Tuesday, 23. September 2014
03.07.2008
 
 

Die neuen Superjets

Andreas von Rétyi

Gegenwärtig geht es wieder rund, wenn von geheimen Militärprojekten, Drohnen und Superflugzeugen die Rede ist. Allmählich dringen neue Informationen über utopische Systeme an die Öffentlichkeit. Doch was geschieht wirklich?

Kürzlich berichtete die New York Times über unerwartete Aktivitäten der US-Armee, die für Verwirrung sorgen und demnach einige Fragen aufwerfen. Die Army nämlich sei enttäuscht über den Mangel an tatkräftiger Unterstützung durch unbemannte Flugkörper – UAVs, sprich Drohnen. Sie seien bei Überwachungs- und Kampfeinsätzen im Irak erforderlich. Daher ergriff die Armee entsprechende Eigeninitiative und installierte eine eigene Einheit im Irak: die Task Force Odin.

Odin steht dabei für Observe, Detect, Identify und Neutralize – Beobachten, Entdecken, Identifizieren und Neutralisieren. Nicht allein die Existenz der Einheit, sondern auch ihre Ausstattung sorgten für Aufsehen. Doch an sich kein Wunder, führt doch die US Army ein nachhaltiges Modernisierungsprojekt durch, Future Combat Systems, bei dem unter anderem Drohnen zum Einsatz kommen, so auch sehr kleine ferngelenkte Systeme, die als Micro Air Vehicles oder kurz MAVs bekannt sind. Allerdings rückte die Armee nicht so recht mit näheren Informationen und Ergebnissen heraus. Doch der US-Verteidigungsminister sowie der Kongress drängten auf Einzelheiten. Nun wird das Dickicht lichter, doch warum hielt sich die US-Luftwaffe mit ihren Systemen zurück, wenn es um eine Unterstützung der Armee ging? Sollte die Meldung über deren frustrierte Reaktion mangelnde Kooperation oder vielleicht einen Mangel an Substanz bei der Air Force suggerieren? Befinden sich zu wenige Projekte in der operationellen Phase? Kaum. Bekanntlich und erwartungsgemäß verfügt die Air Force über ein umfangreiches Kontingent effektiver unbemannter Fluggeräte. Doch auch hier wird bezüglich neuester Projekte notwendigerweise sehr minimalistisch mit dem Informationsfluss umgegangen. Wie sollte es auch anders sein!

Doch was sind die neuesten Projekte? Wenn wir uns einmal auf dem Sektor aktueller Systeme umsehen, schwappt uns eigentlich eher eine verwirrende Informationsflut entgegen! Paradox, aber wahr. Projekte sind wahrhaft genügend bekannt, gegenwärtig in einem Maße, dass man fast schon wieder skeptisch werden kann. Nicht ganz ohne Grund.

Die DARPA als militärtechnologische Denkfabrik ersten Ranges lüftete unlängst einige Geheimnisse um ihr Vulcan-Projekt. Dahinter verbirgt sich ein exotischer Hybridantrieb, der einen Jet von Null auf vielfache Schallgeschwindigkeit  beschleunigen soll, ohne beispielsweise nach dem aufwändigen Sängerprinzip zu arbeiten, bei dem eine fliegende Startplattform für eine huckepack gekoppelte Hyperschallmaschine benötigt wird. Das neue System nutzt einen Turbinenantrieb, um von der Startbahn weg auf eine Endgeschwindigkeit von Mach 4 zu beschleunigen. Von da an macht sich der CVC / Scramjet ans Werk. Dieser Antrieb arbeitet mit nur wenigen bis überhaupt keinen beweglichen Teilen. Die eindringende Luft wird bei sehr hoher Geschwindigkeit komprimiert, verbrannt und tritt mit stark erhöhter Geschwindigkeit aus. Was so einfach klingt, wird in der Praxis zur erstrangigen technologischen Herausforderung, nicht zuletzt auch die Kopplung beider Systeme in einer einzigen Struktur. Pratt & Whitney Rocketdyne haben einen Prototypen des dualen Systems, den X-1-Antrieb, bereits zwischen Dezember 2006 und April 2007 im Hochtemperaturtunnel des NASA-Langley-Forschungszentrums in Hampton, Virginia, erfolgreich getestet. Ein Hyperschallflieger soll mit einem solchen Antrieb in der Lage sein, mehrere Tonnen an Nutzlast innerhalb von nur zwei Stunden über eine Strecke von rund 17.000 Kilometer zu transportieren. Der in der Entwicklung befindliche HTV-3X-Demonstrator wäre der passende  Flieger dafür, wurde von Lockheed Martin Skunk Works im Rahmen des Falcon-Programmes der DARPA konzipiert und in einer neuen Variante als Blackswift geführt.

Manche sprechen diesen Superflieger bereits als SR-72 und damit als lange erwarteten Nachfolger der berühmten SR-71 an, jenes Blackbird, der vor zehn Jahren außer Dienst gestellt wurde. Gegen Ende 2012 soll die neue Maschine fliegen. Angeblich haben sogar Mitarbeiter von Skunk Works selbst intern die Bezeichnung SR-72 gewählt. Die Informationslandschaft zu neueren Superfliegern gestaltet sich ohnehin meist verwirrend, ein Umstand, der durchaus seine Tradition besitzt und nicht ohne Absicht ist. Bislang bleibt auch unklar, welche Chancen das Blackswift-Projekt wirklich hat, denn das Armed Services Committee des US-Senats empfahl, die Mittel für das 800-Millionen-Dollar-Flugzeug um über 40 Prozent zu kürzen. Die US-Luftwaffe arbeitet nämlich ihrerseits am X-51-Projekt, einem konventionelleren, preiswerteren, aber offenbar dennoch effektiveren System. Dahinter verbirgt sich ein Flugzeug mit Raketenbooster, das sich den publizierten Angaben zufolge rund 36 Mal länger im Hyperschallbereich aufhalten kann als Blackswift. Und bei nur einem Drittel der Kosten. Gute Argumente also. Strukturell zu 100 Prozent umgesetzt ist laut Angaben von Northrop-Grumman der Unmanned Combat Air Systems Demonstrator UCAS-D; die Ingenieure kümmern sich nun bereits seit längerem um den Einbau der Untersysteme, der Fehlersuche und anderen Überprüfungen. Das Projekt wurde sehr zügig realisiert, die erste Einheit soll 2009 komplettiert sein. Ihr Design orientiert sich an Blackswift.

Nun fragt sich bei all den Neuigkeiten, wo eigentlich die Geheimhaltung abgeblieben ist.

Wie gab sich Lockheed-Repräsentant Tom Jurkowsky zu Fragen um die neuen Projekte? Nun, sein Kommentar war knapp und bündig: »Gemäß unseren Richtlinien sprechen wir nicht über klassifizierte Programme – ob sie nun existieren oder nicht.« Insgesamt ist bereits viel zu viel über die neuen Konzepte bekannt. In Anbetracht der zahlreichen Prototypen, die niemals in die Serienfertigung gehen, darf stark bezweifelt werden, hier bereits Einblick in die tatsächlich aktuellen geheimen Flugzeugprogramme zu erhalten.

Die meisten Superflugzeuge wurden öffentlich bekannt, als das Militär kurz davor war, sie ins Museum zu schicken. Spekulationen, die Killerdrohne von Northrop sei beispielsweise ein aktives Geheimprojekt auf Area 51 am Groom Lake (DET 3 / AFFTC), scheint ebenso unhaltbar wie die Idee, der neue Riesenhangar dort sei genau für deren Entwicklung gebaut worden. Das neue Gebäude wäre dann wohl weitaus früher errichtet worden. Ob es gegenwärtig bereits komplett fertig gestellt ist, steht noch nicht einmal wirklich fest. Zudem scheint es für ein ganz anderes Kaliber ausgerichtet zu sein als für jene vergleichsweise kleine Drohne. Der neue Hangar ist gegenwärtig übrigens das größte Gebäude auf Area 51.

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