Donnerstag, 8. Dezember 2016
19.09.2015
 
 

Mikrobiologe: Biotech ist wie eine Religion, und sie versagt

Christina Sarich

Niemand trifft 1000 Mal das Tor, aber die Biotech-Industrie hat völlig versagt, so der Mikrobiologe Ignacio Chapela von der Universität Berkeley in Kalifornien. In 40 Jahren habe sie lediglich zwei genmanipulierte Merkmale erzeugt, dabei aber Luft, Wasser und Boden belastet, indem sie unsere Nahrung gentechnisch so verändert, dass sie enormen Mengen toxischer Chemikalien widersteht.

 

Wie Chapela sagt, spricht niemand darüber, wie wenig Fortschritte Biotech macht, trotz Milliardenaufwendungen für Forschung und des ständig wiederholten Versprechens, neue Organismen zu schaffen, die Krankheiten abwehren, oder die Ausbreitung der Malaria zu stoppen oder irgendein sonstiges Biotech-spezifisches Merkmal, das noch beherrscht werden müsse.

 

Laut Chapela sind GVO-Wissenschaftler inzwischen zu einer Art Priester geworden, die ein »zentrales Dogma« verkünden, wonach spezifische Merkmale durch bestimmte Gene festgelegt sind. Wenn das wahr wäre, hätten wir Schweinen Flügel wachsen lassen können. Chapela erklärt:

 

»Die gesamte Grundlage der Genetik erweist sich als falsch. Die Augenfarbe ist nicht durch ein einzelnes Gen festgelegt. Die DNA ist kein Meistermolekül. Nach 40 Jahren (des Scheiterns von GVO) sollten wir uns von dem zentralen Dogma freimachen. Wie viele (GVO-) Merkmale haben sie entwickelt? Zwei nach 40 Jahren.«

Chapela und andere, wie der Biologe Dr. Bruce Lipton, glauben nicht, dass die DNA ein »Meister-Molekül« ist, das die Merkmale eines Menschen oder einer Pflanze festlegt. Ihm und allen, die diese seltene Sichtweise teilen, ist klar, dass die Umwelt eine größere Rolle spielt.

 

»Was aus mir wird, war in der DNA meiner Großeltern noch nicht enthalten, es kam aus der Umwelt. Wenn diese Geschichte für den Einzelnen stimmt, ist das gesamte Gebäude der Gentechnik auf Sand gebaut«, sagte Chapela bei einer Saatgut-Messe.

 

Wie er weiter betont, beruht die Gentechnik auf einem überholten Paradigma und wird weitgehend aus politischen Absichten gepuscht. Anstatt dieses Dogma zu verbreiten, sollten Wissenschaftler dieses auf falschen Grundlagen errichtete Paradigma infrage stellen, und sich nicht daran verkaufen.

 

»Das Wissen eines Landwirts ist genauso wichtig wie der Boden, und Saatgut kann nicht isoliert betrachtet werden«, sagte Chapela.

 

Im Kern befürwortet Chapela das neue Forschungsgebiet der Epigenetik, die die Welt um uns herum als Epigenom betrachtet, das sich direkt auf die DNA auswirkt. Zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten zeigen, dass die DNA-Sequenz eines Gens von seiner Umwelt beeinflusst wird; indem wir diese Umwelt verändern (d.h. Pestizide, Herbizide, Fungizide usw. aus dem Boden entfernen), können wir die Gesundheit eines Organismus über Generationen hinweg zum Positiven verändern und Krankheiten ausrotten. In einem wissenschaftlichen Aufsatz erklärt Dr. Danielle Simmons:

»Die Epigenetik ist an vielen normalen Prozessen der Zelle beteiligt. Bedenken Sie nur, dass alle unsere Zellen dieselbe DNA besitzen, aber unser Körper viele unterschiedliche Zelltypen enthält: Neuronen, Leberzellen, Bauchspeicheldrüsenzellen, Entzündungszellen und andere. Wie ist das möglich? Kurz gesagt unterscheiden sich Zellen, Gewebe und Organe, weil sie gewisse Gensätze besitzen, die ›angeschaltet‹ oder exprimiert werden, und andere Sätze, die ›abgeschaltet‹ oder gehemmt werden.

Epigenetisches Silencing ist eine Methode, Gene abzuschalten, es kann zur differentialen Expression beitragen. Das Silencing kann auch teilweise erklären, warum genetische Zwillinge nicht phänotypisch identisch sind. Darüber hinaus ist die Epigenetik wichtig, um X-Chromosomen in weiblichen Säugetieren zu inaktivieren, damit bei Weibchen nicht die doppelte Zahl an X-Chromosom-Genprodukten wie bei Männchen auftritt (Egger et al., 2004). Darin zeigt sich die Bedeutung, Gene durch epigenetische Veränderungen abzuschalten.«

Bekanntermaßen kann die Biotech-Industrie noch immer nicht genau belegen, welche Gene bei den genetischen Experimenten »an«- und »abgeschaltet« werden, und die bisweilen auftretenden Schurkengene sind pathogen.

 

Wie Lipton betont, beruht nicht nur das Modell der industriellen Landwirtschaft auf falschen Grundlagen, sondern auch die Medizin:

»Unsere Gesundheit wird nicht von der Genetik bestimmt. Die Schulmedizin basiert auf der archaischen Ansicht, wir seien durch Gene bestimmt. Sie versteht nicht, wie die Biologie funktioniert.«

Chapela stammt aus Mexiko, er stand als Wissenschaftler im Jahr 2000 in vorderster Linie, als das Kernland der weltweiten Maisproduktion durch die Kreuzbestäubung mit Genmais bedroht war. Vor über zehn Jahren brachte er Proben von mexikanischem Mais zu Versuchszwecken nach Berkeley. Durch genaue Untersuchungen stellte er fest, dass Biotech in eines der unverdorbenen Mais-Anbaugebiete der Welt eingedrungen war. Seither kämpfen indigene Bauern in Mexiko für den Schutz und Erhalt von 59 verschiedenen Maistypen.

 

Dass Chapela Genmais in Mexiko nachweist, ist das Resultat seiner Jahre in der vordersten Linie des Kampfes gegen Biotech. Er weiß, was diese Industrie tun kann, um Organismen auszurotten, die sich über Jahrtausende hinweg entwickelt haben – nur um in einer einzigen Anbausaison ausgelöscht zu werden, wenn sie einmal gentechnisch veränderten Varianten ausgesetzt waren. Ist es ein Wunder, dass er das »Dogma«, das diese Industrie unablässig vertritt, infrage stellt?

 

Aber ist es für ihn auch sicher, die Fragen zu stellen, die sonst kaum jemand stellt? In einem Dokumentarfilm stellt er sich an die Seite eines anderen mundtot gemachten Wissenschaftlers, Arpad Pustazi, mit der Warnung:

»Eine Frage bedeutet eine Karriere.«

Chapela weiter:

»Du stellst eine Frage, du bekommst eine Antwort und kannst sie vielleicht veröffentlichen oder auch nicht, aber damit ist deine Karriere zu Ende.«

Ich bin froh, dass er fragt, und ich werde mein Bestes tun, um diese Fragen über die Biotech-Industrie und Big Agriculture zu stellen. Und Sie?

 

 

 

 


 

 

 

 

.

Leser-Kommentare (5) zu diesem Artikel

19.09.2015 | 19:50

Carsten

@Torsten Das Patent ist nicht für die "natürliche" Pflanze, sondern für das Ergebnis eines ganz bestimmten Züchtungsverfahrens, das ist nicht unbedingt besser, aber das möchte ich erstmal klarstellen. Patente auf Pflanzen sollte es hier dennoch nicht geben, der Sortenschutz regelt das eigentlich schon bestens, nur müsste eine (bessere) Knotrollmöglichkeit für die Zahlung der Nachbaugebühren eingeführt werden, dann würde sich auch nicht so viele Züchter auf die...

@Torsten Das Patent ist nicht für die "natürliche" Pflanze, sondern für das Ergebnis eines ganz bestimmten Züchtungsverfahrens, das ist nicht unbedingt besser, aber das möchte ich erstmal klarstellen. Patente auf Pflanzen sollte es hier dennoch nicht geben, der Sortenschutz regelt das eigentlich schon bestens, nur müsste eine (bessere) Knotrollmöglichkeit für die Zahlung der Nachbaugebühren eingeführt werden, dann würde sich auch nicht so viele Züchter auf die Hybridzüchtung bei Pflanzen konzentrieren, bei denen es kaum Vorteile bringt. Zum Artikel, dem kann ich kaum zustimmen, die Aussagen sind kein kompletter Unfug, aber auch nicht wirklich korrekt. Es stimmt schon, dass die meisten Eigenschaften durch mehrere Gene bestimmt sind (polygen), das gilt aber eben nicht für alle Merkmale, es gibt durchaus auch einige welche nur durch ein Gen bestimmt sind (monogen). Der Umgang mit polygenen Merkmalen ist einfach überproportional schwieriger und daher dauert die Forschung und Entwicklung eben auch viel länger. Nächster Fehler ist, dass es durchaus mehr als 2 Merkmale gibt, welche die Gentechnik hervorgebracht hat, nur haben diese genannten 2 (leider) die größten Anbauflächen, sodass andere wichtige und gute Merkmale untergehen. Nicht ganz richtig ist auch die Aussage, dass es zu mehr Pflanzenschutzeinsatz geführt hat, das stimmt eben nur für die Glyphosattoleranten Sorten, die BT-Sorten haben den gegenteiligen Effekt (bei korrekter Anwendung). Dem Abschnitt über die Epigenetik habe ich lediglich hinzuzufügen, dass man natürlich darüber bescheid weiß, auch in der gesamten Wissenschaftsgemeinde, nur ist das ebenso wie mit den polygenen Merkmalen sehr komplex und daher brauchen Ergebnisse auf diesem Gebiet auch mehr Zeit. Letztlich will ich sagen, die Gentechnik im pflanzlichen Bereich steht eigentlich noch recht am Anfang und hat großes Potential. Sie ist kein Allheilmittel, aber genausowenig eine Sackgasse, wie auch sonst überall ist ein schlichtes schwarz-weiß-Denken einfach nur kontraproduktiv und dumm.


19.09.2015 | 17:00

WürdigerRüdiger

@Würdiger soviel Unsinn stiften wie möglich


19.09.2015 | 15:50

Torsten

Es ist soweit – Patente auf Lebensmittel ! Ohne zu Murren wurde einem amerikanischen Konzern ein Patent auf eine natürliche Pflanze und zwar Brokkoli erteilt, geht`s noch ? An ehrlicher Berichterstattung des verlinkten Senders dürften ja einige Zweifel bestehen, dieser Fall sollte aber doch wahrheitsgemäß recherchiert sein , weil davon jeder betroffen sein wird. http://www.mdr.de/umschau/verteilseite1020.html Man darf gespannt sein, was uns die Ami`s in Hinterzimmern mit der...

Es ist soweit – Patente auf Lebensmittel ! Ohne zu Murren wurde einem amerikanischen Konzern ein Patent auf eine natürliche Pflanze und zwar Brokkoli erteilt, geht`s noch ? An ehrlicher Berichterstattung des verlinkten Senders dürften ja einige Zweifel bestehen, dieser Fall sollte aber doch wahrheitsgemäß recherchiert sein , weil davon jeder betroffen sein wird. http://www.mdr.de/umschau/verteilseite1020.html Man darf gespannt sein, was uns die Ami`s in Hinterzimmern mit der EU und Merkel ausgetüftelt, noch so alles zum Fraß vorwerfen. Stoppt diesen Irrsinn !


19.09.2015 | 08:53

Würdiger

@Rüdiger, schön und gut, aber was nützt das wenn die homos in der Zukunft von islamsten ausgerottet werden?? Irgendwie habe ich das Gefühl die" allmächtigen" können sich nicht entscheiden in welche Richtung es gehen soll??


19.09.2015 | 06:48

Rüdiger

Man sollte nicht immer Alles schlechtreden.
Dank dieser modernen Wissenschaft können sich jetzt schwule und lesbische und die anderen Paare von den LGBTIs aus ihren Hautzellen (Schuppen?) ein ganz eigenes, ganz richtiges Kind zusammenbasteln.
Also in zwei Jahren.
http://www.pinknews.co.uk/2015/02/23/babies-with-two-biological-same-sex-parents-could-become-a-reality-in-just-two-years/?utm_source=FR&utm_medium=FRFB&utm_campaign=Parents&ts_pid=2
Toll!

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

Untersuchung ergibt: Kellogg’s-Cerealien mit krebsverursachendem Glyphosat von Monsanto belastet

Jennifer Lea Reynolds

Wenn Sie meinen, Kellogg’s-Cerealien seien gesund, sollten Sie vielleicht etwas genauer hinschauen. Eine neue Untersuchung hat nämlich ergeben, dass darin Glyphosat, der Hauptbestandteil von Monsantos Roundup, enthalten ist, zusammen mit dessen Abbauprodukt AMPA (Aminomethylphosphonsäure).  mehr …

Wir sind das »Unkraut« für Monsantos Roundup

F. William Engdahl

»Nur weil du paranoid bist, heißt das noch lange nicht, dass sie dich nicht umbringen wollen.« Der Satz lässt sich auch auf das weltweit meistgenutzte Herbizid anwenden, nämlich Monsantos patentiertes Mittel Roundup mit dem Wirkstoff Glyphosat. Anfang dieses Jahres hat die renommierte Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) der  mehr …

100 000 deutsche Imker fordern ein GVO-Verbot

Daniel Barker

Fast 100 000 deutsche Imker fordern ein bundesweites Anbauverbot gentechnisch veränderter (GV-) Feldfrüchte. Vertreten werden sie vom Deutschen Imkerbund DIB, der sich nach der Einführung eines neuen EU-Gesetzes, das den Mitgliedsländern Handlungsspielräume (»Opt-Out«) beim GVO-Anbau einräumt, weiterhin für ein Verbot einsetzt.  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Antibakterielles Buch aus Silber- und Kupfer-Nanopartikeln zur Wasseraufbereitung in der Dritten Welt

Jonathan Benson

Es heißt, man solle ein Buch nicht nach seinem Umschlag beurteilen. In der Dritten Welt jedoch, wo sauberes Wasser oft nur schwer zu bekommen ist, lässt sich ein revolutionäres »antibakterielles Buch« nach der Wirksamkeit von Umschlag und Seiten bewerten.  mehr …

Raumfahrt: Wenn eine 170 Millionen Euro teure Toilette im All versagt

Andreas von Rétyi

Während uns der nächste Kalte Krieg erfasst, haben russische und amerikanische Astronauten auf der Internationalen Raumstation ISS eher andere Probleme, die rund um die Trinkwasserversorgung angesiedelt sind. Auch im All gehen USA und Russland getrennte Wege.  mehr …

Dr. Mary Rene Bovier ist das ZEHNTE Mordopfer unter Alternativmedizinern in den letzten Monaten

Jonathan Benson

In der Serie mysteriöser Todesfälle unter Alternativmedizinern seit Frühjahr dieses Jahres gibt es ein neues Opfer: Am 12. August wurde die Osteopathin Dr. Mary Bovier, D.O. (65) in ihrem Haus in Sharon, Pennsylvania, USA tot aufgefunden. Nach Polizeiangaben sprechen Indizien für Mord.  mehr …

Ameisen behandeln sich selbst durch Änderung ihrer Nahrung – das können Sie auch!

L. J. Devon

Im Vergleich zu Menschen arbeiten Ameisen viel besser in Gruppen, sie bewegen sich als Einheit und bringen unglaubliche Dinge zustande. Mit ihrer Arbeitsethik, ihrem Zutrauen und ihrer Stärke – Ameisen können das 50-Fache ihres Gewichts heben – setzen Ameisen ein Beispiel, dem die Menschen folgen sollten. Jetzt entdecken Wissenschaftler, dass  mehr …

Werbung

Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.