Mittwoch, 24. Mai 2017
31.05.2010
 
 

Mondforschung am Privatcomputer

Andreas von Rétyi

Wer am Mond und seinen Rätseln interessiert ist, der könnte sich vielleicht auch für ein neues Internet-Projekt interessieren, mit dessen Hilfe die lunare Welt mit all ihren so unterschiedlichen Phänomenen genauer erfasst werden kann, ohne dabei einen hohen technischen Aufwand zu verlangen.

Für gewöhnlich sind astronomische Forschungen technisch nicht gerade genügsam. Da halten zumeist ausladende Teleskope mit ausgefeilten Bildgewinnungssystemen her, Hochleistungsrechner und natürlich nicht zuletzt sogar Satelliten und Raumsonden. Das Repertoire kennt hier kaum Grenzen. Doch es geht auch anders. Schon das Projekt Galaxy Zoo hat dies demonstriert. Internet-Nutzer hatten und haben hier Gelegenheit, sich an einem umfangreichen Klassifizierungsprogramm für Galaxien zu beteiligen und die fernen Milchstraßen nach recht einfachen, schnell erlernbaren Schemata einzuordnen. Das klingt erstmal recht langweilig. Doch besteht dabei durchaus auch die Chance auf neue Entdeckungen. Tatsächlich kam es im Verlauf des Unternehmens immer wieder zu spektakulären Funden exotischerer und sogar einmaliger Himmelsobjekte. Die Entdecker waren in diesen Fällen keine Profis, sondern interessierte Laien.

Das Projekt Moon Zoo, das ebenfalls im Rahmen der so genannten Citizen Science Alliance – einer Kooperation zwischen Wissenschaftlern und interessierten Bürgern – durchgeführt wird, soll nun dazu beitragen, die Mondlandschaften und das selbst für Forschungsinstitute mittlerweile unüberschaubare Material an Mondaufnahmen genau zu studieren. Vor allem ist das menschliche Auge der Sensortechnik und Erkennungssoftware eben immer noch überlegen, wenn bestimmte Muster identifiziert werden sollen. Ziel ist nicht allein, öde Kraterlandschaften, schroffe Berge und gewundene Täler zu klassifizieren, sondern auch nach ungewöhnlicheren Strukturen sowie Relikten von Landemissionen zu fahnden, darunter nicht zuletzt Apollo 11. Bei diesen Anstrengungen geht es allerdings weder darum, Belege für die Mondlandung zu sammeln noch Indizien dagegen anzuhäufen, sondern schlicht um eine Bestandsaufnahme.

Letztlich bietet das Internetprojekt eine recht gute Gelegenheit, die verschiedensten lunaren Phänomene und Gebilde einmal näher kennenzulernen und durch die Materialfülle ein Gespür für jene fremde Welt und ihre Landschaften zu entwickeln. Immerhin dienen die Bilder der NASA-Raumsonde Lunar Reconnaissance Orbiter als Grundlage für die Website. Wahrscheinlich dürfte jeder, der an dem Projekt teilnimmt, seine eigene Motivation und Philosophie mitbringen, ebenso wie diejenigen, die es ihrerseits vorziehen, nicht daran teilzunehmen, einmal ganz zu schweigen von denen, die einfach keinen Sinn in der Sache sehen.

Ohnehin wird sich kaum jemand hinsetzen und stundenlang Krater zählen, was an sich zwar durchaus wissenschaftlich aussagekräftige Informationen zulässt, aber für die Mitarbeit nicht wesentlich ist. So erklärt auch Chris Lintott, Vorsitzender der Citizien Science Alliance und Wissenschaftler an der Oxford-Uni: »Wir benötigen die Hilfe von Internet-Nutzern rund um den Globus, um uns bei der Interpretation dieser neuen eindrucksvollen Aufnahmen der Mondoberfläche zu assistieren. Wenn man nur fünf Minuten auf der Seite verbringt und Krater zählt, dann leistet man einen wichtigen Beitrag zur Forschung und könnte dabei vielleicht auch über eine russische Sonde stolpern.«

Mit vereinten Kräften eine sonst undurchführbare, weil zu gewalte Aufgabe stemmen, das ist der Gedanke hinter dem Programm. Krater zählen, das klingt natürlich ziemlich stupide. Doch allein schon solche Beobachtungen geben Aufschluss über die Einschlagwahrscheinlichkeit von Himmelsobjekten verschiedener Größe in Abhängigkeit vom Alter der erforschten Regionen. Die Zahl frischer Krater, die ein anderes Aussehen als alte Strukturen besitzen, lässt Rückschlüsse auf die gegenwärtige Gefahr kosmischer Treffer zu. Und das nicht nur für den Mond, sondern natürlich auch für unsere Erde. Die beiden teilen sich ja immerhin die gleiche Nachbarschaft im Raum.

Wer mehr über das Projekt erfahren möchte, kann sich auf der englischsprachigen Seite www.moonzoo.org weiter informieren. Unter »How To Take Part« findet sich ein Demovideo und eine genaue Beschreibung, wie man sich beteiligen kann. Ein bisschen Schlechtwetter-Astronomie für jedermann, für Mondfreunde aber bestimmt nicht uninteressant!

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