Samstag, 24. Juni 2017
17.12.2015
 
 

Faraday Future: Kommt das Auto der Zukunft aus Nevada?

Andreas von Rétyi

Die 2014 gegründete und im kalifornischen Gardena ansässige Firma Faraday Future gilt als potenzieller Tesla-Rivale und will die Automobil-Welt mit noch wesentlich innovativeren Konzepten revolutionieren. Bisher ließ das aus unbekannter Finanzquelle gespeiste Startup kaum Einzelheiten durchblicken. In den vergangenen Tagen war nun etwas mehr über die Pläne zu erfahren. Der Mantel des Schweigens lüftet sich dennoch kaum, Spekulationen zirkulieren weiterhin, vor allem auch, wenn es um den großen Unbekannten an der Spitze des Unternehmens geht.

 

»Geheim«, »unbekannt«, »rätselhaft« – diese Adjektive sind keine Seltenheit bei Meldungen zu Faraday Future. Das amerikanische Unternehmen erscheint als absoluter Neuling der Automobilbranche, umgibt sich mit einer Aura des Mysteriösen und lässt sich so gut wie nicht in die Karten blicken. Und doch wird diese Firma sehr ernst genommen, von innovativen Fahrzeugbauern wie Elon Musks Tesla Motors ebenso wie von alteingesessenen Giganten der Branche.

 

Trotz zahlreicher Spekulationen um Faraday Future hat das handfeste Gründe. Zunächst einmal tauchen unter den maßgeblichen Leuten dort keineswegs unbekannte Namen auf. Eher schon finden sich hier Experten, die das Unternehmen von der längst erfolgreichen Konkurrenz abgeworben hat oder die sich gar als Firmenmitbegründer auf ein neues Spiel eingelassen haben. So auch der Brite Nick Sampson, der zuvor bei verschiedenen Technologiefirmen tätig war, darunter Tesla, wo er wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung der sportlichen Elektro-Limousine Model S genommen hat.

 

Andere kommen von BMW oder Audi. Allein diese Tatsache hat deutliche Signalwirkung. Sampson wirkt seinerseits nun als »Product Architect« bei Faraday Future. Er bringt sein Wissen und seine Erfahrung als führender Entwickler dort ein und will, getreu dem zukunftsweisenden Firmennamen, noch mehr Innovation, noch mehr Revolution auf dem automobilen Sektor schaffen. Mittlerweile seien für das Unternehmen rund 500 Mitarbeiter tätig, Tendenz deutlich steigend.

 

Was aber bei Faraday wirklich geschieht, bleibt weitgehend im Dunkeln. Vom automobilen Konzept drang bisher nur ein kaum sehr aussagekräftiges Bild nach draußen. Man will sich derzeit mit nichts richtig festlegen. Immerhin, einige grundlegende neue Ideen gibt Sampson preis. Oder vielmehr Visionen, wie sie eben zur Branche gehören. Wieder eher vage bleibt es, wenn der Ingenieur zunächst erklärt, vieles in der Autoindustrie werde sich ändern.

 

Dann wird er etwas präziser: »Stellen Sie sich doch einmal vor, Ihnen gehört ein Auto nicht mehr, sondern Sie erwerben lediglich ein bestimmtes monatliches Mobilitätsguthaben. Sobald Sie in das Fahrzeug einsteigen, ist Ihr Sitz bereits passend für Sie eingestellt. Im Radio läuft Ihre Lieblingsmusik, die Luft ist genauso warm oder kalt, wie Sie es sich wünschen.«

 

Wie er außerdem sagt, soll ein solcher Wagen in vielerlei Hinsicht völlig autonom sein, beispielsweise vier Stunden der rund fünfstündigen Fahrtstrecke zwischen Los Angeles und San Francisco völlig alleine bestreiten können, während der »Fahrer« sich derweil anderen Aufgaben und Interessen widmen kann, ob er nun berufliche Arbeiten erledigt oder einen Film ansieht.

 

Und beinahe schon klingt es wie ein Vorzug, wenn Sampson anmerkt, die Insassen könnten dann für Filme bezahlen, die sie während der Fahrt gerne sehen wollten. Sollten sie über ein entsprechendes Abo verfügen, wäre das Angebot natürlich kostenlos. So gebe es etliche neue Einnahmequellen für die Firma, auch durch das Sammeln wesentlicher Daten, genau wie dies bei Google geschehe.

 

Beispielsweise könnten die Starbucks-Kaffeehäuser auf diese Weise feststellen, welche Routen am meisten frequentiert sind, wer zu welchen Zeitpunkten auf welchen Straßen unterwegs ist, um auf Grundlage dieser Daten dann neue lukrative Filialen zu errichten. Das Auto könnte auch mit den individuellen Vorlieben seiner (Mit-) Fahrer programmiert werden, um dann gezielte Vorschläge für Restaurants, Hotels oder diverse »Points of Interest« machen zu können.

 

In jedem Fall sollen die Zusatzangebote auch für Faraday Future kontinuierliche finanzielle Gewinne bringen, gerade wenn die meisten Kunden die mit einem Elektromotor ausgerüsteten Automobile nur sporadisch nutzen sollten. Es wäre gleichsam eine konsequente Entwicklung vom Leasing über Car-Sharing bis hin zum jetzt angedeuteten Faraday-Konzept, wobei auch ein Fahrzeugkauf in alter Manier selbstverständlich immer möglich sei.

 

Doch laufen die Service-Ideen, wie sie Sampson nennt, letztlich wieder auf einen schleichenden Verlust der Privatsphäre und auf Überwachung von Individuen hinaus, unter Vorgabe einer bequemen Technik, die allmählich jedoch allzu »intelligent« zu werden scheint. Nicht jeder wird sich von dieser schönen neuen Welt begeistern lassen.

 

Wieder eines jener findigen Konzepte, die an sich niemand benötigt, Innovation um jeden Preis. Sampson: »Wir brauchen nicht nur Auto-Experten. Wir suchen eine gute Mischung von Leuten aus den unterschiedlichsten Bereichen, um etwas Neues zu schaffen.« Auch dabei dürfte es vor allem darum gehen, dieses Neue nur richtig zu verkaufen, um damit erfolgreich zu sein.

 

Bislang aber ist vom eigentlichen Produkt noch nicht einmal ein echter Ansatz zu sehen. Das macht Experten auch vor Ort in Nevada stutzig, wo Faraday Future seine Fabrik bauen will. Nevada entwickelt sich allmählich zur neuen Technologiezentrale der USA. Unter enormen Steuervergünstigungen siedelt dort auch Tesla Motors bei Reno an. In Nevada entsteht auch Elon Musks riesige Batteriefabrik, die Gigafactory.

 

Hinzu kommen die Hyperloop-Teststrecke und nun auch Faraday Future in North Las Vegas. Bislang werkelte das Unternehmen in einer ehemaligen Nissan-Fertigungshalle im Süden von Los Angeles. Die neue Fabrik wird ein Milliardenprojekt, und auch der amerikanische Steuerzahler wird dabei wieder kräftig zur Kasse gebeten.

 

Doch, wie Ralston betont: Anders als Tesla habe Faraday Future derzeit eben kein Automodell X, Y oder Z zu bieten, sondern verspreche lediglich, das Fahrzeug werde außerordentlich spektakulär und wunderbar. Was nun, wenn die Anlage errichtet wird, aber das Fahrzeug nie entsteht? Solche Sorgen sind nachvollziehbar, selbst wenn Namen wie Nick Sampson oder auch Dag Reckhorn einer Erfolgsgarantie gleichzukommen scheinen.

 

Reckhorn war seinerseits ebenfalls führend bei Tesla tätig, um nun als Vize-Produktionschef bei Faraday zu agieren. Auf Ralston Live, einem Programm des US-Radiosenders KNPB, bestätigte Reckhorn: »Wir arbeiten an dem Fahrzeug. Wir haben einen internen Zeitplan, teilen ihn aber nicht mit.« Genau dieser Mangel an Transparenz treibt allerdings jene Sorgen und Spekulationen an. Zwar schotte das Unternehmen nicht völlig ab, lege seine Karten aber doch nicht vollends auf den Tisch, so Ralston.

 

Unbekannt vor allem auch, wer eigentlich an der Spitze von Faraday Future steht. Das bleibt eines der am besten gehüteten Geheimnisse der Firma. Geld jedenfalls steckt genug hinter Faraday, nur von wem stammt es? Vom chinesischen Milliardär Jia Yueting vielleicht, dem »chinesischen Elon Musk«, der mit seinem Unternehmen Leshi in den USA gegen Tesla antreten will? Oder hält im Hintergrund gar der Computerriese Apple die Fäden in der Hand, mit seinem für 2019 angekündigten Projekt Apple iCar? Allerdings will Faraday bereits früher auf dem Markt sein.

 

Ganz gleich, wer uns hier möglicherweise »veräppelt«, auch die etablierten Automobilbauer sehen genau hin, was sich bei Faraday Future tut, denn wie Scott Keogh, Audis Amerika-Chef, deutlich hervorhebt: »Wir sprechen viel über Faraday Future, und wir sollten erst einmal abwarten, ob sie es überhaupt schaffen, ein Auto auf den Markt zu bringen. Aber wenn ihnen das gelingt, dann werden sie auch ein Konkurrent werden.«

 

Man darf gespannt sein, wie es weitergeht. Am 4. Januar 2016 jedenfalls will Faraday Future offenbar die Katze aus dem Sack lassen und sein Konzept vorstellen.

 

So zumindest kündigt die bislang ebenfalls nicht sehr erhellende Internetpräsenz des Unternehmens an. Unter einem Echtzeit-Countdown finden sich die verheißungsvollen Worte: »Die Zukunft der Mobilität ist näher, als Sie denken. Besuchen Sie uns hier wieder, um bei der Live-Enthüllung zuzusehen.«

 

 

 

 

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