Monday, 30. May 2016
19.10.2015
 
 

Uraltes Mittel mit Zwiebeln und Knoblauch heilt Infektionen durch medikamentenresistente Superkeime

Amy Goodrich

Ein jahrtausendealtes Mittel zur Behandlung einer Augeninfektion, das in einem altenglischen Manuskript in der British Library gefunden wurde, versetzt die wissenschaftliche Welt in Erstaunen. Wie Forscher der Universität Nottingham ermittelten, ist es äußerst wirksam gegen den Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus, auch bekannt als MRSA.

 

Die Bekämpfung von MRSA und anderen antibiotikaresistenten Bakterien zählt zu den größten Herausforderungen der heutigen Krankenhäuser. Infolge des zu häufigen Einsatzes von Antibiotika haben einige Bakterienstämme eine Resistenz entwickelt. Dadurch ist eine ganze Armee von Superkeimen entstanden, die nur schwer zu behandeln sind und jedes Jahr mindestens 23 000 Menschenleben fordern.

 

Dr. Christina Lee von der Universität Nottingham hat diese »Augensalbe« in Bald’s Leechbook, einer Sammlung alter Rezepte gegen vielfältige Leiden, entdeckt und übersetzt.

 

»Nimm gleiche Mengen an Lauch und Knoblauch, zerstampfe sie gut, nimm gleiche Mengen an Wein und Ochsengalle, mische sie mit dem Lauch, gib alles in einen Kessel aus Messing, lasse die Mixtur neun Tage lang ruhen, drücke sie anschließend durch ein Tuch, kläre sie gut und gib sie in ein Horn; zur Nachtzeit gib sie mit einer Feder auf das Auge, das beste Mittel zur Behandlung eines Gerstenkorns«, übersetzt aus Bald’s Leechbook.

 

Nur in Zusammenarbeit mit ihrer Kollegin Dr. Freye Harrison und deren Team aus der Abteilung Mikrobiologie konnte Lee die uralte Salbe wieder kreieren.

 

Sie versuchten, das Mittel so getreu wie möglich nach dem Originalrezept herzustellen. Das war nicht einfach, weil sich unsere heutigen Feldfrüchte von ihren Vorläufern im 10. Jahrhundert vielfach unterscheiden.

 

Die Augensalbe wurde an einer großen MRSA-Kultur getestet, mit überraschendem Ergebnis. »Es war nicht abzusehen«, sagte die Mikrobiologin und Projektleiterin Harrison. »Wir erwarteten nur eine geringe antibiotische Wirkung von Bald’s Augensalbe. … Wir waren höchst erstaunt über die Wirksamkeit der kombinierten Inhaltsstoffe.«

 

Die besondere Kombination von Bald’s Augensalbe tötete bis zu 90 Prozent der MRSA. Zur Untermauerung ihrer Ergebnisse testete die Texas Tech University die Salbe an MRSA-Hautläsionen bei Mäusen – mit demselben Ergebnis.

 

Die Salbe ist möglicherweise wirksamer als jedes heute verfügbare Antibiotikum.

 

»Wir ließen unsere künstlichen ›Infektionen‹ zu dichten, reifen Populationen, sogenannten ›Biofilmen‹, heranreifen, bei denen sich die einzelnen Zellen zu einer klebrigen Schicht verklumpen, sodass Antibiotika nur schwer herankommen«, sagte Harrison in einer Stellungnahme. »Aber anders als moderne Antibiotika kann Baldʼs Augensalbe diese Schutzwälle durchbrechen.«

 

Die neue Studie zeigt uns, dass wir aus der Vergangenheit Wichtiges lernen können. Es ist im Übrigen nicht das erste Mal, dass Forscher die Lösung in der Natur statt im Labor finden. Es mag viele zweifelhafte mittelalterliche Verfahren und Mittel geben, aber diese alten Bücher bergen auch große Weisheit. Eine wirksame Substanz ist auch das Artemisinin zur Malaria-Behandlung, das über einen uralten chinesischen medizinischen Text auf uns gekommen ist.

 

»Dieses wahrhaft interdisziplinäre Projekt geht Probleme der modernen Heilkunde auf neue Weise an, indem untersucht wird, ob mittelalterliche Heilmittel Inhaltsstoffe enthalten, die Bakterien töten oder sie daran hindern, Infektionen auszulösen«, sagte Dr. Harrison abschließend.

 

Vorgesellt wird das Forschungsprojekt bei der Konferenz der Gesellschaft für Mikrobiologie im britischen Birmingham; außerdem werden die Ergebnisse bei der Zeitschrift Nature eingereicht.

 

 

 

 

Quellen für diesen Beitrag waren u.a.:

 

bbc.com

gizmodo.com

usatoday.com

newscientist.com

cdc.gov

sciencealert.com

nottingham.ac.uk

 

 

 

 

 

 

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Leser-Kommentare (7) zu diesem Artikel

21.10.2015 | 18:53

minki

statt wein und galle werd ichs mal mit dieser türkischen limonade probieren. denke man brauch nur ne saure flüssigkeit als medium um eine salbenähnliche konsistenz zu bekommen.


19.10.2015 | 21:22

Henning Papendorf

Versucht es mal mit dem gerade durch den Medizinnobelpreis geadelten Artemisia annua, ein fantastisches Naturheilmittel, das sich jeder im Garten selbst anbauen kann. Wirkt gegen fast alle pathogenen Keime und Viren. http://ganzheit-natur-gesundheit.blogspot.de/p/bakterielle-infektionen.html (keine kommerziellen Interessen meinerseits!) Oral einnehmen oder sich selbst eine Tinktur oder Salbe daraus machen. Als ehemaliger Chemiker werde ich mal mit der diesjährigen Ernte meines...

Versucht es mal mit dem gerade durch den Medizinnobelpreis geadelten Artemisia annua, ein fantastisches Naturheilmittel, das sich jeder im Garten selbst anbauen kann. Wirkt gegen fast alle pathogenen Keime und Viren. http://ganzheit-natur-gesundheit.blogspot.de/p/bakterielle-infektionen.html (keine kommerziellen Interessen meinerseits!) Oral einnehmen oder sich selbst eine Tinktur oder Salbe daraus machen. Als ehemaliger Chemiker werde ich mal mit der diesjährigen Ernte meines Artemisiakrautes experimentieren.


19.10.2015 | 20:07

Gähn

@Kritiker, was soll ich sagen, wo Sie recht haben, haben Sie recht. Schande über mich! Na ja ich war ziemlich frustriert wo ich das geschrieben habe. Aber wie gesagt. Ich gebe an allen Punkten Ihnen recht. :-) ja aber trotzdem. Wo bekomme ich die Galle und das Horn den her. Und überhaupt, warum diese grauenvolle Zutaten?? Viele Tiere werden für Ihre vermeintlich wertvollen Teile fast ausgerottet. Ich ertrage lieber den Gerstenkorn bis es weg ist.


19.10.2015 | 18:14

Hans-joachim

Diese Kombination (aufgeschnittene Knobi Zehe und Zwiebel), über Nacht zu inhalieren ist ebenfalls zu empfehlen. Meine Empfehlung für die innere Anwendung ist zusätzlich Ingwer, Zitrone und viel Honig mit Propolis als Tee aufbereitet, hilft zusätzlich das Imunsystem zu stärken, auch wenn man nicht krank ist. Was aber viele vergessen ist ihr Umfeld, dazu gehört vor allem die Bettwäsche, Bezüge und Matratze sowie Schlafanzüge, bei starken Infektionen wöchentlich zu reinigen und...

Diese Kombination (aufgeschnittene Knobi Zehe und Zwiebel), über Nacht zu inhalieren ist ebenfalls zu empfehlen. Meine Empfehlung für die innere Anwendung ist zusätzlich Ingwer, Zitrone und viel Honig mit Propolis als Tee aufbereitet, hilft zusätzlich das Imunsystem zu stärken, auch wenn man nicht krank ist. Was aber viele vergessen ist ihr Umfeld, dazu gehört vor allem die Bettwäsche, Bezüge und Matratze sowie Schlafanzüge, bei starken Infektionen wöchentlich zu reinigen und zwar so, das die Viren, Bakterien und Keime mit Reinigungs / Waschmittel virostatisch abgetötet werden. Das heißt den Weichspüler weglassen und stattdessen Apfel-Essig verwenden, Wäsche so heiß wie möglich (mind. 60°C) waschen und ein Bleichmittel zusätzlich zum Waschmittel (H2O2 / Wasserstoffperoxyd) aber keine Chlorbleiche verwenden da Chlor nicht unbedinngt virostatisch ist. Gerade der Kopfbereich ist der anfälligste Bereich unseres Körpers. Ein bewährtes Hausmittel meiner Mutter und natürlich auch von mir ist, auf dem Nachttisch ein kleines Schapsglas mit ein wenig Apfelessig darin, bewirkt nicht nur für die Atemwege kleine Wunder.


19.10.2015 | 11:01

fhr

Was wirklich hilft: Vor 2 Wochen habe ich meinen Nachbarn getroffen. Er hatte eine fürchterliche Augenentzündung, die er sich bei einer Augenoperation zugezogen hat. Die medizinische Behandlung zeigte keinen Erfolg. Ich gab ihm eine Flasche kolloidales Silber und sagte ihm er solle damit seine Augen ca. dreimal am Tag behandeln. Nach einer Woche war die Entzündung verschwunden.


19.10.2015 | 10:59

Kritiker

@ Gähn Du bist das beste Beispiel für diese dekadente, verweichlichte Gesellschaft, keine Selbstverantwortung übernehmen, liebe andere machen lassen (Pharma). Du kannst vielleicht keine Tiere töten, aber das zur Herstellung von Pharma-Medikamenten, die alle auf Erdölbasis hergestellt werden, die Umwelt verpestet und vergiftet wird, von der Erdölförderung bis zum fertigen Medikament, das scheint dir wohl entgangen zu sein. Und das du deinen Körper mit Chemie vollstopfst, die...

@ Gähn Du bist das beste Beispiel für diese dekadente, verweichlichte Gesellschaft, keine Selbstverantwortung übernehmen, liebe andere machen lassen (Pharma). Du kannst vielleicht keine Tiere töten, aber das zur Herstellung von Pharma-Medikamenten, die alle auf Erdölbasis hergestellt werden, die Umwelt verpestet und vergiftet wird, von der Erdölförderung bis zum fertigen Medikament, das scheint dir wohl entgangen zu sein. Und das du deinen Körper mit Chemie vollstopfst, die voller schädlicher Nebenwirkungen ist, ist dir scheinbar auch egal. Machst hier einen auf Tierliebhaber, aber die Umwelt scheint dir egal zu sein. Bin Chemielaborant in der Pharma und weiß wovon ich rede. Gähn...schlaf weiter, du Schaf.

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