Friday, 29. July 2016
17.03.2015
 
 

20. März 2015: Stromausfall bei Sonnenfinsternis?

Andreas von Rétyi

Am kommenden Freitag wird sich ein recht seltenes astronomischen Schauspiel ereignen: Unser Mond schiebt sich vor die Sonne und verfinstert sie. Tatsächlich findet sogar eine totale Sonnenfinsternis statt. Allerdings nicht über Deutschland, sondern über polaren Breiten. Hier erleben wir nur eine teilweise Verfinsterung. Trotzdem warnt nun selbst das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe vor möglichen Beeinträchtigungen des Stromnetzes durch den Ausfall von Photovoltaik-Anlagen. Die Finsternis stelle eine große Herausforderung an das Management des Stromnetzes dar, auch in Deutschland. Steht uns wirklich ein umfassender »Blackout« bevor?

 

Was derzeit über die bevorstehende Sonnenfinsternis am 20. März 2015 durch den deutschen Blätterwald rauscht, spottet eigentlich jeder Beschreibung. Die sogenannten Qualitätsmedien betreiben hier in trauter Einigkeit regelrechte Panikmache, dass man wirklich nur staunen kann. Natürlich können sie sich dabei auf Fachleute und sogar offizielle Quellen berufen. Das ist wohl ohnehin oft das Wichtigste, wenn es darum geht, zwischen Sinn und Unsinn zu unterscheiden.

 

Hier sieht es nun immerhin so aus, dass keine geringere Behörde als das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) eine Warnung ausspricht und nahelegt, sich gegen einen flächendeckenden Stromausfall zu wappnen. Dabei verlässt sich das BBK seinerseits auf Informationen, die es von Experten erhalten habe.

Die Pressemeldung vom 11. März geht zwar schnell vom bevorstehenden Ereignis zu allgemeineren Szenarien über und beschreibt die tiefgreifenden Konsequenzen eines Blackouts, gerade eben auch für private Haushalte. Aber der Anlass ist völlig klar, genau wie die Überschrift der Meldung: »Sonnenfinsternis am 20. März könnte Stromnetz beeinträchtigen: BKK empfiehlt vorbereitende Maßnahmen« und verlinkt unter anderem auch zu einer 36-seitigen wissenschaftlichen Studie, die im Oktober 2014 von Experten der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Berlin erstellt wurde.

 

Ganz allgemein und knapp vorweg gesagt: Es ist nichts dran an der vermeintlichen Gefährdung. Zwischen Wien und Flensburg erreicht die Finsternis unterschiedliche Bedeckungsgrade zwischen etwa 63 und 82 Prozent, und zwar zum Zeitpunkt der maximalen Verfinsterung! Wer schon einmal ein solches Phänomen erlebt hat, wird wissen, dass es dabei taghell bleibt. Nur bei einer totalen Sonnenfinsternis sackt die Helligkeit schließlich stark ab, jedoch erst kurz vor der Totalität. Sie dauert lediglich Minuten, dann geht es wieder rapide aufwärts. Nur bleibt die Finsternis in Deutschland eben partiell.

 

Viele werden dieses Himmelsereignis daher kaum oder gar nicht bemerken. Der Himmel wird nicht dunkler werden als an einem wolkigen Tag. Starke Bewölkung hat einen deutlicheren Effekt. Die »Finsternis« schleicht sich außerdem sehr allmählich ein. Sie beginnt bereits kurz nach 9.30 Uhr morgens, dann wird der sonst unsichtbare Neumond als kleine »Delle« in der westlichen Hemisphäre der Sonne erscheinen. Erst über eine Stunde später findet die maximale Bedeckung statt, bis dann das Ereignis gegen Mittag wieder vorüber ist.

 

Wie gesagt, in keinem Moment findet eine totale Verfinsterung statt, auch wenn die Medien das gerne mit entsprechenden Fotografien suggerieren. Die letzte totale Sonnenfinsternis fand am 11. August 1999 über Deutschland statt – meine hier gezeigten Aufnahmen weisen ihre Totalitätsphase auf sowie die ebenfalls totale Finsternis vom 29. März 2006 lange vor Erreichen der Totalität.

 

Die nächste totale Sonnenfinsternis wird sich erst wieder am 3. September 2081 ereignen. An sich sind totale Sonnenfinsternisse weltweit allerdings gar nicht so selten, wie es den Anschein hat. Im Gegensatz zu Mondfinsternissen, die von allen Orten aus beobachtet werden können, sofern der Vollmond zum betreffenden Zeitpunkt über dem Horizont steht, wirft der Neumond während der Sonnenfinsternis einen spitzen Schattenkegel auf den Globus. Dabei bestimmen die momentanen Positionen, geometrischen Verhältnisse und relativen Abstände dann, wie die Finsternis verläuft, wie lange sie dauert oder auch um welchen Typ es sich handelt.

 

Jedenfalls wandert der Mondschatten entlang eines dünnen Streifens. In der Mitte dieses Finsternispfades liegt dann die Zentrallinie, die sämtliche Orte maximaler Finsternisdauer verbindet. Außerhalb jenes diesmal ohnehin ausgeprägten Pfades findet sich noch ein wesentlich breiterer Schattenbereich: Hier kann die Finsternis ebenfalls beobachtet werden, aber nur noch partiell mit unterschiedlichen Bedeckungsgraden, je nachdem, wie weit man sich vom Finsternispfad entfernt.

 

Die Finsternis vom kommenden Freitag wird für jeden Ort in Deutschland partiell ausfallen. Ihre Totalitätszone hingegen beginnt südlich von Grönland, verläuft über den nördlichen Atlantik nach Osten, direkt zwischen den britischen Inseln und Island hindurch weiter zu den Färöerinseln und Spitzbergen, um sich schließlich bis auf rund 70 Kilometer an den Nordpol heran zu erstrecken, wo sie auch endet. Wegen des flachen Einfallwinkels wird dort der Schattenkegel sehr lang werden, bevor er die Erde verlässt – schließlich findet die Finsternis ziemlich genau zum diesjährigen Frühlingsbeginn der Nordhalbkugel statt. Im Äquinoktium wandert die Sonne auf der Ekliptik über den Himmelsäquator. Damit endet die Polarnacht. Ein interessantes Zusammentreffen.

 

 

Die vier deutschen Stromnetzbetreiber bereiten sich also derzeit auf die Herausforderungen vor, die ihnen die Finsternis am Freitag stellt. Es ist schon sehr bemerkenswert, dass die großen Medien beinahe allesamt völlig unkritisch berichten. Der Mainstream taucht hier förmlich in Hysterie ab und spricht nahezu allerorten von Stromausfällen und Engpässen, weil Solarstrom mittlerweile einen merklichen Prozentsatz bei erneuerbaren Energien stelle. Selbst viele »seriöse« Medien verbreiten irreführende Nachrichten zur Finsternis, und warum das BBK eine entsprechende Pressemitteilung herausgegeben hat, will sich manchen Astronomie-Fachleuten nicht recht erhellen – kein Wunder, geht es doch um eine Finsternis.

 

Doch im Ernst: »Zur Sonnenfinsternis am 20. März liegen dem BBK Informationen der Übertragungsnetzbetreiber vor, wonach sie nach eigenen Angaben Maßnahmen entwickelt haben, um den Auswirkungen der Sonnenfinsternis auf die Netze und die Versorgungssicherheit begegnen zu können«, so heißt es in der erwähnten BBK-Pressemeldung, und weiter: »Auch der Deutsche Wetterdienst hat das Phänomen im Blick, um die Übertragungsnetzbetreiber durch verbesserte Leistungsprognosen der Photovoltaik-Anlagen zu unterstützen.«


Und nun kommen nicht nur Internetgerüchte ins Spiel, sondern auch die etablierten Medien, die etliche Informationen unreflektiert übernehmen. Der Fall dürfte deutlich demonstrieren, was von der Medienlandschaft weitgehend wirklich zu halten ist. Ohne nun auf Details der Berliner Studie einzugehen, so hält diese Untersuchung zusammenfassend fest, die Situation sei durchaus kalkulierbar und beherrschbar.

 

Bei klarem Himmel sei mit einem Leistungsgradienten von 348 MW/min zu rechnen, gleich dem 3,5-fachen der typischen Leistungsgradienten sämtlicher deutscher Photovoltaik-Anlagen. Damit steige die Restlast entsprechend an, die jedoch allein von Pumpspeicherkraftwerken aufgefangen werden könne. Am wenigsten scheinen sich Astronomen vorstellen zu können, dass die Sonnenfinsternis irgendwelche Auswirkungen auf das Stromnetz hat. Und eigentlich sollten sie es doch am besten wissen. Sie sehen in den Meldungen jedenfalls nichts als Panikmache.

 

Wenn es also zu Stromausfällen kommt, dann wohl eher wegen eines sehr dummen Zufalls. Oder sollten solche Zwischenfälle möglicherweise tiefere Gründe haben? Wenn wir nun schon bei unglaublichen Gerüchten sind: Könnte uns das Licht vielleicht ausgehen, weil man uns überzeugen will, wie wichtig einige bisher genutzte Energiequellen doch sind?

 

Wirklich gefährlich kann uns die Sonnenfinsternis allerdings nicht etwa deshalb werden, weil es dabei so dunkel wird, sondern vielmehr, weil alles ziemlich hell bleibt! Da darf sich wirklich niemand täuschen: Ein kurzer Blick zur Sonne und die Augen sind möglicherweise schon irreparabel geschädigt! Sonnenbrillen, geschwärzte Filmstreifen oder CDs sind als vermeintlich effektive Sonnenfilter vollkommen untauglich. Unsichtbare, aber schädigende Lichtanteile dringen trotzdem zum Auge durch.

 

Spezielle solare Folienfilter wie auch Sonnenfilterbrillen mit einer Dämpfung von mindestens 1 : 100 000 bieten ausreichend Schutz und kosten nicht viel. Das Augenlicht ist ungleich kostbarer! Am Teleskop gilt: Weder ohne noch mit Filterbrille durch die kleinste Optik in die Sonne schauen! Wer nicht genau weiß, was er tut, sollte nicht experimentieren und damit sein Augenlicht aufs Spiel setzen.

 

Geeignete und ausreichend dimensionierte Glas- oder Folienfilter werden immer am vorderen, objektivseitigen Tubusende angebracht und zuverlässig fixiert. Am einfachsten aber: Sonnenprojektion. Aufs Stativ geklemmt, liefert schon ein Fernglas oder kleines Fernrohr gute Ergebnisse. Dabei wird beim binokularen Fernglas eine der beiden Frontlinsen mit einem lichtundurchlässigen Deckel verschlossen und das Sonnenbild in etlichen Zentimetern Abstand vom Okular auf eine weiße Fläche geworfen.

 

Bei der Ausrichtung auf die Sonne orientiert man sich ausschließlich am Schatten des Fernglases oder Teleskops. Sobald dieser Schatten während des Einstellens am kleinsten wird und einen runden Querschnitt auch rund wiedergibt, zeigt die Optik auf die Sonne. Das Anvisieren entlang der Optik oder sogar durchs Gerät, ob Fernglas, Sucher, Teleskop oder Kamera, verbietet sich natürlich ganz von selbst!

 

Wer ganz sicher gehen und auch möglichst viel sehen will, sollte sich am besten bei einer Volkssternwarte erkundigen – einige dieser öffentlich zugänglichen Observatorien bieten Sonderführungen für diesen besonderen Freitagvormittag an, auch als Ergänzungsprogramm zum Bundesweiten Tag der Astronomie, der gleich am Samstag stattfindet. Und zumindest in den Sternwarten rechnet niemand damit, dass während der Finsternis plötzlich der Strom ausfällt.

 

 

 

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Leser-Kommentare (20) zu diesem Artikel

19.03.2015 | 18:42

Heiry von Heiringen

Bei So einem Type wie "COLE" und seinem Sensibilitätsniveau geht wahrscheinlich auch ein Weltuntergang am A. VORBEI. Seine Aufmerksamkeit ist ja hauptsächlich auf seinen Nahrungstrieb gerichtet. Kann sein das er bis zur nächsten Sonnenfinsternis seine "Diät" vom "Steak" zum "geschnätzelten Grossvater" umgestellt hat.


18.03.2015 | 10:35

mit denkender

http://www.bbk.bund.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/BBK/DE/2015/Sonnenfinsternis.html


17.03.2015 | 21:32

Seppolino

Also weder der Autor noch die Kommentatoren haben bemerkt, dass BKK eine Krankenkasse ist. Es muss richtig heißen BBK. ;-)


17.03.2015 | 20:43

Maria07

Die Warnung an sich gibt schon zu denken. Vielleicht hilft man da ein wenig nach? Es gibt durchaus interessierte Kreise, die ihren Nutzen aus einem Blackout ziehen würden. Hintergründe, Vorsorge und Praxistipps: https://www.epubli.de/shop/buch/44691 "Überleben ohne Strom"


17.03.2015 | 20:32

Cole

Ach so ein Quatsch! Nichts wird passieren wie auch sonst nicht passierte!Ich war live 1999 dabei - hab ein kühles Bier getrunken und sechs Steaks verdrückt! Nebenher noch in paar nette Mädels kennengelernt und der Abend war perfekt! Dieser Aufmarsch von Mediengeschichten kann und will ich nicht nachvollziehen! Alles Blödsinn!Und wer wirklich an eine "Vorsorge nach dem Erstschlag oder einer Katastrophe nachdenkt" dem helfe ich gerne weiter - kostenlos! Also dies mal...

Ach so ein Quatsch! Nichts wird passieren wie auch sonst nicht passierte!
Ich war live 1999 dabei - hab ein kühles Bier getrunken und sechs Steaks verdrückt! Nebenher noch in paar nette Mädels kennengelernt und der Abend war perfekt!
Dieser Aufmarsch von Mediengeschichten kann und will ich nicht nachvollziehen! Alles Blödsinn!

Und wer wirklich an eine "Vorsorge nach dem Erstschlag oder einer Katastrophe nachdenkt" dem helfe ich gerne weiter - kostenlos!

Also dies mal entspannt in den Himmel sehen um nichts zu sehen!

Grüße
Cole


17.03.2015 | 18:42

Rudolf-Robert Davideit

Tja, wenn man weis, daß der Himmel in Deutschland am Freitag bewölkt ist, kann man sich ja weit aus dem Fenster lehnen, denn das eigentliche Problem wäre die massive Zuschaltung beim höchsten Sonnenstand! Noch Fragen?

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