Monday, 25. July 2016
11.04.2014
 
 

Aktuelle NASA-Aufnahmen: Mysteriöse Lichter auf dem Mars

Andreas von Rétyi

Vom NASA-Rover Curiosity trafen vor rund einer Woche seltsame Bilder auf der Erde ein. Diese Aufnahmen zeigen auf der Marsoberfläche offenbar Lichterscheinungen, scheinbar paradox und unheimlich in dieser außerirdischen Wüste. Worum könnte es sich handeln?

Kurioses von Curiosity: Das ziemlich wuchtige NASA-Gefährt nahm am 2. und 3. April 2014 wie üblich die Marslandschaften ins Visier und fotografierte gleich zweimal ein Phänomen, das einem fernen Lichtblitz ähnelt. Irgendwo zwischen den ausgedehnten Hügelgebieten zeigt sich jeweils ein helles Leuchten, das auf einem der Bilder sogar wie eine emporsteigende Lichtfontäne aussieht. Der Mars produziert tatsächlich eine Überraschung nach der anderen. Erst kürzlich sorgte er mit

dem merkwürdigen »Fall« des plötzlich aufgetauchten Steins »Pinnacle Island« wieder einmal für weltweites Aufsehen, jetzt sind es mysteriöse Lichter! Und wieder ist die Frage, was hier vor sich geht. Fluoreszierendes Gas oder gar aktuelle Ausbrüche in einer alten vulkanischen Landschaft? Grelle Sonnenreflexe, schnöde Bildartefakte oder doch geheimnisvolle Aktivitäten außerirdischen Lebens, wie sie schon lange auf dem Mars vermutet werden?

 

Im Rahmen des NASA-Programms Mars Science Laboratory (MSL) landete der fast tonnenschwere Rover Curiosity (»Neugier«) am 6. August 2012 auf dem Roten Planeten, an einem äquatornahen Punkt auf 137 Grad östlicher areografischer Länge. Diese Region befindet sich südlich der bekannten Tiefebene Elysium Planitia mit ihren großen Schildvulkanen, ihrerseits nicht zu verwechseln mit der über 4000 Kilometer davon entfernten Tharsis-Region, in der auch Olympus Mons thront, der größte Vulkan des Sonnensystems.

 

Curiosity landete innerhalb einer halbkreisförmigen Senke, die den nordwestlichen Teil des Gale-Kraters bildet. Von hier aus arbeitete sich das automatisierte Gefährt zu einem Bergmassiv inmitten der rund 150 Kilometer messenden Impaktstruktur vor, um eine für Mars-Geologen extrem interessante Region riesiger Sedimentstrukturen möglichst genau erkunden zu können. Beachtliche 5,5 Kilometer hoch ist Aeolis Mons. Er präsentiert sich als ein für Meteoritenkrater charakteristischer, mächtiger Zentralberg, den die NASA entgegen aller internationaler Konvention nach einem 2004 verstorbenen US-Geologen schlichtweg als »Mount Sharp« bezeichnet.

 

Ungeachtet der Namenskontroverse ist sich die Forschung sofort einig, wenn es um die Bedeutung dieser Region geht, die zwei Milliarden Jahre der Marsgeschichte wie eine voluminöse, vielfach kryptische Chronik festhält. Einige Formationen dort, darunter auch solche, die irdischen Schwemmfächern ähneln, deuten ganz offenbar auf einstiges Vorhandensein reichlicher Wassermengen hin. Deshalb besteht berechtigte Hoffnung darauf, hier möglicherweise auf Relikte alten Marslebens zu stoßen. Oder sogar auf Anzeichen heute noch existierenden Lebens?

 

Man könnte die seltsamen Lichter als solche Signale interpretieren, und derzeit kocht schon wieder eine eigene Diskussion im Internet hoch. Natürlich sollte man sich nicht einfach etwas vormachen, selbst wenn die Assoziation mehr als verlockend ist. Die eher unschöne, sehr nüchterne Betrachtungsweise, wie sie von Wissenschaftlern bevorzugt wird, verlangt allerdings zunächst den Ausschluss aller wahrscheinlicheren Optionen, um erst im letzten Schritt die unwahrscheinlichste in ernsthafte Erwägung zu ziehen. Diesem Prozess wohnt natürlich zwangsläufig der Nachteil inne, manchmal zur unendlichen Geschichte zu werden und zumindest das strapazierte Prinzip ad absurdum zu führen.

 

 

Momentan sieht es jedenfalls so aus: Curiosity hat nun »The Kimberley« erreicht, einen wichtigen Punkt seiner Route, von dem aus ein hervorragender Überblick über das Terrain möglich ist. Die ungewöhnlichen »Blitze« registrierte der Rover mit einer seinen beiden Navigationskameras oder Navcams, und zwar an den Tagen 588 und 589 nach der Landung (Sol 588 und Sol 589). Sie wurden von der NASA veröffentlicht und sind als Rohbilder mit genauer Zeitangabe abrufbar. In einer Pressemeldung vom 8. April nimmt die NASA Bezug auf die hellen Punkte, die auf zwei Aufnahmen zu sehen sind, und gibt erste Erklärungen zu ihrer Ursache ab.

 

 

Erwartungsgemäß zählen Außerirdische nicht dazu. Vor allem zwei Deutungen des Phänomens werden derzeit favorisiert: von einem Fels reflektiertes Sonnenlicht oder aber ein Doppeltreffer kosmischer Strahlung. Detektoren werden davon sogar ziemlich oft heimgesucht, sie »spielen« hier sozusagen Funkenkammer und machen nicht nur Photonen sichtbar. Sogar irdische Detektoren fangen immer wieder kosmische Strahlung ein, die dann seltsame Punktfolgen oder Strichspuren im Bild produziert. Solche Muster sind als »Cosmics« bekannt – wie im hier wiedergegebenen Bild aus eigener Tätigkeit: Die nur einige Sekunden lang belichtete Galaxienaufnahme diente lediglich zur genauen Fokussierung der Optik. Der Bildausschnitt zeigt die kosmische Strahlung als kleine unterbrochene Lichtspur.

 

Kameras auf dem Mars sind einer weit höheren Belastung ausgesetzt, hier gibt es keinen nennenswerten Schutz vor der Strahlung. Entsprechend hoch ist die Wahrscheinlichkeit für Cosmics. Nicht umsonst merkt der für die Stereo-Navcams verantwortliche Justin Maki vom Jet Propulsion Laboratory (JPL) an: »In den Tausenden von Bildern, die wir von Curiosity erhalten haben, sehen wir beinahe jede Woche auch welche mit hellen Punkten. Sie können von Treffern kosmischer Strahlung erzeugt worden sein oder aber von Sonnenlicht, das felsige Oberflächen reflektieren – das wären die wahrscheinlichsten Erklärungen.«

 

Die Aufnahme vom 3. April zeigt einen Lichtblitz direkt am Horizontabschnitt des Sonnenuntergangs, in westnordwestlicher Richtung. Sofern es sich wirklich um einen Reflex handelt, dürfte die Distanz zwischen Rover und Fels am 3. April bei etwa 160 Metern gelegen haben. Interessant, dass die beiden Lichtblitze jeweils vom rechten »Auge« des Rovers registriert wurden, die linke Navcam zeigt nichts. An sich klingt das bereits nach einem gelösten Fall. Denn wenn nicht beide Kameras ein Signal einfangen, muss es sich wohl um eine Störung handeln. Bei einem Detektor könnte auch Datenverlust aufgetreten sein. Computer und Detektoren sind bekanntlich auch nur Menschen und somit vielfach anfällig für Fehler. Ob ungleichmäßiges Rauschen, heiße und kalte Pixel, Spaltenfehler oder natürlich auch Staubpartikel und systembedingte Artefakte wie Blooming, unerwünschte Effekte treten in Rohdaten zuhauf auf. Aber sie sind in aller Regel unvermeidlich.

 

»Normalerweise können wir die wahrscheinliche Quelle eines hellen Punktes im Bild schnell identifizieren«, ergänzt Maki. Basis hierfür sei eben jenes Kriterium, nämlich, ob dieser Punkt in einem oder aber beiden Bildern eines Stereopaars auftrete. Bei den jetzt registrierten Lichtern sei dies allerdings anders. »In diesem Fall«, so kommentiert Dr. Maki, »ist die Sache nicht so eindeutig, da die zweite Kamera am ersten Tag in ihrem Blickfeld eingeschränkt war«.

 

Auffallend, dass das Phänomen in Richtung der niedrig stehenden Sonne auftrat, so die NASA-Experten. Es zeigte sich auf Bodenniveau vor einem Kraterrand am Horizont. Eine andere Möglichkeit wäre das direkte Eindringen von Sonnenlicht durch einen Lüftungsschlitz des Detektorgehäuses. So etwas ist bereits zuvor bei Marsrovern geschehen und könnte auch hier passiert sein. Diese Alternative wird derzeit ebenfalls überprüft. Interessant an der Geometrie der Lichtblitze scheint, dass ihre lange Achse sich mit der Vertikalachse des Bildes deckt und somit auch senkrecht zum Horizont steht. Wie sich das mit Cosmics oder auch dem Lichteinfall in den Detektor verträgt, müssen die Fachleute klären.

 

Gegen die Cosmics könnte auch sprechen, dass der gegenüber dem ersten Blitz längere Lichtstreifen von Sol 589 nicht nur relativ weiche Umrisse aufweist, sondern sich nach oben zu verbreitern sowie an Intensität zu verlieren scheint, wobei auch eine forcierte Vergrößerung dafür verantwortlich sein kann. Ein interessanter Zufall bliebe natürlich die Tatsache, dass die Lichter, wenn auch in verschiedenen Positionen, jeweils direkt am Rand von Erhebungen des dunkleren Vordergrunds erscheinen, direkt angrenzend an den Bildteil, der den Hintergrund der fernen Berge wiedergibt. Das spricht ebenfalls zu einem gewissen Grad sowohl gegen die These der Cosmics als auch des Lichteinfalls und eher für Reflexe am Marsgestein. Sie würden auf die große Distanz der Bergketten ohnehin nicht mehr erkennbar sein. Also bleibt nur eine Entstehung in relativ geringem Abstand zu Curiosity, um überhaupt entdeckt zu werden.

 

Wenn es sich aber um reale Reflexe handelt, warum erscheint dann kein Blitz auf der am 3. April gewonnenen Aufnahme der linken Navcam? Entgegen den Verhältnissen vom 2. April war nämlich deren Sicht hier nicht durch vorgelagerte Anhöhen verdeckt. Also hätten doch beide Kameras das Ereignis erfassen müssen. Aber selbst, wenn nun für den einen Fall (Sol 588) ein Reflex und im anderen (Sol 589) ein Artefakt angenommen wird, bleiben weiterhin Fragen offen. So auch zur vertikalen Ausrichtung des Blitzes am 3. April oder zu den Positionen jeweils direkt am Rand des dunkleren Vordergrund-Reliefs. Umso interessanter dann zu hören, was die NASA-Experten schlussendlich sagen werden.

 

 

 

 


 

 

 

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