Sunday, 26. June 2016
31.12.2015
 
 

Daten von Risikopatienten: Das dunkle Geschäft mit intimen Krankheiten

Markus Mähler

Krankenhäuser wollen nur unser Bestes: Daten, die sie dann weitergeben. Was der Arzt über unsere Krankheit weiß, ist der Krankenkasse viel Geld wert. Den geheimen Datentausch merken die Patienten erst, wenn sie von ihrer Kasse verdächtig detailliert verhört werden. Intimsphäre? Datenschutz? Hier regiert das Motto: Was der Kranke nicht weiß, macht ihn nicht heiß – Hauptsache, wir wissen alles über ihn. Die Jagd nach Risikopatienten wird nämlich mit riesigen Gewinnen belohnt.

 

Die Deutschen vertrauen ihrem Arzt mehr als dem Pfarrer. Warum auch nicht? Schließlich gibt es doch die ärztliche Schweigepflicht. Dass es damit in der Praxis nicht weit her ist, fiel einem Reporter des Rhein-Sieg-Anzeigers auf.

 

Der blickte im August verblüfft auf seinen Computermonitor. Eine E-Mail des Troisdorfer St.-Josef-Hospitals kam gerade hereingeflattert. Auf den ersten Blick war die Massenmail unverdächtig, sie kam über den Presseverteiler des Krankenhauses. Als der Journalist aber den Anhang öffnete, klappte ihm die Kinnlade herunter:

 

eine Übersicht mit intimen Patientendaten wie Adressen, Aufnahme- und Zimmernummer, Geburtsdaten, aber auch die behandelnde Fachabteilung. Wer diese Liste sah, wusste sofort, an welchen Krankheiten die Menschen litten. Das konnte nur ein Fehler sein.

 

Kein Datenschutz: Das ist in Ordnung, das haben wir schon immer so gemacht

 

Ein Anruf beim Krankenhaus beruhigte den aufgeregten Journalisten erst und ließ ihn danach fast vom Stuhl gleiten. Das St.-Josef-Hospital entschuldigte sich: Bei der E-Mail handele es sich um einen Irrläufer. Gut! Die Daten sollten eigentlich an die katholische Kirche gehen. Wie bitte?

 

Der Reporter traute seinen Ohren nicht. Das Krankenhaus verschickte blanko intimste Patientendaten, damit die Kirche ihre »Pfarrbesuchsdienste organisieren« könne. Der Troisdorfer Datenskandal wurde nach dem üblichen Muster abgewickelt. Karl Geßmann, der Verwaltungsleiter des St.-Josef-Hospitals, erklärte:

 

Das sei schon in Ordnung, weil man das schon immer so gemacht habe. Mit der Datenliste könnten ehrenamtliche Seelsorger die Patienten leichter aufsuchen. Und überhaupt habe man alle Patienten vorher um die Einwilligung des Datentransfers gebeten.

 

Das große Wettrennen um die »krankesten« Patienten

 

Genau das bestreiten die Betroffenen aber. Sie widersprechen der Aussage des Verwaltungsleiters. Eine Einwilligung wäre doch das Mindeste gewesen, meint ein Patient. Der Troisdorfer Skandal ist kein Einzelfall – aber der einzige, der so offen zeigt, wie nachlässig Krankenhäuser mit Patientendaten umgehen. Es gibt zahlreiche Hinweise, dass sensible Informationen nicht nur bei den Kirchen für »Besuchsdienste« landen.

 

Der wahre Profiteur des Datentransfers sind die Krankenkassen. Ihre Zauberformel heißt »Morbi-RSA« – der morbiditätsorientierte Risikostrukturausgleich.

 

Die Krankenkasse, welche die meisten Risikopatienten findet und für sich gewinnt, ist auch der Gewinner dieses neuen Wettrennens.

 

Bisher hatten die gesetzlichen Kassen genau das Gegenteil gesucht. Möglichst junge, gesunde und gut verdienende Menschen. Dann wurde der »Morbi-RSA« eingeführt, der Risikostrukturausgleich. Ein Rettungsanker namens Umverteilung, ohne den Kassen mit vielen alten und teuren Risikopatienten bald Schiffbruch erleiden werden.

 

Der »Morbi-RSA« soll sie retten, doch das neue Sozial-System ist eine Einladung an alle Kassen zur egoistischen Selbstbedienung. Die mit den meisten chronisch- und schwerstkranken Mitgliedern bekommt jetzt aus dem Gesundheitsfonds auch den größten Zuschlag.

 

Jugend und Gesundheit lohnen sich nicht mehr

 

Patienten mit einer der 80 Krankheiten, die im »Morbi-RSA« subventioniert werden, bringen den Krankenkassen mehr ein, als ihre Behandlungen kosten. Wer chronisch krank ist, unter Hämophilie oder Demenz leidet, auf Dialyse angewiesen ist, der wird zum finanziellen Jackpot. Die Krankenkasse mit den »krankesten Versicherten« profitiert auch am meisten, sagte Peter Schaar, der ehemalige Bundesdatenschutzbeauftragte.

 

Schaar sieht deshalb den Datenschutz in Gefahr, weil Krankenkassen versuchen werden, intimste Informationen über die Krankheiten ihrer Patienten einzuholen. Das neue System belohnt die Datenjagd. Erste Hinweise dazu gibt es bereits. Nils Schröder, der Pressesprecher des Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit NRW, kennt Fragebögen, über die bereits zahlreiche Beschwerden eingegangen sind.

 

Die wurden von den Krankenkassen ausgerechnet an Risikopatienten geschickt, mit denen sich beim »Morbi-RSA« das meiste Geld verdienen lässt. Diese Fragebögen fragten intime Daten ab, hatten aber auch bereits einen detaillierten Wissensstand über die Befragten.

 

Das Datengeschäft mit den Todkranken

 

Wenn Deutschlands Krankenhäuser vertrauliche Informationen schon an ehrenamtliche Seelsorger schicken, werden Krankenkassen leichtes Spiel bei ihrer Datenjagd haben. Für die Patienten heißt das: Je kränker du bist, desto mehr solltest du auf deine Daten achtgeben. Bereits 2013 warnte der Datenschutzbeauftragte Schaar vor dem informellen Austausch von Gesundheitsdaten zwischen Krankenkassen und Kliniken.

 

 


 

 


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