Sunday, 26. June 2016
21.11.2011
 
 

Stoppt die Familienpolitik: Die meisten Frauen wollen bei ihren Kindern sein

Birgit Kelle

Eine neue Studie des österreichischen Familien- und Jugendministeriums hat die Diskussion um alte und neue Frauenrollen in Österreich heftig entfacht. Laut Ergebnis des so genannten »Jugendmonitors« kann sich jede zweite Österreicherin zwischen 14 und 24 Jahren vorstellen, als Hausfrau zu leben. Was für Feministinnen als eine Art »backlash« in verkrustete Rollenstrukturen anmutet, hat seine Ursachen offenbar in der Wirtschaftskrise, in Erschöpfung durch die permanente Doppelbelastung von Karrierefrauen und in einer großen Sehnsucht nach Familie.

So sieht der durchschnittliche Zukunftstraum einer jungen Frau in Österreich aus: Sie will  zwar studieren und Bildung erreichen, sich aber nicht aufreiben in der harten Wirtschaft. Und sollte es finanziell möglich sein, würde sie gerne in der Rolle der Hausfrau und Mutter verweilen – während der Partner das Geld verdient. Damit fallen die Rollenverteilungen innerhalb der Partnerschaft bei den jungen Leuten weitaus klassischer aus als man im öffentlichen Mainstream zu sehen und

hören bekommt. Einzig die Ehe ist nicht zwangsläufig ein Ziel der jungen Frauen, mit zunehmender Zahl können sie sich vorstellen, ohne Trauschein mit ihrem Partner zusammen zu leben.

Selbst der Leiter der Studie, Peter Filzmaier, ist überrascht von den Ergebnissen seiner eigenen Untersuchung. Demnach würden mehr als die Hälfte der 800 befragten Frauen der Familie zuliebe auf eine Karriere verzichten. 55 Prozent stimmten der Aussage zu: »Wenn mein Partner so viel verdient, dass unser Lebensunterhalt gesichert ist, möchte ich Hausfrau sein.« Was das österreichische Familienministerium offenbar überrascht, ist gar nicht so neu – gibt es doch alljährlich immer wieder neue Studien und Umfragen sowohl im deutschsprachigen Raum als auch in ganz Europa, die ein ähnliches Bild zeichnen, von der Politik jedoch ignoriert werden.

Und jetzt hat die größte Umfrage, die es jemals unter Müttern in Europa gegeben hat, genau diese Defizite offen gelegt. Die Studie im Auftrag der EU-Kommission unter 11.000 Müttern aus ganz Europa zeigt erstaunliche Parallelen zwischen allen Müttern europaweit – völlig unabhängig von ihrem beruflichen Hintergrund, ihrem Bildungsgrad und ihrer Nationalität. Nahezu alle Mütter bemängeln, dass man ihre Rolle als Mutter gesellschaftlich und finanziell nicht anerkennt. Sie verlangen nach mehr Zeit für ihre Kinder und nach besseren Wiedereinstiegsmöglichkeiten, wenn die Kinder aus dem Gröbsten raus sind.

Demnach wollen sich 61 Prozent aller Mütter voll auf ihre Kinder konzentrieren, bis diese das dritte Lebensjahr vollendet haben. 37 Prozent wollen dies auch immer noch, bis die Kinder das Schulalter erreichen. Gleichzeitig bevorzugen Mütter europaweit Teilzeit-Arbeitsmodelle. 70 Prozent aller Mütter würden gerne nur Teilzeit erwerbstätig sein, bis ihre Kinder das 18. Lebensjahr erreicht haben.

Während in der Öffentlichkeit ein ganz anderes Familienbild propagiert wird, mit vollerwerbstätigen Frauen, die ihre Kinder früh in eine Betreuung geben, um ihrer Karriere nachzugehen, während Patchwork-Konstellationen präsent sind und die »normale« Familie auch in den Medien immer weiter zurück gedrängt wird, ist genau diese aber offenbar ein Zukunftstraum vieler junger Frauen. Die Schwierigkeit besteht allein darin, sich offen dazu zu bekennen.

Dies zeigt auch eine Umfrage des Österreichischen Magazins profil, das zahlreiche Frauen befragt hat über ihre Gründe, das traditionelle Hausfrauenmodell zu bevorzugen. Nahezu alle wollten namentlich nicht genannt werden und anonym bleiben, da es nicht populär ist, öffentlich als »Hausfrau« dazustehen – auch wenn man insgeheim in der Rolle glücklich ist. Dabei reicht das Spektrum der Frauen, die sich für Familie und gegen Karriere entscheiden, sehr weit.

Da sind junge Frauen, die schon immer diese Rolle suchten, Karrierefrauen, die ihren Job ad acta gelegt haben, weil ihnen die Mutterrolle besser gefällt, gestresste Doppelbelastete, die irgendwann aufgeben und Geringverdienerinnen, die gar nicht mehr einsehen, warum sie sich für einen Hungerlohn aufreiben sollen, wenn die Kinderbetreuung, die parallel organisiert werden muss, einen Großteil ihres Einkommens auffrisst.

Selbst explizite Feministinnen wie die Französin Elisabeth Badinter oder die Deutsche Alice Schwarzer haben inzwischen zumindest zur Kenntnis genommen, dass zahlreiche Frauen gar nicht aus ihrer Abhängigkeitsrolle befreit werden wollen, sondern zunehmend genau dorthin streben, obwohl sie zahlreiche andere Möglichkeiten hätten. Im Prinzip hätten die Damen dies auch schon lange wissen können. Hatte doch bereits ihre Vordenkerin Simone de Beauvoir einst festgestellt, man dürfe den Frauen nicht die Wahl lassen, ob sie zu Hause bei ihren Kindern bleiben wollen. Wörtlich heißt es in ihrem berühmten Buch Das andere Geschlecht: »Keine Frau sollte das Recht haben, zu Hause zu bleiben und die Kinder großzuziehen. Die Gesellschaft sollte völlig anders sein. Frauen sollten diese Wahl nicht haben, und zwar genau deshalb, weil, wenn es eine solche Möglichkeit gibt, zu viele Frauen sich dafür entscheiden würden.«

Nahezu entlarvend ist dieser Satz. Offenbar wusste die Vorzeigefeministin schon damals, dass die meisten Frauen ihren Zielen gar nicht folgen würden, und man sie zu ihrem »Glück« zwingen müsste, dass sie gar nicht »befreit« werden wollen. Es verwundert deswegen auch nicht, wenn Beauvoirs Nachfolgerinnen heute mit Sorge auf die aktuellen Tendenzen junger Frauen blicken. So schrieb sich die Französin Badinter in ihrem Buch Der Konflikt: Die Frau und die Mutter ihren Frust über die junge Generation von der Brust.

Es ist schon bezeichnend, dass Frausein und Muttersein schon im Buchtitel vorab in einen Konflikt zueinander und nicht etwa als eine Bereicherung dargestellt werden. Badinter zufolge ist die »süße Tyrannei der Mutterschaft« das Haupt-Hindernis für die Emanzipation der Frau. »Ich sehe auch in Frankreich so viele junge Frauen, die erfolgreiche Ärztinnen, Journalistinnen oder Anwältinnen sind und sich dennoch zu Hause mit ihren Kindern verkriechen«, so Badinter in einem Interview.

Also Mutterschaft als vergeudete Lebenszeit. In das gleiche Horn blies in Deutschland die Feministin und Journalistin Bascha Mika mit ihrem Buch Die Feigheit der Frauen, in dem sie Frauen, die sich in der traditionellen Rollenverteilung einrichten, nicht nur Feigheit, sondern obendrauf auch noch Faulheit vorwarf. Auch Mika stellte richtig fest, dass die meisten Frauen absolut freiwillig diesen Weg einschlagen und keineswegs dazu gezwungen werden, aber selbstverständlich ist das aus ihrer Sicht eine Option, die auf jeden Fall verurteilt werden muss. Offenbar ist es für manche Frauenzirkel völlig unbegreiflich, dass junge Frauen – jetzt, da sie endlich rechtlich dem Mann gleichgestellt sind und ihnen die Welt zu Füßen liegt – dennoch einen Lebensweg wählen, den man doch überwinden wollte.

Kein Wunder also, wenn Hausfrauen heute nur noch verschämt ihren Status offenbaren, ist doch die öffentliche Meinung in den Medien derart negativ. Wer will da schon öffentlich dazu stehen?

Es wäre an der Zeit, dass die Politik in ganz Europa endlich zur Kenntnis nimmt, dass die traditionelle Familie für viele junge Menschen nach wie vor ein wichtiger Zukunftswunsch bleibt, gleichzeitig viele junge Frauen gerne später nach der Kinderpause wieder schrittweise in einen Beruf  zurückkehren würden.

Bleibt zu hoffen, dass die Politik ihre Maßnahmen endlich nach diesen realen Wünschen von Müttern und Familien ausrichtet und nicht wie derzeit üblich den Forderungen der Wirtschaft nachgibt. Denn eine Erhöhung der Frauenerwerbstätigkeit ist offensichtlich kein Herzenswunsch der Frauen, sondern dem akuten Fachkräftemangel geschuldet, der in allen europäischen Staaten ein großes Problem darstellt.

Es würde schon genügen, wenn man wenigstens ehrlich wäre in der Politik und die Maßnahmen, wie Ausweitung der Kinderbetreuungsmöglichkeiten, Frauenquoten und Erhöhung der Frauenerwerbstätigkeit nicht als Wohltaten der Familienpolitik, sondern als das bezeichnet, was sie tatsächlich sind: Knallharte Wirtschaftspolitik, nach der sich die Familien gefälligst zu richten haben.

 

 


 

 

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