Saturday, 25. June 2016
27.11.2013
 
 

Zerfällt der Komet? ISON rast auf die Sonne zu

Andreas von Rétyi

Jetzt beginnt buchstäblich die heiße Phase bei der Sonnenannäherung von ISON. Der Komet rast immer schneller auf unseren Stern zu und erreicht nun mit dem Perihel den geringsten Abstand. Er kann nur noch von Raumsonden aus gesehen werden. Nie zuvor war die Gefahr so groß, dass er zerreißt.

In den vergangenen Wochen und Monaten haben Astronomen den Anflug des 2012 entdeckten Kometen ISON weltweit mit Spannung verfolgt. Doch jetzt wird es richtig aufregend. Denn am 28. November erreicht er die größte Sonnennähe, sein Perihel. In den letzten Tagen hat sich der Komet ständig verändert, einige Bruchstücke lösen sich, die Aktivität nahm sprunghaft zu.

Trotzdem zeigte er sich bis zu den letzten Momenten, in denen er noch von der Erde aus wahrgenommen werden konnte, beständig und stabil. Jetzt verschwindet er im hellen Dämmerlicht des Morgens, steht einfach zu nahe an der Sonne. So sind nur noch Raumsonden in der Lage, das weitere Schicksal des Kometen zu verfolgen.

 

Die Sonnensonde Stereo-A befindet sich von der Erde aus gesehen hinter der Sonne. Von dort aus kann sie nun auch ISON weiter überwachen und hat bereits sensationelle erste Aufnahmen mit der HI-1A-Kamera geliefert, die den Kometen zusammen mit Encke zeigen, einem gut bekannten anderen Schweifstern. Zeitraffer-Videosequenzen gleichen einem kosmischen Wettrennen: Die Kometen scheinen sich regelrecht zu jagen. Dabei werden sie von Böen des Sonnenwindes erfasst, ihre langen Ionenschweife verformen sich dabei, einzelne Bereiche lösen sich ab. Außerdem erscheinen auch noch Merkur und Erde im Visier. Ein beeindruckendes Szenario. ISON wird derzeit außerdem von anderen Raumsonden beobachtet. Und auch das Flugzeugobservatorium SOFIA hält Sichtkontakt zum Kometen, um dessen Infrarotstrahlung zu registrieren.

 

Der Komet hat sich bislang eher ungewöhnlich entwickelt, was eine Vorhersage über sein weiteres Schicksal noch erschwert. Dazu kommt die jetzt wieder recht hohe Sonnenaktivität um die Zeit des erwarteten Gipfels des gegenwärtigen solaren Zyklus. Damit kann der ohnehin gerade unter einer Extrembelastung stehende Komet auch stärkeren Plasmawolken ausgesetzt werden, die ihm zusätzlich zu schaffen machen.

 

Erst im Jahr 2011 wurde der Komet Elenin von einer solaren Plasmawolke zerstört. ISON kommt allerdings noch viel näher an die Sonne heran. Er wird in rund anderthalbfachem Sonnendurchmesser Abstand über die Oberfläche unseres Sterns hinwegziehen und dabei auf bis zu knapp 3000 Grad Celsius aufgeheizt. Die große Preisfrage ist nun, ob der Komet zerbrechen wird oder nicht. Hitze, Gezeitenkräfte und Plasmastürme zerren an ihm. Schon am 17. November meldeten Astronomen, Anzeichen für eine Desintegration zu beobachten. Das hat sich dann nicht bestätigt, und auch während der (vorerst) letzten Tage seiner irdischen Sichtbarkeit präsentierte sich ISON bemerkenswert stabil.

 

Was wird nun passieren? Niemand weiß das, aber die Möglichkeiten sind immerhin bekannt. Zerfällt der Komet vor dem Perihel, wird nach der Sonnenpassage nicht mehr viel von ihm übrig sein. Zerfällt er kurz danach, dürfte zumindest noch ein langer Schweif am Himmel erscheinen. Überlebt er, dann dürften wir einen interessanten, vielleicht sogar sehr hellen Kometen zu sehen bekommen, der noch einige Wochen mit bloßem Auge am Himmel erkennbar sein dürfte. Sein Schweif würde einem nach oben gerichteten Scheinwerfer ähneln, der noch vor dem Erscheinen des Kometenkopfes über den Horizont steigt. Die Helligkeit dürfte weiterhin deutlich steigen, doch ob ISON die anfängliche Hoffnung auf einen echten »Jahrhundertkometen« erfüllt, bleibt derzeit ungeklärt.

 

Eine Gefahr geht glücklicherweise nicht von ihm aus. Selbst, wenn er zerbricht. Denn dann bewegen sich die Einzelteile wegen der hohen Bahngeschwindigkeit auf dem selben Kurs weiter, um nur ein wenig zur Seite wegzudriften. Die Entfernung zur Erde ist groß genug, um sicher zu sein, dass der Komet für uns keinerlei Bedrohung darstellt. Nun ist eben vor allem die Frage, ob ISON seinen extrem engen Sonnenbesuch übersteht. Fachastronomen hätten nichts gegen ein Zerbersten des uralten kosmischen Materieklumpens einzuwenden. Nie zuvor wäre ein zerfallender Komet so genau untersucht worden, er würde zahlreiche astronomisch relevante Informationen preisgeben. Jenseits der Fachkreise wäre allerdings vor allem die imposante Erscheinung eines intakten Kometen interessant.

 

In den ersten Dezembertagen werden wir wohl mehr wissen.

 

 

 

 


 

 

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