Thursday, 24. May 2012
14.04.2011
 

Drei Viertel der Prostatakrebsfälle werden mit aggressiven Medikamenten und chirurgischen Eingriffen behandelt – selbst wenn dies überhaupt keinen Nutzen bringt

David Gutierrez

Mehr als 75 Prozent der Männer, bei denen Prostatakrebs festgestellt wurde, werden aggressiven Behandlungsmethoden unterzogen, auch wenn ein Prostata-Tumor in den meisten Fällen nur langsam wächst und in der Regel kein lebensbedrohliches Risiko darstellt, heißt es in einer Studie, die von Forschern des Krebsinstitutes in New Jersey und der UMDN-Robert-Wood-Johnson-Medical-School der Medizinischen und Zahnmedizinischen Universität New Jersey durchgeführt und in den Archives of Internal Medicine veröffentlicht wurde.

»Die Überbehandlung von Prostatakrebs ist ohne Zweifel ein Problem«, erklärte Matthew Cooperberg von der Universität San Francisco, der an der Untersuchung nicht beteiligt war. Die Forscher untersuchten das Datenmaterial von 16 Tumorregistern, in denen an die 46 Prozent der amerikanischen Bevölkerung erfasst sind, und fanden medizinische Unterlagen zu 124.000 Männern, bei denen im Zeitraum 2004 bis 2006 Prostatakrebs diagnostiziert worden war. Es stellte sich heraus, dass selbst bei den Männern, bei denen niedrige Werte des Tumormarkers PSA (Prostataspezifisches Antigen) – und damit eine Krebserkrankung mit geringerem Risiko – festgestellt worden waren, in 75 Prozent der untersuchten Zeit aggressive Behandlungsmethoden eingesetzt wurden.

Ein Grund dafür liegt nach Ansicht von Experten darin, dass es keine verlässliche Methode gibt, die Entwicklung des Prostatakrebses vorherzusagen. »In dem Artikel heißt es, wenn man sich ausschließlich auf den PSA-Wert als Diagnoseinstrument stützt, neigt man dazu, viele Tumore zu entdecken, die harmlos sind und eigentlich nicht behandelt werden müssen«, meinte Stuart Holdson vom Medizinischen Zentrum Cedars-Sinai, der ebenfalls nicht an der Untersuchung mitgewirkt hatte, »man wird aber auch einige Tumore entdecken, die behandelt werden müssen.«

In einem beigefügten Kommentar schlagen zwei andere Wissenschaftler eine »engmaschige Überwachung« anstelle einer aggressiven Behandlung vor. Die Entwicklung der Prostata-Tumore solle langfristig und engmaschig erfolgen und eine Behandlung nur dann begonnen werden, wenn sich die Krebserkrankung verschlechtere.

Alle drei wesentlichen Behandlungsmethoden von Prostatakrebs – Medikamente, Bestrahlung und chirurgische Eingriffe – weisen ein erhebliches Risiko schwerwiegender Nebenwirkungen wie Impotenz und Inkontinenz auf. In dem Buch Bottom Line’s Health Breakthroughs 2007 geht die Verbraucher- und Informations-Internetplattform Bottom Line auf die Risiken und den Nutzen chirurgischer Eingriffe ein: »Die herkömmliche Behandlungsmethode von Prostatakrebs besteht in der Entfernung der Prostata. Klinische Studien konnten aber zeigen, dass diese Operation Männern mit einer Lebenserwartung von zehn Jahren oder weniger keinen Nutzen bringt, da der Tumor in der Regel nur langsam wächst. Dies betrifft vor allem Männer, die älter als 75 Jahre alt sind. Für sie bedeutet der Eingriff keinen wirklichen Vorteil.«

 

Quellen zu diesem Artikel: http://www.webmd.com/prostate-cance....

 

 


 

 

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