Monday, 21. May 2012
06.05.2009
 

Fliegende Schweine, Tamiflu und industrielle Viehzuchtbetriebe: Die WHO übernimmt ein Kapitel aus Michael Crichtons Roman

F. William Engdahl

Der große verstorbene amerikanische Dichter Yogi Berra hätte vielleicht gesagt: »Das wird ja alles immer absurder.« Die internationalen Behörden, die doch eigentlich für die Überwachung möglicherweise drohender neuer Pandemien verantwortlich sein sollten, nämlich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das amerikanische CDC, verhalten sich wie die Regisseure eines zweitklassigen Science-Fiction-Films aus Hollywood oder wie der Autor einer schlechten Kopie von Michael Crichtons Science-Fiction-Roman »Andromeda – Tödlicher Staub aus dem All«. Die weltweite Panik in Bezug auf den Ausbruch einer neuen von Mensch zu Mensch übertragenen Schweinegrippe-Pandemie entpuppt sich immer mehr als psychologischer Massenterror, von dem die wenigen internationalen Pharmariesen profitieren, die sogenannte »antivirale« Medikamente vertreiben – allen voran »Roche«, »SmithKlineGlaxo« und »Novavax«. Verlierer sind wir einfachen Leute.

 

Die eigenen Verlautbarungen der WHO in Genf und des US Center for Disease Control (CDC) in Atlanta, der zentralen Koordinierungsstelle in dieser

Angelegenheit, verdienen sorgfältig unter die Lupe genommen zu werden. Am 30. April veröffentlichte das CDC einen ausführlichen Bericht mit der alarmierenden Überschrift Schweine Influenza A (H1N1) Virusinfektionen in einer Schule – New York City. In dem Bericht wurde eine Schule in New York City ausführlich beschrieben, in der »bis zum 28. April fast die Hälfte (45) aller in den USA aufgetretenen Fälle einer S-OIV-Infektion bei Schülern und Mitarbeitern aufgetreten waren«. Laut CDC fanden sich in all diesen Fällen »genetisch ähnliche Viren, die später bei Patienten in Mexiko isoliert wurden«. Wir erhalten keine wissenschaftliche Erklärung für den Begriff »genetisch ähnlich«, aber er klingt auf jeden Fall sehr bedrohlich. (1)

Damals behauptete das CDC, es gebe 109 bestätigte Fälle von Schweinegrippe in den Vereinigten Staaten. 45 dieser 109 Fälle waren  in der besagten New Yorker Schule aufgetreten. In den Fernsehnachrichten wimmelte es nur so von Panikmeldungen über die unkontrollierte Ausbreitung der Schweinegrippe.

 

GSK gehört zu den Pharmariesen, die von der Schweinegrippe-Panik profitieren.

 

Am nächsten Tag, also am 29. April, erhöhte die Generaldirektorin der WHO, Dr. Margaret Chan, die Warnstufe für eine Schweinegrippepandemie von Stufe 4 auf Stufe 5 – nur eine Stufe unter einem vollen weltweiten Pandemie-Alarm.

Nach Angaben der WHO bedeutet Stufe 5, dass das Virus in mindestens zwei Ländern einer WHO-Zone nachweislich von Mensch zu Mensch übertragen worden ist. Stufe 6, die Pandemie-Stufe, wird charakterisiert als erhöhte und dauerhafte Übertragung bei der Gesamtbevölkerung. Bei ihrer Ankündigung der Erhöhung der Warnstufe setzte Frau Dr. Chan noch ungeschickterweise einen Kommentar hinzu, der dann natürlich sofort von CNN und den Medien in aller Welt begierig aufgegriffen wurde: »Es ist nun einmal so, dass bei einer Pandemie die ganze Menschheit bedroht ist.« (2) Es sei ausdrücklich festgehalten: Die WHO-Generaldirektorin hatte nicht die Pandemie-Phase 6 ausgerufen, sondern bei einer Rede in Genf lediglich beiläufig erwähnt, dass »bei einer Pandemie die gesamte Menschheit bedroht« sei.

In einer Presseerklärung des CDC hieß es: »Bis zum 3. Mai wird das CDC ein Viertel der Vorräte aus der strategischen Reserve (Strategic National Stockpile, SNS) an alle kontinentalen Bundesstaaten der Vereinigten Staaten verteilt haben. Diese Güter und Medikamente werden den Bundesstaaten und amerikanischen Territorien helfen, auf den Ausbruch zu reagieren. Zusätzlich haben die Bundesregierung und die Hersteller damit begonnen, einen Impfstoff gegen das neue H1N1-Grippevirus zu entwickeln.« (3) Damit war die Reaktionsmaschinerie auf den Ausbruch einer Pandemie in Gang gesetzt worden.

Laut CDC-Feststellung handelte es sich bei den 45 Schulkindern in New York City um »bestätigte Fälle einer von Schweinen herstammenden Influenza A (H1N1) Virusinfektion (SOIV)«. Nach Angaben der Gesundheitsbehörden hätten 95 Prozent der Kinder Symptome wie »Fieber mit Husten und/oder Halsschmerzen gezeigt, was der CDC-Definition für eine Influenza-artige Erkrankung (influenza-like illness ILI) entspreche«.

Nun gut. Man ist wohl besser vorsichtig, wenn man es mit einer neuen Form des Andromeda-Typs zu tun hat. Aber Husten? Halsschmerzen? Fieber? Sind das nicht ziemlich vage, häufige Symptome? Offenbar nicht für das CDC. Die 45 Kinder wurden sofort der wachsenden Zahl der »bestätigten Fälle« hinzu gerechnet. Die Folge: Notfallpläne wurden aktiviert, der Präsident der Vereinigten Staaten gab eine Erklärung ab, der urplötzliche Wegfall der Einnahmen aus dem Tourismusgeschäft hatte katastrophale Folgen für die ohnehin schwache mexikanische Wirtschaft, und weltweit stieg die Angst vor einer neuen Pestepidemie oder zumindest einer neuen Version der Spanischen Grippe von 1918.

Das CDC fügte noch eilig hinzu: »Die Symptome bei diesen Patienten ähneln denen bei einer normalen saisonalen Influenza.« Wer sich die Mühe macht, die folgenden drei Seiten des detaillierten CDC-Berichts zu lesen, der findet gegen Ende die Aussage: »Am 27. April berichteten 37 Patienten (84 Prozent), die Symptome verschlechterten sich nicht oder ihr Zustand bessere sich, drei (sieben Prozent) meldeten eine Verschlechterung (zwei davon meldeten später eine Besserung) und vier (neun Prozent) meldeten, die Symptome seien völlig verschwunden. Nur einer berichtete, er sei wegen einer kurzen Ohnmacht ins Krankenhaus eingewiesen und zur Beobachtung über Nacht dort behalten worden.« Das CDC setzt hinzu: »Bislang ist dieser Ausbruch in einer Schule die größte Häufung von S-OIV-Fällen in den Vereinigten Staaten.« (4)

Zusätzlich zu den 109 »bestätigten Fällen«, die in den USA berichtet wurden, einschließlich eines Todesfalls bei einem in Texas lebenden mexikanischen Jungen, berichtete das CDC, bis zum 29. April seien »insgesamt 57 bestätigte Fälle inklusive sieben Todesfälle (in Mexiko) berichtet worden. Nach Ländern in absteigender Reihenfolge: Mexiko (26), Kanada (13), Großbritannien (5),

Spanien (4), Deutschland und Neuseeland (je 3), Israel (2) und Österreich (1).« (5)

 

 

Eine aufschlussreiche Umbenennung

Jetzt zeigen die angeblichen Opfer der schlimmsten Seuche seit der mittelalterlichen Pest nicht nur Anzeichen einer bemerkenswert schnellen Besserung innerhalb weniger Tage, sondern die Weltgesundheitsorganisation gibt mitten in der weltweiten Aufregung eine Umbenennung bekannt. Am 1. Mai meldeten die WHO, das CDC und die amerikanischen National Health Institutes in Maryland, der Name Schweinegrippe sei nicht mehr angemessen, denn nach Angaben von Dr. Paul Rabadan, Professor für rechnergestützte Biologie an der New Yorker Columbia University, handele es sich zwar bei sechs der acht genetischen Abschnitte um reines Schweinevirus, die anderen Segmente seien aber Vogel- und Menschenvirus; das Virus hätte aber im vergangenen Jahrzehnt bei Schweinen überlebt. (6)

Die Umbenennung folgte auf eine massive Lobby-Arbeit der amerikanischen Schweine-Industrie, den Begriff Schweinegrippe fallen zu lassen, weil er angeblich den Verkauf von Schweinefleisch senke. Der größte Schweineproduzent der USA und weltweit, Smithfield Foods of Virginia, gehörte sicher zu denen, die sich bei der WHO und dem CDC für eine Umbenennung einsetzten. Sie bekamen, was sie wollten. Aber Umbenennung hin oder her, der gesamte Prozess der Schweineproduktion bei Smithfield Foods und anderen industriellen Viehzuchtbetrieben, offiziell als CAFO – Concentrated Animal Feeding Operation – bezeichnet, sollte genauer untersucht werden.

Die ersten Fälle und Todesfälle bei der Schweinegrippe in Mexiko wurden im Bezirk Perote in der mexikanischen Stadt La Gloria im Bundesstaat Veracruz berichtet, wo Einwohner schon Wochen vor der offiziellen Bekanntgabe gegen die Gefahren der riesigen Schweine-CAFO von Smithfield Foods in ihrem Dorf protestiert hatten. Bei Kindern und Erwachsenen aus der Umgebung des großen Abfalllagers der Anlage war angeblich eine Reihe von Symptomen aufgetreten. Smithfield Foods ist der weltgrößte industrielle Hersteller von Schweinefleisch. Das Unternehmen ist berüchtigt wegen mangelnder Gesundheits- und Sicherheitsstandards.

 

 

Schweinefäkalien und andere Nettigkeiten

Fäkalien (Feces) ist das lateinische Wort für das, was in der Welt zumeist schlicht Scheiße genannt wird, das Abfallprodukt der menschlichen oder tierischen Verdauung. Und in dieser Hinsicht sind die Schweine Weltmeister. Nach Gewicht gerechnet produziert ein Schwein im Durchschnitt drei Mal so viel Fäkalien wie ein erwachsener Mensch. Wie die Landwirtschaftsorganisation GRAIN berichtet, hat »das Auftreten großdimensionierter industrieller Viehzuchtbetriebe in Nordamerika den idealen Nährboden für das Auftreten und die Verbreitung von neuen hochvirulenten Influenza-Typen geschaffen«. (7)  Das Abfallprodukt ist der Kern des Problems.

In der GRAIN-Studie wird betont, dass die konzentrierte Fütterung der Tiere zur Konzentration einer großen Anzahl von Tieren führt und deshalb einen idealen Nährboden für Toxine und virulente Krankheitserreger darstellt. In einer Ausgabe der Zeitschrift Science aus dem Jahre 2003 wurde gewarnt, die Schweinegrippe sei »wegen der immer größer werdenden industriellen Viehproduktion und dem verbreiteten Einsatz von Impfstoffen in diesen Betrieben auf einer neuen evolutionären ›Schnellspur‹ unterwegs«. (8) Bei der Vogelgrippe gilt dasselbe, denn bei den riesigen industriellen CAFO-Mastbetrieben mit Zehntausenden von Hühnern fällt massenweise toxischer Abfall an.

Bei Smithfield Foods, dem weltgrößten Schweineschlachter und CAFO-Besitzer, hat sich eine eindrucksvolle Liste von Verstößen gegen Gesundheits- und Sicherheitsbestimmungen, einschließlich von Verstößen gegen Gesetze zur Reinhaltung von Gewässern angesammelt. Das weltweit größte Schweine-CAFO liegt in den USA, in Tar Heel im Bundesstaat North Carolina. Berichten aus der Umgebung zufolge könnte die Stadt genauso gut Schweineabfall heißen, so viel Fäkalien und andere Abfälle fallen bei dem Tar Heel CAFO der Firma Smithfield Foods an.

In einer Analyse über das Problem der Schweineabfälle hat der Experte Jeff Tietz berechnet, dass »nach den besten Schätzungen pro Jahr bei Smithfield 26 Millionen Tonnen Abfälle entstehen. Damit könnte man vier Yankee-[Baseball-]Stadien füllen. Selbst wenn man den Abfall auf die vielen kleinen Schweineproduktions-Einheiten aufteilt, die in der Umgebung der Schlachthäuser des Unternehmens liegen, dann ist das keine handhabbare Menge.« (9)

Tietz weiter: »Diese Fäkalienabfälle sind so gewaltig, dass es für das Unternehmen teuer würde, wenn es die Ausdünstungen so behandelte, wie es die Großstädte tun – selbst wenn dieser Standard nur annähernd erreicht werden sollte. Deshalb ist es vielen Zulieferern egal, dass bei ihnen große Abfallmengen aus den abgeschrägten Ställen ablaufen, sich offen und unbehandelt ansammeln, anschließend von Regen und Wind verteilt, und schließlich von der Schwerkraft in das Grundwasser und die Flüsse gedrückt werden. Das Unternehmen beteuert zwar, es verhalte sich verantwortungsbewusst gegenüber der Umwelt, doch die grobe Umweltverschmutzung ist bei dem Geschäftsmodell von Smithfield nicht zu übersehen.« (10)

Das Problem, so betonen Tietz und andere Kritiker der Umweltverschmutzung durch die CAFOs, liegt nicht in den einfachen Schweineabfällen per se, sondern darin, dass diese Abfälle enorme Mengen an Antibiotika und toxischen Chemikalien enthalten, die bei Smithfield Foods und ähnlichen industriellen CAFO-Betrieben zur »Effizienz«-Maximierung eingesetzt werden.

Tietz schreibt: »Eine Riesenmenge Schweinescheiße ist eine Sache, eine Riesenmenge hochgiftige Schweinescheiße ist aber etwas ganz anderes. Die Exkremente der Smithfield-Schweine kann man kaum noch als Schweinekot bezeichnen: auf einer Palette von Umweltgiften ist es wahrscheinlich eher in dem Bereich radioaktiver Abfälle als nur organischer Gülle einzuordnen. Der Grund für die Toxizität liegt in der Effizienz von Smithfield. Das Unternehmen produziert pro Jahr sechs Milliarden Pfund abgepacktes Schweinefleisch. Das ist eine erstaunliche Leistung, eine Produktivität, die man sich noch vor 20 Jahren nicht hätte vorstellen können. Das erreicht man nur, wenn man die Schweine in erstaunlichen, nie dagewesenen Konzentrationen aufzieht.« (11)

Das Ausmaß der Konzentration bei der vertikal integrierten Schweinefleischproduktion bei Smithfield Foods hat mit traditioneller Schweinehaltung wenig zu tun. In Anlagen, die heute in der ganzen Welt zu finden sind, leben die Schweine von Smithfield zu Hunderten oder gar Tausenden in Lagerhaus-ähnlichen Ställen, in Reihen von Pferchen, die von einer Wand zur anderen reichen. Die Sauen werden künstlich befruchtet; sie werden gefüttert und bringen ihre Ferkel in Käfigen zur Welt, die so eng sind, dass sie sich noch nicht einmal herumdrehen können.

Wie Tietz berichtet, »leben 40 voll ausgewachsene männliche Schweine mit einem Gewicht von je 250 Pfund oft in einem Pferch von der Größe einer winzigen Wohnung. Sie trampeln sich gegenseitig zu Tode. Es gibt kein Sonnenlicht, kein Stroh, keine frische Luft oder Erde. Sie stehen auf einem Lattenboden, durch den die Exkremente in ein Auffangbecken unter den Pferchen fallen können, doch außerdem können sich auch manch andere Dinge in den Pferchen ansammeln: Nachgeburten; kleine Ferkel, die versehentlich von ihren Müttern erdrückt worden sind; alte Batterien; zerbrochene Flaschen von Insektiziden; Antibiotika-Spritzen; totgeborene Ferkel – alles was klein genug ist, um durch die ca. 30 Zentimeter breiten Rohre zu passen, mit denen die Pferche ausgespült werden. Diese Rohre bleiben so lange geschlossen, bis sich in den Becken genügend Jauche angesammelt hat, dass ein guter Auslassdruck entsteht; dann werden die Rohre geöffnet und alles fließt schwallartig in ein großes Auffangbecken.« (12)

Über die toxischen Bedingungen bei den CAFOs berichtet er weiter mit den Worten: »Sie werden anfällig für Infektionen und in solch engen Quartieren verbreiten sich Mikroben, Parasiten oder Pilze, nachdem sie ein Schwein befallen haben, wie die Kobolde auf die gesamte Population. Entsprechend werden die Fabrikschweine mit riesigen Mengen Antibiotika und Impfstoffen vollgepumpt, sie werden mit Insektiziden eingenebelt. Ohne diese Wirkstoffe – Oxytetrazyklin, Draxxin, Ceftiofur, Tiamulin – würden sie wahrscheinlich an Krankheiten eingehen. Deshalb bleiben die Schweine so lange in diesen industriellen Produktionsanlagen, bis sie schließlich geschlachtet werden. Wenn ein Schwein, das kurz vor der Schlachtung steht, krank wird, dann spritzen ihm die Arbeiter oft so viele Medikamente wie nötig, dass es noch auf eigenen Beinen ins Schlachthaus wanken kann. So lange wie ein Schwein laufen kann, darf es legal geschlachtet und als Fleisch verkauft werden.« (13)

Jeff  Tietz ist nicht der Einzige, der auf das gargantueske Ausmaß des Abfallproblems der CAFOs von Smithfield Foods aufmerksam geworden ist. Die Umweltschutzbehörde der Vereinigten Staaten EPA hat Smithfield Foods wiederholt werden Verunreinigung der örtlichen Wasserversorgung durch das Ablassen der Schweineabfälle bei den CAFOs in Tar Heels und an anderen Orten in den USA verklagt. Im Bundesstaat Virginia wurde Smithfield 1997 wegen 6.900 Verstößen gegen das Gesetz zur Gewässerreinhaltung zu einer Zahlung von 12,6 Millionen Dollar verurteilt – die dritthöchste Strafe, die die EPA je gemäß dieses Gesetzes über Abfälle, die bei der Schweineschlachtung und Fleischverarbeitung anfallen, erlassen hat. (14) Derartige Strafen scheinen aber kaum nennenswerte Auswirkungen auf die Praxis der Abfallentsorgung gehabt zu haben.

 

Die Riesenmengen toxischer Abfälle, die in den Schweinezuchtfarmen in Mexiko, Rumänien und anderswo anfällt, müssen auf die davon ausgehende tatsächliche Gesundheitsgefährdung untersucht werden.

 

Smithfield Foods hat seine Schweine-CAFOs in andere Länder verlagert, in denen die Umweltbestimmungen weniger strikt geahndet werden, wie beispielsweise Rumänien, Polen und natürlich das ländliche Mexiko. Vor einigen Jahren war Smithfields Schweine-CAFO in Rumänien Gegenstand von Anschuldigungen seitens der örtlichen und bundesweiten Gesundheitsbehörden. Smithfield verweigerte den rumänischen Behörden den Zugang zu den Schweinefarmen, nachdem sich Anwohner über den Geruch von Hunderten toter Schweine beschwert hatten, die man einfach tagelang auf den Farmen hatte verwesen lassen. »Unsere Ärzte haben keinen Zugang zu den Farmen des amerikanischen [Unternehmens], um Routine-Untersuchungen durchführen zu können«, erklärte Csaba Daroczi, der stellvertretende Direktor der Hygiene- und Veterinärbehörden von Temeswar in Rumänien. »Wenn sie es versucht haben, wurden sie jedes Mal von den Wachen vertrieben. Smithfield hat uns vorgeschlagen, eine Vereinbarung zu unterzeichnen, wonach wir alle Inspektionen drei Tage vorher ankündigen sollten.« Später stellte sich heraus, dass Smithfield versucht hatte, den Ausbruch der klassischen Schweinepest auf seinen rumänischen CAFO-Farmen zu vertuschen. (15)

 

 

Das Pharmakartell tritt auf den Plan

 

Anstatt nun aber eine umfassende und unabhängige Untersuchung bei den toxischen Abfällen der Smithfield Foods CAFO in Veracruz oder ähnlichen Schweine-CAFOs in aller Welt wegen der Erzeugung von tödlichen Toxinen und  ähnlichen potenziellen Krankheitserregern zu veranlassen, scheinen sich das CDC und zunehmend auch die WHO mehr darum zu kümmern, ein positives Klima für die massenweise Verbreitung von Influenzamitteln wie Tamiflu zu

schaffen, die sich als gefährlich und in einigen Fällen sogar als tödlich erwiesen haben.

Am 14. April, also fast zwei Wochen vor der Panik über die Fälle von Schweinegrippe – oder, wie das CDC jetzt lieber sagt, von H1N1 (Schweinegrippe) Influenza – in Mexiko, gab das US-Pharmaunternehmen Novavax das Ergebnis einer vorklinischen Studie bekannt, das angeblich zeigte, dass »ein geprüfter Impfstoff mit H1N1-Virus-ähnlichen Partikeln (VLP), der auf dem Influenza-Typ der Spanischen Grippe von 1918 beruhte, sowohl gegen die Spanische Grippe als auch gegen einen hoch pathogenen H5N1 Vogelgrippevirus schützte«. Nach Angaben des Unternehmens »schützte« der gentechnisch veränderte Impfstoff von Novavax »Mäuse und Frettchen vor der Spanischen Grippe und der hoch pathogenen H5N1-Vogelgrippe«. Passenderweise »schützte er auch vor den hoch pathogenen Influenza-Typen H1N1 und H5N1«. (16)

Am 24. April veröffentlichte die WHO eine Erklärung, wonach »das Schweinegrippe-Virus  A/H1N1, das bei diesem Ausbruch beschrieben wurde, zuvor nicht bei Menschen oder Schweinen gefunden wurde. Die bisher beschriebenen Viren reagieren empfindlich auf Oseltamivir …« Oseltamivir ist der technische Name für Tamiflu, dem Medikament, das von Donald Rumsfelds Firma Gilead Sciences entwickelt und dessen Lizenz dann von Roche Inc. Aufgekauft worden ist. Passenderweise erteilte die US Food and Drug Adminstration (FDA) am 27. April eine Schnellzulassung, die es den amerikanischen Gesundheitsbehörden und anderen Stellen jetzt erlaubt, Tamiflu selbst Kindern unter einem Jahr zu verordnen. In der Erklärung der FDA heißt es, man habe sich entschieden, »den Einsatz von noch nicht genehmigten und noch nicht abgeklärten medizinischen Produkten oder den nicht genehmigten oder noch nicht abgeklärten Gebrauch von genehmigten und abgeklärten medizinischen Produkten zuzulassen, wenn zuvor ein Notstand festgestellt und erklärt worden ist«. (17)

Das legt die Vermutung nahe, dass die US-Regierung angesichts einer in Panik geratenen Bevölkerung experimentelle Medikamente bereits zugelassen hat oder in nächster Zeit zulassen wird, wie den VLP-basierten Grippeimpfstoff Novavax und die großen eingelagerten Mengen von Tamiflu und Grippemitteln, die von den Pharmariesen verkauft werden, wie beispielsweise Relenza (Zanamivir) der Firma GlaxoSmithKline.

Angesichts der Zahl der bisher weltweit »bestätigten« Fälle von Schweinegrippe vom Typus H1N1, nämlich 985 Fällen von Influenza A (H1N1) – allgemein auch Schweinegrippe-Infektion genannt – gibt es kaum einen Grund dafür, die ganze Menschheit Medikamenten auszusetzen, zu deren Nebenwirkungen Todesfälle oder schwere Komplikationen und typische Grippesymptome gehören, oder von denen, wie bei Tamiflu, noch nicht behauptet wird, sie »verhinderten oder heilten« die Grippe. Das ganze Drama der vergangenen Wochen liest sich mehr und mehr wie eine schlechte Neuauflage von Crichtons Andromeda – Tödlicher Staub aus dem All.

Eine weitere bizarre Randnotiz des ganzen Dramas war die Veröffentlichung eines Fantasieszenarios der WHO im November 2004, auf dem Höhepunkt der damaligen weltweiten Panik über die angebliche Vogelgrippe, als Tamiflu erstmals von Donald Rumsfeld und anderen als Wundermittel angepriesen wurde. Für eine UN-Behörde, die normalerweise langweilige wissenschaftliche Mittelungen für die Ärzte und Gesundheitsbehörden der Welt herausgibt, war der Bericht von 2004 ungewöhnlich »weitsichtig«, was die gegenwärtige Panik über die Schweinegrippe angeht. In einem Abschnitt mit der bezeichnenden Überschrift »Irgendwann in der Zukunft …« schrieb die WHO vor gut vier Jahren:

»Gerüchte über den Ausbruch einer ungewöhnlich schweren Atemwegserkrankung in zwei Dörfern in einer entlegenen Provinz haben das Gesundheitsministerium in einem Mitgliedsland der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erreicht. Ein Team ist in die Provinz geschickt worden und hat dort erfahren, dass der Ausbruch etwa einen Monat zuvor begonnen hat. Das Team kann mindestens 50 Fälle im vergangenen Monat identifizieren. Alle Altersgruppen sind betroffen. 20 Patienten werden derzeit im Provinzkrankenhaus behandelt. Fünf Menschen sind bereits an Lungenentzündung und akutem Atemversagen gestorben. Die Untersuchungen im umliegenden Gebiet werden verstärkt, neue Fälle werden in der gesamten Provinz festgestellt. Den Atemwegen mehrerer Patienten entnommene Proben werden im nationalen Untersuchungslabor untersucht und erweisen sich als positiv für einen Influenza- A-Virus, können aber nicht weitergehend typisiert werden. Die Isolate werden zur Charakterisierung an das Influenza-Referenzzentrum der WHO geschickt, wo sie als Influenza A (H6N1) bestimmt werden, ein Untertypus, der nie zuvor beim Menschen isoliert worden ist. Untersuchungen der Gen-Sequenzialisierung deuten weiter darauf hin, dass die meisten viralen Gene von einem Vogelgrippe-Virus, die übrigen Gene von einem menschlichen Typus stammen.« (18)

Dieses fiktive Szenario der WHO aus dem Jahre 2004 liest sich wie eine Anleitung für das, was sich seit Ende April in den USA, Mexiko und anderen Ländern ereignet hat. Es führt zu der ernsthaften Frage, ob die Welt einer riesigen psychologischen Kriegsführung unterworfen wird mit dem Ziel, die Menschen dazu zu bringen, große Dosen gefährlicher Medikamente einzunehmen, um einer Gefahr zu begegnen, die es in der behaupteten Form gar nicht gibt.

Jetzt, wo die Zahl der berichteten Fälle in Mexiko deutlich sinkt und es wenige Anzeichen für eine Wiederholung der Spanischen Grippe von 1918 oder Schlimmerem gibt, wie die Behörden noch vor wenigen Tagen gewarnt hatten, ist es an der Zeit, eine weltweite Gesundheitsprüfung der Schweine-CAFOs und anderen industriellen Viehzucht-Großbetrieben zu veranlassen und die offizielle Vertuschung der potenziell enormen Gesundheitsgefährdung zu beenden.

 

 

__________

Fußnoten:

(1) Centers for Disease Control, »Swine-Origin Influenza A (H1N1) Virus Infections in a School – New York City, April 2009«, 30. April 2009. Aufrufbar unter: http://www.cdc.gov/mmwr/preview/mmwrhtml/mm58d0430a1.htm.

(2) Margaret Chan, Generaldirektorin der WHO, zitiert in Murray Wardrop, »Swine flu All of humanity under threat WHO warns«, Daily Telegraph, London, 30. April 2009.

(3) CDC, »H1N1«, aufrufbar unter: http://www.cdc.gov/h1n1flu/.

(4) Centers for Disease Control, »Swine-Origin Influenza A (H1N1) Virus Infections in a School – New York City«, a.a.O.

(5) Ebenda.

(6) Seth Borenstein, »Swine flu name change? Flu genes spell pig«, AP, 1. Mai 2009, aufrufbar unter: http://www.physorg.com/news160371024.html.

(7) GRAIN, »A food system that kills: Swine flu is meat industry’s latest plague«, April 2009, aufrufbar unter: http://www.grain.org/articles/?id=48.

(8) Bernice Wuethrich, »Chasing the Fickle Swine Flu«, Science, Bd. 299, 2003.

(9) Jeff Tietz, »Pork’s Dirty Secret: America’s Top Hog Producer is also one of America’s Worst Polluters, Rolling Stone, 14. Dezember 2006.

(10)  Ebenda.

(11) Ebenda.

(12) Ebenda.

(13) Ebenda.

(14) EPA, UNITED STATES SUES SMITHFIELD FOODS FOR POLLUTING VIRGINIA WATERWAYS, Presseerklärung, 16. Dezember 1996.

(15) Mirel Bran, »Swine Plague: Romania Criticizes American Group’s Attitude, Le Monde, 15. August 2007«, englische Übersetzung von Leslie Thatcher, zitiert in GRAIN a.a.O.

(16) Tricia J. Richardson, »NOVAVAX Announces Publication of a Preclinical Study Demonstrating that a Virus-like Particle Vaccine Provided Protection Against Highly Pathogenic H1N1 and H5N1 Influenza Strains, 14. April 2009, Rockville, Md. Press Release.

(17) FDA News, »FDA Authorizes Emergency Use of Influenza Medicines, Diagnostic Test in Response to Swine Flu Outbreak in Humans, 27. April 2009.

(18) WHO, WHO checklist for influenza pandemic preparedness planning, November 2004, aufrufbar unter: http://209.85.129.132/search?q=cache:XuupgF1uNAIJ:www.who.int/csr/resources/publications/influenza/FluCheck6web.pdf+who+influenza+pandemic+preparedness+checklist&cd=1&hl=de&ct=clnk&gl=de&client=firefox-a.

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