Sunday, 25. September 2016
06.08.2010
 
 

Sonnensturm erreicht Erde

Andreas von Rétyi

In den vergangenen Wochen hat die Aktivität unserer Sonne deutlich zugenommen und gerade wieder in den letzten Tagen für energiereiche Materieausbrüche gesorgt. Am 1. August detonierte ein solarer Flare und löste einen »Sonnen-Tsunami« aus. Die Sonne spie energiereiche Teilchen ins All, kurz darauf bebte das Erdmagnetfeld, am Himmel zeigten sich sehr intensiv leuchtende Polarlichter.

Der im Februar ins All gestartete NASA-Sonnensatellit Solar Dynamics Observatory liefert fortwährend neue spektakuläre Bilder der solaren Phänomene, wobei die Detailauflösung beim Zehnfachen der bisher verfügbaren Qualität liegt. Auch mit erdgebundener Technik zeigt die Sonnenoberfläche schon seit geraumer Zeit ein ganz anderes Bild als noch vor wenigen Monaten. Zum Monatsanfang spannten sich gigantische dunkle Filamente über den glühenden Gasball, während sich auch erste größere Sonnenflecken zeigten und neue Aktivitätsgebiete am östlichen »Rand« unseres Sterns ins Blickfeld rückten. Dann kam es gleichzeitig zu einer starken Eruption eines der ausgedehnten magnetischen Filamente sowie eines Sonnenflecks, obwohl beide Regionen rund 400 000 Kilometer voneinander entfernt liegen, das entspricht der Entfernung von der Erde zum Mond!

Auch Experten waren erstaunt über dieses Phänomen, das eine physikalische Verbindung zwischen extrem weit entfernten Aktivitätsgebieten belegt. Der erste größere Sonnenausbruch dieser Tage entwickelte sich zu einem C3-Klasse-Flare, also einer »mittleren« Eruption mit Energien im Bereich etlicher hundert Millionen Nuklearbomben. Was folgte, war eine koronale Massenejektion (Coronal Mass Ejection, CME), von der ein riesiger Schwall elektrisch geladener Teilchen ins All geschleudert wurde. Bilder und Filmsequenzen des Solar Dynamics Observatory zeigen eine wahrhaft spektakuläre Entwicklung. Die Korona der Sonne wurde in großen Bereichen von dem Ereignis in Schwingungen versetzt. Infolge der Position des Aktivitätsgebietes gelangte die schnelle Partikelfront exakt auf Erdkurs. Bald darauf traf eine erste Welle solaren Plasmas mit hoher Geschwindigkeit auf das Magnetfeld der Erde und löste in höheren Breiten sehr intensive, grün und rot leuchtende Polarlichter aus. Sie waren teils sogar durch Wolken hindurch sichtbar.

Das irdische Magnetfeld schwingt weiterhin in Folge des Sonnensturms. Für die kommenden Tage erwarten Experten neue solare Ausbrüche. Das erste Ereignis löste auch einen »Sonnen-Tsunami« aus, eine Stoßwelle im heißen Gas der Sonnenoberfläche. Im Zuge der nun anwachsenden Sonnenaktivität muss bei einer normalen Entwicklung von Zyklus 24 in den folgenden Monaten und Jahren auch mit größeren Sonnenstürmen und daraus resultierenden Störungen elektronischer Systeme gerechnet werden. Bei weiterhin deutlich zunehmender Sonnenaktivität und starken geomagnetischen Stürmen sollten Risikopatienten versuchen, jegliche körperliche Belastungen zu meiden. Zwar sind Einflüsse der Sonnenaktivität auf den menschlichen Organismus immer noch umstritten, dennoch gibt es aussagekräftige Studien hierzu, die gewiss nicht unterschätzt werden sollten. Demnach steigt bei intensiven Magnetstürmen der Sonne auch das Risiko von Herzinfarkten und Schlaganfällen.

Immerhin lassen sich mit den heutigen Beobachtungsmethoden solche solaren »Unwetter« bereits gut vorhersagen, da die auslösenden Phänomene auf der Sonne rechtzeitig beobachtet werden können und die Partikelfronten etliche Stunden oder Tage bis zu ihrem Eintreffen auf der Erde benötigen. Selbst Aktivitätsgebiete auf der erdabgewandten Seite der Sonne lassen sich heute bereits feststellen, teils durch indirekte Methoden, teils aber auch durch direkte Beobachtungen von Weltraumobservatorien aus. Augenblicklich hat der geomagnetische Sturm wieder nachgelassen, doch der Zyklus 24 scheint nun richtig begonnen zu haben. Seit seinem ersten Auftreten war auch die gegenwärtige Polarlicht-Aktivität die intensivste seit Jahren. Momentanen Einschätzungen zufolge dürfte wohl das nächste Sonnenmaximum im Jahr 2013 erreicht sein. Allerdings kann hier niemand eine wirklich absolut sichere und zuverlässige Aussage treffen. In vielerlei Hinsicht bleibt unser Stern nach wie vor eben unberechenbar.

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