Monday, 21. May 2012
04.03.2008
 

Andere Erden häufiger als erwartet

Andreas von Rétyi

Bei der Suche nach fremden, erdartigen Welten gingen die Meinungen immer wieder stark auseinander, wie häufig denn nun andere Erden wirklich sind. Aufregende Entdeckungen der vergangenen Jahre und eine neue Studie zeichnen ein hoffnungsvolles Bild. Demnach gibt es viele erdartige Planeten »dort draußen«.

 

 

Eine neue Studie hat ergeben, dass sogar mehr als die Hälfte aller sonnenähnlichen Sternen unserer Galaxis von Planetensystemen ähnlich dem unseren umgeben sind. Damit wächst natürlich auch die Wahrscheinlichkeit, dass Welten von Erdgröße relativ häufig im All vertreten sind.

 

 

 

In den vergangenen Jahren sind Astronomen mit immer empfindlicheren Messmethoden auf zahlreiche Sterne gestoßen, die von Planeten umkreist werden. Die im Gegensatz zu ihren Heimatsonnen nicht selbst leuchtenden Objekte lassen sich aber direkt bisher nicht abbilden. Vielmehr fallen sie durch ihre Schwerkraft auf. Während die dunklen Planeten um ihren Stern kreisen, zerren sie an ihm – und lassen ihn um einen gemeinsamen Schwerpunkt wandern. Von der Erde aus gesehen erscheint dies als winzige Pendelbewegung, wirklich kaum zu bemerken – kaum, aber eben doch. Und mit immer genaueren Methoden lassen sich immer kleinere und immer weiter von ihrem Heimatstern entfernte Planeten aufspüren.

 

 

 

 

 

Anfangs standen reine Exoten ganz oben auf den Fundlisten. Immer waren es sogenannte »Hot Jupiters«, also sternnahe, demnach sehr heiße Riesenplaneten mit der vielfachen Masse unseres Jupiters. Zuvor hatte sich niemand deren reale Existenz wirklich vorstellen können. Nun zeigte sich, dass es eine ganze Menge davon gab. Allein schon diese Beobachtung sprach für eine weite Verbreitung der »normaleren« Planeten – solcher eben wie unserer Erde. Wobei, wie normal ist dieser Planet schon? Auch astronomisch gesehen stellt sich diese Frage, nicht zuletzt auch bezogen auf unser Sonnensystem, auf Leben im All, auf Intelligenzen dort draußen. Wie normal sind all diese Erscheinungen?

 

 

 

 

Die neue Studie scheint zumindest zu belegen, dass felsige Planeten von Erdgröße durchaus keine Seltenheit sind. Auch in unserem eigenen Sonnensystem könnte es Hunderte oder gar Tausende weiterer Planeten geben. Diese Aussage klingt fast ein wenig paradox, nachdem vor kurzem gerade dem Pluto sein Rang als echter Planet, als einer der Großen Planeten des Systems aberkannt wurde. Doch genau wie er wohl lediglich ein Kleinplanet ist, gibt es offenbar jenseits der Neptun- und Plutobahn eben noch ungezählte und bis heute nicht aufgefundene Asteroiden, also kleine Welten, die im Fernrohr nicht anders als ein Sternchen aussehen. Doch die Astronomen vermuten in größerer Ferne noch mehr. Sie gehen mittlerweile sogar davon aus, dass in der Oortschen Kometenwolke – einem riesigen Reservoir vor allem eisiger Kleinkörper – noch einige Überraschungen auf uns warten könnten. Die Oortwolke, deren Existenz sich aus Kometenbahnen ableiten lässt, ist ein gigantisches Gebilde, das bereits im interstellaren Raum liegt, aber gravitativ immer noch an die Sonne gebunden ist.

 

 

 

 

 

Nach neuen Modellen, so erklärt auch ein bekannter NASA-Wissenschaftler mit dem bezeichnenden Namen Alan Stern, könnten dort sogar Objekte von Erdgröße kreisen! Natürlich sind sie so weit entfernt, dass Leben auf ihnen nicht mehr möglich ist – tief gefrorene Schwesterwelten. »Ich erwarte, dass wir eine große Zahl an Planeten entdecken werden«, so Stern. Und darunter gewiss auch erdartige Welten in der ständig bewohnbaren Zone sonnenähnlicher Sterne. Ähnlich sieht auch Michael Meyer die Chancen. Meyer, Astronom an der Universität von Arizona, geht aufgrund neuer Beobachtungen von rund 20 bis 60 Prozent sonnenähnlicher Sterne mit aktiver Planetenbildung aus. Seine Forschergruppe nutzte das Spitzer Space Telescope, das im Infrarot-Bereich des Spektrums arbeitet, und fand dabei Scheiben aus kosmischem Staub um sehr junge Gruppen von Sternen, die in etwa eine Sonnenmasse besitzen. Dieser Staub dürfte das Nebenprodukt kollidierender felsiger Materie sein, die im Begriff ist, Planeten zu formen.

 

 

 

 

 

Im nächsten Jahr wird die Kepler-Mission starten, um ihrerseits vom Weltraum aus nach nur erdgroßen und noch kleineren Planeten zu fahnden. Dann wird es immer spannender, und irgendwann wird sie entdeckt sein – die zweite Erde.

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