
Paul Crutzen (zusammen mit Mario Molina und Frank Sherwood Rowland Nobelpreisträger 1995 für Forschungen zum Verständnis der Bildung des Ozons und dessen Zerfall) kam als erster zum Blauen Planeten zurück und skizzierte die vielfältigen Veränderungen, die ihm die Menschheit während des Anthropozäns aufgedrückt hat. Unter anderem nannte er den Anstieg des Kohlendioxids und des Methans in der Atmosphäre, Umweltverschmutzungen, das Übermaß an
Stickstoff aus der Düngung, den steigenden Verbrauch von Trinkwasser. Einen globalen Temperaturanstieg von 0,7 Grad verband er mit Problemen wie der kleiner werdenden Schneedecke. Und er meinte: »Die Klimaerwärmung ist einzigartig.«
Molina führte das Thema fort mit einer Aufnahme der Erde wie einer Oase gegen den Hintergrund des Alls. Wir »überbeanspruchen die natürliche Anpassungsfähigkeit der Atmosphäre an die unerwünschten Produkte der menschlichen Tätigkeiten«, warnte er. Und er fuhr fort, dass die Wissenschaft immer mehr davon überzeugt sei, dass das Vorkommen von Unwettern (Überschwemmungen, Feuer) mit dem Klimawandel zu tun habe. »Die wissenschaftliche Beweislage ist wirklich überwältigend*. Die meisten Experten stimmen zu: zwei oder drei von 100 nicht.« Er fügte hinzu: »Ich kenne sie und ich weiß, warum sie falsch liegen.« Und sogleich ging er auf den nächsten Vortragenden ein, Ivar Giaever (Nobelpreis 1973 für Forschungen über das Tunneln in Supraleitern), der eine skeptische Sicht auf den Klimawandel bringen würde. Zu ihm bemerkte Molina, dass die Kritiker normalerweise keine Experten seien. Auf sie zu hören, gleiche der Konsultation eines Zahnarztes, wenn man Herzprobleme hätte.
Als Giaever dann begann, eröffnete er seinen Vortrag mit den Worten: »Ich bin froh, dass ich nun selber sprechen darf.« Er verspottete das Nobelkomitee wegen der Verleihung des Friedensnobelpreises an Al Gore und R.K. Pachauri und nannte das Anerkennen einer Beweislage für den Klimawandel eine »Religion«. Im Gegensatz zu Crutzen und Molina hielt Giaever die Genauigkeit einer Messung eines globalen durchschnittlichen Temperaturanstiegs von 0,8 Grad während 150 Jahren für erstaunlich unwahrscheinlich wegen der Schwierigkeiten mit der Präzision derartiger Messungen – darüber hinaus sei dies so wenig, dass es keinesfalls etwas ausmache:
»Was bedeutet es, dass die Temperatur 0,8 Grad hochgegangen ist? Wahrscheinlich nichts.«
Er widersprach der Behauptung, dass Kohlendioxid damit zu tun habe und zeigte einige Darstellungen, die unter anderem sogar eine Klimaabkühlung bestätigten.»Ich bin genauso selektiv verfahren und habe herausgepickt, was passt, ganz so, wie mein Vorredner es während seiner Präsentation gemacht hat«, merkte er an. Seinen Vortrag beendete er mit einer rhetorischen Frage:
»Ist der Klimawandel Pseudowissenschaft? Meine Antwort auf diese Frage ist: Ja, ganz gewiss.«
(Giaevers Vortrag kann im Original hier gehört werden.)
Den letzten Vortrag am Vormittag hielt Hartmut Michel, der sich mit den Möglichkeiten der Vermeidung von fossilen Treibstoffen beschäftigte und damit, wie man deren Einsatz abbremsen
könnte. Nachdem er gründlich bewiesen hatte, warum Biotreibstoffe ineffizient sind – sowohl hinsichtlich des Verbrauchs von Ackerland wie auch des Energieeinsatzes bei ihrer Herstellung – zeigte er einige »visionäre« Darstellungen, wie er sie nannte. In einer sagte er, dass die Wissenschaft mithilfe genetischer Veränderung und Selektion das Kohlendioxid speichernde Enzym Rubisco in Pflanzen verbessern müsste. Es könnte zu einer Steigerung der »Effizienz der Kohlendioxidspeicherung und des Ertrags der Photosynthese um 50 bis100 Prozent kommen«. Die Kehrseite wäre, dass die Blätter wirklich schwarz würden. »Man stelle sich vor, dass man dann in einem schwarzen Wald spazieren ginge. Würde uns das gefallen?«
Zum Schluss stellte er sich solar betriebene Elektrofahrzeuge in Wüsten wie der Sahara, der Gobi und in Australien vor, auch supraleitende Überlandleitungen, die den ganzen Globus mit Energie versorgten. »Unsere Autos sollten von Elektromotoren angetrieben werden, die ihre Energie direkt von der Sonne beziehen«, meinte er. Dann brauchte man keine Speicherung: »Die Sonne scheint immer irgendwo auf der Welt.«
Originalbeitrag im Scientific American hier.
* Damit meint Molina vermeintliche 97 Prozent »aller Klimawissenschaftler«, wie er in seiner Rede ausführte. Damit ist er gern derselben Medien-Ente aufgesessen, wie so viele »Wissenschaftler« und Journalisten vor ihm.
Weitere Informationen zur Lindauer Tagung hier und hier.
Übersetzung: Helmut Jäger, EIKE
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