Sonntag, 25. Juni 2017
02.09.2009
 
 

Unsinnige Bestimmungen über Quecksilber: Obama warnt vor Risiken, die FDA lässt Quecksilber-Zahnfüllungen zu

System

Die US-Regierung scheint irgendwie mit gespaltener Zunge zu reden: der Präsident predigt das Eine, die Arzneizulassungsbehörde FDA tut etwas ganz anderes. Wenn wir eine »klügere, wirklich wirksame Medizin« wollen, dann müssen wir dafür sorgen, dass sich die Politik, Lobbyisten und Vetternwirtschaft aus der Wissenschaft heraushalten.

Präsident Obama möchte die Kosten für den neuen Gesundheitsplan durch eine »klügere« Medizin auffangen; gemeint sind damit Maßnahmen zur Effizienzsteigerung und Stressprävention. Bei einer Bürgerversammlung am 11. August im US-Bundesstaat New Hampshire gab Obama ein Beispiel: einem Diabetiker muss der Fuß amputiert werden, die Kosten dafür betragen zwischen 30.000 und 50.000 Dollar. Es wäre weit klüger gewesen, dem Patienten zu raten, abzunehmen und seine Medikamente gewissenhafter einzunehmen, bevor der Fuß abgenommen werden musste. Das hätte der Versicherung Geld gespart und der Patient hätte seinen Fuß nicht verloren.

Auch in dem Plan for a Healthy America (Plan für ein gesundes Amerika), mit dem Obama und Biden 2008 in den Wahlkampf gezogen sind, wurde Prävention groß geschrieben. Dazu gehörte auch die Forderung, die Schadstoffbelastung für den Körper zu verringern; ganz oben auf der Liste der Schadstoffe stand Quecksilber. Oberstes Ziel des Plans war:

»Die Risiken der Quecksilberbelastung senken. Über fünf Millionen Frauen im gebärfähigen Alter weisen hohe Quecksilberwerte im Blut auf, etwa 630.000 Neugeborene jährlich sind Risikogeburten. Die Umweltschutzbehörde EPA schätzt, dass jedes Jahr bei jedem sechsten Kind das Risiko von Entwicklungsstörungen besteht, weil es im Mutterleib mit Quecksilber in Berührung gekommen ist.«

Als Senator zeichnete Obama für eine umfassende Gesetzgebung verantwortlich, mit der die Umweltbelastung durch Quecksilber gesenkt werden sollte. Dazu zählte ein Exportverbot für elementares Quecksilber und ein Gesetz zum schrittweisen Verzicht von Quecksilber bei der Chlor-Herstellung.

Quecksilber kann auf verschiedenen Wegen in die Blutbahn gelangen. In letzter Zeit war in den Medien viel von dem Quecksilber die Rede, das in dem Impfstoffen zugesetzten Stoff Thimerosol gefunden worden ist. Im Juli machten Berichte darüber Schlagzeilen, dass beim Kauen Quecksilber aus Zahnfüllungen freigesetzt wird. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation werden täglich 3–17 Mikrogramm Quecksilber beim Kauen freigesetzt und gelangen in den Körper, im Vergleich zu lediglich 2–5 Mikrogramm durch den Verzehr von Fisch und allen Quecksilberquellen in der Umwelt zusammen. 1990 sprach das New England Journal of Medicine in einem Leitartikel von amalgamhaltigen Zahnfüllungen als »möglicherweise [der] Hauptquelle der [Quecksilber-]Belastung weiter Teile der US-Bevölkerung«.

 

 

Überraschende Entscheidung der FDA

Als am 29. Juli quecksilberhaltiges Amalgam in den USA Schlagzeilen machte, wurde jedoch nicht vor den Risiken gewarnt. Vielmehr wurde die überraschende Entscheidung der FDA bekannt gegeben, Quecksilber-Füllungen seien sicher. Die Entscheidung fiel nach jahrelanger Verzögerung durch die FDA und einer wahren Welle von Verbraucherprozessen. Eine wachsende Verbraucherbewegung hatte so viele Beweise für die Gefahren von Quecksilber-Zahnfüllungen zusammengetragen, dass die Kläger schon jubelten »Wir haben gewonnen!«, als ein Gericht der FDA schließlich auferlegte, nun endlich zu einer Entscheidung zu kommen. Doch entgegen der allgemeinen Erwartung erließ die FDA keinerlei Einschränkungen für die Verwendung von Quecksilber-Amalgam. Die Zahnärzte mussten ihre Patienten nicht einmal darüber aufklären, dass die »Silber«-Füllungen hauptsächlich aus Quecksilber bestanden. Die FDA räumte ein, sie habe keine Erkenntnisse über eine Gefährdung für Kinder unter sechs Jahren, Schwangere und stillende Mütter durch Amalgam, unternahm aber keine Schritte zu deren Schutz. Sogar der bis dahin auf der Internetseite der FDA angebrachte Warnhinweis: »Zahn-Amalgam enthält Quecksilber, das möglicherweise das Nervensystem von Kleinkindern und Ungeborenen schädigen kann« wurde entfernt.

Verbraucheranwälten verschlug es fast die Sprache, zumal sich die FDA zuvor bereit erklärte, die Warnhinweise gegen Quecksilber-Amalgamfüllungen schärfer zu formulieren. Die Beweise gegen quecksilberhaltige Amalgam-Zahnfüllungen waren als so stichhaltig eingeschätzt worden, dass in Schweden, Norwegen und anderen Ländern die Verwendung bereits vollständig verboten worden war. Die Degussa, der größte deutsche Amalgam-Hersteller und der weltgrößte Hersteller von Metallen für die Verwendung in der Zahnmedizin stellt nach einer Gerichtsentscheidung, wonach Zahnärzte, die Amalgam verwenden, für Schädigungen haftbar gemacht werden können, kein Amalgam mehr her. Es war erwartet worden, dass die FDA entsprechend entscheiden würde.

Warum also diese unerwartete Kehrtwende? Charles Brown von der amerikanischen (Zahnarzt-)Patientenorganisation National Counsel for consumers for Dental Choice glaubt, es habe mit personellen Veränderungen bei der FDA zu tun. Seit Mai 2009 ist Dr. Margret Hamburg die neue Leiterin (Commissioner) der FDA. Im Wall Street Journal war zu lesen, dass sie zuvor fünf Jahre lang Vorstandsmitglied des milliardenschweren Unternehmens Henry Schein Inc. war, das Ärzte- und Zahnärztebedarf, darunter auch Impfstoffe, vertreibt. Skeptisch schrieb Brown:

»Washington ist berühmt-berüchtigt für das Drehtür-Prinzip – Vertreter der gerade nicht regierenden Partei übernehmen hochdotierte Posten in einem Unternehmen. Übernimmt ihre Partei dann wieder die Regierung, zeigen sie sich ihren Wohltätern erkenntlich. Die neue Leiterin der FDA, Margret Hamburg, war zunächst für die Clinton-Regierung tätig und wechselte dann als Direktorin zu dem großen Zahnärztebedarf-Unternehmen Henry Schein, wo sie für die paar Stunden, die ein Direktor arbeiten muss, eine Viertelmillion Dollar jährlich kassierte. So etwas ist gängige Praxis bei Unternehmen, die wissen, dass die andere Partei wieder an die Regierung kommen wird – dann wird sich die Sache schon bezahlt machen.«

 

 

Wissenschaft oder Politik? Die Frage der Haftung

Abgesehen von diesem möglichen Interessenkonflikt gab es wahrscheinlich auch massiven Druck vonseiten des amerikanischen Zahnärzteverbands. Würde Quecksilber-Amalgam nämlich offiziell für toxisch erklärt, dann müssten schätzungsweise zwei Milliarden quecksilberhaltige Amalgam-Füllungen auf Kosten der niedergelassenen Zahnärzte oder der Versicherungen ausgetauscht werden, ganz zu schweigen von der Prozesswelle wegen gesundheitlicher Schäden.

Zahnärzte könnten sich auch kaum damit herausreden, sie hätten von den schädlichen Auswirkungen des Quecksilbers nichts gewusst. Schon im 19. Jahrhundert hat Lewis Carroll die toxische Wirkung von Quecksilber an seiner Figur des »Mad Hatters« (des Verrückten Hutmachers aus seinem Roman Alice im Wunderland) beschrieben. Bei Filzhutmachern, die mit Quecksilber-Nitrat arbeiten mussten, zeigten sich emotionelle Symptome wie plötzliche Wutausbrüche, Depression, Gedächtnisverlust, Ängstlichkeit, Schlaflosigkeit, Reizbarkeit, Halluzinationen, Wahnvorstellungen und Manie. Man bezeichnet diese Störung sogar als »Mad-Hatter-Syndrom«. Der Hersteller des Füllwerkstoffs Dispersalloy – Kapseln, die eine Mischung von Metallpuder und flüssigem Quecksilber enthalten und den Patienten eingesetzt werden – warnt auf seiner Website:

»Das Einatmen von Quecksilberdämpfen über einen längeren Zeitraum kann zu einer Quecksilbervergiftung führen, die sich durch feines Muskelzittern und Erethismus (Übererregbarkeit) bemerkbar macht. … Erethismus kann sich in abnormer Schüchternheit, Erröten, Befangenheit, Depression oder Niedergeschlagenheit, mangelnder Kritiktoleranz, Reizbarkeit oder Erregbarkeit, Kopfschmerzen, Müdigkeit und Schlaflosigkeit äußern. In schweren Fällen können Halluzinationen, Gedächtnisverlust und Minderung der geistigen Fähigkeiten auftreten.«

Eine andere Studie, die unter Verbrauchern zu großer Beunruhigung geführt hat, wurde 1990 von Dres. Lorscheider und Vimy an der University of Calgary in Alberta durchgeführt. Dabei wurden Schafen zwölf radioaktiv markierte Amalgam-Füllungen (die durchschnittliche Zahl bei Erwachsenen) eingesetzt. Eine Kontrollgruppe erhielt Füllungen mit inertem Material. Innerhalb von 30 Tagen zeigte sich bei den Schafen, die Amalgam-Füllungen erhalten hatten, eine um 50 Prozent eingeschränkte Nierenfunktion. Bei der Studie zeigte sich, dass das Quecksilber in den Amalgam-Füllungen nicht in den Zähnen verbleibt, sondern sich auf ganzen Körper und die Organe verteilt. Ähnliche Daten sind für Affen berichtet worden. Das radioaktiv markierte Quecksilber zeigte ebenfalls eine Vergiftung der inneren Organe und des Gehirns, bei Schafen wie bei Affen.

Studien am Menschen wurden u.a. an der University of Kentucky durchgeführt. Dabei zeigte sich bei 180 Einwohnern von Kentucky, die seziert wurden, nachdem sie an Alzheimer gestorben waren, eine deutliche Anreicherung von Quecksilber im Gehirn. Bei der Analyse der Konzentration von Spurenelementen zeigte sich die deutlichste Abweichung bei Quecksilber. Bei Untersuchungen der Leichname von Unfallopfern zeigte sich bei Personen mit nur fünf Amalgam-Füllungen ein drei Mal so hoher Quecksilber-Gehalt im Hirngewebe wie bei Leichnamen ohne Amalgam-Füllungen.

Andere Studien haben eine Verbindung zwischen Amalgam und Multipler Sklerose hergestellt. Der Forscher Robert Siblerud von der Colorado State University hat MS-Patienten mit Amalgam-Zahnfüllungen mit MS-Patienten verglichen, bei denen die Amalgam-Füllungen entfernt worden waren. Bei der ersten Gruppe zeigten sich deutlich weniger rote Blutkörperchen, ein niedrigerer Hämoglobinwert und Hämatokrit, weniger T-Lymphozyten und Suppressor-T8-Zellen (ein Hinweis auf eine verringerte Immunabwehr). Bei ihnen waren im vorangehenden Jahr auch 33 Prozent mehr Schübe der Krankheit aufgetreten. Bei einer anderen Studie war der Quecksilbergehalt in der Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit acht Mal so hoch wie bei einer Kontrollgruppe. Siblerud weist darauf hin, dass MS erstmals Mitte der 1830er-Jahre von einem französischen Arzt beschrieben worden ist – nicht einmal zehn Jahre nachdem erstmals in Paris für Silber/Quecksilber-Füllungen geworben worden war.

Allem Anschein nach war die Entscheidung der FDA vom 31. Juli eher politisch als wissenschaftlich motiviert. Die Auswirkung von quecksilberhaltigen Amalgam-Füllungen auf die Patienten selbst war dabei anscheinend weniger wichtig, als ihre Wirkung auf die Bilanzen von Medizinern und Versicherungen.

Wenn wir wirklich eine »klügere Medizin« wollen, die die Gesundheit der Menschen erhält, dann muss sich die Politik aus der Medizin heraushalten. Wir brauchen eine Regierungsbehörde, die ernsthafte Forschung darüber betreibt – und dafür bezahlt –, was die Menschen gesund hält und was sie krank macht, eine Behörde, die ihre Entscheidungen unabhängig von Lobbyisten, Pharmavertretern und Finanzmitteln der Industrie, die an den Ergebnissen verdient, fällt – oder von Drehtüren zwischen Politik und Industrie.

 

Beim Schreiben des Artikels hat mir D. M. D. (Dr. med. dent.) Richard Hansen beratend zur Seite gestanden. Dr. Hansen ist Mitautor von The Key to Ultimate Health: Non-Toxic Dentistry.

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