Saturday, 25. May 2013
15.01.2008
 

»Hubbles« doppelter Einstein

Andreas von Rétyi

Einer internationalen Astronomengruppe der Universität von Kalifornien gelang kürzlich eine wirklich erstaunliche Beobachtung. Mit Hilfe des »Hubble«-Weltraumteleskops stießen die Forscher auf einen doppelten Einsteinring.

 

Im Weltraum gibt es die unglaublichsten optischen Erscheinungen. Seit Einstein steht fest, dass die Schwerkraft dabei tüchtig mitmischt, denn sie kann wie eine Linse wirken. Schon 1919 wiesen Astronomen während einer Finsternis nach, dass unsere Sonne das Licht von Sternen in unmittelbarer Nähe ihrer verdunkelten »Scheibe« ablenkt. Ein Lichtstrahl, der nahe am massereichen Gasball Sonne vorbeistreift, wird von dessen Schwerkraft beeinflusst und macht einen kleinen Bogen um ihn. Das Licht scheint daher aus einer anderen Richtung auf der Erde einzutreffen. Die Position der Quelle, also des aussendenden Sternes, verändert sich demnach in Sonnennähe. Ähnlich wird auch das Licht ferner Galaxien beeinflusst, wenn es große Masseansammlungen passiert, die auf seinem Weg zur Erde liegen. So können die Abbilder solcher Galaxien völlig verzerrt hier eintreffen. Astronomen scheinen in ein kosmisches Spiegelkabinett zu blicken, in dem ferne Milchstraßen zu grotesken Bögen auseinander gezogen sind.

 

 

Ferne Objekte können jedoch nicht nur verzerrt erscheinen, ihr Licht kann auch konzentriert und verstärkt werden, genau wie bei einer Linse. Ebenso sind Mehrfachbilder desselben Objektes am Himmel möglich. Astronomen sprechen beim Auslöser all dieser Phänomene von Gravitationslinsen. Wenn nun eine ferne Galaxie sowie die entsprechende Gravitationslinse und unser Sonnensystem genau auf einer Linie liegen, herrscht perfekte Symmetrie und die Lichtstrahlen werden ringförmig um die Linse abgelenkt. Dieser seltene Lichtring ist als Einsteinring bekannt. Was Astronomen jetzt mit Hubble einfingen, ist noch weitaus seltener – ein doppelter Ring. Er kann nur entstehen, wenn eine zusätzliche, noch fernere Galaxie sich ebenfalls exakt auf der Sichtlinie befindet. Die Chance hierfür liegt bei etwa eins zu zehntausend. Tommaso Treu, einer der Forscher, erklärte daher begeistert, »den Jackpot geknackt« zu haben und konnte zunächst überhaupt nicht glauben, was er sah – »Das ist einfach verrückt!«

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