Friday, 1. July 2016
16.02.2010
 
 

Am Puls der Sonne: Der neue Zyklus beginnt!

Andreas von Rétyi

In den vergangenen Monaten gab es verschiedene Anzeichen, dass sich die Aktivität der Sonne allmählich wieder erhöht. Nach einem lang anhaltenden »Jahrhundert-Minimum«, das alle Experten überrascht hat, verändert sich das Bild unseres Sterns nun deutlich. Sonnenflecken und Eruptionen nehmen zu. Und ein neuer Satellit ist unterwegs, um im Sekundentakt spektakuläre Aufnahmen in IMAX-Qualität zu liefern und die Veränderlichkeit der Sonne genauer als je zuvor zu belegen.

Nach den ersten Vorzeichen schwacher Aktivität zeigt die Sonne nun wieder viel deutlicher, dass sie mittlerweile in den neuen Zyklus »Nummer 24« reingerutscht ist. Dies ja eigentlich schon seit März 2008, als die ersten dunklen Fleckengebiete der neuen Aktivitätsphase auftauchten, der Fall. Ihre umgekehrte magnetische Polarität verriet den Ursprung, aber insgesamt tat sich dann doch nicht viel in den vergangenen beiden Jahren. Es sah schon aus, als ob unser sonst doch recht zuverlässiger Stern irgendwie die Lust an seinem »Job« verloren hätte. Wer nicht mit Spezialausrüstung mal einen Blick auf den glühenden Gasball warf, für den blieb das alles eigentlich eher (Stern)-Schnuppe. Denn so oder so, ein Sommertag im Biergarten machte sich 2008 oder 2009 nicht anders bemerkbar als im Jahr 1999 oder 2000, als sich die Sonne im Aktivitätsmaximum so richtig austobte. Die letzten Jahre strahlte sie genauso hell, genauso heiß vom Himmel. Und doch, die Sonne ist ein veränderlicher Stern, der immer wieder mit Überraschungen aufwartet.

Eine solare »Wettervorhersage« gelingt nur grob und nicht sehr zuverlässig. In den vergangenen Tagen aber kamen deutliche Signale aus dem All herein, für alle Welt sichtbar: größere Sonnenflecken, angeordnet in Gruppen, dazu explosive Energieausbrüche an der Oberfläche. Der Bann scheint also endlich gebrochen. Manche befürchteten schon ein noch länger anhaltendes Minimum, und das hätte auch Auswirkungen auf das Klima, allerdings ganz andere als jene Geschichte von der globalen Erwärmung. Als die Sonne zuletzt eine größere Aktivitätspause einlegte, das berühmte »Maunder-Minimum« im 17. Jahrhundert, war es bei uns hier unten über 70 Jahre hinweg besonders kalt. Und dieser Winter jetzt hatte es auch in sich. Am Ende wieder eine Auswirkung des besonders langen Sonnenminimums? Nun, damit jedenfalls sollte es nun wirklich vorbei sein.

Wenn jetzt im Sonnendynamo alles normal läuft, dann geht es bald wieder stürmisch zu auf der Sonne. Am Valentinstag, dem 14. Februar, ereignete sich ein koronaler Doppelausbruch aus den Regionen der Sonnenflecken 1045 und 1048. Nur die direkte Beobachtung mit speziellen Sonnenteleskopen zeigt das ganze Ausmaß der Veränderungen, wie wir sie im Alltag überhaupt nicht mitbekommen.

Jetzt startete ein neues Weltraum-Observatorium, um die besten Aufnahmen von der Sonne zu liefern, die je gemacht wurden. Am 11. Februar, um genau 10.23 Uhr hob eine Atlas-V-(401)-Rakete von Cape Canaveral in Florida ab und donnerte in den blauen Himmel. Die Rakete raste – geradezu symbolträchtig – mitten durch eine »Nebensonne«, eine irisierende Eiskristall-Zirre, und löste sie dabei auf. Beim Flug in die »Hauptsonne« wäre natürlich eher das Umgekehrte der Fall. Mit an Bord der Atlas-V: das Solar Dynamics Observatory (SDO), das die Sonne in den nächsten Jahren aus einem geosynchronen Orbit genauestens überwachen soll. Dazu wird es eine ganze Reihe von Instrumenten nutzen, um verschiedene Bereiche des Lichts abzudecken.

Die Teleskope sollen alle zehn Sekunden neue Bilder machen, und das in IMAX-Qualität. SDO führt auch einen Detektor mit, der einen Blick in die tiefen Zonen der Sonne erlaubt. Mehr als 200.000 Kilometer unter der Oberfläche arbeitet der immer noch rätselhafte »Sonnendynamo«, die Quelle der verschiedensten Sonnenphänomene. Außerdem dringt SDO ins Extreme Ultraviolett (EUV) vor, denn genau hier zeigt die Sonne ihre größte Veränderlichkeit. Würden unsere Augen diesen Bereich erfassen, könnten wir die Lichtschwankungen der Sonne ohne weitere optische Hilfen wahrnehmen. Die Helligkeit kann sich innerhalb von Sekunden schlagartig ändern, wenn sich auf der Oberfläche explosive »Flares« ereignen. Beobachtungen aus dem All und von der Erde aus dürften in der nächsten Zeit wieder ziemlich spannend werden!

Zu interessanten Animationen bitte die hier folgenden Links anklicken:

Koronaler Ausbruch vom 14. Februar: http://www.spaceweather.com/images2010/14feb10/cme_c2_strip_anim.gif?PHPSESSID=fqvrrr07j3v4uin5unmupj2pc0

Bildsequenz Sonnenrotation mit Flecken (8. bis 10. Februar 2010): 

http://www.spaceweather.com/images2010/11feb10/mdi_anim.gif?PHPSESSID=oe1qcrcnugekbsebrnonsej9v1&PHPSESSID=ne4i2jka45vrg724u0kuepvuh6

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