Saturday, 2. July 2016
30.12.2015
 
 

Ayahuasca: Ein natürliches Heilmittel gegen Alkoholismus und Depression

Andreas von Rétyi

Die im südamerikanischen Dschungel beheimatete »Liane der Geister« liefert ein psychoaktives Getränk, das bei schamanischen Ritualen häufig eine zentrale Rolle spielt. Auch wird ihm schon lange eine besondere Heilkraft zugeschrieben. Der Gebrauch von Ayahuasca ist in den meisten europäischen Ländern illegal. In den USA darf die Pflanze seit 2006 für rituelle Zwecke verwendet werden. Doch auch die westliche Welt entdeckt zögerlich die bemerkenswerten therapeutischen Eigenschaften des ungewöhnlichen Gewächses. Aktuelle wissenschaftliche Studien zeigen, dass Ayahuasca unter anderem bei Alkoholismus und Depression sehr effektiv wirkt.

 

 

An Ayahuasca scheiden sich die Geister, dies beinahe schon buchstäblich. Ein Gebräu aus diesem Dschungelgewächs verändert die Wahrnehmung, kann echte »Horrortrips« nach sich ziehen und in Kombination mit verschiedenen Drogen und Medikamenten sogar lebensbedrohlich werden, so einschlägige Warnungen.

 

Andererseits kann Ayahuasca auch therapeutisch wahre Wunder wirken. Wenn es um die wissenschaftliche Untersuchung von Ayahuasca geht, gilt Brasilien als führend. Wiederholt forderte Eduardo E. Schenberg von der Federal University of São Paulo, die Pflanze verdiene längst eine erhöhte Aufmerksamkeit durch die Forschung. Gerade die in Ayahuasca enthaltenen Harman-Alkaloide seien nicht nur für die psychoaktive Wirkung verantwortlich, sondern auch für therapeutische Effekte, so durch die Aktivierung der halluzinogenen Substanz Dimethyltryptamin (DMT).

 

Hier zeichnet sich laut Schenberg eine wachstumshemmende Wirkung bei bösartigen Tumoren ab. Aktuelle Studien bestätigen zunehmend andere beobachtete Heilwirkungen.

 

Ayahuasca entpuppt sich dabei als natürliches Mittel gegen Alkoholismus und Depressionen. Hier häufen sich die Berichte bis hin zur persönlichen Schilderung des Wissenschaftlers Robert Rhatigan von der Universität New Mexico (USA), der bei einer TEDx-Veranstaltung über seine unglaublichen Erfahrungen berichtete. Zehn Jahre lang hatte Rhatigan sich vergebens darum bemüht, vom Alkohol loszukommen. Keine Behandlung wollte greifen. Im Jahr 2010 dann begab er sich auf eine Reise zum Amazonas, wo er an insgesamt vier Ritualen teilnahm, die von einem Schamanen durchgeführt wurden.

 

Während seiner TEDx-Präsentation schilderte er, wie sich sein Bewusstsein unter dem Einfluss von Ayahuasca veränderte. Dabei »sah« er die »verschiedenen Bestandteile seines Geistes im Raum schweben, so als seien sie Stücke eines Puzzles«. Sein Zustand dauerte rund zwei Stunden an und wurde begleitet von Gesängen und Reinigungssitzungen, ausgeführt von jenem Schamanen. Als die Zeremonie endete, »sah« Rhatigan, wie die einzelnen mentalen Bestandteile wieder in seinen Kopf zurückkehrten. Nur, dass jenes Stück, das mit seiner Alkoholkrankheit in Verbindung stand, nicht mehr passte.

 

Von diesem Moment an war der Forscher sich sicher, geheilt zu sein. Wie auch immer sich der Einfluss erklärte, Ayahuasca führte Rhatigan mental dazu, das schwerwiegende Problem in einer sehr eindringlichen Weise zu visualisieren und die geistige Komponente der Abhängigkeit auszusondern. Die Botschaft war wirklich unmissverständlich. Dem Wissenschaftler war allerdings auch klar: »Meine Transformation ist natürlich weit davon entfernt, in der westlichen Medizin verstanden zu werden.«

 

Natürlich experimentieren dennoch nicht nur Geheimdienste, sondern auch Krankenhäuser und Forschungsinstitute unserer Hemisphäre mit sehr starken psychoaktiven Substanzen bis hin zu LSD. Soweit es aber um Ayahuasca geht, besteht weitgehend Nachholbedarf. Wie gesagt, Brasilien war auf dem Gebiet bislang führend, das bestätigt auch der Psychiater Professor Luis Fernando Tófoli von der Landesuniversität von Campinas, kurz UNICAMP.

 

Tófoli ist der dortige Koordinator des Labors für Interdisziplinäre Studien an Psychoaktiven Drogen. Eine aktuelle Untersuchung brasilianischer Forscher befasst sich mit Einflüssen eines Ayahuasca-Getränks auf zwei Männer und vier Frauen, die mittlere bis starke Symptome von Depressionen aufwiesen. Trotz der sehr geringen Probandenzahl war der Versuch sehr interessant, da die Teilnehmer die Substanz lediglich ein einziges Mal erhielten und dennoch alle positive Veränderungen erfuhren.

 

Sie wurden zu verschiedenen Zeiten achtmal schriftlich befragt, zunächst 40 Minuten nach der Einnahme, zuletzt drei Wochen danach. Auch andere Studien untermauern die Ergebnisse und die deutlich antidepressive Wirkung, ob nun bei lediglich gedrückter Stimmung über Konzentrationsschwäche bis hin zu Suizidabsichten. Die Veränderungen waren bereits wenige Stunden nach Verabreichung von Ayahuasca-Tee deutlich. Physische Nebenwirkungen waren bis auf nur teilweise auftretende Übelkeit und Erbrechen nicht feststellbar, wobei die Mehrheit der an den diversen Studien mitwirkenden Teilnehmer trotz dieser Beeinträchtigung von einer positiven Erfahrung sprach.

 

Die Forscher freuten sich ihrerseits über die schnellen und vielversprechenden Resultate, die auch eine gute Nachricht für all jene seien, die einer zügig wirksamen Behandlung bedürften. Die üblichen Antidepressiva benötigten weitaus länger, und das unter erheblichen Nebenwirkungen wie einer Zunahme an Körpergewicht oder auch sexueller Dysfunktionen, so erklären die beiden an der Studie beteiligten Forscher Flávia de Lima Osório und Rafael Guimarães dos Santos. Sie bestätigen auch, dass Ayahuasca von den Probanden gut vertragen worden sei. Tófoli stellt ergänzend fest, dass die neu auf den Markt gekommenen Antidepressiva nichts anderes bewirkten als die älteren Präparate.

 

Die brasilianischen Forscher erlebten ein unerwartetes Medienecho auf ihre im Fachblatt Nature veröffentlichte Studie. Auch aus dem Ausland kamen zahlreiche Anfragen. Sie begegneten dieser starken Resonanz zurückhaltend und betonten, es handele sich lediglich um eine Pilotstudie. Ein Wirksamkeitsnachweis sei noch nicht erbracht – obwohl die Ergebnisse mehr als erstaunlich ausfallen. Offenbar besteht auch die Sorge vor Angriffen durch »Big Pharma«.

 

Künftige Studien sollen jedenfalls umfassender und aussagekräftiger angelegt werden, mit entsprechenden Kontrollgruppen und eingehenden Untersuchungen, wie sich Ayahuasca auf den Organismus und die Gehirntätigkeit auswirkt.

 

Die »Wunderdroge« sei gewiss nicht für jedermann gleichermaßen geeignet; hinzu kämen ethische Fragen wegen der bewusstseinsverändernden Eigenschaften von Ayahuasca. All die Einflüsse wirklich zu verstehen, davon sei die Welt noch weit entfernt, meinen die Forscher. Doch das Potenzial der »Liane der Geister« liegt schon jetzt klar auf der Hand.

 

 

 

 

 


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