Samstag, 29. April 2017
30.12.2015
 
 

Die Verteidigung eines historischen Energiewunders

Redaktion

Im Dezember 1715 erschien in Leipzig anonym ein unscheinbares kleines Buch, das ausführlich über eine sehr ungewöhnliche Erfindung berichtete und außerdem als Verteidigungsschrift gedacht war. Denn da niemand eine Erklärung für das vermeintliche Perpetuum mobile liefern konnte, folgten bald übelste Angriffe gegen den Konstrukteur, der Skeptikern bis heute als ausgemachter Scharlatan gilt und der Welt dennoch ein offenbar unlösbares Rätsel hinterließ.

 

Vor nunmehr genau 300 Jahren tauchte eine geheimnisvolle kleine Publikation auf, deren Verfasser die Anonymität vorzog – ging es doch um ein heikles Thema, um Intrigen, üble

Nachrede und eine Erfindung, die es eigentlich gar nicht hätte geben dürfen:

 

das sich offenbar ewig drehende Rad des Erfinders Johann E. E. Bessler, der sein Werk am 31. Oktober 1715 in Merseburg einem Dauertest hatte unterziehen lassen.

 

Schon damals war die Skepsis groß, sobald eine aus unsichtbarer, innerer Quelle gespeiste ewige Bewegung behauptet wurde.

 

Und genau das, was offenkundig dem gesunden Menschenverstand widersprach und bis heute gegen alle Regeln der Natur zu verstoßen scheint, spielte sich damals dennoch vor den Augen der erstaunten Öffentlichkeit ab.

 

Der Demonstration wohnten angesehene Gelehrte bei. Eine Kommission untadeliger Persönlichkeiten sollte die Angelegenheit genau untersuchen und jeden möglichen Schwindel ausschließen. Sogar Moritz-Wilhelm, der Herzog von Zeitz, war höchstpersönlich in die Geschehnisse involviert und bemühte sich um die passenden Rahmenbedingungen, wozu auch die Auswahl geeigneter Kommissionsmitglieder zählte.

 

Bessler selbst war es gewesen, der den Herzog bat, ihm die Chance für einen solchen Dauerversuch zu gewähren. Denn bereits zuvor hatte der geheimnisvolle Tüftler sein Wunderrad öffentlich präsentiert, ohne jedoch jedermann damit überzeugen zu können.

 

Das aber lag weniger an der Erfindung selbst als an der Gehässigkeit und dem Neid einiger seiner Zeitgenossen. Zwar fand Bessler u. a. im berühmten Gelehrten Leibniz einen seiner wichtigsten Fürsprecher, doch bildete sich auch eine wachsende Gegnerschaft heraus, die mit intriganten Mitteln gegen den Erfinder vorging, da es ihr nicht gelingen wollte, ihn des Betrugs zu überführen.

 

Eine böswillige kleine Gruppe, die sich um den königlichen Hofmodellbaumeister bildete, steigerte sich geradewegs in einen nicht mehr zu bremsenden Hass hinein und ließ sich im Sommer 1715 sogar dazu hinreißen, schließlich in Besslers Haus einzudringen, als der Erfinder erkrankt war und das Bett hüten musste.

 

Ihre Absicht bestand angeblich darin, die rätselhafte Maschine ausfindig zu machen, sie selbst in Augenschein zu nehmen und das Geheimnis zu lüften, doch ging es bei der Aktion weit mehr um Schein als um Sein.

 

Das Ziel war längst vorgefasst, ganz gleich, was die Einbrecher vorfinden würden. Es ging eindeutig darum, Besslers Ruf nachhaltig zu schädigen. Doch fanden sie nichts Überprüfbares vor, denn Bessler hatte bereits längst Gegenmaßnahmen eingeleitet.

 

Die Eindringlinge mussten das Anwesen somit zwar unverrichteter Dinge verlassen, behaupteten aber dennoch, das Mysterium aufgeklärt zu haben – so betrieben sie Rufmord perKupferstich, indem sie eine völlig fiktive Abbildung veröffentlichten, die angeblich Besslers Konstruktion zeigte und den ganzen Schwindel ein für allemal entlarvte.

 

Die vermeintlichen Aufklärer wurden somit selbst zu Betrügern, ein heuchlerisches Schema, das bekanntlich bis in die Gegenwart noch vielfach anzutreffen ist. Die Geschichte wiederholt sich in vielerlei Facetten. Und das war eine davon.

 

Bessler wollte nun in Merseburg endlich und auch endgültig Klarheit schaffen. Die Demonstration sollte belegen, dass seine jahrelangen Bemühungen wirklich von Erfolggekrönt waren und er einen Mechanismus ersonnen hatte, der ohne äußere Quelle und daher einem Perpetuum mobile ähnlich fortwährend in Bewegung verblieb.

 

Um zu beweisen, dass die Antriebsenergie nicht etwa vom Lager ausging, auf dem das Rad ruhte, forderte Bessler sogar selbst, sein »Perpetuum« möge während des Versuchs auf andere Stützen versetzt werden. Dennoch lief das Rad unaufhaltsam weiter. Der Erfinder schien endlich rehabilitiert und glänzend bestätigt, was auch drei »Attestate« bekräftigten, die von den anwesenden Fachleuten ausgefertigt worden waren.

 

Das eigentliche Geheimnis verstand er aber weiterhin bestens zu hüten. Niemand erfuhr, woher die Energie für das Rad stammte. Allerdings bot er dem großen Leibniz an, er könne die Maschine beliebig oft untersuchen und prüfen, wenn auch unter der Bedingung, ihm für diese Genehmigung 3000 Taler zu zahlen. Nach Verkauf des Rades wolle er ihm aber die dreifache Summe zurückgeben.

 

Leibniz lehnte dankend ab, zeigte sich aber weiterhin brennend interessiert. Gerne wolle er das Geheimnis kennenlernen und sich zum Stillschweigen verpflichten, außerdem werde er auf einen Teil des Gewinns verzichten.

 

Nur Geld zahlen wolle er nicht, weil er bereits damit zahle, dass er die Erfindung mit seiner Unterstützung »nützlicher und akzeptabler« mache.

 

Leibniz erklärte aber ausdrücklich, der damals finanziell schlecht bestellte Bessler verdiene eine würdige Belohnung auf Lebenszeit, um die Früchte seiner Arbeit zu genießen. Besslers Gegnerschaft, für die Leibniz keine guten Worte übrig hatte, ließ ihrerseits nicht locker und übte sich weiter in hinterhältigen Attacken.

 

Im Dezember 1715 erschien dann die anonyme Schrift, die jenen intriganten Aktivitäten zu begegnen suchte und darüber hinaus auch einige genauere Informationen über das mysteriöse Rad vermittelte sowie die Vorkehrungen schilderte, wie sie für einen neutralen und gut überprüfbaren Test getroffen wurden.

 

Der wie seinerzeit üblich episch lange Buchtitel lautete: Gründlicher Bericht, Von dem Durch den anitzo zu Merseburg sich befindenden MATHEMATICUM Herrn ORFFYREUM Glücklich inventierten PERPETUO ac per se MOBILI, Nebst dessen accurater Abbildung, Wie solches seit dem Monath Junio dieses 1715ten Jahres zu gedachten Merseburg von einer grossen Menge Standes-Personen, gelehrter Leute, Künstler und Curiosorum in Augenschein genommen, und genau examiniret, auch allda noch zu sehen ist. Orffyreus, so nannte sich Bessler bereits seit geraumer Zeit.

 

Das Bändchen enthüllt natürlich ebenfalls nicht, worin das Geheimnis des Antriebs besteht. Und so beschreibt der Autor lediglich eine »in einem eintzigen mit leichten Brettern zu Verbergung des innerlichen einen Motus verschlagenen Rade bestehende Machine, an der Höhe bey nahe von fünff Ellen, und sechs Zoll dicke, verfertiget; welche ihren Umlauff mit solcher Schnelligkeit verrichtet, daß sie nicht nur in Zeit von einer Minute sich über 50. mahl herum gewendet, und also bey nahe die Secunden marquiret; sondern auch, an statt daß die Gerauische ausser der Bewegung ihres eignen Cörpers nur einige Pfund heben und bewältigen, diese im Gegentheil etliche Stampen von ziemlichen Gewichte treiben ...«.

 

Immerhin enthält das Werk eine detailliertere Illustration des Rades, die einen eher schlichten, aber doch ungewöhnlichen und rätselhaften Mechanismus offenbart. Bis auf die zum Betrieb erforderlichen Gewichte findet sich auch hier keinerlei Hinweis auf die innere Antriebsquelle. Anschließend an die schriftlichen Erläuterungen folgt dann der Hinweis auf all jene hochrangigen Persönlichkeiten, die mit ihrem geschätzten Urteil für die Wahrhaftigkeit der Erfindung einstanden.

 

Vermutlich war Bessler selbst der Verfasser dieses kleinen, aber doch bemerkenswerten Werkes. Und wahrscheinlich zog er gerade in jenen Tagen die Anonymität vor, um seinen unermüdlichen Gegnern keine weitere, direkte Angriffsfläche zu bieten, während er später unter seinem weithin bekannten, aus einer alten Verschiebechiffre gebildeten Künstlernamen »Orffyreus« neue Schriften über die Erfindung veröffentlichte und darin immer wieder kryptische Beschreibungen liefert, die das große Mysterium preisgeben könnten.

 

Dieser »Bessler-Code« konnte trotz vieler Versuche bislang nicht geknackt werden. Zumindest steht der konkrete Nachweis hierfür noch aus. Ebenso fehlt bisher allen Behauptungen, Bessler sei nichts als ein Schwindler und Scharlatan, eine feste Grundlage. Sie basieren auf Vermutungen.

 

Die abenteuerliche Lebensgeschichte des »Orffyreus« zeugt von einer schwierigen Persönlichkeit mit aufbrausendem Charakter und schwankenden Emotionen, lässt aber nicht auf einen unehrlichen Menschen schließen, der seinen Ruhm auf betrügerische Machenschaften gründen wollte. Vielmehr arbeitete er jahrelang ohne Rücksicht auf die eigene Person und unter häufig sehr schwierigen Verhältnissen an einem Werk, zu dessen Vollendung sich der tiefgläubige Mann sogar von Gott berufen fühlte.

 

Nach dem Test von Merseburg hätte Bessler eigentlich triumphieren können, doch fand er sich mehr und mehr in einem Spannungsfeld, das seine empfindlichen Nerven schließlich über Gebühr beanspruchte. Hierbei spielten die Intrigen seiner Gegnerschaft natürlich eine wesentliche Rolle.

 

So brach der psychisch bereits angeschlagene Erfinder nun vollends zusammen, verfiel in Depression und eine vier Monate währende Krankheit.

 

Und er entschloss sich, sein neues Rad wie bereits frühere Konstruktionen »in tausend Stücke zu schlagen«.

 

Doch weder sollte es das letzte Rad bleiben noch der letzte Dauertest. Bessler hatte vor nunmehr 300 Jahren, als die kleine Verteidigungsschrift erschien, noch 30 harte Jahre vor sich, bis er schließlich vom Dach seiner noch unvollendeten Orffyreus-Mühle in den Tod stürzte. Es war wohl kein Unfall. Sein Geheimnis nahm Bessler mit ins Grab, doch hat er Botschaften hinterlassen, deren Entschlüsselung das Rätsel lösen könnte.

 

 

 

 


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