
In den vergangenen Jahren hat die Thermosphäre, eine Schicht der irdischen Hochatmosphäre, die normalerweise zwischen etwa 90 und mehr als 600 Kilometer liegt, eine radikale Veränderung erlebt und ist, verschiedenen Angaben zufolge, auf mindestens ein Drittel ihrer ursprünglichen Ausdehnung geschrumpft. Zwar war ein Absacken dieser Atmosphärenlage angesichts der sehr niedrigen, beinahe kaum vorhandenen Sonnenaktivität in den Jahren 2008 und 2009 zu erwarten, doch auf einen derart radikalen Kollaps war niemand gefasst. Die Größe der Thermosphäre hängt eng mit der Aktivität unseres Sterns zusammen. Wenn auf seiner Oberfläche viele Flecken zu sehen sind und riesige Detonationen stattfinden, dehnt sich die atmosphärische Schicht wegen der zusätzlichen extremen Ultraviolettstrahlung der Sonne aus. Das beeinflusst auch die Bahnen von relativ niedrig fliegenden Raumfahrzeugen wie der International Space Station oder auch des bald in Rente geschickten Space Shuttle, sodass immer wieder Korrekturen nötig sind. In Zeiten einer eher ruhigen Sonne flacht die Thermosphäre entsprechend ab.
Seit Jahren nun erleben wir ein anomales, außergewöhnlich langes Sonnenminimum. Folglich durften Forscher von einem deutlich erkennbaren Einfluss auf die Hochatmosphäre ausgehen. Im Auftrag der NASA sollten sie genauere Beobachtungen durchführen. Dr. John Emmert vom Forschungslabor der US-Marine nahm sich daraufhin Satellitendaten der vergangenen Jahrzehnte vor, um langfristige Veränderungen der Thermosphäre aus einer intensiven Analyse der Bahndaten abzuleiten. Sein Ergebnis: Seit mindestens 43 Jahren gab es keinen derart starken Kollaps der Thermosphäre mehr.
Allerdings kommt Dr. Emmert zu dem Ergebnis, dass die schwache Sonnenaktivität nicht die alleinige Schuld an dieser katastrophalen Entwicklung haben kann, die sich seiner Ansicht nach in einer noch nicht absehbaren Weise auf unser Klima auswirken könnte. Emmert meint auch, unter Umständen stehen wir hier an einer Art »Umkehrpunkt«, er hält auch für möglich, dass die Hochatmosphäre empfindlicher gegenüber den Einflüssen der Sonne geworden ist. Doch ist das im Grunde nichts als wissenschaftliche Spekulation, denn warum dies so sein sollte und welche Mechanismen wirklich dafür verantwortlich sein könnten, das alles sind ungeklärte Fragen.
Fakt bleibt ganz offensichtlich, dass die Sonnenaktivität nur rund 30 Prozent Anteil am Phänomen besitzen dürfte. Was aber ist mit dem Rest? Der amerikanische Physiker nennt zusätzliches Kohlendioxidgas als möglichen Faktor. In der Hochatmosphäre wirkt es kühlend. Doch räumt John Emmert sofort ein, dass auch damit im Grunde nichts gewonnen ist, da Kohlendioxidgas nur etwa zehn weitere Prozent des Effekts auslösen könnte. Also bleiben immer noch 60 erklärliche Prozent. Keine der bisher angebotenen Thesen kann aufdecken, was es damit nun wirklich auf sich hat.
Bei alledem kommt allerdings noch etwas anderes ins Spiel. Am 9. Dezember 2009 beobachteten und fotografierten zahlreiche Zeugen ein einmaliges Himmelsschauspiel, das damals niemand sofort erklären konnte. Sicher erinnern Sie sich an die betreffenden Berichte, auch auf KOPP online. Am Himmel über Norwegen zeigte sich damals eine riesige blaue Lichtspirale mit einem gebündelten Strahl. Die damals offiziell angebotene und zu einem gewissen Grad zunächst noch am plausibelsten wirkende Erklärung war, dass eine russische RSM-56-Bulava-Rakete von Bord des U-Bootes RFS Dimitriy Donskoy abgeschossen worden sei und es dabei zu einem Fehlstart kam. Allerdings waren schon damals Zweifel angebracht, da niemals exakte Daten veröffentlicht wurden und auch keine weiteren Bestätigungen eintrafen. Auch Russland dementierte den Abschuss. So lag der Gedanke in der Luft, es könne sich vielmehr um ein geheimes Experiment gehandelt haben. Genau das wurde dann auch in der Zeitung Pakistan Daily berichtet: Russische Wissenschaftler hätten gegenüber Ministerpräsident Putin erklärt, dass ein Hochenergiestrahl, der durch das US-amerikanische Hochfrequenz-Aurora-Forschungsprogramm High Frequency Active Auroral Research Program (HAARP) von der Radaranlage EISCAT im norwegischen Ramfjordmoen am 9. Dezember 2009 in die Hochatmosphäre abgeschossen wurde, ein katastrophales Loch in die Thermosphäre gerissen habe. Dadurch sei es zu einer thermischen Inversion gekommen, die laut Aussagen von Anthony Nunan, Risikomanager der japanischen Mitsubishi Corporation, auch den extrem kalten Winter 2009/2010 bewirkt habe. Pakistan Daily distanziert sich allerdings in diesem speziellen Fall von sämtlichen Äußerungen des Beitrags.
Mittlerweile steht zumindest längst fest, dass EISCAT am 9. Dezember 2009 zur fraglichen Zeit definitiv ein Hochfrequenz-Experiment durchgeführt hat, der Plan nennt die Zeitspanne zwischen 7.00 und 10.00 Uhr vormittags. Dieser Test trug den Namen TEQUILAsunrise – Transient Effects Quantification Under Atmospheric Low Angle sunrise – und wurde von EISCAT offiziell als »Studien von Meteorstaub« beschrieben, natürlich unter aktiver Bestrahlung. Ausführende Forscher waren der finnische Atmosphärenphysiker Dr. Antti Kero und sein deutscher Kollege Prof. Dr. Markus Rapp. Offiziell wird allerdings ein Zusammenhang zwischen dem Experiment und der norwegischen Himmelsspirale negiert.
Das HAARP-Projekt wird schon lange von Kritikern, darunter auch Naturwissenschaftlern, als bedrohlich eingestuft. Gehen die Forscher hier zu weit, so fragen nicht wenige. Vor allem auch: Was machen sie dort wirklich und zu welchem Zweck? Analyse von Meteorstaub – oder doch etwas anderes?
Der strittige Pakistan-Daily-Artikel, der bereits am 8. Januar 2010 erschien, schloss seinerzeit mit den Worten: »Aber der kritischste Aspekt dieser Ereignisse liegt mit Sicherheit in der fortgesetzten Arroganz der westlichen Welt, was Experimente sowohl mit den naturgegebenen Arten unseres Planeten als auch mit menschlichen Wesen betrifft, und obwohl manche denken mögen, Götter zu sein, so liefern sie doch ständig Belege dafür, eher wie Teufel zu handeln.« Einmal ungeachtet ideologischer Differenzen und grundsätzlicher Standpunkte zum EISCAT-Experiment, dürfte diese Schlussbemerkung durchaus ihre Rechtfertigung besitzen.
Und was geschieht nun? Gewiss, geheime Experimente werden weitergeführt, vielfache Deckerklärungen stehen bei entsprechenden Regierungsprojekten an der Tagesordnung. Und was geschieht am Himmel, hoch über uns in der Thermosphäre?
In den vergangenen Wochen und Monaten hat zumindest die Aktivität unserer Sonne wieder zugenommen. Die Thermosphäre beginnt sich daher wieder langsam zu erholen. Dr. Emmert hofft sogar darauf, aus diesen Vorgängen rückwirkend auf die eigentliche Hauptursache des Phänomens schließen zu können.
Wie lange der Trend anhält, bleibt ungewiss, doch immerhin zeigten sich auf der Sonnenoberfläche neue Aktivitätsgebiete, am 17. Juli um 18.00 Uhr Weltzeit detonierte in der Aktiven Region AR 1087 ein Sonnenflare der »Mittelklasse«, was grob gesagt immerhin einer Energie von einigen 100 Millionen Nuklearbomben entspricht. Was folgte, war ein koronaler Massenausbruch mit Teilchenfronten auf Erdkurs, sodass in diesen Tagen leichtere geomagnetische Stürme erwartet werden können. Die diesen Beitrag begleitenden Sonnenaufnahmen dokumentieren die gegenwärtige Aktivitätsregion 1087 und entstanden im Rahmen eigener Arbeit.
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