Mittwoch, 7. Dezember 2016
06.03.2012
 
 

Mysteriöse Feuerbälle am Himmel

Andreas von Rétyi

In den letzten Wochen rasten mehrere helle und ungewöhnliche Feuerbälle übers Firmament, die vor allem über den Vereinigten Staaten registriert wurden. Seit Februar versetzen sie Beobachter in Erstaunen, während Wissenschaftler über die Quelle rätseln.

Bereits in früheren Jahren zeigte sich ein ähnliches Phänomen: Der Jahresanfang kann zuweilen

eine beeindruckende Häufung an sehr hellen Meteorerscheinungen mit sich bringen. Diese Feuerbälle oder Boliden ziehen mit auffallenden Lichtschweifen über den Himmel, wobei sie die Helligkeit des Vollmondes übertreffen können. Seit dem 1. Februar 2012 gibt es eine neue Serie solcher Ereignisse. Den Startpunkt setzte ein Objekt, das gegen sechs Uhr abends über Dallas, Texas, erschien. Selbst Beobachter, die zuvor bereits mehrfach Zeugen besonders heller Meteore geworden waren, zeigten sich verwundert. So erklärte Daryn Morran: »Es dauerte rund acht Sekunden, bis der Feuerball den Himmel überquert hatte. Ich bemerkte, wie er langsam wurde. Dann explodierte er wie ein Feuerwerkskörper, flackerte mehrmals auf und erlosch langsam.« Immer wieder fiel auf, wie langsam sich die Objekte bewegten. Rund 125 Augenzeugenberichte gingen zu jenem Fall in Texas ein. Die Aussagen decken sich gut hinsichtlich der Bahn, der Helligkeit und dem für Meteore ungewöhnlich »behäbigen« Tempo. Nordwestlich von Dallas nahm ein Zeuge zwei dumpfe Schläge wahr, während der kosmische Eindringling sich in zwei größere und mehrere kleinere Bruchstücke spaltete.

 

 

Dass größere Feuerbälle regulär auch Schallgeräusche erzeugen, ist keineswegs neu. Der orientalische Arzt und Gelehrte Avicenna berichtete schon im elften Jahrhundert von Meteoritenfällen, die von fürchterlichem Lärm begleitet waren. Mit der Erfindung des Schießpulvers und dem Fortschritt militärischer Technologie zogen Beobachter dann immer wieder auch Vergleiche mit Gewehrfeuer und Kanonendonner. Die schnellen Objekte rufen auf ihrem Weg durch die Atmosphäre einen Überschallknall hervor, Luftwirbel hinter dem Eindringling führen zu rollenden Geräuschen, und absplitternde Teile erzeugen manchmal ein Knattern ganz nach Silvesterart. Diese lautstarke Mischung sorgt neben dem hellen, manchmal auch farbenfrohen Lichtspiel am Himmel für einige Aufmerksamkeit. Immer wieder »überleben« Teile des Meteoroiden den Sturzflug, um am Erdboden als Meteorite aufzuprallen und mit etwas Glück auch gefunden zu werden.

 

Das Spektakel vom 1. Februar war wie gesagt der Auftakt einer Serie von Feuerbällen. Für nächtliche Unruhe sorgte ein weiteres ungewöhnliches Ereignis, das am 13. Februar gegen 1.43 Uhr morgens die ländliche Idylle von Portal in Georgia aufschreckte. Ein Zeuge des Geschehens war Henry Strickland. Er berichtet: »Der Feuerball war sehr groß und erleuchtete den halben Himmel, als er zerbrach. Hunde bellten, und die Kälber waren ganz erschrocken und brüllten aufgeregt. Eine Kamera hatte ich leider nicht dabei. Das Ganze dauerte etwa sechs Sekunden.« Noch in einer Entfernung von beinahe 1.000 Kilometern konnten Himmelsüberwachungskameras der NASA den Vorfall aufzeichnen. Die Größe des Feuerballs, der so hell wie der Mond leuchtete, wird auf etwa ein bis zwei Meter im Durchmesser geschätzt.

 

Bemerkenswert ist aber vor allem die geringe Geschwindigkeit der Objekte, ihre Eindringtiefe in die Atmosphäre sowie Charakteristika ihrer Bahnen. Nach Angaben von Bill Cooke, der für das Meteoroid Environment Office der NASA zuständig ist, konnten im Februar fünf oder sogar sechs solcher Objekte beim Eintauchen in die Atmosphäre beobachtet werden. Das mächtigste Objekt dürfte die Ausmaße eines Reisebusses erreicht haben, war allerdings »etwas« schneller unterwegs als irdische Vehikel. Nach kosmischen Maßstäben bemessen hingegen bewegte sich der Körper eher auffallend langsam dahin. Laut Peter Brown von der Western Ontario University traf er, ganz ähnlich den anderen »Februar-Feuerbällen«, mit weniger als 15 Kilometer pro Sekunde auf die Hochatmosphäre auf – oder rund 54.000 Kilometer in der Stunde. Das entspricht beinahe der minimalen Kollisionsgeschwindigkeit der Erde mit Körpern auf Erdbahnhöhe, während die maximalen Werte etwas über 70 Kilometer in der Sekunde liegen. Die Leuchtspur der langsamen Meteore endet nur rund 50 Kilometer über der Erdoberfläche, ebenfalls auffallend wenig. Bahnberechnungen durch Cooke zeigen, dass die Boliden allesamt aus dem Hauptgürtel der Asteroiden zwischen Mars und Jupiter stammen, allerdings nicht auf eine gemeinsame Quelle zurückgehen. »Das ist sehr verwirrend«, erklärt der Experte. Wissenschaftler haben statistische Untersuchungen zur Frage durchgeführt, ob die Zahl ungewöhnlich langsamer Feuerbälle im Februar tatsächlich höher liegt als in anderen Monaten und folgern ein reales Phänomen. Wenn aber die Erde, wie auch in anderen Zeiten immer wieder, hier ebenfalls durch einen Schwarm größerer kosmischer Trümmerbrocken fliegt, bleibt nach wie vor rätselhaft, warum diese spezifischen Objekte nicht alle auch aus einer gemeinsamen Quelle stammen. Die Fachleute werden sich mit dem Problem wohl noch eine Weile herumschlagen müssen, während Beobachter vielleicht auch für die kommenden Wochen mit weiteren hellen Feuerbällen rechnen dürfen.

 

 


 

 

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