Pferdefleisch: Rossschlachter im Visier von Tierschützern
Udo Ulfkotte
Ralf Barz ist einer von nur noch weniger als 100 Pferdemetzgern in Deutschland. Seit 1886 gibt es die alte Rossschlachterei in Neuwied. Wenn er mit seinem Verkaufsstand auf Wochenmärkten steht, wird er seit einigen Jahren immer häufiger als »Tierquäler« und »Mörder« beschimpft. Dabei gibt es viele Menschen, die verzweifelt nach gutem Pferdefleisch suchen.

Der Informationsdienst Kopp Exklusiv besucht regelmäßig die Vertreter kaum bekannter Berufe, unlängst etwa einen der letzten Damastschmiede in Deutschland. In dieser Woche sind wir bei einem von nur noch etwa 80 Rossschlachtern. Dienstag zum Wochenmarkt nach Bad Kreuznach, Donnerstag Koblenz, Freitag Andernach, Samstag Mayen und zwischendurch noch St. Augustin, Simmern und Montabaur. Dazu die Metzgerei in der Marktstraße von Neuwied. In vierter Generation
macht Ralf Barz das nun. Aber noch nie war es so schlimm. Er wird mitunter offen angefeindet, weil er nicht wie andere Metzger fettigen Schweinebauch, sondern mageres Fohlenfilet und Pferdesteaks verkauft. Schweinefleisch hat durchschnittlich 35 Prozent Fett, Pferdefleisch höchstens ein Zehntel davon, also 3,5 Prozent – selbst das magerste Rindfleisch hat 7,5 Prozent Fett. Pferdefleisch ist extrem fettarm, dabei reich an Eisen und Vitaminen. Vor allem seit der BSE-Krise wollen immer mehr Menschen Pferdefleisch. Und auch Diätexperten raten zunehmend zum garantiert antibiotikafreien und cholesterinarmen Pferd auf dem Teller. Doch wer im deutschsprachigen Raum kalorienarmes Pferdefleisch essen möchte, der trifft nicht unbedingt auf das größte Verständnis. Schließlich haben viele Menschen eine enge Bindung zu Pferden.
Dabei gingen die ersten Pferdemetzgereien im deutschsprachigen Raum aus der Tierschutzbewegung hervor. Mehr als 15.000 Pferde werden jedes Jahr in Deutschland von ihren Haltern endgültig abgegeben – entweder zum Abdecker (und dann wird Biodiesel aus den Tieren gemacht) oder zu einem Pferdemetzger wie Ralf Barz. Je mehr von den letzten deutschen Pferdemetzgern ihren Beruf aufgeben, desto grausamer wird das Schicksal der alten Pferde. Sie landen dann beim Abdecker oder – immer häufiger – auf Tiertransporten Richtung Italien. Wer als vermeintlicher Tierschützer Menschen wie Rossschlachter Ralf Barz anfeindet, der hat keine Kenntnis von dem, was außerhalb der Rossschlachtereien mit jenen Pferden geschieht, die alt sind. Und noch kein Tierschützer war bereit, jährlich weiteren 15.000 alten Pferden bis an ihr Lebensende das Gnadenbrot zu finanzieren. Lesen Sie, warum viele Pferdebesitzer ihr Tier zum Rossschlachter bringen und unbedingt dabei sein wollen, wenn das Bolzenschussgerät angesetzt wird – und warum immer mehr gesundheitsbewusste Menschen Pferdefleisch kaufen.
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