Tuesday, 28. June 2016
17.10.2013
 
 

Russland: »Monster-Meteorit« geborgen

Andreas von Rétyi

Sie erinnern sich bestimmt: Anfang des Jahres gingen spektakuläre Videoaufnahmen zu einem seltenen Himmelsereignis weltweit durch die Medien – ein riesiger Feuerball durchstößt den Morgenhimmel und explodiert in einem gigantischen Lichtblitz. Weit über tausend Menschen werden bei dem Vorfall verletzt. Auslöser war ein kleiner kosmischer Körper. Diesen Mittwoch wurde nun das bisher größte Bruchstück von ihm aus dem Tscherbakul-See geholt.

Am 15. Februar 2013 zerreißt ein riesiger Feuerball den Himmel nahe Moskau. Er explodiert über der Stadt Tscheljabinsk, wird von unzähligen Zeugen gesehen und gefilmt. Nie zuvor gab es vergleichbare Aufnahmen eines solchen kosmischen Zwischenfalls. Der in Russland übliche

Einsatz von Frontscheiben-Kameras kam der Dokumentation des Ereignisses natürlich besonders zugute.

 

Während die Autofahrer solche Kameras für gewöhnlich zur Sicherung der Beweislage bei Verkehrsunfällen einsetzen, lieferten sie diesmal wertvolles Bildmaterial für Weltraumforscher. Natürlich herrschte zuerst Verwirrung, was zu jener Morgenstunde in Russland geschehen war. Da wurde gerätselt und gemunkelt, beispielsweise auch, es habe sich um eine explodierte US-Rakete gehandelt.

 

Dass beim Militär so manches möglich ist, dürfte niemand bezweifeln, doch die Bahnberechnungen ergaben klar, dass dieses spezifische Objekt aus den Tiefen des Weltraums stammte und den typischen Kurs eines kosmischen Kleinkörpers aufwies. Auch der Feuerball selbst entsprach in seinem ganzen Erscheinungsbild dem eines Riesenmeteors. Er gehörte einer Sorte von Erdbahnkreuzern an, offenbar ein Asteroid vom Typ »Apollo«. Einige Experten vermuten, es könne sich um ein Bruchstück des Kleinplaneten 2011 EO40 handeln.

 

Bald fanden sich dann auch erste Überbleibsel des Eindringlings. Einige Brocken mussten die Explosion überlebt haben und in den gefrorenen Tscherbakul-See gestürzt sein. Darauf deuteten Einschlaglöcher im Eis hin. Zunächst wurden auf der erstarrten Oberfläche nur millimetergroße Fragmente entdeckt. Gegen Ende Februar 2013 konnten Stücke mit über einem Kilogramm Masse identifiziert werden. Ihre kosmische Herkunft steht fest, es handelt sich um frische Exemplare eines gewöhnlichen Chondriten – also ein typischer Steinmeteorit, in dessen feinkörnige Matrix zahlreiche runde Schmelzkügelchen (Chondren) eingebettet sind.

 

Jetzt, am 16. Oktober, konnte der bislang größte Brocken geborgen werden: ein mächtiger Stein von sage und schreibe anderthalb Metern Länge und 570 Kilogramm Masse. Er lag in rund 20 Metern Tiefe im See verborgen. Als er mithilfe von Gurten und Schnüren nach oben gezogen wurde, zerbrach der gewaltige Meteorit leider in drei Teile. Schon der erste Eindruck ließ allerdings kaum Zweifel zur Natur dieses schwarzen Gebildes aufkommen. Es zeigt sich bedeckt von einer glasigen Schmelzkruste und charakteristischen Regmaglypten, wie sie beim Atmosphärenflug entstehen, wenn sich leichter schmelzbare Anteile des Meteoriten lösen und Einbuchtungen im Gestein hinterlassen.

 

Im Inneren der Tscheljabinsk-Chondriten findet sich ein Cocktail meteoritischer Komponenten, der eine interessante Geschichte erzählt. Denn sie lassen darauf schließen, dass der kleine Himmelskörper auf seinem Weg durchs All mit einem anderen Asteroiden zusammenstieß, wobei sich die Bestandteile vermengten. Als der insgesamt »lediglich« zwischen 17 und 20 Meter große Meteorit die Erdatmosphäre durchstieß und über Tscheljabinsk explodierte, ging eine enorme Druckwelle von dem Ereignis aus. Zwar erreichte sie nicht die Gewalt des bis heute rätselhaften Tunguska-Objekts von 1908, doch beschädigte sie laut gegenwärtigen Angaben rund 3700 Gebäude und verursachte bei insgesamt mindestens 1491 Menschen Verletzungen, vor allem Schnittwunden durch zersplittertes Fensterglas.

 

Der 15. Februar 2013 war gleich in mehrfacher Hinsicht ein denkwürdiger Tag der Meteoriten- und Asteroidenforschung. Denn genau am selben Tag flog 2012 DA14 in nur 27 000 Kilometern Abstand an der Erde vorbei. Dieser vermutlich etwa 40 Meter große Asteroid hätte bei einer Kollision natürlich auch eine weit größere Explosion erzeugt, ähnlich dem Tunguska-Körper. Bemerkenswert, dass 2012 DA14 in keiner Beziehung zum Tscheljabinsk-Meteoriten stand und unserer Erde nur rein zufällig am selben Tag so nahe kam.

 

Und als ob die Natur uns mahnend daran erinnern wollte, dass die Erde unvergleichlich größere Kollisionen erlebt hat, identifizierten Forscher just an jenem 15. Februar außerdem noch den drittgrößten Einschlagskrater, der bislang auf unserem Planeten gefunden wurde – das East Warburton Basin in Südaustralien. Diese riesige Senke muss vor rund 360 Millionen Jahren von einem etwa 20 Kilometer großen Objekt gerissen worden sein. Die gewaltige Impaktzone liegt vier Kilometer unter dem Erdboden. Rund 200 geologische Proben weisen klare Zeichen für den prähistorischen Einschlag auf, vor allem schockmodifizierte Quarze. Auch seismische Anomalien lassen auf die unheilvolle Kollision schließen, die mit einem globalen Artensterben einherging und damit auch wieder die Theorie vom Kometentod der Dinosaurier stützt.

 

 

 

 


 

 

 

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