Friday, 24. May 2013
14.07.2012
 

Warum findet man bei Mumien fast nie Krebs? Eine Krankheit der modernen Lebensweise

Craig Stellpflug

»Bei Mumien wird nur sehr selten Krebs gefunden«, erklären die Professoren Rosalie David und Michael Zimmerman von der University of Manchester. Bei der Untersuchung mehrerer hundert ägyptischer Mumien hatten sie nur einen einzigen Fall gefunden. Auf der Suche nach Hinweisen auf Krebserkrankungen bei Fossilien und in antiken medizinischen Schriften stießen sie nur auf fünf Fälle von Tumoren, die meisten davon gutartig.

Ihre Schlussfolgerung lautet, dass Krebs in der Antike »äußerst selten war. Es gab in der natürlichen Umgebung keine Krebs erregenden Faktoren. Folglich handelt es sich um eine menschengemachte Krankheit, entstanden durch Umweltverschmutzung und Veränderung unserer Ernährungs- und Lebensweise«.

 

 

»Allem Anschein nach ist Krebs eine moderne Krankheit, die durch den modernen Lebensstil hervorgerufen wird.«

 

Die alten Ägypter waren äußerst kenntnisreich in der Anwendung von Kräutern und Medikamenten zur Behandlung von Krankheiten, und sie haben uns ausführliche Beschreibungen der körperlichen Befindlichkeiten ihrer Tage hinterlassen. In den folgenden Jahrhunderten gab es viele Väter der Medizin, die auf der Grundlage des Erbes der großen ägyptischen Ärzte Berichte über Erkrankungen des Menschen und deren Behandlung verfasst haben. Dass in der antiken Literatur so selten von Krebs die Rede ist, scheint zu bestätigen, dass diese Krankheit damals nur sehr selten auftrat. Seither haben Krebserkrankungen jedoch fast exponentiell zugenommen, angefangen mit der industriellen Revolution. Das gilt ganz besonders für Krebs im Kindesalter – ein Beweis dafür, dass der Anstieg nicht allein auf die längere Lebensdauer zurückzuführen ist.

 

 

Kontrapunkt

 

Nach Aussage der Professoren Zimmerman und David lag die durchschnittliche Lebensspanne der von ihnen untersuchten Mumien bei 25 bis 50 Jahren. Kritiker der Hypothese, wonach Krebs eine Krankheit der Moderne darstellt, wenden ein, die Entwicklung von Krebs sei in der Antike ausgeschlossen gewesen, weil die Menschen nicht lange genug gelebt hätten. Dieses statistische Konstrukt mag richtig sein, dennoch haben die Menschen im Ägypten und Griechenland der Antike lange genug gelebt, um altersbedingte Krankheiten wie Arteriosklerose, die Knochenerkrankung Morbus Paget und Osteoporose zu entwickeln; Krebs im Kindesalter wird nie erwähnt.

 

Ein weiteres Argument lautet, die Tumoren könnten sich im Laufe der Jahrtausende zersetzt haben, so dass die Wissenschaftler sie nicht mehr nachweisen könnten. Dem entgegnet Professor Zimmerman, seine Arbeit lasse eher darauf schließen, dass Tumoren besser erhalten seien als normales Gewebe: »Da chirurgische Eingriffe in der antiken Gesellschaft unbekannt waren, sollten sich Hinweise auf Krebs in jedem Fall erhalten haben.«

 

 

Die Geschichte der Krebserkrankung

 

Die älteste Beschreibung einer Krebserkrankung findet sich in einem ägyptischen Lehrbuch aus der Zeit um 3000 v. Chr. Darin werden acht Fälle vermutlicher Brusttumoren beschrieben, die durch Verätzung behandelt wurden. Das Wort »Krebs« geht auf Hippokrates (460 bis 370 v. Chr.) zurück, der die Ausdrücke »karkinos« und »Karzinom« zur Beschreibung von nicht ulzerösen und geschwürbildenden Tumoren verwendete. Galen (circa 130 bis 200 n. Chr.) beschrieb Tumoren mit dem Wort »onkos« (griechisch für Schwellung).

 

Um 1650 erwähnen zwei holländische Ärzte den Brustkrebs, sie kamen fälschlicherweise zu dem Schluss, Krebs sei ansteckend. Es dauerte noch einmal 100 Jahre, bis erneut Berichte über Brustkrebs und andere Krebsformen auftauchten – in den ersten modernen Schilderungen des berühmten schottischen Chirurgen John Hunter von Operationen bei Brustkrebs und anderen Krebstumoren. Über die ersten Fälle von Krebs in der Nase bei Anwendern von Schnupftabak wurde 1761 berichtet, über Hodenkrebs bei Schornsteinfegern im Jahr 1775 und 1832 gab es erste Berichte über Morbus Hodgkin.

 

Krebs ist heute die zweithäufigste Todesursache in den USA, direkt hinter Herzkreislauferkrankungen und unmittelbar vor Medikamenten-Nebenwirkungen. Insgesamt besteht bei jedem Menschen ein Risiko von 50 Prozent, im Laufe seines Lebens an Krebs zu erkranken. Laut Weltgesundheitsorganisation wäre etwa ein Drittel der Todesfälle durch Krebs vermeidbar, der wichtigste Risikofaktor ist das Rauchen. In vielen Studien wurde eine Verbindung zwischen Ernährung und Krebs nachgewiesen.

 

Ist Krebs ein menschengemachtes Phänomen? Auf jeden Fall wäre es klug, wenn wir alle die Toxine in unserer Umgebung wo immer möglich meiden würden, zum Beispiel Konservierungsstoffe, Nahrungszusätze, industrielle Umweltverschmutzung, Schadstoffemission durch Kraftfahrzeuge, Haushaltschemikalien, toxische Medikamente und andere Quellen. Wir sind selbst für unsere Gesundheit verantwortlich und sollten nicht auf die Wissenschaft setzen, die Antworten für uns zu finden.

 

 

Quellen für diesen Beitrag:

 

Cancer.org

CDC.gov

WHO

 

 


 

 

 

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