Friday, 29. July 2016
15.11.2013
 
 

Das Gold-Geheimnis: Woher stammt das »Metall der Götter«?

Andreas von Rétyi

Die Magie des Goldes zieht sich als glitzernder Faden durch die Menschheitsgeschichte. Abenteuer, Morde und Intrigen spinnen sich seit jeher um das faszinierende Edelmetall, das heute angesichts der negativen wirtschaftlichen Entwicklung begehrter scheint denn je. Nur eine Frage blieb ungeklärt: Woher stammt Gold überhaupt? Jetzt glauben Forscher, dem Geheimnis seines Ursprungs auf die Schliche gekommen zu sein.

Sicher, Gold stammt aus der Erdkruste. In verschiedenen Regionen unserer Welt finden sich vermehrt goldhaltige Gesteine. Das edle Metall wird als Golderz aus teils mehrere Tausend Meter tiefen Vorkommen abgebaut. In den südafrikanischen Goldminen lagern geschätzt noch Zigtausend Tonnen an purem Gold. Doch auch direkt an der Oberfläche tritt das heißbegehrte

Edelmetall auf. Wo immer es entdeckt wurde, der Fund löste jedes Mal einen wahren Ansturm von Glücksjägern aus – wie beim berühmten »Goldrausch« am Klondike in Alaska, der 1896 massiv einsetzte und über 100 000 Stampeders in die einsamen Regionen am Yukon führte. Auch in neuerer Zeit sorgten sensationelle Goldfunde für Schlagzeilen.

 

Vor wenigen Jahren begab sich eine pensionierte Köchin zusammen mit ihrer Freundin auf einen kurzen Waldausflug nahe ihres Wohnortes in der schwedischen Provinz Västerbotten. Die beiden älteren Damen wollten an jenem denkwürdigen Tag eigentlich nur Heidelbeeren sammeln. Zwar hatten sie dabei keinen Erfolg, doch mit leeren Händen kamen sie nicht gerade nach Hause. Ihnen waren auf ihrem Weg einige glitzernde Steine aufgefallen, und bald stellte sich heraus, dass sie echtes Gold gefunden hatten. Wovon viele träumen, war für sie Wirklichkeit geworden. Die »Zufallsentdeckung« gelang allerdings wohl nur deshalb, weil die beiden Freundinnen schon länger nach Edelmetallen gesucht und sogar eine Lizenz erworben hatten. So gelangten sie schließlich zu Reichtum.

 

Der Goldanteil des schwedischen Fundes betrug durchschnittlich 23,3 Gramm pro Tonne. Was nach wenig klingt, entpuppt sich schnell als bemerkenswert. Denn sonst liegt er in der Erdkruste bei lediglich vier Tausendstel Gramm pro Tonne! Und auch hier kann letztlich nicht von »wenig« gesprochen werden: Zumindest Geologen und Planetologen bereitet dieser Goldanteil nämlich immer noch einige Kopfschmerzen. Nach allem, was heute über die Entstehung der Erde bekannt ist, müsste eigentlich weitaus weniger Gold im Gestein anzutreffen sein.

 

Laut etablierter Theorie war unsere Erde nach der Entstehung des Sonnensystems vor über 4,5 Milliarden Jahren ein aufgeschmolzener Glutball. Die Elementenmischung, aus der er bestand, blieb allerdings nicht homogen. Schwerere Stoffe sanken in die Tiefen eines gewaltigen Magma-Ozeans hinab, während leichteres Material für die späteren Krusten zur Verfügung stand. Zumindest bei den größeren Körpern des Sonnensystems muss eine solche Differenzierung zwangsläufig stattgefunden haben. Gerade die kleineren Weltraum-Objekte liefern gute Indizien für die damaligen Vorgänge.

 

Meteorite stellen direkt zugängliches und teils noch sehr ursprüngliches kosmisches Material dar. Sie ähneln uralten Zeitkapseln, natürlichen Datenspeichern, die viele Informationen über die Anfänge des Sonnensystems in ihrem Inneren konserviert haben. Mikrodiamanten in exotischen Einschlüssen erzählen auf eine stille und doch beredte Art von einstigen Sternexplosionen, deren Stoßwellen den Kollaps der präsolaren Urwolke einleiteten. In den Bruchstücken von Asteroiden finden sich Belege für den inneren Aufbau von Planeten, und die kleineren Exemplare weisen mit ihrer niedrigen Schwerkraft ganz andere Verhältnisse auf als die großen Welten. Bei den Mini-Welten blieben die schweren Elemente im oberflächennahen Gestein, weshalb viele Steinmeteorite von Nickeleisenkörnern durchsetzt sind. Andere Meteorite stammen aus den Übergangsregionen zwischen Kern- und Mantelbereichgrößerer Asteroiden. Dabei zeigen sich grüngelbe Olivine in bizarre Metallnetzwerke eingebettet – Strukturen, wie sie nur unter annähernder Schwerelosigkeit entstehen können.

 

Bei alledem wird klar, dass Metalle, darunter auch Gold, an den Oberflächen von kleineren Himmelskörpern häufiger vorkommen. Irgendwie aber muss das Edelmetall auch hier erst einmal hingekommen sein. Schon lange gilt in der Forschung als gut gesichert, dass die schwereren Elemente nur in massereichen Sternen entstehen und während gigantischer Supernova-Ereignisse synthetisiert werden. Explodierende Sterne früherer Generationen verteilten diese Elemente weit ins All und reicherten die Galaxis mit kosmischen Staubmassen an. So hatte auch der alte Paracelsus zumindest im übertragenen Sinne doch nicht völlig unrecht, als er einst erklärte: »Die Sonne hat das Gold gezeugt und wirkt in ihm.« Gold und Sterne, hier gibt es tatsächlich eine alte Verbindung.

 

Nicht zuletzt die Urwolke des Sonnensystems war bereits deutlich mit schweren Elementen versetzt. Als dann die verschiedenen Welten des Sonnensystems entstanden, spielte die jeweilige Masse eines Himmelskörpers die entscheidende Rolle, ob Metalle in die Tiefe sanken oder an der Oberfläche blieben. Unsere Erde war in jedem Falle zu groß, um nicht auszudifferenzieren und somit eine relativ metallarme Kruste zu bilden, in der auch Gold die absolute Seltenheit war.

 

Nur, was Experten hierzu ausgerechnet haben, will einfach nicht zur tatsächlichen Situation passen. In der Erdkruste gibt es eben viel zu viel Gold! Demnach mussten neue Überlegungen her. Vielleicht sackte ja nicht alles schwere Material ganz nach unten, wurde vielmehr in einigen Hundert Kilometer tiefen Schichten aufgefangen, wie in einem riesigen Kaffeefilter. Erst Vulkanismus habe die Metalle wieder in Richtung Oberfläche befördert, so meinen einige Experten. Mittlerweile aber mehren sich die Belege für eine andere These, der zufolge das Edelmetall zusammen mit anderen schwereren Elementen erst in späterer Zeit auf die Erde gelangt ist, durch einfallende Meteorite.

 

Was nach einer ko(s)mischen Spekulation und ziemlich verrückt klingt, wird von Wissenschaftlern zunehmend anerkannt. Die meisten Geologen schließen sich heute dieser Idee an. Schon 2011 fand eine Forschergruppe um Matthias Willbold von der Universität Bristol buchstäblich schlagkräftige Indizien, die jene Theorie der »späten Übertünchung« (Late Veneer Theory) unserer Erde klar stützen. Gesteinsproben aus Grönland lieferten die entscheidenden Informationen. Mit einem Alter von 3,8 Milliarden Jahren zählen sie zum ältesten irdischen Material. Sie stammen aus einer Zeit kurz vor dem »Großen Bombardement«, als nicht zuletzt unser Erde-Mond-System von einem gigantischen Weltraum-Hagel heimgesucht wurde, dessen Auswirkungen sich auch gut an den zahlreichen Mondkratern ermessen lassen, wie sie vor allem in den alten lunaren Hochlandgebieten zu sehen sind.

 

Wie sich nun bei der Analyse von Wolfram herausstellte, traten dessen Isotope damals noch in einem anderen Verhältnis auf als zu späterer Zeit, nachdem also der große Asteroidenhagel bereits niedergegangen war. Sie ließen sich nur durch zusätzlich eingefallene Massen an Wolfram erklären. Weitere Untersuchungen stehen noch aus, unter anderem an Gesteinsproben des uralten kanadischen Schildes, die stolze 3,9 Milliarden Jahre erreichen. Nicht umsonst sind in dieser Region auch die ältesten kosmischen Einschlagstrukturen der Erde anzutreffen. Billiarden von Tonnen müssen damals vom Himmel auf die Erde gefallen sein, das entspricht einem halben Prozent der Gesamtmasse des Erdmantels. Unvorstellbar, doch das frühe Sonnensystem war noch voll mit kosmischem Bauschutt.

 

Welchen Weg das kosmische Gold auf der Erde dann nahm und wie es schließlich an seine Fundorte gelangte, das glaubt jetzt der kanadische Forscher Damien Gaboury von der Universität Québec erklären zu können. Seine aktuellen Erkenntnisse stützen wiederum eine interessante Theorie. Allgemein geht die Wissenschaft bekanntlich davon aus, dass der Meeresboden sich durch die Kontinentalverschiebung innerhalb einer Zeitskala von größenordnungsmäßig 100 Millionen Jahren erneuert, weshalb auch ältere unterseeische Meteoritenkrater nicht gefunden werden. Goldhaltige Gesteine des sehr alten Meeresbodens gelangen durch die Drift der Erdplatten unter die Kontinente und werden in der Tiefe erhitzt. Lösungen, die das Edelmetall enthalten, steigen dort nach oben und reichern das Gestein an. So die Theorie. Derzeit soll sich dieser in Wirklichkeit komplexere Prozess auch in den Anden abspielen. Das Gold wird dabei auch in das bekannte »Katzengold« (»Ketzer«- oder »Narrengold«) Pyrit eingelagert, ein Schwefel-Eisen-Mineral, das tierische Weichteile bei deren Zerfall ersetzt und in Sedimenten auftritt. Letztere entwickelten sich zu einem wesentlichen Ausgangsmaterial für spätere Goldlagerstätten.

 

Gaboury konnte nun auch für sehr alte Lagerstätten eine entsprechende Pyrit-Anbindung feststellen und für die Zeit vor rund 2,5 Milliarden Jahren genau jenen Ablauf rekonstruieren, der das Gold vom Meeresboden in den Prozess der Gebirgsbildung einbindet. Die letzten Beweise für diese Überlegungen stehen allerdings noch aus. Und allein die Frage, woher all das Gold eigentlich stammt, das unsere Welt bereits seit Anbeginn der menschlichen Zivilisation in Atem hält und tausendfach mystifiziert wird, diese spannende Frage belegt ihrerseits, wie wenig wir heute immer noch wissen und wie ungewöhnlich die möglichen Antworten teils ausfallen können. Natürlich können auch sie durch aktuellere Erkenntnisse wieder abgelöst werden. Derzeit aber sieht es ganz danach aus, als ob das »Metall der Götter« tatsächlich von oben nachgeliefert wurde, direkt aus dem All.

 

 

 

 


 

 

 

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