
Glyphosat wurde von Monsanto in den 1970er-Jahren als sogenanntes Breitband-Unkrautvernichtungsmittel zum Patent angemeldet, lange bevor GVO auf den Markt kamen. Es wird normalerweise versprüht und über die Blätter aufgenommen, oder es wird als Herbizid in der Forstwirtschaft verwendet. Es wurde patentiert und wird von Monsanto unter dem Handelsnamen Roundup vertrieben. Roundup enthält weitere, nicht deklarierte Inhaltsstoffe, die das Unternehmen als »Branchengeheimnis« hütet. 2005 wurden auf 87 Prozent aller Sojabohnen-Anbauflächen in den USA Glyphosat-resistente, gentechnisch veränderte Sojabohnen-Sorten angebaut. Die Felder wurden regelmäßig mit Roundup besprüht.
Das Saatgut von Monsantos Roundup-Ready-GVO-Sojabohnen und von anderen Feldfrüchten ist gentechnisch so manipuliert, dass es gegen das Herbizid Roundup »resistent« ist, während alle anderen Pflanzen von Roundup zerstört werden. Also sind Landwirte, die Roundup-Ready-Saatgut verwenden, gezwungen, auch das Herbizid Roundup zu kaufen. Das heißt, der Markt ist vollkommen abhängig von Saatgut und Unkrautvernichtungsmittel.
Abgesehen davon, dass sich mit dem Auftreten von Roundup-resistenten »Super-Unkräutern« eine neue biologische Katastrophe anbahnt (siehe den Beitrag »Katastrophale Folgen von GVO-Pflanzen in den USA – eine Lektion für die EU« auf dieser Website), besteht das Problem bei diesem für das Unternehmen so vorteilhaften Arrangement darin, dass sich jetzt gezeigt hat, dass Glyphosat als eine der am stärksten toxischen Substanzen in der Landwirtschaft mit Geburtsfehlern in Verbindung steht. Die US-Umweltbehörde Environment Protection Agency (EPA) betrachtet Roundup dennoch weiterhin als von »relativ geringer Toxizität und frei von karzinogener oder teratogener [d.h. Missbildungen hervorrufender] Wirkung«. Die US-Regierung verlässt sich beim Erlass von Sicherheitsbestimmungen stur allein auf die Testergebnisse, die von Monsanto und der Agrobusiness-Industrie selbst herausgegeben werden. Gemäß der Doktrin der Substanziellen Äquivalenz aus dem Jahr 1992 gilt GVO-Saatgut als »substanziell äquivalent« mit unbearbeitetem Saatgut. Unabhängige Gesundheits- oder Sicherheitstests sind daher nicht erforderlich. Zwar gelten für Herbizide abweichende Bestimmungen, doch angesichts des enormen Einflusses der Agrobusiness-Industrie auf die Politik der Regierung wird Roundup mit Nachsicht behandelt.
Beunruhigende Ergebnisse
Jetzt hat also ein Team von Wissenschaftlern aus Großbritannien, Brasilien, den USA und Argentinien unter Leitung von Prof. Andrés Carrasco gezeigt: Glyphosat, der Hauptwirkstoff von Roundup, ruft bei Embryos von Fröschen und Hühnern Missbildungen hervor, und zwar bereits in Konzentrationen, die weit unter den beim Versprühen in der Landwirtschaft üblichen und auch weit unter den Werten der zurzeit in der EU zugelassenen Produkte liegen.* Den Anstoß zu der Untersuchung der Auswirkung von Glyphosat auf die embryonale Entwicklung durch Carasscos Gruppe hatten Berichte über die hohe Zahl von Geburtsfehlern in landwirtschaftlichen Gebieten in Argentinien gegeben, in denen Monsantos gentechnisch veränderte Roundup-Ready- (RR-) Sojabohnen angebaut werden. Es handelt sich um große Monokulturen, die regelmäßig aus der Luft besprüht werden. RR-Soja ist so verändert, dass sie Roundup widersteht. Die Landwirte können deshalb das Herbizid reichlich versprühen, während die Ernte heranwächst.
Carrasco stellte seine Forschungsergebnisse bei einer Pressekonferenz im Rahmen der Sechsten Europäischen Konferenz Gentechnikfreies Europa im Europäischen Parlament vor. Er erklärte: »Die Ergebnisse im Labor passen zu den Missbildungen, die bei Menschen beobachtet werden, die während der Schwangerschaft Glyphosat ausgesetzt waren.«
Erste Berichte über Missbildungen bei Menschen gab es in Argentinien Anfang 2002, zwei Jahre nach Beginn des verbreiteten Besprühens von Roundup und des Anbaus von RR-Sojabohnen. Die Versuchstiere, die Carrasco und seine Gruppe verwendet haben, weisen ähnliche Entwicklungsmechanismen wie Menschen auf. Die Autoren kamen zu dem Schluss, die Ergebnisse »geben Anlass zur Sorge über die klinischen Ergebnisse bei Nachkommen von Menschen, die dem Einsatz von Roundup auf Feldern ausgesetzt sind«. Carrasco weiter: »Die Toxizität von Glyphosat wird zu niedrig eingestuft. In einigen Fällen kann es wie ein starkes Gift wirken.«
Der zulässige Höchstwert in der EU für Rückstände (maximum residue level, MRL) von Glyphosat wurde für Soja 1997 um das 200-Fache von 0,1 mg/kg auf 20 mg/kg erhöht, als in Europa mit dem kommerziellen Anbau von Roundup-Ready-Soja begonnen wurde. Carracso fand Missbildungen bereits bei Embryos, denen 2,03 mg/kg Glyphosat injiziert worden war. Sojabohnen können im Normalfall Glyphosat-Rückstände von bis zu 17 mg/kg enthalten.
Im August 2010 kam es in der Stadt La Leonesa in der Provinz Chaco bei einer Vortragsveranstaltung von Prof. Carrasco über seine Forschungsergebnisse zu einem organisierten Angriff auf die Zuhörer. Augenzeugen berichteten, örtliche Vertreter der Agro-Industrie hätten hinter dem Angriff gestanden. Viviana Peralta, eine Hausfrau aus San Jorge in der argentinischen Provinz Santa Fe, und ihr Baby mussten ins Krankenhaus eingewiesen werden, nachdem in der Nähe ihres Hauses von Flugzeugen aus Roundup versprüht worden war. Peralta und andere Anwohner klagten vor Gericht. Das Sprühen von Roundup und anderen Agrochemikalien in der Nähe von Häusern wurde per Gerichtsurteil untersagt.
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