Freitag, 18. August 2017
22.07.2016
 
 

Harvard Psychiaterin über die Rolle von Umweltfaktoren bei Autismus und Entwicklungsstörungen

Dr. Joseph Mercola

Traditionell wird Autismus für genetisch bedingt gehalten, aber Wissenschaftler verabschieden sich von dieser Theorie und richten ihr Augenmerk vermehrt auf Umweltfaktoren. Seriöse Schätzungen gehen davon aus, dass diese Störung in den nächsten 20 Jahren die Hälfte aller Kinder betreffen wird – das bedeutet eine weit höhere Wachstumsrate, als sie eine genetische Veränderung verursachen könnte. Es ist an der Zeit, nach den wahren Schuldigen zu suchen.

 

Laut einem Bericht des US-Ministeriums für Gesundheitspflege und Soziale Dienste (Department of Health and Human Services, DHHS) und der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) von 2013 leidet eines von 50 Kindern zwischen 6 und 17 Jahren an einer Form von Autismus-Spektrum-Störung (ASS).1,2

 

Und ein Regierungsgutachten von 2015 geht davon aus, dass ASS eines von 45 Kindern zwischen 3 und 17 Jahren betrifft.3,4 In den letzten 20 Jahren stieg die ASS-Rate dramatisch und besorgniserregend an, und Experten gehen von einem weiteren Anstieg aus.

 

Was ist für diese Epidemie verantwortlich? Dr. Suruchi Chandra, eine in Harvard ausgebildete Fachärztin für Psychiatrie, hat sich auf die ganzheitliche und integrative Behandlung von Kindern und Erwachsenen mit emotionalen und Verhaltensauffälligkeiten wie Autismus und anderen Entwicklungsstörungen spezialisiert.

 

Ich traf sie auf einer Schulungsveranstaltung von Dr. Lee Cowden, meinem ärztlichen Mentor. Chandra wendet bei autistischen Kindern viele von Cowdens Prinzipien und Behandlungsmethoden an. Chandra sah sich nach ihrem Studium in Harvard und Yale zu integrativen Ansätzen veranlasst, weil sie mit so vielen niederschmetternden psychiatrischen Störungen konfrontiert war, für die es häufig kaum Hoffnung gab:

»Das gilt sowohl für Entwicklungsverzögerungen als auch für psychiatrische Störungen. Wie Sie wissen, können sich diese Probleme – ob bipolare Störung, behandlungsresistente Depression oder Autismus – wirklich vernichtend auswirken. Ich war nicht zufrieden. Ich dachte: ›Vielleicht übersehen wir da etwas.‹

Das brachte mich zur integrativen Medizin. Ich war anfangs sehr skeptisch und nahm an, dass diese Dinge, sofern sie ja nicht einmal die besseren, etablierteren Institutionen kannten, wohl auch nicht helfen könnten.

Aber ich sah, dass es Kindern damit besser ging, und ich erlebte, dass sich der Zustand von Erwachsenen in einer Art besserte, die ich zuvor nicht gekannt hatte. Ich dachte: ›Ich habe die Verantwortung und sogar die moralische Verpflichtung, diesen Bereich besser verstehen zu lernen.‹

Heute arbeite ich seit etwa 12 Jahren auf diesem Gebiet. Was mich bei der Stange hält, mich motiviert, sind die Art der Besserungen, die ich Tag für Tag bei Kindern sehe, und das Wissen darum, dass wir noch mehr lernen können, um diesen Kindern und Erwachsenen zu helfen.«

 

Autismus ist nur die Spitze des Eisbergs

 

Den dramatischen Anstieg von Autismus hält Chandra lediglich für die Spitze des Eisbergs. Neben verschiedenen Formen von ASS haben auch immer mehr Kinder mit Entwicklungs- und Sprachverzögerungen sowie mit motorischen Störungen zu kämpfen. Nach den neuesten Statistiken der CDC leidet eines von sechs oder sieben Kindern unter Entwicklungsverzögerungen, merkt Chandra an.

 

Es ist wichtig zu wissen, dass die meisten Krankheiten – ob es nun Autismus ist oder Herzkrankheit, Krebs, Diabetes, Fettleibigkeit, neurodegenerative Störungen oder irgendetwas anderes – in einem Ungleichgewicht wurzeln: einem Ungleichgewicht im Magen-Darm-Trakt, im Immunsystem und/oder in der mitochondrialen Funktion.

 

Geht man dieses Ungleichgewicht fachgerecht und rechtzeitig an, ist es gut möglich, bei wirklich jeder Erkrankung enorme Besserungen zu erzielen. Leider glauben das viele einfach nicht, und das gilt sowohl für ausgebildete Ärzte als auch für Patienten. Sie glauben nicht daran, weil sie darüber nie richtig aufgeklärt wurden.

 

Die meisten Ärzte haben in ihrer klinischen Arbeit auch nie oder nur selten radikale Besserungen erlebt, die aber möglich sind, wenn man die Ursachen der Krankheit angeht, statt einfach die Symptome mit Medikamenten zu behandeln. Da es keine pharmazeutischen Arzneimittel für die Behandlung der Kernsymptome bei Autismus gibt, empfiehlt Chandra sanfte und ganzheitliche Methoden, die das möglicherweise zugrunde liegende biomedizinische Ungleichgewicht bereinigen, ehe Psychopharmaka eingesetzt werden. Sie betont zudem, dass wir überlegen sollten, wie sich die gängigen Medikamente auf dieses biomedizinische Ungleichgewicht auswirken können:

»Einige der Psychopharmaka, die bei Autismus verordnet werden, beeinflussen die Mitochondrien negativ. Wir sollten nach anderen Möglichkeiten suchen, ehe wir auf sie zurückgreifen, weil wir die Mitochondrien keinesfalls negativ beeinflussen sollten.«

 

Faktoren, die zu Autismus beitragen

 

Über die Ursachen von Autismus gibt es viele Theorien. Viele halten ihn noch immer für eine genetische Störung. Den meisten Psychiatern wurde beigebracht, dass Autismus zu 90 Prozent vererbt und genetisch ist und dass man außer mit Psychopharmaka und Verhaltenstherapien kaum etwas tun kann.

 

Doch neuere Studien stützen die These, dass Belastungen aus der Umwelt eine signifikante Rolle bei der Entstehung von ASS spielen, und Wissenschaftler richten nun vermehrt ihr Augenmerk auf Umweltfaktoren. Studien mit Zwillingen weisen darauf hin, dass Autismus nur zu 38 Prozent auf genetische Faktoren zurückgeht, der verbleibende hohe Prozentsatz jedoch auf frühe Umweltbelastungen zurückzuführen ist. Das klingt durchaus einleuchtend. Wie Chandra sagt:

»So etwas wie eine genetische Epidemie gibt es nicht. Gene verändern sich nicht derart schnell.

Wieder müssen wir unser Augenmerk auf die Umwelt richten. Dabei sprechen wir nicht nur über Umweltgifte, auch wenn wir sie meiner Meinung nach im Auge behalten müssen. Aber darüber hinaus müssen wir alles in Betracht ziehen, was ein Kind während seiner Entwicklung umgibt.

Dazu gehören die mikrobielle Welt, das Mikrobiom, die Bakterien um uns herum – einige sind pathogen, andere freundlich. Und auch die Ernährung müssen wir uns ansehen. Sie kann entweder Stressfaktor oder Heilmittel sein.

Meines Erachtens müssen wir auch den steigenden Einfluss elektromagnetischer Felder (EMF) in Erwägung ziehen. Wir müssen einfach alles um uns herum in Augenschein nehmen. Es ist unwahrscheinlich, dass Autismus nur von einem oder zwei Faktoren verursacht wird.

Wahrscheinlich steht vielmehr eine Kombination vieler Faktoren dahinter, und die ist bei jedem einzelnen Kind anders.

Dieses höchst individuelle, komplexe System stellt uns vor große Herausforderungen, zumal Studien es nicht einfach untersuchen können. Wenn wir nur auf Studien warten würden, ehe wir handeln, müssten wir wohl noch sehr, sehr lange warten.«

 

Umweltbelastungen und Entwicklungsverzögerungen

 

In einem Vortrag5 spricht Chandra über Forschungsergebnisse, die beweisen, wie sich Umweltgifte auf ASS und andere Entwicklungsprobleme auswirken. Und sie stellt einige sichere, sanfte und natürliche Behandlungsmethoden vor, die recht hilfreich sein können. Im Allgemeinen ist ihr Ansatz vorbeugend gedacht und beginnt mit der Erkennung und Reduzierung von Toxinen im Haushalt. Es deckt auf ganzen vier Seiten Aspekte wie Luft- und Wasserqualität, Pestizide, Flammschutzmittel und flüchtige organische Verbindungen, beispielsweise in Möbeln, ab. Chandra sagt:

»Ich bin der Meinung, wir müssen auf all diese Dinge achten, weil es wirklich schwierig ist, herauszufinden, was alles auf ein einzelnes Kind einwirkt. Statt nur eine Sache anzugehen, sollten wir wirklich allumfassend vorgehen.

 

Die Ernährung ist sehr wichtig

 

Die Ernährung kann für Ihre Gesundheit entscheidend sein. Sie können darüber Giftstoffe aufnehmen oder aber beseitigen. Nahrungsmittel können Ihr Mikrobiom innerhalb kürzester Zeit verändern – zum Besseren oder zum Schlechteren.

 

Die Autismusforscherin Dr. Stephanie Seneff vom Massachusetts Institute of Technology in Boston ist davon überzeugt, dass das Autismusproblem zum Teil darauf zurückzuführen ist, dass so gut wie jeder industriell verarbeitete und/oder mit Glyphosat-Pestiziden wie Roundup kontaminierte Lebensmittel konsumiert. Beides wirkt sich auf Ihr Mikrobiom extrem schädlich aus. Glyphosat beeinträchtigt zudem die Mitochondrien, schadet also in zweifacher Hinsicht.

 

Die größten Übeltäter sind genetisch veränderte Nahrungsmittel wie Mais, Sojabohnen und Zucker, weil sie mit Glyphosat behandelt und in den meisten Fertignahrungen enthalten sind. Aber auch konventionell angebauter Weizen kann kontaminiert sein, da er kurz vor der Ernte mit Glyphosat dehydriert wird.

 

Ein weiterer Faktor, den Chandra bei vielen autistischen Kindern beobachtet, ist die übermäßige Einnahme von Antibiotika ganz früh im Leben oder der übermäßige Antibiotikakonsum der Mütter: »Mütter, die noch vor der Empfängnis große Mengen Antibiotika eingenommen haben, scheinen Kinder zu bekommen, die schwerwiegende Darmprobleme haben, die häufig mit Verhaltensauffälligkeiten einhergehen.«

 

Chandra glaubt zudem, dass im Verständnis von ASS das Mikrobiom eine Schlüsselrolle spielt. Einen ähnlichen Ansatz vertritt auch Dr. Natasha Campbell-McBride, die ich einmal zu ihrer GAPS-Diät (GAPS = Gut and Psychology Syndrome) befragte. Campbell-McBrides nimmt an, dass das Mikrobiom eines autistischen Kindes durch die schlechte Ernährung und die Einnahme von Antibiotika oder Anti-Baby-Pillen durch die Mutter gestört wurde. Die Mutter vererbt ihrem Kind das schlechte Mikrobiom.

 

Diese frühe Störung der Mikroflora, zusammen mit anderen Umweltfaktoren, führt zu physischem wie neurologischem Chaos. Laut Chandra wie Campbell-McBride zeitigen Maßnahmen zur Heilung des Mikrobioms normalerweise die deutlichsten Besserungen:

»Nach einer Redensart beginnen alle Krankheiten im Darm. Als ich das zum ersten Mal gehört habe, dachte ich: ›Das ist wohl allzu einfach.‹ Nun, es ist zwar etwas reduktionistisch, aber inzwischen denke ich auch so. So fange ich wirklich bei jedem Kind an: Ich versuche herauszufinden, ›wo sein Magen-Darm-Trakt steht‹. Wir führen dazu einen Test durch.

Während der anschließenden Behandlung des Darms sehe ich oftmals bei diesen Kindern die größten Besserungen. Nicht bei allen Kindern, aber bei jenen, bei denen die Magen-Darm-Probleme im Vordergrund standen. Ich stimme Campbell-McBride zu. Meine Vorgehensweise ist etwas anders, aber wir teilen dieselben prinzipiellen Auffassungen.«

 

Viele Autismuspatienten profitieren von einer gluten- und caseinfreien Ernährung

 

Eine Maßnahme, die viele Familien mit autistischen Kindern früher oder später ausprobieren, ist eine gluten- und caseinfreie Ernährung, und das aus gutem Grund. Gluten und Casein wirken aufgrund von Gluteomorphinen und Casomorphinen ähnlich wie Opioide – und wer will schon die Opioidrezeptoren im Gehirn seines Kindes stimulieren? Meiner Meinung nach ist diese Ernährung für jeden zu empfehlen, aber ganz besonders für Menschen mit Entwicklungsstörungen oder Autismus.

 

Als ich selbst autistische Patienten behandelt habe, sah ich enorme Besserungen nach der Streichung von Zucker, Getreide, Fruchtsäften und Obst – sie alle liefern Netto-Kohlenhydrate (Gesamtkohlenhydrate minus  Faseranteil (Ballaststoffanteil)), die das Mikrobiom im Darm stören, krank machende Hefepilze, Pilze und Viren nähren und in der mitochondrialen Struktur verheerende Schäden anrichten.

»Das ist ein guter Hinweis«, sagt Chandra. »Besonders wichtig ist die Reduzierung von Zuckerzusätzen, Fructose und Fruchtsäften. Fruchtsäfte sind direkte Zuckerquellen für unerwünschte Bestandteile des Mikrobioms. Dies gehört zu den Tipps, die ich den Kids schon früh gebe. Und das kann wirklich einen Unterschied machen.

Manche Kinder profitieren auch durch die Reduzierung von Getreide. Es gibt Hinweise darauf, dass einigen Kindern mit Autismus das Enzym fehlt, um Disaccharide aufzuspalten. Auch hier profitiert wieder nur ein gewisser Anteil der Kinder davon. Wir müssen da individueller herangehen. Aber nochmals: Kohlenhydrate und Zucker im Auge zu behalten, kann einen großen Unterschied ausmachen.«

 

Ein Plädoyer für eine fettreiche, kohlenhydratarme Ernährung

 

Meine derzeitige Theorie zur Heilung der meisten Krankheiten, ganz bestimmt aller neurodegenerativen Erkrankungen und sogar Schädel-Hirn-Traumata lautet: Versorgung des Körpers, insbesondere des Gehirns, mit besserer Nahrung, die mehr auf Fett- als auf Glucoseverbrennung ausgelegt ist. Die meisten von uns konsumieren zu viele Netto-Kohlenhydrate. In der Folge verbrennen wir Fett ineffektiv und sorgen für viele unnötige freie Radikale. Eine fettreiche und kohlenhydratarme Ernährung scheint da nur vernünftig. Dem stimmt auch Dr. Chandra zu:

»Viele Kinder, die ich behandle, bekommen nicht ausreichend hochwertige Fette. Ich sage den Eltern, dass das Gehirn überwiegend aus Fett besteht und dass man für die Entwicklung des Gehirns das richtige Material benötigt. Sogar Dinge wie Cholesterin. Es gibt in meiner Praxis einige Kinder mit zu niedrigen Cholesterinwerten.

Cholesterin ist für die Entwicklung des Gehirns notwendig. Die stärkste genetische Gemeinsamkeit jeder Mutation und auch von Autismus ist tatsächlich die Unfähigkeit, ausreichend Cholesterin zu bilden …

Manche Kinder profitieren von einer fettreicheren Ernährung, aber auch das ist wieder sehr individuell. Aber ich stimme dem Prinzip der drastischen Reduzierung von freien Zuckern, Zuckerzusätzen, einfachen Kohlenhydraten und raffinierten Kohlenhydraten zu. Und dann muss das Getreide angegangen werden. Jedes Kind mit Autismus, das irgendwelche Magen-Darm-Störungen hat, sollte die gluten- und caseinfreie Ernährung ausprobieren. Dann muss man schauen, ob es darauf reagiert.«

 

Die »Gefahr-Reaktion« von Zellen

 

Chandra verwendet ein Modell zur »Cell Danger Response« (Reaktion der Zellen auf Gefahr), das Dr. Robert Naviaux entdeckte. Er schuf eine »vereinheitlichte Theorie« über Autismus, die viele verschiedene Symptome einbezieht, um damit zu erklären, was bei Autismus auf zellulärer Ebene stattfindet. Beim Blick auf die zelluläre Ebene entdeckte er den Signalmechanismus der Zellen bei Gefahr. Diese Zellreaktion wird von den Mitochondrien eingeleitet. Bei vielen chronischen Krankheiten – darunter Autismus – reagieren die Zellen aufeinander, als befänden sie sich in Gefahr.

 

Die Frage lautet: Was bringt sie dazu, Gefahrensignale auszusenden? Es könnte eine Reaktion auf ein Umweltgift, eine mikrobielle Ursache oder sogar auf etwas so Einfaches wie Hitze oder Kälte sein. Naviaux untersucht derzeit Methoden, diese Signalübermittlung zu unterbrechen. Doch »vorher müssen wir alles entfernen, was die Zellen als Gefahr ansehen könnten«, sagt Chandra.

»Dieses Modell besagt für mich, dass Kinder, die sich heute entwickeln, nicht das Umfeld haben, in dem sie sich sicher fühlen können. Wir sind inzwischen durch all die Umwelteinflüsse so weit davon entfernt, wo wir eigentlich hingehören … dass die Zellen sich nicht mehr sicher fühlen.

Was Dr. Naviaux diesbezüglich sagt, ist: Wenn die Zellen sich nicht sicher fühlen, nehmen sie all ihre Ressourcen und wenden sie für den Kampf ums Überleben auf, statt Sprache, soziale Fähigkeiten, Humor und alle anderen höherwertigen Funktionen zu entwickeln.

Als Erstes entfernen wir also alles, was als Gefahr gelten könnte … Wir treffen vorbeugende Maßnahmen; wir können nicht auf diese Studien warten. Wir müssen überlegen: Ist das sicher? Das ist meine erste Frage, nicht etwa: Hat es sich als schädlich erwiesen?

Wir suchen auch nach Infektionen. Diese können Teil des Mikrobioms oder systemisch sein. Wenn die Zellen erst einmal in Sicherheit sind, können wir den Mechanismus untersuchen, durch den die Zellen sich wieder sicher fühlen. Das ist das, worauf Dr. Naviaux schaut. Ich glaube, viele Dinge, die wir zu uns nehmen, wie Ergänzungspräparate und Kräuter, sagen den Zellen: ›Jetzt seid ihr sicher. Ihr könnt in einen Heil- und Wachstumsmodus zurückschalten.‹«

 

Diagnostikverfahren

 

Zusammengefasst lässt sich Chandras Methode so beschreiben: Sie schaut über Ungleichgewichte in Neurotransmittern hinaus, mit dem Schwerpunkt auf dem Darm, dem Immunsystem und den Mitochondrien. Sie und alle anderen, die mit diesem Modell arbeiten, sehen Autismus nicht vorrangig als Erkrankung des Gehirns an. Stattdessen betrachten sie ihn als Krankheit des ganzen Körpers, die vielerlei Systeme betrifft, die aufs Gehirn wirken. Um diese unterschiedlichen Systeme zu untersuchen, wendet Chandra verschiedene Diagnostikverfahren an, die die meisten konventionellen Psychiater niemals in Erwägung ziehen würden:

  • Magen-Darm-Funktion: Um den Magen-Darm-Trakt des Kindes zu beurteilen, erstellt sie zunächst eine Familienanamnese und führt eine körperliche Untersuchung durch. Mit Tests bestimmt sie Darmbakterien, Entzündungswerte und Verdauungsfunktion. Wenn etwa herauskommt, dass das Kind Kohlenhydrate nicht verdauen kann, empfiehlt sie, Getreide zu reduzieren oder ganz zu streichen und ein Verdauungsenzym einzunehmen.
  • Immunfunktion und chronische Infektionen: Viele autistische Kinder zeigen Anzeichen von Immunstörungen, z. B. Autoimmunprobleme und/oder zu hohe Entzündungswerte. Nach der entsprechenden Diagnose verordnet sie Mittel zur Stärkung des Immunsystems. Die Diagnose und Behandlung von chronischen Infektionen ist eine weitere damit verbundene Komponente.
    Die Borrelien aus der Familie der Spirochäten können beispielsweise das Gehirn angreifen und psychiatrische Störungen hervorrufen. Leider nehmen sich die wenigsten Ärzte und Psychiater die Zeit, Lyme-Borreliose als Ursache für psychische Störungen auszuschließen. Da diese Krankheit sehr schwer zu diagnostizieren sein kann, führt Chandra immer dann, wenn der Verlauf, die körperliche Untersuchung und Labortests Lyme-Borreliose auch nur in Erwägung ziehen lassen, einen diagnostischen Versuch mit Banderol und Samento durch.
    Dr. Eva Sapi von der Universität New Haven wies in einer In-vitro-Studie nach, dass die Kräutertinkturen Banderol und Samento wirksam gegen Borrelia burgdorferi sind, das Bakterium, das die Lyme-Borreliose verursacht.
    »Aus der Reaktion des Kindes können wir darauf schließen, ob es möglicherweise diese Infektion hat. Selbst wenn es nur wahrscheinlich ist, dass es Lyme-Borreliose hat, behandeln wir das Kind, als stünde diese Diagnose fest – aufgrund der sogenannten Herxheimer-Reaktion, bei der sich der Zustand dramatisch verschlechtern oder dramatisch verbessern kann.
    Falls die Störung durch eine solche Infektion hervorgerufen wird, kann schon die Behandlung dieser Infektion das Problem beheben. Einem Kind, das chronische Entwicklungsprobleme und Autismus hat, kann man dann ein völlig neues Leben eröffnen, wenn man es richtig behandelt. Deshalb wird in unserer Ausbildung so viel Wert auf Empathie gelegt: Man muss heilbare Ursachen ausschließen und/oder Infektionen behandeln.«
  • Mitochondriale Funktion: Mitochondrien sind Organellen in fast jeder einzelnen Zelle. »Sie sind, das wissen wir heute, eine Art Kanarienvögel in der Kohlengrube. Wenn es irgendeine Form von Gefahr oder Stress gibt, reagieren sie als Erste auf den entstandenen Schaden«, sagt Dr. Chandra. Studien weisen darauf hin, dass 60 Prozent der autistischen Kinder Störungen in der Mitochondrienfunktion aufweisen – dies ist also durchaus ein signifikanter Faktor.
    Es gibt Tests, mit denen sich nachweisen lässt, ob die Mitochondrien Ihres Kindes betroffen sind. Niedrige Blutspiegel von Carnitin, Coenzym Q10 und bestimmten Aminosäuren können z. B. auf mitochondriale Störungen hinweisen. Falls tatsächlich eine gestörte Mitochondrien-Funktion einen Teil des Problems bildet, gibt es ganzheitliche Methoden zur Heilung. Dazu gehören der erhöhte Konsum gesunder Fette, die Heilung und Schonung des Darms und die Therapie jedweder Infektion.

 

Hoffnung für autistische Kinder

 

Manch einer glaubt, für autistische Kinder gebe es keine Hoffnung auf eine Besserung, aber eine Studie bewies, dass bis zu 20 Prozent dieser Kinder geheilt werden. »Was mich in diesem Bereich weiterarbeiten lässt, ist die Tatsache, dass ich jeden Tag Verbesserungen sehe«, sagt Chandra. »Ich glaube ganz fest daran, dass man mit der Kombination aus Verhaltenstherapie und unserer Methode die Chance auf eine Heilung erhöhen kann.« Auch die möglichst frühe Intervention ist von Bedeutung. Kinder, die bis zu ihrem dritten Geburtstag Hilfe erfahren, können die deutlichsten Besserungen zeigen, zuweilen mit relativ wenigen Maßnahmen.

»Manchmal sind die Verbesserungen ausreichend, um von einer Heilung zu sprechen«, sagt Chandra. »Ich habe beispielsweise einen Jungen mit viereinhalb Jahren zu sehen bekommen, was in den Augen vieler zu spät ist, weil es diese Vorstellung gibt, dass die Interventionen vor dem fünften Lebensjahr beginnen sollten. Die Eltern waren nicht sehr hoffnungsvoll.

Wir begannen mit einfachen Maßnahmen. Er hatte häufig Bauchschmerzen, Verstopfung. Wir verordneten ihm eine glutenfreie Ernährung. Wir strichen Zucker, also zu viel Zucker, aus seiner Ernährung. Seine Verstopfung war daraufhin weg. Wir gaben ihm viele Kräuter und unterstützten die Mitochondrien. Das ist ein langer Prozess. Es passiert nicht über Nacht. Wir sind immer noch dabei. Wir wandten Therapien an, die normale Psychiater nicht empfehlen würden, etwa Bewegungstherapien, die unserer Meinung nach dazu beitragen, das Gehirn zu regenerieren.

Heute ist der Junge zehn. Er besucht eine kleine, anspruchsvolle Regelschule und bekommt nur gute Noten. Er hat keine Verhaltensauffälligkeiten und braucht keine Hilfe. Nach wie vor ist er ein Junge mit feinmotorischen Problemen, aber er ist wirklich motiviert, Sport zu treiben. Er trainiert viel und macht Ergotherapie, um dieses letzte Problem anzugehen. Dies ist die Art von Heilung, die möglich ist. Ich wünschte sie jedem Kind. Sie ist wohl nicht für jedes Kind zugänglich, aber möglich ist sie.«

 

Frühe Anzeichen und Symptome

 

Sandra betont, dass man nicht warten muss, bis das Kind 3 Jahre alt oder noch älter ist, um mit biomedizinischen Maßnahmen zu beginnen. Bei den meisten Kindern mit ASS und anderen Entwicklungsverzögerungen wird erst mit 2 Jahren oder noch später die entsprechende Diagnose gestellt, aber es gibt häufig frühere Anzeichen für ein dysreguliertes System, die für eine frühzeitige Behandlung sorgen können. Dazu gehören Magen-Darm-Störungen (z. B. chronisches Aufstoßen), Muskelhypotonie (schlechter Muskeltonus) wie etwa schlechte Kontrolle von Kopf- und Halsmuskulatur mit 6 Monaten, und schlechter Augenkontakt. Chandra dazu:

»Wir haben wirklich sichere, sanfte Methoden wie Probiotika und Ernährungsänderungen, die wir als Vorbeugemaßnahmen einsetzen können, wenn der Verdacht besteht, dass Kinder betroffen sind.

Hier ist eine Geschichte, an die ich oft denken muss, weil mir da eine Mutter eine Lektion erteilt hat. Sie brachte ihr elf Monate altes Kind zu mir, weil sie selbst Therapeutin für Angewandte Verhaltensanalyse war. Sie wusste, wonach man suchen musste, und sie wusste auch, was passieren würde, wenn sie nicht handelt würde …

Mit neun Monaten hatte dieses Kind jeden Augenkontakt verloren, aufgehört zu plappern und etwas entwickelt, das wir ›head lag‹ nennen [beim Hochziehen an den Armen bewegt das Kind den Kopf nicht mit], was ein neun Monate altes Baby nicht haben sollte. Sie machte Recherchen und wusste bald, dass er höchstwahrscheinlich unter einer Entwicklungsverzögerung und vielleicht Autismus litt.

Was machte sie anders als die meisten Mütter? Erstens hatte sie dieses Know-how und sagte sich: ›Ich werde nicht abwarten‹ … Und zweitens sagte sie: ›Was geht unter der Oberfläche vor sich? Da sind die Verhaltensauffälligkeiten, aber was passiert auf der Stoffwechselebene, auf der physiologischen Ebene?‹

Basierend auf ihren Recherchen kam sie zu dem Ergebnis, dass ihr Sohn vermutlich eine mitochondriale Dysfunktion hatte, und verabreichte ihm Carnitin und CoQ10 sowie andere mitochondrial wirkende Präparate – und er fing erneut zu plappern an und nahm wieder Augenkontakt auf. Aber er war immer noch irgendwie schlaff und hatte motorische Probleme. Sie recherchierte weiter und brachte ihn schließlich zu mir.

Ich arbeite jetzt zwei Jahre mit ihm. Er hat wahrscheinlich eine dieser chronischen Infektionen, die wir natürlich behandelten. Heute, mit drei Jahren, spricht er in Sieben-Wort-Sätzen. In vielen Bereichen ist er nicht nur gleichauf mit anderen Dreijährigen, sondern ihnen voraus, und hinsichtlich irgendeiner Entwicklungsverzögerung muss man sich keine Sorgen machen.

Immer wenn ich ihn sehe – er kommt etwa alle drei Monate zu mir –, ist es bittersüß, weil ich einerseits so froh für dieses Kind und seine Familie bin, andererseits aber immer an all die anderen Kinder denken muss, denen nicht geholfen wird.«

Geschichten wie diese zeigen, dass es viel Hoffnung gibt. Das Wichtigste ist, nicht herumzusitzen und das Beste zu hoffen. Wenn Sie Warnzeichen erkennen, werden Sie aktiv!

 

 

 

Verweise


CDC.gov, National Health Statistics Report, Nummer 65, 20. März 2013 (PDF)

NVIC.org, 10. April 2013

3, 5 Chandramd.com

Autism Speaks, 13. November 2015

 

 

 

 

 

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