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Dieses Sonnensystem mit der Bezeichnung »Kepler-47« ist etwa 3.900 Lichtjahre von der Sonne entfernt und befindet sich im Sternbild Schwan. Es umfasst eine helle und eine weitere blassere
Sonne, die sich gegenseitig umkreisen, sowie zwei Planeten, die größer als die Erde sind, die wiederum um die beiden Sonnen kreisen.
Greg Laughlin, Professor für Astrophysik und Planetenkunde an der Universität von Kalifornien in Santa Cruz, erklärte, diese Entdeckung könnte unser Verständnis der Prozesse der Planetenentstehung nach dem Urknall auf den Kopf stellen: »Dies ist eine unglaubliche Entdeckung«, erklärte er gegenüber SPACE.com. »Mit der vorherrschenden Theorie ist die Entstehung solcher Planetenkonstellationen nur sehr schwer zu erklären. Und deshalb müssen sich die Theoretiker jetzt an die Arbeit machen, unser konzeptionelles Verständnis über die Entstehung und Formierung von Planeten und Planetensystemen neu zu überdenken.«
In der bekannten Kinofilmreihe Krieg der Sterne spielte der Wüstenplanet Tatooine eine Rolle, der die beiden Sonnen Tatoo I und Tatoo II umkreiste. Zunächst handelte es sich nur um eine Erfindung der Drehbuchautoren und Filmemacher. Erst vor weniger als 20 Jahren wurden dann im Weltraum tatsächlich erste Konstellationen dieser Art, so genannte »Circumbinary Systems«, bei denen ein Planet zwei Sonnen umrundet, entdeckt.
Man war eigentlich davon ausgegangen, dass ein solches System mit mehr als einem Planeten, die zwei Sonnen umkreisen, aufgrund der gleichzeitigen Wirkung der Schwerkraft beider Sonnen instabil wäre: Entweder würden die Planeten sozusagen aus ihren jeweiligen Umlaufbahnen »weggestoßen«, oder sie würden angezogen und dann irgendwann ineinander krachen.
Jetzt hoffen die Wissenschaftler, noch weitere dieser komplexen Sonnensysteme zu finden.
»Wenn wir noch weitere Daten erhalten, die sogar einen dritten Planeten bestätigen, sind nach oben keine Grenzen mehr gesetzt«, erklärte Jerome Orosz von der Universität in San Diego, der die Entdeckung des Systems Kepler-47 im Wissenschaftsmagazin Science veröffentlichte. Es sei nicht einmal auszuschließen, dass im System Kepler-47 noch ein weiterer Planet entdeckt werde, fuhr er fort.
Das Weltraumteleskop Kepler wurde im März 2009 in Betrieb genommen und sollte das All nach extrasolaren, erdähnlichen Planeten in »prinzipiell bewohnbaren Zonen«, in denen Leben möglich wäre, durchforsten. Insgesamt wurden bereits 2.300 Welten gefunden, in denen es außerirdisches Leben geben oder in denen es sich entwickeln könnte.
Die neue Entdeckung macht die Suche nun etwas einfacher. »Bei den meisten Sonnen in unserer Galaxis handelt es sich um Doppelsternsysteme oder Systeme noch höherer Ordnung mit weiteren
Sonnen. Die Entdeckung, dass sich in diesen Sonnensystemen Planetensysteme herausbilden können, ist von großer Wichtigkeit. Müssten wir uns darauf beschränken, nur nach Planeten zu suchen, die einzelne Sonnen umkreisen, müssten wir die meisten Sonnensysteme unserer Galaxis links liegen lassen«, sagte Orosz weiter.
Der innere Planet mit der Bezeichnung »Kepler-47b« besitzt eine Umlaufzeit von 49 Tagen. Aufgrund der Nähe zu den beiden Sonnen ist der Planet, der dreimal so groß wie die Erde ist, wahrscheinlich sengend heiß und unbewohnbar. Der zweite, äußere Planet, »Kepler-47d«, umkreist die beiden Sonnen mit einer Umlaufzeit von 303 Tagen in einem Entfernungsbereich, der zumindest prinzipiell bewohnbar ist und das Vorhandensein von Wasser ermöglicht. Es handelt sich vermutlich um einen Gasgiganten von der Größe des Uranus, aber nach Ansicht von Wissenschaftlern sei eventuell auf seinen Monden Leben möglich.
Und selbst wenn das nicht der Fall wäre, existieren allein in unserer Galaxis noch Milliarden weiterer Doppelsternsysteme. »Ich empfinde dieses Potenzial der Bewohnbarkeit von Doppelsternsystemen [mit einem oder sogar mehreren Planeten] als ungeheuer aufregend«, erklärte William Welsh von der Universität San Diego, einer der Mitautoren der Science-Studie.
Quelle: Russia Today
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