
Heiße Jupiters, das waren die ersten Planeten, die Astronomen um ferne Sonnen aufspürten – sehr massereiche Riesenwelten in unmittelbarer Nähe ihres jeweiligen Heimatsterns. Solche Planeten lassen sich verständlicherweise am einfachsten entdecken: Sowohl ihre enge Bahn als auch ihre hohe Masse führen dazu, dass ihr Zentralstern relativ starke Pendelbewegungen am Himmel ausführt. Je weiter entfernt ein Planet ist und je geringer seine Masse, desto kleiner ist auch sein
gravitativer Einfluss auf den Stern. Also wird es auch mit dem Nachweis problematischer. Doch gibt es noch andere Wege, fremden Planeten auf die Schliche zu kommen, abgesehen von der Verbesserung der Messinstrumente.
Der Weltraumsatellit Kepler ist der erfolgreichste Planetenfahnder. Zwischenzeitlich sind ihm mehr als 1.000 neue Planetenkandidaten ins Netz gegangen, so gaben die Projektleiter jetzt bekannt. Kepler untersucht Sterne mittels der Transitmethode. Ein Planet, der in Sichtlinie zur Erde vor der hellen Oberfläche seines Sterns vorüberzieht, schwächt das Licht phasenweise ganz leicht ab. Die charakteristische Lichtkurve lässt dann auf einen oder sogar auch mehrere Planeten schließen. Was einfach klingt, ist in der Praxis allerdings eher verwickelt. Es gibt genügend Fehlerquellen, viele Sterne zeigen auch periodische eigene Lichtwechsel, die erst einmal aus den Daten gefiltert werden müssen. Und je weiter der Planet von seiner Sonne entfernt ist, desto länger dauert der Umlauf. Astronomen benötigen aber mehrere Durchgänge, um den Beweis antreten zu können. Die Methode ist dennoch sehr erfolgreich, das beweisen nicht nur die Resultate des Kepler-Satelliten, sondern auch die jeweiligen Bestätigungen solcher Funde durch erdgebundene Observatorien.
Ein ganz besonderer Planet ist Kepler 22-b. Denn mit ihm gelang der Kepler-Mission nun die Entdeckung des ersten erdartigen Planeten innerhalb der habitablen Zone, also jenes Abstandsbereichs, in dem flüssiges Wasser auf einer solchen Welt existieren und somit Leben ermöglichen kann. Der neue Planet dürfte von seiner Masse her den erdartigen Welten zuzuordnen sein, bei einem Durchmesser vom 2,4-Fachen der Erde. Er ist damit sicher nicht direkt mit ihr vergleichbar, doch dürften die Oberflächenbedingungen bereits durchaus lebensfreundlich sein. Sein Heimatstern, den er in 290 Tagen einmal umrundet, besitzt den gleichen Spektraltyp wie die Sonne, ist nur etwas kleiner und »kühler« als diese. Auf der Planetenoberfläche dürften nach Ansicht der Experten recht angenehme Temperaturen im Bereich von 22 Grad Celsius herrschen. Das klingt alles bereits recht gut. Ob dort wirklich Leben existiert, kann trotzdem leider niemand mit
Gewissheit sagen, doch gilt Kepler 22-b als aussichtsreiches Objekt. Wie er aufgebaut ist und ob er tatsächlich ein fester Gesteinsplanet ist, bleibt allerdings ebenfalls im Unklaren. Trotzdem bemerkenswert, wie in den vergangenen Jahren die Funde kleinerer und erdähnlicher Welten stetig zugenommen haben.
Kepler 22-b befindet sich in einer Entfernung von 600 Lichtjahren. Für irdische Maßstäbe eine unvorstellbare Distanz, für kosmische Verhältnisse aber unsere unmittelbare Nachbarschaft. Es ist spannend, nun bereits in dieser recht geringen Entfernung auf eine aussichtsreiche »Super-Erde« gestoßen zu sein. Fachleute gehen aufgrund der aktuellen Daten von einer hohen Wahrscheinlichkeit aus, dass Planeten mit der ein- bis vierfachen Erdgröße doch recht häufig anzutreffen sind. Zu den kleinen Welten zählt auch Kepler 21-b, der nur den 1,6-fachen Erdradius besitzt. Allerdings kreist er in lediglich sechs Millionen Kilometer Abstand um seine relativ große und heiße Sonne. Somit muss seine Oberfläche einem Hochofen gleichen, dessen Temperaturen auf beinahe 2.000 Grad Celsius geschätzt werden. Dagegen erscheinen die an ihren Oberflächen mit Hunderten von Grad schon »kochenden« Planeten Merkur und Venus wie kosmische Kühlschränke.
Kepler überwacht mehr als 150.000 Sterne auf einem größeren, kreuzförmigen Himmelsareal zwischen den hellen Sternen Deneb und Vega im Bereich der nördlichen Milchstraße. Schwerpunkt der Suche sind relativ kleine extrasolare Planeten. In Anbetracht der Gesamtzahl an Sonnen der
Galaxis natürlich ein winziger Ausschnitt. Trotzdem kann der 2009 gestartete Satellit reiche »Beute« vorweisen: Insgesamt stieß die Mission auf 2.326 Planetenkandidaten. Etwa die Hälfte, genau: 1.181 Objekte, besitzen die Größe von Uranus und Neptun, 203 Planeten sind so groß wie der Riese Jupiter, 55 Exemplare übertreffen seine Ausmaße noch. Im Frühjahr 2011 stellten die Projektwissenschaftler jene Kandidaten vor, die sich in der besonders interessanten habitablen Zone bewegen: immerhin 54 Objekte. Nun wurde Kepler 22-b als erster von ihnen als tatsächlich existenter Exoplanet bestätigt. Aber auch erdgebundene Observatorien können teils erstaunliche Fundquoten vorlegen. So lieferten systematische Beobachtungen mittels des gigantischen Zehn-Meter-Keck-Teleskops auf Hawaii, unterstützt vom McDonald-Observatorium in Texas und dem Fairborn-Observatorium in Arizona, nach einer Überprüfung von rund 300 Sternen immerhin 18 neue Entdeckungen von Exoplaneten. Die Suche geht weiter. Und sie wird immer spannender.
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