
Gegenwärtig geht es rund auf der Sonne: Riesige Fleckengebiete zeigen sich auf der Oberfläche des Glutballs, die Magnetfeldstörungen der Sonne haben zugenommen. Zwar dürfte das bevorstehende Maximum nicht die Stärke früherer Phasen erreichen, doch die Sonne holt ihre »Defizite« nach langer Untätigkeit klar und deutlich auf. Jetzt kam es im gewaltigen Aktivitätsgebiet
AR 1520 zu einem neuerlichen Ausbruch, wobei die gegenwärtige Position dieser Störzone das ausgeworfene Sonnenplasma direkt in Richtung Erde führt.
Der mächtige Schauer geladener Teilchen löste am Wochenende einen stärkeren geomagnetischen Sturm aus. Zunächst wurde die Ankunftszeit auf Samstagvormittag, 9.17 Uhr Weltzeit geschätzt, entsprechend 11.17 Uhr Sommerzeit (+ / - 7 h). Mittlerweile stellte sich heraus, dass die Teilchenfront sich gegenüber dem Mittelwert verspäten würde. Dann schließlich, um 18.00 Uhr Weltzeit, erreichte der koronale Massenauswurf unseren Planeten. Dessen Magnetfeld fängt das solare Plasma ein. Solche Wechselwirkungen führen zu Feldschwingungen, die sich bis zum Erdboden fortsetzen und hier technische Geräte beeinträchtigen können. Erhöhte EUV- und Röntgenstrahlung von der Sonne wurden bereits registriert.
Die Auswirkungen waren diesmal kaum bedrohlich, dazu reichte die Energie des Ereignisses noch nicht aus. Doch müssen wir künftig wieder verstärkt mit gefährlicheren Sonnenstürmen rechnen. Schon am Nachmittag des 10. Juli ereignete sich in AR 1520 ein heftiger Flare-Ausbruch, bei dem die Chromosphäre der Sonne lokal regelrecht zu zerreißen schien. Im Zuge privater
Sonnenüberwachung verfolgte der Autor dieses Ereignis live, das sich in rasender Geschwindigkeit entwickelte. Nicht sehr lange, nachdem der Filter (Fabry-Pérot-Interferometer) auf die optimale konstante Arbeitstemperatur geheizt war, »öffnete« sich im gigantischen Hauptfleck ein intensiv strahlendes Gebiet; unmittelbar darauf zog sich ein grelles Lichtband bis in die benachbarte Umgebung der solaren Chromosphäre hinein. Was sich hier auf dem Monitor entfaltete, war ein Flare mit der Energie von 100 Milliarden Nuklearbomben! Durch einen Totalabsturz des betreffenden Computers just in diesem Moment war leider keine rechtzeitige Aufzeichnung mehr möglich, weitere Rechner waren nicht eingeschaltet. So liegen hier lediglich wenige Bilder der Region kurz vor dem Flare vor, aufgenommen auf der H-Alpha-Linie bei 6.562,8 Å und einer Filter-Halbwertsbreite von 0,2 Å (die Angaben erfolgen hier für gewöhnlich weiterhin in Å statt in nm).
Am 12. Juli war das gigantische Fleckengebiet, bedingt durch die Sonnenrotation, ein gutes Stück in die westliche Hemisphäre weitergewandert, womit die Geometrie für einen geomagnetischen Sturm relevant wird – ein geoeffektiver Flare also, diesmal Klasse X 1.4 und damit ein starker Ausbruch.
Vorhersagen von Analysten des Goddard Space Weather Lab setzen den Zeitpunkt des Eintreffens des damit verbundenen Massenauswurfs wie gesagt auf den 14. Juli. Kein Sturm auf die Bastille, sondern gleich auf einen Großteil der Erde! Ebenfalls an einem 14. Juli fand ein noch stärkerer
Ausbruch (X6) statt. Jener Flare aus dem Jahr 2000 wurde als das »Bastille-Ereignis« bekannt. Die Explosion ereignete sich in der ausgedehnten Sonnenfleckengruppe 9077 und löste auf der Erde einen Strahlungssturm aus. Allerdings gibt es noch deutlich heftigere solare Ausbrüche als die beiden »Bastille«-Ereignisse.
Die geringsten Einflüsse sind Aurora-Erscheinungen am Himmel, die sich auch bis in niedrigere Breiten ausdehnen können. Das Solar Dynamics Observatory nahm im aktuellen Fall von diesem Wochenende auch einen Puls extremer UV-Strahlung auf, der die obere Erdatmosphäre teilweise ionisierte und die Ausbreitung von Funksignalen störte. So zeichneten Stationen in Norwegen, Irland und Italien solar bedingte ionosphärische Störungen auf. Polarlichter wurden bereits aus den Vereinigten Staaten gemeldet, wo sie bis nach Kalifornien hin sichtbar waren. Beschleunigte Sonnenprotonen zirkulieren um die Erde, der anhaltende Strahlungssturm wird auf der NOAA-Skala für Weltraumwetter als S1 eingestuft – also keine ernste Gefahr für Satelliten oder Astronauten. Allerdings weisen Astrophysiker darauf hin, dass sich das durchaus ändern könnte, sollte die Intensität des Sturms noch zunehmen.
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