Wednesday, 27. July 2016
06.05.2014
 
 

Einzige Überlebenschance: Kolonien auf dem Mars

Andreas von Rétyi

Am 22. April 2014 erklärte NASA-Chef Charles Bolden zum Auftakt der Mars-Forschungskonferenz Humans 2 Mars Summit, die Menschheit könne nur durch eine Besiedlung des Roten Planeten dauerhaft überleben. Wie realistisch ist dieser Plan und wird der Kongress die zusätzlichen, hierfür erforderlichen Mittel überhaupt bewilligen?

Die Sachlage scheint zunächst fast ein wenig paradox – nämlich wie eine anachronistische Utopie. In Zeiten der Automatisierung und fortschrittlicher künstlicher Intelligenz soll die bemannte Raumfahrt mit allen erdenklichen Mitteln vorangetrieben werden. NASA-Chef Charles Bolden will bemannte Missionen zum Mars auf die Beine stellen, ein Jahrtausendprojekt als ersehntes Nachfolgeprojekt von Apollo und als weiterer Meilenstein der Raumfahrtgeschichte.

 

Bei der NASA scheint ein frischer Wind zu wehen, denn zeitweilig sah es doch schon sehr düster aus um die bemannte Exploration des Sonnensystems. Was treibt Bolden nun zu seinem großen Vorhaben? Ist es vielleicht das ehrgeizige private Unternehmen Mars One, das ihn anspornt, jenes wahre Himmelfahrtskommando, das Menschen ohne Rückholmission zum Roten Planeten entsenden soll?

 

Oder wiederholt sich die Geschichte nun auch hinsichtlich eines erneut drohenden Kalten Krieges? Übt die chinesische Raumfahrt verstärkten Druck aus, nachdem das Chang'e-3-Raumschiff mit seinem »Jadehase-Rover« Yutu den Mond erfolgreich besucht und dabei offenbar sogar eine für diese Mission existenzielle Krise überwunden hat?

 

Man kann über solche Hintergründe spekulieren, Tatsache aber bleibt, dass Bolden für den großen Schritt zum Mars offenbar ganz ernsthaft bereit ist. Auf der Sonderkonferenz Humans 2 Mars Summit, die vom 22. bis 24. April in Washington stattfand, erklärte er unumwunden, was ihn bewegt: Die Kolonialisierung des Mars biete für die Menschheit die einzige Möglichkeit, ihr Überleben wirklich langfristig zu sichern. Der Mars sei dabei lediglich Sprungbrett für noch größere Missionen zur Besiedlung fremder Welten außerhalb des Sonnensystems.

 

Bolden denkt wirklich weit voraus. Er erinnert daran, dass selbst unsere Sonne nicht ewig leben wird und sich nach den heute akzeptierten physikalischen Modellen in rund fünf Milliarden Jahren zu stark verändert, um unseren Planeten noch bewohnbar zu halten. Schon in einer Milliarde Jahren dürfte es hier ziemlich ungemütlich werden, und einige Wissenschaftler meinen, für höheres Leben bestehe dann bald keinerlei Chance mehr. Bis spätestens zu jener fernen Apokalypse sollte die Menschheit also einen anderen Wohnort zwischen den Sternen gefunden haben.

 

Milliarden Jahre! Schwindel erregende Zeiträume! Wer denkt heute schon über solch ferne Zeiten nach? Doch wird es wohl langwierige Anstrengungen erfordern, das ultimative Überlebensproblem zu lösen. Bolden jedenfalls ist überzeugt, den Hebel hier rechtzeitig ansetzen zu müssen. Wie er sagt, ist die Kolonialisierung des Mars sowie anderer Planeten die einzige Garantie gegen Auslöschung der Zivilisation. Sicher, die Dinosaurier betrieben aus naheliegenden Gründen keine Raumfahrt – und starben tatsächlich aus. Wir sind kleiner, und wir sollten vor allem klüger sein. Jedenfalls sieht Bolden gute Gründe für Bemühungen, sich zur multiplanetaren Kultur zu entwickeln.

 

Sein Plan: Zunächst einmal wieder unabhängiger von anderen Nationen werden, vor allem durch eine neue Orion-Mannschaftskapsel und eine schwere Trägerrakete. Die Forschungen auf der Internationalen Raumstation ISS sollen fortgesetzt werden, Menschen bis zur Mitte der 2020er Jahre auf einem Asteroiden landen und schließlich dann rund zehn Jahre später auf dem Mars. Zu diesem Projekt möchte Bolden mehrere vorbereitende Schritte unternehmen und neue wesentliche Erfahrungen im All sammeln.

 

So geht es unter anderem auch darum, zu lernen, wie sich Pflanzen erfolgreich im All züchten lassen und 3D-Drucker so angepasst werden können, dass sie Ersatzteile für die nächste Generation an Raumpendlern herstellen. Insgesamt ist natürlich eine ganze Menge Geld für die diversen Unterprojekte nötig, mit denen Bolden schließlich das große Ziel Mars erreichen möchte. Deshalb wandte er sich kürzlich mit der Bitte um Bewilligung von zusätzlichen 848 Millionen US-Dollar für eine Kooperation mit privaten Unternehmen an den Kongress. Die Firmen sollen die NASA dabei unterstützen, Astronauten ab dem Jahr 2017 zur ISS zu befördern. Das bisherige NASA-Budget beläuft sich auf 17,65 Milliarden US-Dollar.

 

Dana Milbank, Kolumnist der Washington Post, Yale-Absolvent und Mitglied des Geheimbundes Skull & Bones, betrachtet die Absichten Boldens eher kritisch. Denn ausgerechnet in Zeiten schrumpfender Budgets um Bewilligung umfangreicherer Mittel zu bitten, klingt natürlich seltsam und kaum Erfolg versprechend. Milbank schreibt: »Die Budget-Realität verlangt eine bescheidene Herangehensweise an die menschliche Erforschung des Weltraums, nicht einen ›Moonshot‹ nach Apollo-Art.« Wie er weiter feststellt, gestehen NASA-Vertreter ein, dass die Menschheit mit dem gegenwärtigen Weltraumetat nicht in der Lage sei, den Mars zu erreichen, und es schwer abzusehen sei, woher das extra Geld hierfür überhaupt kommen solle.

 

Die unbemannte Raumfahrt hingegen weise deutliche Vorteile auf. Tatsächlich setzen sich Astronauten bei Langzeitaufenthalten deutlich erhöhter Strahlung aus. Und das bedeutet ein entsprechend großes Risiko, Strahlenkrankheit oder Krebs zu entwickeln. Der Flug zum Mars sowie ein Aufenthalt auf seiner Oberfläche ist in jedem Falle mit einer hohen Strahlenbelastung verbunden. Nicht von ungefähr hat die NASA medizinische Einschätzungen erbeten, ob es »ethisch akzeptabel« wäre, die gegenwärtig festgelegten Limits der Strahlenbelastung anzuheben. Milbank kommentiert: »Sie müssen kein Raketenwissenschaftler sein, um beim Abwägen solcher Unzulänglichkeiten zu erkennen, dass irgendetwas mit ihrer Missionsplanung nicht stimmen kann.«

 

Keine Frage: Die Automatisierung ist mittlerweile so weit fortentwickelt, dass entsprechend leistungsfähige Roboter viele Einsätze im All ohne jedes menschliche Eingreifen selbsttätig durchführen können. Schon jetzt belegen dies zahlreiche Raumfahrtmissionen, wie sie auch von der NASA betrieben werden. Diverse Mars-Rover erledigen komplexere Aufgaben und erkunden völlig fremdes Terrain. Die Anwesenheit des Menschen scheint hier nicht nötig. Von der Budgetbehörde des US-Kongresses wurde kürzlich ein Bericht erstellt, der zu einem interessanten Ergebnis gelangt: Würde man die bemannten NASA-Missionen komplett streichen und durch Roboterprogramme ersetzen, ließen sich über einen Zeitraum von zehn Jahren rund 73 Milliarden US-Dollar einsparen.

 

Sicher könnte man mit so viel Geld eine ganze Menge Gutes tun. Doch würde dies auch geschehen? Oder flössen diese Mittel in andere Kanäle, darunter in Militärprojekte? Und Bolden geht es eben nicht darum, Roboter auf den Mars zu retten, sondern Menschen. Er will dem Menschen neue Lebensräume verschaffen, damit die Menschheit nicht vollends in einer globalen Katastrophe auf unserem Planeten ausgelöscht werden kann. Einige Überlebende im All würden die Art erhalten. Eines ließe sich durch extraterrestrische Kolonialisierung aber gewiss nicht lösen: Das Problem der Überbevölkerung.

 

Viel wichtiger als die Flucht nach vorne wäre vielleicht, die größten Gefahren auszumerzen, die unsere Zivilisation auslöschen könnten. Die Bedrohung durch den Menschen selbst scheint mittlerweile größer als die von Naturkatastrophen ausgehende Möglichkeit einer ultimativen Auslöschung. Könnten sich überdies einige Vertreter unserer Spezies auf andere Welten retten, würde die Erde ihren solitären Status verlieren, nämlich der einzige uns bekannte Ort im All zu sein, höheres Leben ohne weitere Modifikation erhalten zu können. Damit könnte längerfristig betrachtet auch die Gefahr globaler Kriege wachsen – zumindest die Elite könnte dann auf Alternativen zurückgreifen und ins All auswandern.

 

Das alles klingt nach Utopie, doch faktisch geht es um die Zukunft. Wer sich Gedanken zur Besiedlung fremder Welten macht, wird wohl auch darüber nachdenken müssen. Am Ende aber dürfte die Entwicklung zwingend erfolgen, und sofern die Menschheit überhaupt so lange existiert, wird sie auch zu anderen Planeten reisen, genau wie sie einst fremde Kontinente betreten hat. Ebenso konsequent wird voraussichtlich die Expansion ins All erfolgen. Welche Konsequenzen damit letztlich verbunden sein werden, steht allerdings buchstäblich in den Sternen.

 

 

 


 

 

 

 

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