kathleen Page untersuchten 20 gesunde, normalgewichtige Erwachsene mit Hilfe eines Kernspintomographen. Bei Sitzungen, die mehrere Wochen auseinanderlagen, bekamen die Probanden zunächst ein Getränk verabreicht, das entweder mit 75 Gramm Glucose oder mit 75 Gramm Fructose gesüßt war. Anschließend untersuchten die Mediziner die Auswirkungen der unterschiedlichen Zucker auf den regionalen Blutfluss im Hypothalamus, wo sich das Hungerzentrum des menschlichen Gehirns befindet.

 

Da unser Appetit sozusagen im Hypothalamus entsteht, erlaubt es eine dort erfasste Veränderung des Blutflusses den Wissenschaftlern, Rückschlüsse auf die sättigenden Eigenschaften des verabreichten Getränks zu ziehen. Das Ergebnis: Das menschliche Gehirn scheint auf Fructose ganz anders zu reagieren als auf Glucose. Vereinfacht gesagt: Wenn ein bestimmter Glucosespiegel im Blut erreicht ist, schaltet das Gehirn die weitere Glucoseaufnahme unserer Körperzellen ab. Doch beim Verzehr von Fructose tritt dieser Effekt nicht auf. Der Körper verlangt nach immer mehr Fructose, ein Sättigungsgefühl setzt erst viel später ein und das Verlangen nach Süßem steigt.


Auch im Vergleich mit gewöhnlichem Haushaltszucker schneidet die Fructose in Sachen Diätbilanz schlecht ab. Dies zeigten unter anderem Studien mit Mäusen an der amerikanischen University of Cincinnati bereits im Jahr 2005. Die Versuchstiere, die mit Fruktosewasser gefüttert wurden, nahmen innerhalb weniger Wochen wesentlich stärker zu als die Vergleichsgruppe, die mit normalem Haushaltszucker gesüßte Limonaden vorgesetzt bekam.

183.000 Todesfälle jährlich

Die American Heart Association geht in einer im Jahr 2013 veröffentlichten Studie davon aus, dass mit Fructose gesüßte Getränke jährlich für etwa 183.000 Todesfälle weltweit verantwortlich sind. Die Herzforscher schlüsseln ihre erschütternde Bilanz auf in 133.000 Todesfälle durch Diabetes, 44.000 Todesfälle durch Herzerkrankungen und 6.000 Todesfälle durch Krebserkrankungen − allesamt zurückzuführen auf überzuckerte Limonaden.

 

Erstaunlicherweise leben 78 Prozent der Limonaden-Opfer nicht in reichen Industrieländern, sondern in Ländern mit geringem Durchschnittseinkommen. Am meisten Todesfälle durch Zucker gab es in Mexiko, einem Land, in dem der jährliche Pro-Kopf-Zuckerverbrauch deutlich erhöht ist.

 

Von einer Million mexikanischer Bürger sterben laut US-Studie 318 Menschen an Krankheiten, die in einem direkten Zusammenhang mit einem zu hohen Zuckerkonsum stehen.


»Allerdings haben wir in unserer Studie nur Erwachsene berücksichtigt, da der Fokus auf Todesfällen durch chronische Krankheiten lag. Zukünftige Untersuchungen sollen zeigen, wie viel Zucker weltweit durch Getränke von Kindern konsumiert wird, um dann zu bemessen, inwieweit dies ihren gegenwärtigen oder zukünftigen Gesundheitszustand beeinflusst«, sagt Studien Co-Autorin Gitanjali Singh von der amerikanischen Harvard School of Public Health.


Auch die Deutschen scheinen auf dem besten Weg zu amerikanischen Verhältnissen zu sein. 67 Prozent der Männer und 53 Prozent der Frauen haben Übergewicht, wie das Robert-Koch-Institut in Berlin warnt. Das Deutsche-Diabetes-Zentrum (DDZ) hat berechnet, dass die Zahl der Diabetiker zwischen 55 und 74 Jahren weit stärker steigt als befürchtet. Bis zum Jahr 2030 wird sich die Zahl der Diabeteskranken in dieser Altersgruppe von 4,5 auf 6 Millionen erhöhen. Schon jetzt geben deutsche Krankenkassen jedes Jahr etwa 25 Milliarden Euro aus, um den Zuckerkranken Hilfe zu leisten. Einhergehend mit dem Anstieg des Zuckerkonsums stieg auch der Anteil der Diabetiker in Deutschland insgesamt. Waren es 1960 noch 0,6 Prozent der Bevölkerung, Ende der 80er Jahre über vier Prozent, so sind es heute zwölf Prozent der 20- bis 79-Jährigen, die an Diabetes leiden.

Fructose nährt Krebszellen


»Es gibt immer mehr wissenschaftliche Beweise dafür, dass Fructose etliche chronische Krankheiten auslösen kann«, sagt Zucker-Experte Robert Lustig von der University of California. Dass Fructose Gift für unseren Körper sein kann, darauf deutet in der Tat eine ganze Reihe an medizinischen Studien hin. So fanden Forscher der US-Universität von Michigan heraus, dass Fruchtzucker bei Männern das Herz- und Schlaganfallrisiko erhöhen kann, da es den Cholesterinspiegel im Blut steigen lässt. Im letzten Jahrzehnt mehrten sich auch die Hinweise darauf, dass es einen Zusammenhang zwischen Übergewicht und der Entstehung von bestimmten Krebsarten gibt. Der US-Krebsforscher Lewis Cantley von der Harvard Medical School in Boston:

»Wir haben Hinweise darauf, dass Insulin dabei eine Schlüsselrolle spielt.«

Im Jahr 2010 ließen Wissenschaftler der Universität von Kalifornien in Los Angeles aufhorchen. Eine in der Fachzeitschrift Cancer Research veröffentlichte Studie zeigte, dass sich Krebszellen mit Hilfe von Fructose blitzschnell vermehren können. Studienleiter Dr. Anthony Heaney vom Jonsson Cancer Center und sein Team nährten im Labor Bauchspeicheldrüsen-Krebszellen einmal mit Glucose und das andere Mal mit Fructose. In beiden Fällen wurde der Zucker von den Krebszellen aufgenommen. Doch nur beim Versuch mit Fructose geschah eine fast lawinenartige Ausbreitung des Krebses.


Deshalb mein ganz dringender Rat an Krebspatienten: Verzichten Sie am besten vollständig auf Fruchtzucker. Wenn Sie unbedingt süßen wollen, dann mit gesunden Alternativen wie beispielsweise Xylit, mit dem ich mich im nächsten Karstädt-Protokoll eingehender befassen werde.

Die großen Gefahren für Kinder

Ein besonders lohnenswertes Ziel für die Fructose verarbeitende Lebensmittelindustrie scheinen die Kinder zu sein. Mehr als die Hälfte aller industriell hergestellten Lebensmittel enthalten den gefährlichen Fruchtzucker. Dazu gehört natürlich auch Nahrung für Babys und Kleinkinder. »Ohne Zuckerzusatz« steht oft auf solchen Produkten. Die Versündigung an unseren Kleinsten beginnt bereits, wenn sie erst wenige Monate alt sind. Mit Fructose-haltiger Babynahrung werden die Geschmackszellen schon sehr früh auf süß eingestellt. In nur einer Tasse Instant-Tee für Kinder ab zwölf Monaten eines bekannten deutschen Babynahrungsherstellers stecken beispielsweise zweieinhalb Würfelzucker. Der Saft in den Babyfläschchen macht sogar süchtig, wie gleich mehrere Studien nahelegen.


So hat das amerikanische College of Neuropsychopharmacology, das zur Elite-Universität Princeton gehört, herausgefunden, dass Zucker ähnliche Glücksgefühle im Gehirn auslöst wie Kokain oder Morphium. Professor Bart Hoebel stellte dies bei Versuchen mit Ratten fest. Wurden sie über einen längeren Zeitraum hinweg mit Zucker gefüttert und mussten dann plötzlich auf den süßen Stoff verzichten, waren drogentypische Entzugserscheinungen bei den Versuchstieren zu beobachten. Die Nager zeigten Angststörungen und ihre Gier auf Zucker steigerte sich ins Grenzenlose. Bekamen die Tiere nach dieser Entzugsperiode wieder Zucker mit der Nahrung verabreicht, dann fraßen sie weit mehr davon als vor der Zucker-Pause. Diese durch den Entzug gesteigerte Gier bezeichnen Drogenexperten als »Craving«.

 

Es ist ein typisches Kennzeichen einer Sucht, das beispielsweise auch bei Kokain- oder Heroinkonsum auftritt. Und genau wie diese harten Drogen sorgt der Zucker im Gehirn für ähnliche neurochemische Veränderungen. »Zucker löst im Lustzentrum unseres Gehirns die Ausschüttung von Dopamin (Glückshormon) und Opioiden (körpereigene Drogen) aus«, sagt Studienleiter Prof. Bart Hoebel. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass ein übermäßiger Zuckerkonsum die Wahrscheinlichkeit dafür erhöhen kann, auch an anderen Süchten zu erkranken.

 

Kekse können süchtig machen


Zu einem ähnlichen Ergebnis kamen US-Forscher am Connecticut College. Sie stellten sich die Frage, die sich jeder von uns schon mal gestellt hat: Warum kann man bei manchen Knabbereien nicht mehr aufhören zu essen, wenn man einmal damit angefangen hat? Um das herauszufinden, fütterte das Team um Professor Joseph Schroeder Laborratten mit den auch in Deutschland beliebten »Oreo«-Keksen. Es wurde getestet, wie lange die Versuchstiere jeweils in einem Labyrinth verweilten, das am Ausgang entweder einen »Oreo«-Keks oder eine ungezuckerte Reiswaffel als Leckerli anbot. Ergebnis: Die Ratten verbrachten deutlich mehr Zeit in dem Labyrinth mit dem »Oreo«-Keks. Bei einem Labyrinthversuch mit harten Drogen wie Kokain hatten die Versuchstiere ein ähnliches Verhalten gezeigt.

 

Auch der Neuronenausstoß im Nucleus accumbens, dem Lustzentrum des Gehirns, war identisch. »Unsere Forschung unterstützt die Theorie, dass fettreiche, stark gezuckerte Lebensmittel das Gehirn in derselben Weise stimulieren wie Drogen«, sagt Studienleiter Schroeder. Die Forscher glauben, damit vielleicht die Erklärung gefunden zu haben, warum einige Leute nicht dem Zwang widerstehen können, diese Nahrungsmittel zu essen, obwohl sie wissen, dass sie schlecht für ihre Gesundheit sind.

 

Die medizinische Forschung hat neben der Suchtgefahr aber auch noch andere schlimme gesundheitliche Folgen für Kinder feststellen können. Schon lange hatte man einen Zusammenhang zwischen stark zuckerhaltiger Ernährung und dem Auftreten von Hyperaktivität vermutet. Der renommierte US-Kinderarzt Dr. Lendon Smith fand heraus, dass Schulkinder, die in den Pausen viel Zuckerhaltiges konsumierten, in der Folge des Tages Lern- und Konzentrationsschwierigkeiten bekamen.

 

Zucker macht dumm

Noch drastischer fällt das Ergebnis einer Studie aus, die im Jahr 2012 an der University of California in Los Angeles erstellt wurde: Zuviel Zucker macht nicht nur dick und krank, sondern auch dumm und vergesslich. Wieder waren es Ratten, die den Medizinern zu dieser Erkenntnis verhalfen. Sie hatten die Versuchstiere in zwei Gruppen aufgeteilt: Die einen bekamen sechs Wochen lang eine Fruchtzuckerlösung zum Trinken, die anderen normales Wasser, aber zusätzlich gesunde Omega-3-Fettsäuren. Danach wurden die Tiere in einen ihnen vertrauten Hindernisparcours geschickt. Die Omega-3-Testgruppe bewältigte die Strecke wesentlich schneller als die mit Fruchtzucker gefütterten Ratten. Durch den Fruchtzucker bedingt, konnten sich die Nager nicht mehr richtig an den zuvor auswendig gelernten Weg erinnern.

 

»Unsere Ergebnisse verdeutlichen, wie das, was wir essen, unsere Denkfähigkeit beeinflusst«, sagt Biologie-Professor Fernando Gomez-Pinilla. Die Erkenntnis, die wir daraus ziehen sollten, ist, dass Fruchtzuckerkonsum über längere Zeit unsere Konzentrationsfähigkeit stark reduziert und das Erinnerungsvermögen beeinträchtigt.

Schon geringe Mengen an Fructose sind schädlich

Aufhorchen lassen auch brandneue Studien von der amerikanischen Universität Utah. Das Team um Forscher James Ruff fütterte Test-Mäuse 32 Wochen lang mit einem Mix aus raffiniertem Zucker. Die Versuchstiere waren keine gewöhnlichen Labormäuse, sondern spezielle Hausmäuse eines Wildtyps, deren Erbgut weniger durch Inzucht verändert ist. Sie erhielten 25 Prozent ihrer täglichen Kalorienaufnahme in Form von Fructose und Glucose.

 

Das erschreckende Ergebnis: Nach 32 Wochen waren 35 Prozent der Weibchen gestorben. Bei der Kontrollgruppe, die normales Futter erhielt, lag die Sterblichkeitsrate bei lediglich 17 Prozent, also gerade mal der Hälfte. Die mit dem Fructose-Glucose-Gemisch gefütterten Männchen zeigten zwar keine erhöhte Sterblichkeit, büßten jedoch an Fruchtbarkeit ein. Die Zahl der Nachkommen war bei diesen Tieren um gut 25 Prozent reduziert.


Besorgniserregend ist die US-Studie aber noch aus einem anderen Grund. Die den Testmäusen verabreichte Ernährung entspricht nämlich im Verhältnis exakt der eines Durchschnittsbürgers, der sich normal gesund ernährt und zusätzlich etwa drei Gläser Limonade trinkt. »Rund ein Viertel der US-Amerikaner konsumiert diese Dosis Zucker täglich«, merken die Forscher in ihrer Studie an.


»Unsere Ergebnisse zeigen, dass Zucker selbst in den Mengen einen schädlichen Effekt hat, die wir Menschen normalerweise zu uns nehmen und die bislang als sicher und harmlos galten«, sagt Studienleiter James Ruff. Sein Kollege Wayne Potts war von der giftigen Wirkung des Industriezuckers selbst überrascht: »Ich habe mittlerweile den Anteil von raffiniertem Zucker bei meiner Ernährung reduziert und auch meine Familie davon überzeugt, dies ebenso zu tun«.


Wie viel Fructose ist gut?

In diesem Zusammenhang finde ich es wichtig zu erwähnen, dass auch von Fruchtsäften Gefahr ausgeht − selbst von frisch gepressten. Viele Menschen unterliegen dem Irrglauben, dass Fruchtsaft gesund ist, obwohl er so süß schmeckt. Doch die darin reichlich enthaltene Fructose führt natürlich genau so zu starker Gewichtszunahme, Fettleibigkeit, Leberschäden, Bluthochdruck und Diabetes Typ 2. Schon ein Glas Orangensaft pumpt etwa 25 Gramm Fructose in den Körper. Das ist bereits mehr als man am ganzen Tag zu sich nehmen sollte.


Schauen wir uns doch mal die Amerikaner an, die vor 50 Jahren noch schlank und rank waren. Der Anstieg ihres durchschnittlichen Fructosekonsums ist erschreckend: Vor 100 Jahren bemaß sich der tägliche Fructose-Verzehr gerade mal auf 15 Gramm. Das war hauptsächlich dem Verzehr von Obst geschuldet. Heute nimmt ein Viertel der Amerikaner mehr als 135 Gramm Fructose täglich zu sich − aber eben nicht mehr aus Früchten, sondern hauptsächlich in Form von Limonaden und anderen gesüßten Getränken.


Natürlich muss man nicht ganz auf das Kohlenhydrat Fructose verzichten. Meine dringende Empfehlung aber lautet, den Tagesgesamtverbrauch auf maximal 25 Gramm Fructose zu beschränken. Es wäre also klug, das zuvor erwähnte Glas Orangensaft mit seinen 25 Gramm Fructose nur halb zu füllen, denn Sie können darauf schwören, dass Sie im Laufe eines Ernährungstages irgendwo versteckte Fructose zu sich nehmen, zum Beispiel beim Mittagessen in der Kantine oder durch Fertiggetränke aus dem Automaten.

 

 

 

Lesen Sie im nächsten Karstädt-Protokoll:


Künstlicher Süßstoff – wie gefährlich er wirklich ist.

 

Was ist von als gesund angepriesenen Alternativen wie Stevia oder Xylit zu halten? Muss die Politik eingreifen, um die Profitgier der Lebensmittelindustrie auf Kosten der Volksgesundheit zu stoppen? Spannende, neue Antworten.

 

 

 

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Leser-Kommentare (5) zu diesem Artikel

29.09.2014 | 14:16

Shamael

Wenn man das Ganze so oder so betrachtet ist das einzige was dem Körper real geshen schadet und ihn zerstört, einfach nur "Nahrung". Ich bin immer der Meinung dass man alles mit Mass geniessen soll. Eine Flasche Bier pro Tag hat noch keinen getötet, ein Kasten pro Tag ist da was anders. Ich selbst nähre mich seit mehr als 40 Jahren naturbewusst, trink ab und zu einen Saft, auch mal eine Cola, esse zweimal im Jahr bei McDo, trink leidenschaftlich für den Durst nur...

Wenn man das Ganze so oder so betrachtet ist das einzige was dem Körper real geshen schadet und ihn zerstört, einfach nur "Nahrung". Ich bin immer der Meinung dass man alles mit Mass geniessen soll. Eine Flasche Bier pro Tag hat noch keinen getötet, ein Kasten pro Tag ist da was anders. Ich selbst nähre mich seit mehr als 40 Jahren naturbewusst, trink ab und zu einen Saft, auch mal eine Cola, esse zweimal im Jahr bei McDo, trink leidenschaftlich für den Durst nur Wasser. Dies mag mich nicht daran hindern mal ein Gless Wein oder ein Bier zu geniessen. Zucker hab ich nie gemocht, habe nie Heisshunger auf süsse Speisen und Getränke gehabt, kann aber an einem Speiseeisladen nicht vorbei gehen ohne mir zwei Kugeln zu genehmigen. Wer Industriefutter meidet, Unfug wie Chips, Dosenfleisch, Fertiggerichte, und ab und zu vom normalen Weg abweicht, daneben genug Bewegung hat, dürfte wohl kaum grosse Probleme erleiden. Ich meide z.B. alles was mit Mais gemacht ist wegen den GMO crops die hier gebraucht werden. Cornsyrup ist heute fact in Allem, man daf also bald Nichts mehr essen. Dies alles erklärt dann doch wieder nicht warum gerade Jene welche all dies beachten an Krebs erkranken, dass Nichtraucher an Lungenkrebs sterben oder Nichttrinker and Sirose eingehen. Es gibt diesbezüglich nur Annahmen, und natürlich Gewohnheiten von welchen wir wissen dass sie es gezielt provozieren. Ich sehe zum Beispiel dass in den Getränken Gatorade aufgelistet ist. Sicher enthält es Succrose, dies ist auch auf der Flasche vermerkt, nur, sind solche Getränke gedacht den Körper wieder aufzuladen mit Mineralsalzen und etwas Zucker nach Intensivsport. Diese Getränke sind nicht als Durstlöscher gedacht für Normalgebrauch, sondern reine Sportgetränke. Ich bin bei bester Gesundheit, wenn ich jedoch zähme was ich an Zucker in Mineralgetränken in 40 Jahren Powerlifting hinuntergschüttet haben, sind Ihre Ratten kleine Hungerleider dagegen. Dabei curle ich meine Bizepse heute noch problemlos mit 22 kg in jeder Pranke, trotz meinen 64 Jahren. Es ist eigentlich richtig den Leuten gerade jetzt mit Zucker Angst einzutreiben, dies wird dann sicher den Konsum von Haxen und Bier auf den Wiesen steigern, hahahaha.


28.09.2014 | 12:25

Silke

Pressemitteilung der Charité – Universitätsmedizin Berlin Neuartiger Therapieansatz gegen Krebs entdeckt: Zucker-Entzug lässt Tumorzellen absterben ____ http://www.charite.de/charite/presse/pressemitteilungen/artikel/detail/neuartiger_therapieansatz_gegen_krebs_entdeckt/


28.09.2014 | 09:13

Trollshadow

Ich weiss schon, warum ich mit meiner Familie in ein Land mit durch die Verfassung geschützten Home Schooling gegangen bin.


28.09.2014 | 08:42

Der Kommentar

weiter unten ist im falschen Artikel gelandet. Gehört zu "Steve Jobs verbot seinen Kindern das iPad"


28.09.2014 | 08:21

Der Kommentar

Wenn ich mir die Startseite von YouTube ansehe, dann ist schon klar, warum.

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