Sunday, 31. July 2016
07.09.2014
 
 

Heute Abend: Asteroid rast knapp an der Erde vorbei

Andreas von Rétyi

Anfang vergangenen Jahres explodierte ein Riesenmeteor über der russischen Stadt Tscheljabinsk. Zahlreiche Menschen wurden verletzt, Gebäude beschädigt. Am heutigen Abend wird ein vergleichbar großer Himmelskörper eng an unserem Planeten vorbeiziehen. Eine Gefahr besteht nicht, doch Astronomen wollen den erst vor einer Woche entdeckten Asteroiden 2014 RC in Zukunft weiterhin genau beobachten.

 

Heute um 20:18 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit ist es soweit: Der Asteroid 2014 RC rast »haarscharf« an der Erde vorbei. »Haarscharf«, nun zumindest nach astronomischen Maßstäben. Vom rund 20 Meter großen Himmelskörper trennen uns bei der engsten Annäherung zwar noch rund 34.000 Kilometer, doch immerhin, das ist näher als ein Zehntel der Monddistanz und sogar weniger als jene Höhe, in der sich geostationäre Satelliten aufhalten.

 

2014 RC wird demnach sogar in deren Gefilde eintauchen, wobei er nur sehr kurz dort verweilt, bevor er wieder in die Tiefen des Alls hinauszieht. So besteht weder für die Satelliten noch für uns Erdbewohner eine Gefahr, das gleich vorweg gesagt.

 

Für Astronomen bietet dieser knappe Vorbeiflug eine gute Chance, wieder etwas mehr über die kleinen »Störenfriede« herauszufinden, die den erdnahen Raum bevölkern. Die Asteroidenjäger werden auch die Bahn des Himmelskörpers möglichst genau zu bestimmen versuchen, um künftige Begegnungen vorausberechnen zu können. Denn 2014 RC wird sich der Erde wieder nähern und könnte dann möglicherweise irgendwann sogar mit ihr kollidieren. Fakt ist aber, dass Astronomen diesen Asteroiden gestern von ihrer Risikoliste genommen haben, da sie zumindest für die kommenden 100 Jahre nicht mit einem Einschlag rechnen. Die nächste enge Begegnung wird für Anfang September 2115 erwartet.

 

Entdeckt wurde das unscheinbare Objekt erst am 31. August, durch die Instrumente des Catalina Sky Survey in Arizona. Eine Nacht später meldete auch Pan-STARRS 1 auf Hawaii den Fund. Mittlerweile konnten etliche weitere Beobachtungen bestätigen, dass es sich um einen bislang unbekannten Asteroiden handelt.

 

2014 RC wird selbst bei seiner Erdpassage eine Helligkeit weit unterhalb der Sichtbarkeitsgrenze für das bloße Auge aufweisen – er ist dann rund 150-mal schwächer als die schwächsten ohne optische Hilfsmittel sichtbaren Sterne.

 

Doch schon relativ kleine Teleskope zeigen den Asteroiden. Ihn aufzuspüren, wird aber nicht ganz leicht. Denn auch im Fernrohr bleibt er ein winziges Lichtpünktchen. Genau zur engsten Annäherung befindet er sich außerdem auf der »anderen Seite« unseres Planeten, direkt über Neuseeland.

 

Selbst, wenn dieser Asteroid einmal auf Kollisionskurs mit der Erde geriete, dürfte er keine allzu große Gefahr darstellen. Lokale Schäden wären allerdings nicht auszuschließen. Der Richtwert für die Größe von 2014 RC liegt bei rund 20 Metern. Das lässt sich nach ersten Entfernungsmessungen aus der Helligkeit abschätzen, unter Annahme realistischer Werte für das Rückstrahlvermögen der Oberfläche.

 

Jedenfalls bleibt dieser Asteroid weit unterhalb der Schranke für wirklich gefährliche Objekte. Bislang ist noch nicht bekannt, wie »robust« er gebaut ist und ob er überhaupt einen Flug durch die Atmosphäre überstehen könnte, um dann direkt auf die Erdoberfläche zu prallen. Eher anzunehmen ist, dass er bereits auf seinem Weg durch die irdische Lufthülle explodiert, ähnlich wie der kosmische Brocken, der am 15. Februar letzten Jahres über der russischen Stadt Tscheljabinsk als riesiger Feuerball auftauchte und in einem »Airburst« zerrissen wurde.

 

Es war das erste Mal in moderner Zeit, dass eine Meteorexplosion infolge der begleitenden Druckwelle auch deutliche Folgen für viele Anwohner der Region hatte. In Tscheljabinsk erlitten rund 1.500 Menschen Verletzungen, vor allem durch umherfliegendes Glas zerborstener Fenster. Geschätzt 3.700 Gebäude wurden beschädigt.

 

Bislang wurden zwei kleine Asteroiden kurz vor ihrem Zusammenstoß mit der Erde entdeckt: 2008 TC3 sowie 2014 AA. Ersterer wurde 19 Stunden vor dem Aufprall entdeckt. Das rund vier Meter große, flache Objekt stürzte mit seinen rund 80 Tonnen Masse am 7. Oktober 2008 in der Nubischen Wüste im Nordsudan ab. Der Feuerball wurde als »hell wie der Vollmond« beschrieben und auch von Piloten eines rund 1.400 Kilometer entfernten Flugzeugs als greller Lichtblitz beobachtet. Im Fallgebiet konnten zahlreiche Meteoriten eines sehr seltenen Typus gefunden werden.

 

2014 AA wurde am Neujahrstag 2014 mit einem 1,52-Meter-Teleskop des Catalina Sky Survey vom US-amerikanischen Mount-Lemmon-Observatorium aus entdeckt und lediglich 70 Minuten lang beobachtet. 21 Stunden später tauchte der wohl etwa zwischen zwei und vier Meter große Weltraumfels in die Erdatmosphäre ein und verglühte offenbar vollständig über dem Atlantik. Drei Stationen registrierten Infraschallwellen des Ereignisses.

 

2014 RC rast in sicherer Entfernung an der Erde vorbei, doch werden viele Augen auf ihn gerichtet sein, um seinen Kurs durchs All möglichst genau zu ermitteln. Astronomen werden auch weiter nach anderen potenziellen Kollisionskörpern suchen. Denn nicht alles, was von oben kommt, ist auch tatsächlich gut ...

 

 

 

 

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Leser-Kommentare (15) zu diesem Artikel

09.09.2014 | 21:15

erikmanto

An dvvoid:

30 km pro Sekunde sind zwar 108 000 km/h; aber nur in der Stunde !

In 10 Sekunden ist die Flugstrecke also nur 300 km.


09.09.2014 | 20:59

Henning B.

Ein Glück, dass ich noch nie so hoch geflogen bin, dann wäre ich jetzt tot.


09.09.2014 | 00:55

Messknecht

@Halli Galli, sei Dank.
Ich hatte schon Angst, dass es gar keiner mehr merkt!! (aufatmen)


08.09.2014 | 17:52

Peter

Na lieber trailor85 und Nordsee Marie. Ich weiss nicht, wer schon lange nicht mehr von Ihnen geflogen ist, aber eine Reiseflughöhe von 11.000 km ist doch um den Faktor 1000 höher als die tatsächliche Höhe, nämlich 11.000 METER oder 11 KILOMETER.


08.09.2014 | 16:33

Tobias

Scheinbar doch nicht ganz vorbeigeflogen - ein Stück davon ist wohl in Nicaragua eingeschlagen: http://www.n-tv.de/panorama/Meteorit-schlaegt-in-Nicaragua-ein-article13562196.html


08.09.2014 | 13:40

HalliGalli

1. Flugzeuge fliegen etwa 10 km oder 10.000METER hoch.... mehr nicht! 2. Kometen, die in die Athmosphaere eindringen werde radikal von dieser gebremst, daher werden sie sehr langsam UND deswegen gluehen sie auch! Tscheljabinsk war so ein Bremsdingens... Wer hier keine Ahnung hat: Einfach mal lesen und Schnabel halten. Danke!

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