Freitag, 9. Dezember 2016
28.05.2011
 
 

Supersturm auf Saturn erfasst den ganzen Ringplaneten

Andreas von Rétyi

Mit dem einsetzenden Frühling auf der Nordhalbkugel des wahren »Herrn der Ringe« entfalten sich dramatische Ereignisse in seiner exotischen Atmosphäre. Ein gigantischer Sturm tobt dort und erfasst mittlerweile den gesamten Saturn. Das seltene Ereignis kann vom Weltraum und auch von der Erde aus beobachtet werden.

Allein seine Kugel erreicht einen Durchmesser vom Zehnfachen der Erde. Und die Hauptringe erstrecken sich über nahezu drei Viertel der Distanz Erde–Mond. Wahrlich eine Welt der Superlative! Die sonst eher ruhig wirkende Atmosphäre des mächtigen Saturn kommt derzeit nicht zur Ruhe. Im Gegenteil, schon seit Monaten wüten besondere Naturgewalten auf dem wohl eindrucksvollsten Planeten unseres Sonnensystems. Eine gigantische helle Sturmzone zerpflügt die sonst eher pastos-sanften Töne der oberen Lufthülle von Saturn. Das Phänomen hat sich nunmehr auf den gesamten Himmelskörper ausgeweitet: Riesige Wolken drängen aus dem Inneren in die Hochatmosphäre und wühlen das Gasgemisch ständig auf. Seinen Ursprung nimmt der Sturm offenbar in tieferen Schichten aus Wasserdampf. Wärmere »Blasen« kämpfen sich in die darüber liegenden Gefilde vor und stoßen in die weitgehend gleichförmige Gashülle des Planeten. Die neuen Infrarotaufnahmen halten die beeindruckenden Vorgänge in Falschfarben und mit verstärktem Kontrast fest. Sie zeigen, wie riesige Massen über weite Strecken verfrachtet werden und Teilchen aus Ammoniakeis nach oben steigen. Während sich die »planetaren Unruhen« ständig ausweiteten, bildete sich im ursprünglichen Kerngebiet ein mächtiger Gewitterwirbel mit rund 5.000 Kilometern Ausdehnung. Wenn auch kleiner, so erinnert diese Zone an den berühmten Großen Roten Fleck (GRF) auf Jupiter, dem größten bekannten Planeten des Sonnensystems. Und ähnlich wie auf diesem sonnennäheren Gasgiganten bilden die Wolkenstrudel auf Saturn mäanderförmige Strömungen und ausgedehnte Sturmfronten, die das übliche Bild und die bekannten jahreszeitlichen Wetterphänomene zwischen 20 und 50 Grad nördlicher Breite ziemlich durcheinanderbringen.

Im Dezember 2010 wurden Astronomen mithilfe der Cassini-Raumsonde erstmals auf diese Entwicklung aufmerksam. Bald waren dann zunehmend auch Beobachtungen von der Erde aus möglich. Das Sturmsystem wuchs sich so aus, dass es schon mit kleineren Instrumenten sichtbar wurde.

Vorgänge dieser Art sind verhältnismäßig selten. Seit dem Jahr 1876 gab es nur sechs vergleichbare Stürme, zuletzt 1990. Doch seitdem bestehen weit genauere Beobachtungsmöglichkeiten. 1990 war das Jahr, in dem das Hubble-Weltraumteleskop gestartet wurde – am 24. April wurde es mit der Raumfähre Discovery ins All verfrachtet, um dann zunächst mit der unschönen Überraschung aufzuwarten, wegen einer fehlerhaften Berechnung unscharfe Bilder zu erzeugen. Erst 1993 konnte dieser Fehler dann mit einer Korrekturoptik und später mit einem anderen System ausgeglichen werden. In den folgenden Jahren entstanden neue Großteleskope wie das VLT der Europäischen Südsternwarte auf dem chilenischen Cerro Paranal. Mit diesem Instrumentarium verfolgen Astronomen auch die überraschende aktuelle Entwicklung auf dem Saturn. Den neuen Infrarotbeobachtungen zufolge, wie sie das VLT, aber auch die seit Juli 2004 im Saturnorbit befindliche Cassini-Raumsonde ermöglichte, ist der jetzige Sturm größer und turbulenter als die zuvor registrierten Ereignisse. Für gewöhnlich zirka alle 30 Jahre bilden sich auf der nördlichen Saturnhalbkugel große Sturmsysteme aus. Warum nicht phasenversetzt auch auf der südlichen Hemisphäre, bleibt ungeklärt. Ganz ruhig geht es dort allerdings auch nicht immer zu. So zeigten sich in den vergangenen Jahren wiederholt Gewitterzonen von bis zu einigen tausend Kilometer Ausdehnung, die teils monatelang andauerten. Die südliche Turbulenzzone liegt bei etwa 35 Grad südlicher Breite und wird von den Forschern gerne Storm Alley genannt, die »Sturmallee«. Warum es ausgerechnet hier immer wieder kracht, kann niemand genau sagen. Unklar ist auch, warum der aktuelle Supersturm auf der Nordhalbkugel rund zehn Jahre früher als erwartet entstanden ist.

 



 

 

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