Tuesday, 21. October 2014
31.01.2008
 
 

Zur aktuellen Gentechnik-Diskussion: Kann es in einer Welt mit »Gen-Food« Frieden geben?

F. William Engdahl

In Deutschland sind große Teile der Bevölkerung gegen die Verwendung von Genetisch Veränderten Organismen (GVO) für die Produktion in tierischer und menschlicher Ernährung. Die Verantwortlichen im Establishment interessiert das wenig. Offenbar haben Letztere aber vergessen, dass die GVO auch rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen …

Im Kern stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage des Genozids. Ich zitiere die Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes der Vereinten Nationen von 1948. Deren Artikel II definiert den Begriff des Völkermordes: »In dieser Konvention bedeutet Völkermord eine der folgenden Handlungen, die in der Absicht begangen wird, eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerstören:

a) Tötung von Mitgliedern der Gruppe;
b) Verursachung von schwerem körperlichem oder seelischem Schaden an Mitgliedern der Gruppe;
c) vorsätzliche Auferlegung von Lebensbedingungen für die Gruppe, die geeignet sind, ihre körperliche Zerstörung ganz oder teilweise herbeizuführen;
d) Verhängung von Maßnahmen, die auf die Geburtenverhinderung innerhalb der Gruppe gerichtet sind.«

Artikel III lautet: »Die folgenden Handlungen sind zu bestrafen:

a) Völkermord,
b) Verschwörung zur Begehung von Völkermord, [...]
e) Teilnahme am Völkermord.«

Und Artikel IV: »Personen, die Völkermord oder eine der sonstigen in Artikel III aufgeführten Handlungen begehen, sind zu bestrafen, gleichviel ob sie regierende Personen, öffentliche Beamte oder private Einzelpersonen sind.«

Ich möchte anhand von drei Fällen, die mit dem Einsatz von genmanipulierten Organismen zu tun haben, illustrieren, warum wir die Umsetzung des internationalen Gesetzes gegen den Genozid einfordern müssen. Wir müssen Prozesse gegen Regierungen, Wissenschaftler und private Unternehmer in Gang setzen, die sich daran beteiligen, unserer Bevölkerung eine GVO-Landwirtschaft anzudrehen. Das erste Beispiel betrifft das GVO-Getreide im Irak. Danach zeige ich auf, wie Argentinien mit GVO-Getreide überrollt wurde, und schliesslich befasse ich mich mit einer kleinen Biotechnologie-Firma in San Diego.

 

I. Irak erhält die amerikanische »Saat der Demokratie«

»Der Grund, warum wir im Irak sind, ist, die Saat der Demokratie zu säen, damit sie dort gedeihen und sich im gesamten Gebiet der autoritären Regimes verbreiten kann.« – George W. Bush

Als George W. Bush davon sprach, die »Saat der Demokratie« zu säen, haben wohl nur wenige daran gedacht, dass er das Saatgut des US-Konzerns Monsanto meinte. In der Folge der US-Besatzung im Irak im Mai 2003 wurde Paul Bremer III, ein früherer Weggefährte Henry Kissingers, von der Übergangsverwaltung der Koalition (Coalition Provisional Authority – CPA) als Verwalter eingesetzt. Bremer hatte die Kontrolle über das gesamte Gebiet und erstattete jeweils Bericht an Donald Rumsfeld. Im April 2004 erließ Bremer 100 neue, langfristig verbindliche Gesetze, um den Irak unter Kontrolle zu halten. Die von den Vereinigten Staaten verfügten Gesetze, die Orders, wie sie genannt wurden, sollten sicherstellen, dass der Wiederaufbau der Wirtschaft des Irak eine Neuauflage des von den USA angeordneten Modells des »freien Marktes« wird. »Das Konzept ist, daraus einen völlig freien Markt zu machen«, sagte ein Sprecher des Büros für den Wiederaufbau des Irak bei USAID (US Agency for International Development).

 

Order 81

Zu den Erlassen von Bremer gehörte Order 81, das »Patent-, Industriedesign-, Geheiminformations-, Integrierte Schaltungs- und das Pflanzenartengesetz«.

Order 81 erteilte den Inhabern von Patenten auf bestimmte Pflanzenarten – lauter große ausländische multinationale Firmen – die absoluten Rechte über die Anwendung ihres Saatguts in der irakischen Landwirtschaft für die Dauer von 20 Jahren. Bei den geschützten Pflanzenarten handelte es sich um Genetisch Veränderte Organismen (GVO).

 

Irakischer Saatgut-Schatz zerstört

Die Iraker betreiben seit etwa 8000 vor Christus Landwirtschaft; und sie haben Saatgut-Arten für fast jede Weizenart entwickelt, die man heute auf der Welt nutzt. Sie praktizierten ein bestimmtes System, indem sie Saatgut aufbewahrten, wieder einpflanzten und im Laufe der Zeit Hybrid-Arten heranzogen, die eine natürliche Widerstandsfähigkeit aufwiesen. Unter Order 81 ist dies jetzt de facto illegal. Seit vielen Jahren bewahrten die Iraker Proben dieser kostbaren natürlichen Saatgut-Arten in einer nationalen Saatgut-Bank in Abu Ghraib auf. Unter der US-Besatzung verschwand diese außerordentlich wertvolle Saatgut-Bank.

Die CPA-Order 81 übergab die zukünftige Nahrung des Irak den globalen, multinationalen Privatfirmen. Geschrieben wurden die Details der Order 81 für Paul Bremer vom Monsanto-Konzern, dem weltweit führenden Lieferanten für GVO-Saatgut und -Getreide.

 

Kein Saatgut vorhanden für die Aussaat

Im Zuge des Irak-Kriegs waren die irakischen Bauern gezwungen, sich an ihr staatliches Landwirtschaftsministerium zu wenden, um neues Saatgut zu erhalten. Vordergründiges Ziel der Order 81 war‚ »gutes Qualitäts-Saatgut im Irak zu garantieren und den Beitritt des Irak zur Welthandelsorganisation WTO zu unterstützen«. Was »gute Qualität« war, wurde von den Besatzungsbehörden definiert. Sobald die Order 81 herausgegeben war, begann USAID mit der Lieferung von Tausenden von Tonnen aus den USA stammenden »hochwertigen zertifizierten Weizen-Saatgutes«, das subventioniert war und vom Landwirtschaftsministerium anfangs nahezu kostenlos an verzweifelte irakische Bauern verteilt wurde. USAID verweigerte unabhängigen Wissenschaftlern die Erlaubnis, festzustellen, ob es sich bei diesem Saatgut um GVO-Saatgut handelte oder nicht.

Zweck der Order 81 war die Etablierung eines neuen Marktes für Saatgut im Irak, auf dem transnationale Konzerne ihr – genmodifiziertes – Saatgut verkaufen können, das die Bauern in jeder Saison aufs neue würden kaufen müssen. Die alte irakische Verfassung hatte den privaten Besitz von biologischen Rohstoffen verboten. Das neue, von den USA aufgezwungene Patentrecht führte ein System verschiedener Monopolrechte auf Saatgut ein.

 

»Gebt ihnen doch Pasta zu essen!«

Sechs Sorten von Weizen-Saatgut sollten für den Irak entwickelt werden. Drei davon sollten von Bauern verwendet werden, um jenen Weizen anzubauen, den man für Pasta braucht. Das heißt, 50 Prozent des Getreides, das nach 2004 im Irak mit Hilfe der USA angebaut worden war, war für den Export vorgesehen, denn Pasta ist ein Nahrungsmittel, das der irakischen Ernährung fremd ist.
Im Frühjahr 2004, als die Order 81 von Bremers Übergangsverwaltung verkündet worden war, protestierten Anhänger des radikalen jungen Geistlichen Moqtada al Sadr gegen die Schließung der Zeitung al Hawza durch die amerikanische Militärpolizei. Die Übergangsverwaltung hatte al Hawza angeklagt, »falsche Artikel« veröffentlicht zu haben, »die eine echte Bedrohung durch Gewalt darstellen«. Als Beispiel zitierte man einen Artikel, in dem behauptet wurde, Bremer »verfolge eine Politik, das irakische Volk verhungern zu lassen und die Menschen so mit der Sorge um ihr tägliches Brot zu beschäftigen, dass sie keine Gelegenheit finden, ihre politische und individuelle Freiheit zu fordern«.

 

II. »Don’t cry for me, Argentina«

Kein Land erlebte eine so radikale Umgestaltung seiner Landwirtschaft wie Argentinien.

In den 1970er-Jahren verfügte Argentien über einen bemerkenswerten Lebensstandard. Das Landwirtschaftssystem war vielfältig, produktiv und hauptsächlich von kleinen Familienbetrieben bestimmt. Die Qualität des argentinischen Rindfleischs war damals so gut, dass es mit dem texanischen konkurrieren konnte. Der reiche Landbau und die Farmen erwirtschafteten einen großen Mehrertrag, der weit über den heimischen Nahrungsbedarf hinausging. Die Landwirtschaft brauchte keine staatlichen Subventionen, und die Schulden der Farmer waren minimal. Das alles änderte sich mit der Schuldenkrise in den 1980er-Jahren.

Im Jahre 1989 kam mit Präsident Carlos Menem, einem engen Freund von George Bush Sen. und David Rockefeller, eine neue Phase der wirtschaftlichen Zerstörung über das Land. Mit dem Argument, der Export von GVO-Sojabohnen sei notwendig, um die Auslandsschulden zu bezahlen, transformierte Menem die Landwirtschaft Argentiniens in eine neue Monokultur für den Export.

Im Jahre 1991 wurde Argentinien zum geheimen Experimentierfeld, auf dem die Verwendung von gentechnisch manipulierten Pflanzen für die landwirtschaftliche Produktion getestet werden sollte. Menem setzte eine Beraterkommission für Biotechnologie ein, um die Lizenzvergabe für Feldversuche an GVO-Maissorten, Sonnenblumen, Baumwolle, Weizen und insbesondere an Sojabohnen zu überwachen. Eine öffentliche Debatte von seiten der Regierung oder der Kommission darüber, ob GVO-Pflanzen eine sichere Sache seien, gab es nicht. Bis dahin waren nirgendwo sonst GVO-Pflanzen in diesem Ausmaß angebaut worden.

Die Biotechnologie-Kommission traf sich im geheimen, ihre Forschungsergebnisse wurden niemals veröffentlicht. Sie handelten im Auftrag ausländischer transnationaler GVO-Saatgutkonzerne. Das wiederum war keine Überraschung, schließlich waren die Kommissionsmitglieder Angestellte von Monsanto, Syngenta und Dow AgroSciences. 1996 vergab Menem eine Lizenz an den Monsanto-Konzern aus St. Louis, Missouri, dem weltgrößten Hersteller von genmanipuliertem Sojabohnen-Saatgut, einem strategisch wichtigen Futtermittel für die weltweite Landwirtschaft.

Nachdem nach 1996 GVO-Sojabohnen-Saatgut in die argentinische Landwirtschaft eingebracht worden war, begannen große ausländische Firmen wie Cargill und ausländische Versicherungsgesellschaften und Konzerne wie beispielsweise Seabord Corp. mit Massenaufkäufen von jetzt (in Dollars gerechnet) spottbilligem argentinischem Ackerland. Der Boden Argentiniens wurde in eine riesige industrielle Produktionsstätte für Saatgut umgewandelt.

Als Folge der Wirtschaftskrise gaben die Banken Millionen von Hektar besten Ackerlandes zur Versteigerung frei. Die einzigen Käufer, die Dollars investieren konnten, waren ausländische Gesellschaften oder Privatpersonen. Den Kleinbauern bot man Centbeträge für ihr Land, lehnten sie das ab, vertrieb man sie manchmal mit Terror oder Polizeigewalt. Im Jahre 2001 war der New Yorker Milliardär und Hedgefond-Spekulant George Soros mit seiner argentinischen Holding-Gesellschaft, Adeco Agropecuria, der größte Landbesitzer in Argentinien.
Zur Profitmaximierung wurden nach dem Vorbild von Kansas ausgedehnte Landflächen so hergerichtet, dass riesige Landwirtschaftsmaschinen rund um die Uhr betrieben werden konnten. Die Anlagen werden oft mittels GPS-Satelliten-Navigation ferngesteuert, so dass nicht einmal ein Bauer nötig ist, um einen Traktor zu fahren. Ein Landwirtschaftssystem, das einstmals auf der Grundlage von produktiven Familienbetrieben funktionierte, wurde zurückgeworfen in einen neofeudalistischen Zustand, beherrscht von einer Handvoll mächtiger, reaktionärer, reicher Großgrundbesitzer im Stile der Latifundisdas.

Die GV-Soja-Revolution in Argentinien gestaltete die Landwirtschaft innerhalb von zehn Jahren völlig um. In den 1970er-Jahren hatten Sojabohnen keine wesentliche Rolle gespielt. Im Jahre 2004, nach acht Jahren Monsanto, waren mehr als 14 Millionen Hektar GV-Sojabohnen angebaut worden. Große Maschinen hatten die Wälder gerodet.

Landwirtschaftliche Vielfalt wich innerhalb kürzester Zeit einer Monokultur.
Mehr als ein Jahrhundert lang bestand das argentinische Ackerland, vor allem die Pampas, aus weiten Mais- und Weizenfeldern inmitten grüner Weiden, auf denen Viehherden grasten. Um die Bodenqualität zu erhalten, ließen die Bauern auf den Äckern im Fruchtwechsel Getreideanbau dem Gras für das Vieh folgen. Mit dem Sojabohnenanbau wurde das Land eine Monokultur, und weil die Sojapflanzen dem Boden wichtige Nährstoffe entziehen, brauchen die Pflanzen immer mehr chemischen Dünger von Monsanto. Die großen Rinder- und Milchviehherden, die jahrzehntelang frei auf den Weiden umhergezogen waren, wurden nun nach US-Manier in enge Massenfutterparzellen gepfercht, um Platz für die lukrativeren Sojabohnen zu schaffen. Der argentinische Agrar-Ökologe Walter Pengue, ein Spezialist auf dem Gebiet der Wirkung von GV-Sojabohnen, sagte weitblickend: »Wenn wir so weitermachen, wird dieser Boden in vielleicht 50 Jahren überhaupt nichts mehr hervorbringen.«

Schon 2004 nahmen die Sojabohnenpflanzen fast die Hälfte, das heißt 48 Prozent, des gesamten Ackerlandes in Argentinien ein, und 97 Prozent dieser Bohnen waren GVO-Sojabohnen von Monsanto. Zwischen 1988 und 2003 war die Zahl der argentinischen Milchviehalter auf die Hälfte reduziert worden. Zum ersten Mal mußte Milch eingeführt werden – aus Uruguay zu weit höheren Preisen. Weil der Anbau von Sojabohnen Hunderttausende von ihrem Land vertrieben hatte, nahmen Armut und Mangelernährung rapide zu.

Noch in den 1970er Jahren galt Argentinien als ein Land mit einem der höchsten Lebensstandards der Welt. Prozentual lag 1970 der Anteil seiner Bevölkerung, der offiziell unter der Armutsgrenze lebte, bei fünf Prozent. 1998 war der Bevölkerunganteil unter der Armutsgrenze schon auf 30 Prozent gestiegen, und 2002 bereits auf 51 Prozent.

Im Jahre 2003 stieg die Unterernährung, die man im früheren Argentinien nie gekannt hatte, auf eine geschätzte Höhe zwischen elf und 17 Prozent bei einer Gesamtbevölkerung von 37 Millionen an. Inmitten der einschneidenden nationalen Wirtschaftskrise, die aus den Staatsdefiziten resultierte, mußten die Argentinier einsehen, dass sie nicht länger in der Lage waren, ihr Überleben so wie früher auf einem kleinen Stückchen Land sichern zu können. Das Land war überzogen mit riesigen GVO-Sojaflächen, die sogar den Anbau von normalem, lebensnotwendigem Getreide blockierten.

Feudale Großgrundbesitzer begannen mit einer Massenabholzung des Waldes, um für massenhaften GVO-Sojaanbau Platz zu schaffen. Plötzlich wurde den bäuerlichen Gemeinschaften mitgeteilt, ihr Land gehöre jemand anderem. Wenn sie sich dann weigerten, freiwillig wegzugehen, stahlen bewaffnete Gruppen oft ihr Vieh, verbrannten ihr Getreide und drohten noch mehr Gewalt an. Innerhalb weniger Jahre wurden so mehr als 300.000 Kleinbauern und Farmer von ihrem Land vertrieben.

Da die GVO-Sojabohnen-Revolution die traditionelle landwirtschaftliche Produktion zerstört hatte, erlebten die Argentinier einen dramatischen Wandel der verfügbaren Nahrungsmittel. Der Wirtschaftskrise im Jahre 2002 war die Bevölkerung auf Grund der neuen Sojabohnen-Monokultur hoffnungslos ausgeliefert. Hunger breitete sich über das Land aus. Nun fürchtete die Landesregierung Aufstände wegen der fehlenden Nahrungsmittel, und sie reagierte, unterstützt von Monsanto und den riesigen internationalen Sojabohnenabnehmern wie Cargill, Nestlé und Kraft Foods darauf. Obwohl diese Sojabohne als Tierfutter angebaut wurde, verteilte man den Hungernden mildtätig Sojaspeisen, um einen stärkeren Konsum von Sojabohnen zu fördern.

Auf dem Lande waren die Auswirkungen der Sojabohnen-Monokultur noch verheerender. Die traditionellen bäuerlichen Gemeinschaften in der Nähe der riesigen neuen Sojabohnen-Plantagen waren ernstlich betroffen, durch das Besprühen der Sojabohnen aus der Luft mit Pestiziden, dem Glyphosat Roundup Ready von Monsanto. In Loma Senes fanden die Bauern, die dort verschiedene Gemüse für ihren Eigenbedarf angebaut hatten, die gesamte Ernte vernichtet, nachdem die angrenzenden Felder mit Roundup Ready besprüht worden waren, einem Pestizid, das alle Pflanzen vernichtet, außer den speziellen, genmanipulierten Monsanto-Pflanzen, die »Unkrautvernichtungsmittel-resistent« sind.

Eine Studie von 2003 zeigt, dass das Besprühen nicht nur ihre Ernte zerstört hatte. Ihre Hühner waren gestorben und andere Tiere, vor allem Pferde, erlitten Schaden. Bei den Menschen führten die gesprühten Unkrautvernichtungsmittel zu schwerer Übelkeit, Durchfall, Erbrechen und Hautverletzungen. Aus verschiedenen Berichten geht hervor, dass Tiere in der Nähe von GVO-Sojabohnenfeldern mit Missbildungen geboren wurden. Man hörte von missgebildeten Bananen und Süßkartoffeln, von Seen, die plötzlich voller toter Fische waren. Bauernfamilien berichteten, nach dem Besprühen der nahegelegenen Sojafelder bei ihren Kindern seltsame Flecken auf dem Körper entdeckt zu haben.

 

Ein Gewächshaus voll spermizidem Mais

In San Diego gab im September 2001 eine kleine private Firma für Biotechnologie namens Epicyte eine Pressekonferenz. Ihre Vertreter berichteten, Epicyte hätte erfolgreich das ultimative GVO-Getreide entwickelt – empfängnisverhütenden Mais. Dafür hätten sie von Frauen mit einer seltenen Anlage, bekannt als Immun-Unfruchtbarkeit, Antikörper gewonnen. Anschließend habe man die Gene isoliert, die für diese Unfruchtbarkeits-Antikörper zuständig sind, und sie mit Hilfe von Gentechnik in gewöhnliche Maispflanzen eingebaut.
»Wir haben ein Treibhaus voller Maispflanzen, die Abwehrstoffe gegen Spermien bilden«, brüstete sich der Präsident von Epicyte, Mitch Hein.

Epicyte hatte gerade einen Forschungs- und Lizenzvertrag mit dem Gentech-Riesen Dow Chemical abgeschlossen – dem früheren Produzenten des in Vietnam angewendeten Agent Orange und einem der drei Agrobusiness-Giganten für genetisches Saatgut in den USA. Der Zweck dieses Joint-venture, so ließ man damals verlauten, sei die Kombination des technologischen Durchbruchs von Epicyte mit der Stärke von Dow AgroSciences auf dem Gebiet der genetischen Manipulation von Getreidepflanzen. Epicyte war auch eine Zusammenarbeit mit Syngenta eingegangen, einem schweizerischen Giganten auf dem Gebiet des GVO-Saatguts. Im Oktober 2002 berichtete CBS-News, dass auch das Landwirtschaftsministerium der Vereinigten Staaten landesweite Feldversuche mit dem Anbau von Pharmaziebestandteilen in verschiedenen Pflanzen finanziert habe, dazu gehörte auch die Unterstützung der Spermizid-Getreidetechnologie von Epicyte. Epicyte präsentierte seinen genmanipulierten Spermizid-Mais als einen Beitrag zum Problem der weltweiten »Überbevölkerung«. Man vermutete damals, dass er ab 2006 oder 2007 kommerziell genutzt werden könne.

Nach der Presseerklärung war die Diskussion von Epicytes Durchbruch wieder vom Tisch. Die Firma selbst wurde im Mai 2004 von einer privaten Biotech-Gesellschaft aus Pittsboro in North Carolina übernommen. Biolex erwarb Epicyte Pharmaceutical. In den Medien war nichts mehr zu hören über die Entwicklung von Spermizid-Mais. Das Thema verschwand von der Bildfläche.

Aus informierten Kreisen aber war zu hören, die Forschung werde auf geheimer Grundlage weiterverfolgt, da Mais, nach dessen Verzehr das männliche Sperma unfruchtbar sein würde, politisch von explosiver Bedeutung ist. Die mexikanischen Farmer waren sowieso schon in Aufruhr wegen der unerlaubten Verbreitung von genmanipuliertem Mais mitten in der Schatzkammer Mexikos für Maisanbau in Oaxaca. Man kann sich daher vorstellen, welche Auswirkung es gehabt hätte, wenn der Mais, das Hauptnahrungsmittel der meisten Mexikaner, untersucht würde und herauskäme, dass er Epicytes empfängnisverhütende Antikörper enthielte. »Möchten der Herr einen empfängnisverhütenden Maiskolben oder vielleicht eine Killer-Tortilla?« Oder wie wäre es mit der Schüssel Kellog’s Cornflakes nebendran?

Angefangen vom Terminator-Selbstmordsaatgut bis hin zum genmanipulierten Mais mit empfängnisverhütender Wirkung wurde bald klarer, warum mächtige elitäre Zirkel in den Vereinigten Staaten, engagierte Neo-Malthusianer, die Einführung von genmanipuliertem Saatgut in die Nahrungsketten der Welt zu ihrem obersten strategischen Ziel erkoren haben. Diese Elite setzt sich nicht allein aus den Rockefeller- und Ford-Foundations und anderen Stiftungen zusammen, die eng verwoben sind mit dem privaten Familienvermögen der reichsten Familien Amerikas. Es gehören auch das US-Außenministerium, der Nationale Sicherheitsrat, das US-Landwirtschaftsministerium und führende politische Kreise des Internationalen Währungsfonds, der Weltbank und der Behörden der Vereinigten Staaten, einschließlich der WHO und der FAO, dazu.
Die Reduzierung der Bevölkerungszahlen und genmanipulierte Pflanzen waren Teil der gleichen umfassenden Strategie: einer drastischen Verminderung der Weltbevölkerung. Einige, vor allem Menschen aus der katholischen Kirche und deren Umfeld sowie Minderheitenorganisationen in den USA und im Ausland, hatten den Mut, den Vorgang als das zu bezeichnen, was er wirklich ist: Genozid – die systematische Ausmerzung ganzer Bevölkerungsgruppen als vorsätzliches Handeln im Namen der »Lösung des Welt-Hungerproblems«.

Die Unterstützung der Regierungen der USA und Englands bei der globalen Verbreitung von genmanipuliertem Saatgut war eigentlich die Weiterführung der Politik der Rockefeller Foundation seit den 1930er-Jahren. Damals finanzierte sie die eugenische Forschung der Nazis: Massenweise und billige Reduktion der Bevölkerungszahlen – Rassenreinheit durch Eugenik.

1925 äußerte sich Winston Churchill, ein schlimmer Rassist, zustimmend über die Möglichkeiten der biologischen Kriegsführung. Er schrieb über »Seuchen, die methodisch eingeleitet und gezielt eingesetzt werden an Menschen und Tieren [...], Mehlbrand zur Zerstörung von Pflanzen. Anthrax zur Tötung von Pferden und Vieh [...]«. Im Jahre 1996 erläuterte Ted Turner, CNN-Gründer und Milliardär, dessen Stiftung der UNO zum Zweck der »Bevölkerungskontrolle« eine Milliarde Dollar schenkte, dass eine Welt mit nicht mehr als 225 Millionen Menschen ideal wäre. Das ist die Denkweise von ultrareichen, mächtigen und paranoiden Menschen. Leider üben sie aber einen enormen Einfluß in der normalen Welt aus.

Das Sunshine Project, ein kritisches Forschungsprojekt zur Aufdeckung biologischer Waffenproduktion und genetischer Manipulation, berichtete, dass »Forscher in den USA, Großbritannien, Russland und Deutschland über genetisch manipulierte biologische Waffenwirkstoffe verfügen, die neue tödliche Spielarten bildeten [...]. Genmanipulation kann dazu benutzt werden, das klassische Biowaffenarsenal zu erweitern [...].« In den 1980er-Jahren, als die Rockefeller-Stiftung ihr großes Projekt für genmanipulierten Reis startete, das den Beginn der Genrevolution kennzeichnete, begann das amerikanische Pentagon unbemerkt mit der militärischen Anwendung von Biotechnologie.

Bezeichnenderweise verweigerte die Bush-Administration im Jahre 2001 im Zusammenhang mit GVO-Spermiziden und anderen Entwicklungen der Genrevolution die Annahme eines internationalen Verbots zur Entwicklung von Biowaffen. Es handelte sich um die rechtsverbindliche Biowaffenübereinkunft, und die Weigerung der USA führte zum Scheitern der internationalen Gespräche. Im Jahre 2004 kam eine Studie der British Medical Association (Britische Ärztegesellschaft) zu dem Schluss, die Welt sei nur noch wenige Jahre entfernt von »schrecklichen Biowaffen, die in der Lage sind, nur die Menschen zu töten, die zu einer spezifischen ethnischen Gruppe gehören«, wobei man auf die Fortschritte auf dem Gebiet der »genetischen Waffentechnologie« verwies.

»Wir sind geneigt zu sagen, dass niemand, der bei klarem Verstand ist, diese Dinge jemals anwenden würde«, bemerkte der Biophysiker der Stanford-Universität Professor Steven Block, ein Mann mit jahrelanger persönlicher Erfahrung mit geheimen biologischen Forschungen des Pentagon und der Regierung. »Aber«, ergänzte er, »nicht alle sind bei klarem Verstand [...].« Eine Welt, in der vier private Gesellschaften die Kontrolle über Leben und Tod in Bezug auf unsere Nahrungsmittelsicherheit in Händen halten, ist eine Welt, in der Frieden unmöglich ist.

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