Sunday, 29. May 2016
09.05.2014
 
 

Unbekannter Meteorschauer: Astronomen erwarten neues Himmelsereignis zum Monatsende

Andreas von Rétyi

Wissenschaftler rechnen für das Monatsende mit einem bisher nie gesehenen Schwarm an Meteoren, ausgelöst vom Kometen 209P/LINEAR. Auflösungsprodukte von ihm werden dieses Jahr die Erdbahn kreuzen und dabei in der Atmosphäre verglühen. Niemand kann sagen, wie intensiv der Meteorregen sein wird, doch besteht die Möglichkeit, dass er sogar den berühmten Perseiden »Konkurrenz« macht.

Über das Jahr verteilt ereignen sich etliche mehr oder minder auffällige Sternschnuppenschauer. Am berühmtesten sind wohl im August die »Laurentiustränen«, die hellen Perseiden. Aber nur selten kommt es vor, dass ein völlig neuer Meteorstrom auftritt. Genau das erwarten Fachleute für den 24. Mai dieses Jahres: einen zuvor nie gesehenen Regen zahlreicher, vielleicht sogar recht heller Sternschnuppen.

 

So möchte auch Bill Cooke, NASA-Experte für Meteore und Meteoroide, an jenem Abend höchstpersönlich nach den kosmischen Neulingen Ausschau halten – eine Arbeit, die für gewöhnlich von automatisierten Kameras übernommen wird: »Ich möchte das mit meinen eigenen Augen sehen.« Natürlich soll das fotografische Überwachungsnetz ebenfalls dokumentieren, was sich in dieser Nacht abspielt. Nordamerika liegt geografisch besonders günstig für die Beobachtung, da dort zum Zeitpunkt des erwarteten Maximums gerade finstere Nacht herrscht.

 

Außerdem liegt der Radiant als scheinbarer Ausgangspunkt der Meteore im nördlichen Sternbild der Giraffe (Camelopardalis), das durch seine Polnähe zirkumpolar ist und somit nie unter den Horizont wandert. Da stärkere Ausbrüche des neuen Schauers auch Stunden vor und nach dem Maximum denkbar sind, bleibt aber auch für Mitteleuropa eine Chance, diesen als »Mai-Camelopardaliden« bezeichneten Sternschnuppenschauer erfolgreich zu beobachten.

 

Das Sternbild Giraffe selbst ist zwar eine sehr unscheinbare Konstellation, kann aber trotzdem relativ leicht aufgefunden werden. Es befindet sich zwischen dem sehr hellen Stern Capella im Fuhrmann sowie dem Polarstern. Am späten Abend »grast« die Giraffe in halber Höhe im Nordwesten und sinkt allmählich weiter zum nördlichen Horizont ab.

 

Wie so oft, ist auch für die Mai-Camelopardaliden ein Komet verantwortlich: 209P/LINEAR. Bereits vor zwei Jahren haben die Meteorexperten Esko Lyytinen aus Finnland und Peter Jenniskens vom NASA-Ames-Forschungszentrum für 2014 vorausberechnet, dass unsere Erde eine Begegnung mit Staub dieses Kometen erleben wird. Sie sprachen damals von einem möglicherweise wirklich bemerkenswerten Ereignis. Die Staubbahnen dürften aus der Zeit des 19. Jahrhunderts stammen, doch was in jenen Jahren genau geschah, kann niemand sagen. So meint auch Bill Cooke: »Wir haben keine Ahnung, was der Komet damals trieb.« Und deshalb »könnte es einen großartigen Meteorschauer geben – oder aber die Sache entpuppt sich als komplettes Windei«.

 

 

Jedenfalls sind allerlei Überraschungen möglich, eben weil dieser Meteorstrom zuvor nie in Erscheinung getreten ist.

 

Wer Zeit und Lust hat sowie in der fraglichen Nacht mit einem klaren Himmel »gesegnet« ist, der kann sich also stundenlang auf Meteorpirsch begeben und nach den kosmischen Neuankömmlingen Ausschau halten. Und wer darüber hinaus bis zum frühen Morgen durchhält, wird in der Dämmerung bei einem Totalausfall der Mai-Camelopardaliden durch eine Konjunktion der Venus mit der schmalen Mondsichel immerhin leicht entschädigt. Einige Vorhersagen sprechen allerdings doch von bis zu 200 Meteoren pro Stunde. Man wird sehen...

 

Bereits im Jahr 2005 hatte es einen völlig neuen Meteorausbruch gegeben, der allerdings von niemandem vorausgesagt werden konnte: Am Abend des 5. Oktober ereignete sich eine deutliche Aktivitätsspitze, die von europäischen Überwachungskameras aufgezeichnet wurde. Auch im Radiobereich waren klare Echos zu verzeichnen. Allerdings handelte es sich lediglich um einen schwachen, kleinen Schauer mit etwa zwei Dutzend Meteoren. Sein Radiant lag nahe dem Stern Lambda im Drachen (Draco). Um Verwechslungen mit den jährlichen Draconiden zu vermeiden, entschloss sich Peter Jenniskens damals, den neuen Strom als »Oktober-Camelopardaliden« zu bezeichnen.

 

Mittels exakter Daten der astronomischen Überwachungskameras ließen sich trotz der geringen Zahl an Meteoren genaue Rückschlüsse auf die Teilchenbahnen im All ziehen. Dieser Umstand sowie Vergleiche mit früheren Ereignissen zeigen, dass etliche auffallende Sternschnuppen aus dem Jahr 1942 möglicherweise den gleichen Ursprung haben.

 

Spannend dabei: Es muss sich wohl um einen bislang unbekannten Kometen handeln, der irgendwo durch die Tiefen des Raumes zieht und eine Bahn besitzt, die unserem Planeten recht nahe kommt. Nur so ist möglich, dass seine Auflösungsprodukte in die Erdatmosphäre eintreten. Über seine Bahn ist weiter nichts bekannt. Die Umlaufzeit des Kometen um die Sonne könnte im weiten Bereich zwischen 200 und 100 000 Jahren liegen.

 

Doch besteht angesichts der eintreffenden Meteore die Möglichkeit, dass dieser unbekannte Komet irgendwann Bahnänderungen erfährt, die in einer fernen Zukunft vielleicht zu einer Kollision mit der Erde führen. So sind Astronomen natürlich daran interessiert, dieses Objekt ausfindig zu machen und mehr darüber zu erfahren. Sie vermuten derzeit, dass der mit dem Kometen verbundene Meteorstrom in den Jahren 2018 und 2038 besonders intensiv werden könnte. Jetzt aber stehen erst einmal die Mai-Camelopardaliden bevor. Sollte die Nacht des 24. Mai in unseren Regionen klar werden, könnte sich ein Blick zum Himmel jedenfalls lohnen.

 

 

 

 


 

 

 

 

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