Die Lebensuhr: Bestimmt das Erbgut unseren Todestag?
Andreas von Rétyi
Wollten wir wirklich wissen, wann wir sterben müssen? Molekularbiologen haben eine Uhr in unseren Zellen identifiziert. Sie tickt in jedem Menschen anders und legt die maximal erreichbare Lebensspanne schon im frühkindlichen Alter fest.

In den 1979er Jahren erforschte die australisch-amerikanische Molekularbiologin Elizabeth Blackburn zusammen mit einem Kollegen die Struktur der Enden von Chromosomen. Sie entzifferte dabei die Eigenschaften und den Sinn der von ihr als »Telomere« bezeichneten DNS-Sequenzen. Diese sich zahlreich wiederholenden Abfolgen sitzen an den Enden der riesigen Molekülketten
unserer Erbsubstanz. Sie schützen unseren genetischen Code vor fehlerhaftem Kopieren. Frau Blackburn und der amerikanische Wissenschaftler Jack W. Szostak entschlüsselten diesen Mechanismus. Und sie erhielten zusammen mit Carol Greider im Jahr 2009 den Medizin-Nobelpreis für ihre wegweisenden Arbeiten. Greider hatte ihrerseits das »Telomerase« genannte Enzym gefunden, das die Telomere (»Endstücke«) wieder ergänzt.
Schon bald war klar, dass eine Zelle sich nicht unendlich weiter teilen kann. Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem sie zu altern beginnt. Der amerikanische Gerontologe Leonard Hayflick stieß schon 1961 auf die Grenze, von der an Zellen in die Seneszenz übergehen. Bei jeder Teilung werden sie gekürzt. Und der Zeiger der unsichtbaren Todesuhr nähert sich weiter in Richtung der letzten Stunde. Jetzt weiß man, wie das System funktioniert und wie lange welcher Mensch leben wird, wenn er nicht getötet wird oder einem Unglück zum Opfer fällt. Doch es gibt Möglichkeiten, diese innere Uhr zu beeinflussen – positiv oder auch negativ. Lesen Sie, welche faszinierenden Erkenntnisse die Wissenschaft nun über die Uhr des Lebens gewonnen hat.
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