Sonntag, 11. Dezember 2016
22.12.2010
 
 

Ein Asteroid als »Mischwesen« – Die plötzliche Veränderung von 596 Scheila

Andreas von Rétyi

Für gewöhnlich kreist das Objekt als unscheinbares Pünktchen zwischen der Mars- und Jupiterbahn um unsere Sonne. Doch am 11. Dezember wurden Astronomen plötzlich Zeugen einer sehr deutlichen Veränderung. Seine Helligkeit stieg an und um den Lichtpunkt herum war nun eine neblige Hülle zu sehen. Was war dort draußen im All geschehen?

Der kosmische Felsbrocken zeigte bis vor kurzem das typische Aussehen eines Kleinplaneten – im Teleskop und auf Fotografien erschien er schlicht und einfach als sternartiger Lichtpunkt. Daher auch die physikalisch nicht so ganz korrekte Benennung als »Asteroid«, eben als »sternartig« wirkendes Objekt, das aber ansonsten kaum etwas mit einem Stern gemein hat, außer vielleicht, dass es einen Stern umkreist – unsere Sonne eben. Anfang des 19. Jahrhunderts stießen Astronomen erstmals auf diese kleinen felsigen Körper, die zwischen Mars- und Jupiterbahn um die Sonne kreisen. Restmaterie aus der Urzeit unseres Planetensystems. Die Zahl der Asteroiden geht in die Milliarden, selbst von den größeren sind dort Tausende unterwegs. Später stießen Beobachter dann auch außerhalb des »Hauptgürtels« auf Kleinplaneten, meist als Repräsentanten neuer Gruppen auf anderen Bahnen. Für uns sind vor allem die Erdbahnkreuzer von Bedeutung, »Apollos«, »Amors« und »Atens«, die in die Nähe unseres Planeten gelangen können. Doch auch die Körper des Asteroidengürtels sind von großem Interesse, und immer wieder finden neue Entdeckungen statt, die tiefere Einblicke in die Natur dieser Kleinkörper des Sonnensystems zulassen. Immerhin handelt es sich um sehr ursprüngliche Objekte, die viele Informationen aus dessen früher Phase in sich tragen.

 

Am 11. Dezember 2010 zeigte der Asteroid 596 Scheila eine beeindruckende Veränderung. Der vor über 100 Jahren, am 21. Februar 1906 vom Heidelberger Astronomen August Kopff entdeckte Himmelskörper schien Materie abzustoßen, entwickelte um sich herum eine neblige Hülle. Aufnahmen an weitgehend autonom arbeitenden Teleskopen zeigten diese »Mutation« auch in den folgenden Tagen ganz deutlich. Die Astronomen rätseln nun darüber, was hier geschehen sein kann. Mehrere Erklärungen sind denkbar. So kann es sein, dass der recht kleine Himmelskörper von einem anderen Objekt getroffen wurde. Schon ein metergroßer Brocken könnte dafür gesorgt haben, genügend Materie aus der Oberfläche herauszuschleudern und die Hülle zu schaffen. Möglich wäre auch, dass es sich bei Scheila in Wirklichkeit um ein kometarisches Objekt handelt, das sich auf einer Asteroidenbahn um die Sonne bewegt. Das wäre keine Einmaligkeit. Und wohl die wahrscheinlichere Erklärung. Auch der Asteroid 1979 OW7 zeigte 1996 plötzlich ein kometenhaftes Äußeres, das durch eine solche Gas-Staub-Hülle charakterisiert ist.

 

Nähern sich Kometen, diese »schmutzigen Schneebälle« unserer Sonne, sublimieren die gebundenen Gase durch steigende Temperaturen und bilden meist ausgedehnte, leuchtende Sphären um die kleinen Kerne. Bei noch größerer Sonnenannäherung führen solarer Lichtdruck und schnelle Teilchen des Sonnenwindes schließlich zur Entwicklung des so typischen Kometenschweifes. Objekte des Hauptgürtels sind hierfür allerdings in der Regel zu weit entfernt, doch selbst bei noch ferneren Körpern, wie Chiron, der zwischen der Saturn- und Uranusbahn kreist, wurden Ausbrüche bereits beobachtet.

 

1979 OW7 verhielt sich dann über etliche Jahre hinweg völlig inaktiv, bis er 2002 wieder loslegte und sogar den Ansatz eines kometarischen Schweifes zeigte! Dass dieses Objekt zweimal von einem anderen Himmelskörper getroffen worden war, schien sehr unwahrscheinlich. Wegen der bemerkenswerten Veränderungen wurde es dann schließlich als Komet umklassifiziert und trug fortan den Namen 133P/Elst-Pizarro, gewählt nach den beiden Entdeckern des Lichtausbruchs. Weitere Funde dieser Art folgten, sodass Astronomen schließlich eine neue Klasse von Übergangsobjekten einführten, die sie als Hauptgürtel-Kometen oder eben Main Belt Comets (MBCs) bezeichneten. Voraussichtlich wird auch Scheila bald entsprechend umbenannt werden. Nun richten Sternwarten weltweit ihre Teleskope auf das ungewöhnliche Objekt, um seine weitere Entwicklung zu beobachten.

 

 


 

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