Donnerstag, 29. Juni 2017
16.03.2010
 
 

Jagd auf den »Todesstern«: Gibt es den geheimnisvollen Sonnenbegleiter Nemesis wirklich?

Andreas von Rétyi

In den dunkelsten Regionen des Sonnensystems ist noch vieles unbekannt. Schon lange allerdings vermuten einige Weltraumexperten, dass sich dort ein extrem schwach glimmender Begleitstern unserer Sonne verbirgt, der nur sehr gelegentlich und indirekt auf seine Existenz hinweist. Jetzt beginnen Astronomen eine neue detektivische Jagd auf dieses obskure Objekt, um das »Nemesis-Rätsel« zu lüften.

Irgendetwas ist dort draußen, weitab der bekannten Planetenbahnen, und bewegt sich langsam durch die pechschwarze kosmische Nacht. Dieses geheimnisvolle Etwas gleicht einem unsichtbaren Phantom und treibt sein Unwesen seit undenklicher Zeit. Nur selten liefert es verräterische Hinweise auf seine Existenz. Erste Verdachtsmomente schöpften die amerikanischen Paläontologen David M. Raup und Jack Sepkoski in den 1980er-Jahren, als sie die enormen Aussterbe-Wellen analysierten, die unsere Erde in großen Abständen heimsuchten. Sie fanden offenbar ziemlich regelmäßig statt, rund alle 26 Millionen Jahre scheint es zu solchen Umbrüchen zu kommen. Für einen derart großen Zyklus konnten sich die beiden Forscher nur kosmische Ursachen vorstellen.

Der Astronom Richard Muller von der kalifornischen Berkeley-Universität entwickelte dann die berühmte Nemesis-Theorie: Ein weit entfernter, bislang unbekannter Begleitstern unserer Sonne umkreist sie in 25.000-fach größerer Distanz als unsere Erde und damit bereits draußen im interstellaren Raum, wo sich auch ein gigantisches Reservoir an Kometen zu befinden scheint – die Oortsche Kometenwolke.

Bedingt durch seine elliptische Bahnform, wandert jener Stern, der auch gerne als »Todesstern« bezeichnet wird, regelmäßig alle 26 Millionen Jahre in die Oortwolke hinein und reißt dort unzählige, im Kälteschlaf schlummernde Kometen aus ihren sicheren Orbits, um sie auf einen gefährlichen Kurs ins innere Sonnensystem zu lenken. Dann kommt es auch auf der Erde zu regelrechten Kometenschauern, also gehäuften Abstürzen großer kosmischer »Hagelbrocken«, die für globale Katastrophen sorgen, in deren Folge eine bemerkenswerte Zahl an Lebensformen ausstirbt.

Gerade in den vergangenen Wochen sorgten neue Erkenntnisse und Einschätzungen hinsichtlich dieser Theorie für Schlagzeilen. Demnach kam der Tod auch für die Dinosaurier wirklich aus dem All. Eine lange umstrittene These erfährt damit wieder neuen Aufwind!

Und Nemesis? Noch ist deren Existenz nichts als eine Hypothese, und auch die Regelmäßigkeit der großen, weltumspannenden Artensterben lässt sich bislang nicht belegen. Aber immerhin, es gibt auch aktuellere Hinweise auf den Todesstern. Wie beispielsweise einen selbst ziemlich rätselhaften Kleinplaneten, der eigentlich gar keine »Daseinsberechtigung« hat. Das arme Kerlchen durchstreift nämlich eine Übergangszone zum Einflussbereich fremder Sterne. Unsere Sonne beeinflusst ihn kaum mehr, und auch von anderen Sternen ist er wiederum zu weit entfernt, als dass sie schon eine stabilisierende gravitative Wirkung auf seinen Lauf haben könnten. Dieses Objekt namens Sedna erreicht im sonnennächsten Punkt seiner stark elliptischen Bahn gerade einmal zweifache Pluto-Entfernung und ist im fernsten Abschnitt fast tausendmal weiter von der Sonne entfernt als unsere Erde! Unglaublich!

Der bekannte Astronom Mike Brown vom kalifornischen Technologiezentrum Caltech erklärt dazu: »Sedna sollte gar nicht dort sein. Es gibt keinen Weg, Sedna dorthin zu verfrachten, wo sie sich gerade befindet.« Seiner Ansicht nach kann nur ein bislang unbekannter Begleiter unserer Sonne dafür verantwortlich sein, dass dieser kleine Himmelskörper überhaupt in einer stabilen Bahn gehalten wird. Aber auch andere Indizien sprechen für jenen »unsichtbaren Zweiten«. John Matese, emeritierter Physik-Professor der Universität Louisiana, fand heraus, dass die jetzt im inneren Sonnensystem kreisenden Kometen, die einst ebenfalls aus der Oortwolke kamen – ohne dann allerdings auf die Erde zu stürzen – allesamt ganz offenbar aus einer speziellen Region dieser fernen Kometensphäre kamen. Das deutet wiederum auf eine störende Masse hin, einen unbekannten Himmelskörper eben, dessen Schwerkraft einen kompletten Kometenschwarm ins innere Sonnensystem geschickt hat.

Was aber kann das für ein Himmelskörper sein? Dass er bis heute noch nicht aufgespürt wurde, spricht für eine sehr geringe Leuchtkraft. Möglicherweise handelt es sich um einen Braunen Zwerg, eine Übergangsform zwischen Stern und Planet. Diese Objekte erzeugen bereits eigene Energie, aber nicht durch dieselben Prozesse, wie sie in »normalen« Sternen ablaufen, auch wenn die Mechanismen gleich sind – sprich: Kernfusion. So ein Zwergstern bringt nur rund 13 bis 90 Jupitermassen auf die imaginäre Waage. Matese glaubt, Nemesis schafft nicht einmal so viel, sondern eher nur drei bis fünf Jupitermassen. Trotzdem dürfte die Entstehungsgeschichte dieses kleinen Exoten eher auf einen stellaren Ursprung hinweisen. Allein schon Braune Zwerge, die an sich relativ häufig im Kosmos vorkommen dürften, sind enorm schwer nachzuweisen. Der erste von ihnen wurde 1995 entdeckt.

Um Nemesis endlich auf die Schliche zu kommen, werden Astronomen nun den WISE-Satelliten der NASA einsetzen, der im Dezember letzten Jahres gestartet wurde. Dieser Wide-Field Infrared Survey Explorer wird große Himmelsareale im Infrarotlicht absuchen, wo Nemesis sein Strahlungsmaximum erreicht. WISE sucht nach schwachen Wärmesignalen aus dem Kosmos. Seine Empfindlichkeit genügt, um ein Objekt wie Nemesis in der vermuteten Distanz auch wirklich zu orten. Allerdings wird es damit noch ein wenig dauern. Bis der ganze Himmel abgeklappert ist und mögliche Kandidaten aufgespürt sind, wird es wohl bis Mitte 2013 dauern.

Zu klären, ob Nemesis trotz ihrer geringen Größe selbst gar Planeten um sich hält, darunter, wie manche glauben, sogar jenen legendären Nibiru, dürfte allerdings in absehbarer Zeit kaum festzustellen sein. Zudem lässt sich allein schon die postulierte Umlaufzeit Nibirus nicht mit den gegenwärtigen Annahmen zum Orbit von Nemesis in Einklang bringen. Der in den alten Keilschrifttafeln erwähnte Nibiru dürfte ohnehin eine ganz andere, von Nemesis völlig unabhängige Geschichte haben …

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