Friday, 26. August 2016
16.02.2014
 
 

US-militärische Forschungseinrichtung drängt weiter auf Entwicklung implantierbarer Gehirn-»Chips«

Steve Watson

Die Forschungs- und Entwicklungseinrichtung der amerikanischen Streitkräfte, die Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA), arbeitet weiterhin an der Entwicklung implantierbarer Gehirnchips, wie aus Dokumenten hervorgeht, die im Rahmen der neuen »Transparenz«-Politik der Behörde veröffentlicht wurden.

Dabei geht es der Behörde um die Entwicklung eines tragbaren, drahtlosen Geräts, zu dem »implantierbare Sonden« gehören, mit denen Gehirnaktivitäten aufgezeichnet und angeregt werden können – mit anderen Worten: eine Erinnerungen auslösende oder wiederherstellende »Black Box«. Im Rahmen des Projekts sollen auch Drähte unter dem Schädeldach im Gehirn eingepflanzt werden, die dann über einen Sender, der im Brustraum unter der Haut befestigt werden soll, elektrische Impulse abgeben.

Als erstes berichtete Bloomberg in der letzten Woche über dieses Vorhaben. Später griffen dann einige Technikblogs das Thema auf. Sie bezeichneten diesen technologischen Vorstoß als Teil eines Projekts, mit dem verwundeten Soldaten geholfen werden soll, sowie als Teil der Bemühungen der Regierung Obama, Behandlungsmethoden für Hirnfunktionsstörungen wie etwa die Alzheimer-Erkrankung zu entwickeln.

 

In Wirklichkeit wird an diesem Projekt bereits seit einigen Jahrzehnten gearbeitet. Und angesichts der führenden Beteiligung der Kriegsmaschinerie des Pentagons mit einem Zuschuss von 70 Mio. Dollar muss man sich schon ernsthaft die Frage stellen, warum sich das Verteidigungsministerium auf einmal so um im Krieg verwundete und traumatisierte Soldaten, ganz zu schweigen von ganz normalen Amerikanern mit Hirnfunktionsstörungen, kümmern will.

Den vorliegenden Dokumenten ist zu entnehmen, dass es weniger darum geht, allgemeine Erinnerungsverluste rückgängig zu machen, als darum, bestimmte »aufgabenorientierte motorische Fähigkeiten« wie Autofahren, die Bedienung von Maschinen, das Binden von Schnürsenkeln oder die Steuerung von Flugzeugen wiederherzustellen. Darüber hinaus könnte das Projekt dazu beitragen, den Gedächtnisverlust im Zusammenhang mit traumatischen Erlebnissen rückgängig zu machen.

 

Derartige Erinnerungsverluste aufgrund traumatischer Erfahrungen geschehen nicht ohne Grund. Und mit einem gewissen zeitlichen Abstand kann ein Mensch auch langsam wieder in ein »normales«, selbstbestimmtes Leben zurückfinden. Man fragt sich schon, wenn man von der Beschreibung des Vorhabens ausgeht, ob die Gehirnimplantate der DARPA nicht eher dazu dienen sollen, verwundete oder seelisch angeschlagene Soldaten wieder »zusammenzuflicken«, um sie dann zurück an die Front zu schicken, als wären sie Roboter mit einer Funktionsstörung.

 

Und hier ergeben sich auch Zusammenhänge zu dem so genannten »transhumanistischen Projekt«, das bei der DARPA für helle Begeisterung sorgt. Vor knapp einem Jahr wurde enthüllt, dass eine DARPA-Arbeitsgruppe eine Maschine konstruiert hat, die wie ein menschliches Gehirn funktionieren soll und Roboter in die Lage versetzen würde, unabhängig zu denken und eigenständig zu handeln.

 

Schon seit Langem tauchen immer wieder Berichte auf, nach denen die DARPA an der Entwicklung von Technologien arbeitet, die es den Militärführern buchstäblich ermöglichen würden, die Gehirne von Soldaten zu kontrollieren und in ihnen einen unbedingten Kampfeswillen hervorzubringen. In einem Bericht aus dem Jahr 2008 erläutert das Militär diese Initiative ausführlich. Gedacht wurde in diesem Zusammenhang auch an die Entwicklung möglicher Waffensysteme wie etwa »pharmakologischer Landminen«, bei deren Explosion chemische Substanzen freigesetzt würden, die die feindlichen Soldaten kampfunfähig machen würden, oder Foltertechniken, zu denen es auch gehörte, das Gehirn von Terrorverdächtigen mit Stromstößen zu »behandeln«.

Dieser Bericht mit dem verheißungsvollen Titel »Sich abzeichnende Fortschritte der kognitiven Neurowissenschaften und damit verbundene Technologien« (Emerging Cognitive Neuroscience and Related Technologies), über den das Internetportal Wired und die britische Tageszeitung The Guardian berichteten, wurde vom Militärgeheimdienst Defense Intelligence Agency, der dem Verteidigungsministerium unterstellt ist, in Auftrag gegeben.

 

Er enthält wissenschaftliche Forschungsbeiträge zur Arbeitsweise des menschlichen Geistes und Vorschläge für die Entwicklung neuer Kriegsführungstechnologien, die auf den in dem Bericht vorgelegten Ergebnissen aufbauen könnten.

 

In dem Kapitel, in dem es um Bewusstseinskontrolle geht, heißt es in dem Bericht:

»Wenn wir das Gehirn verändern können, warum es nicht auch kontrollieren? ... Eine mögliche Anwendung zielt darauf ab, bei Soldaten Kampfeswillen hervorzubringen. Umgekehrt stellt sich die Frage, können wir nicht auch den Kampfeswillen unserer Feinde lähmen? … Wie können wir Menschen dazu bringen, uns mehr zu vertrauen? Und was wäre, wenn es uns gelänge, dem Gehirn dabei zu helfen, Furcht oder Schmerz zu verdrängen? Gibt es Möglichkeiten, die Feinde dazu zu bringen, unseren Befehlen zu gehorchen?«

Und könnten nicht auch Drogen dazu eingesetzt werden, »abnormale, krankhafte oder gestörte psychische Zustände« herbeizuführen, fragt der Bericht und mutmaßt, dass auch Gehirnscanner entwickelt werden könnten, mit deren Hilfe man die Absichten oder die Erinnerungen von Soldaten erfassen könnte.

 

Die Anwendung solcher Technologien zur Untersuchung des menschlichen Geistes auch bei Zivilisten wird nicht ausgeschlossen. So heißt es: »In Situationen, in denen es wichtig ist, die Herzen und den Verstand der lokalen Bevölkerung zu gewinnen, wäre es sinnvoll, feststellen zu können, ob sie die ihnen gegebenen Informationen auch verstanden hat.«

 

Der Bericht deutet auch an, dass diese Technologie möglicherweise eines Tages auch in den Bereichen Terrorabwehr und Verbrechensbekämpfung eingesetzt werden und sich als »gut genug erweisen könnte, dazu beizutragen, Menschen an Kontrollstellen zu erkennen oder festzustellen, wer Angst oder Unruhe empfindet«.

 

Das Vermögen, Gehirnaktivitäten »aufzeichnen« zu können, gehört seit Langem zu den Errungenschaften, die sich die DARPA unbedingt aneignen will. Die Konzepte erscheinen vielleicht völlig haarsträubend, stehen aber seit einiger Zeit im allgemeinen Zentrum der DARPA-Aktivitäten, wie etwa das Projekt LifeLog zeigt, bei dem eine multimediale digitale Erfassung und Aufzeichnung aller Aktivitäten einer Person, alles dessen also, was sie sagt, hört, liest und berührt, sowie ihrer Aufenthaltsorte angestrebt wird.

 

Das Magazin Wired berichtete in diesem Zusammenhang:

»Auf den ersten Blick erscheint dieses Vorhaben nur das jüngste einer ganzen Reihe von DARPA-Forschungsvorhaben zu sein, bei denen neue und vielversprechende Ideen ausprobiert werden, die man aber später nicht weiter verfolgt, weil sie sich als Irrweg erwiesen. Aber gegenwärtig fragt DARPA bei der Wirtschaft und Universitäten nach Forschungsvorschlägen nach, um LifeLog voranzubringen.«

Aber, Wired weiter, »viele Experten für nationale Sicherheit und Bürgerrechte wollen wissen, warum das Verteidigungsministerium ein solches Vorhaben umsetzen will?«. Die Antwort liegt in dem erklärten Ziel des amerikanischen Militärs: »Total Spectrum Dominance« – d.h. »völlige Überlegenheit auf allen Ebenen«.

 

Beteuerungen, die Neurotechnologie werde niemals in der Lage sein, die kognitiven Fähigkeiten eines Menschen zu beherrschen, lassen sich kaum etwa mit dem DARPA-Vorhaben »Schnittstelle Gehirn-Maschine« (»Brain Machine Interface«) in Einklang bringen. Über dieses mit 24 Millionen finanzierte Projekt berichtete der Boston Globe am 5. August 2003. Im Rahmen dieses Projekts sollen verheißungsvolle Technologien entwickelt werden, die in der Lage sein sollen, »Gedanken direkt aus einem lebenden Gehirn herauszulesen und sogar Gedanken anzuregen. Es bedarf keiner großen Vorstellungskraft, um in solchen Entwicklungen die Anfänge einer Matrix-ähnlichen Cyberpunk-Dystopie zu erkennen: Chips, die falsche Erinnerungen einpflanzen; Maschinen, die per Gehirnscan nach abweichenden Gedanken suchen; Sicherheitskräfte der Regierung, die mit erweiterten kognitiven Fähigkeiten ausgestattet sind und einer widerspenstigen Bevölkerung eine rücksichtslose Ordnung aufzwingen«, schrieb der Globe.


Von der Regierung finanzierte Fortschritte der Neurotechnologien, bei denen es im Kern darum geht, die Fähigkeit zu entwickeln, die Gedanken und Empfindungen der Menschen »lesen« zu können, sollten die Alarmglocken klingeln lassen. Darüber hinaus ist gut dokumentiert, dass das Militär und die Bundesregierung sich bereits seit Jahrzehnten wenn auch stümperhaft mit Experimenten in den Bereichen Gedankenkontrolle und -manipulation versuchen.

 

Gehirnimplantate sind furchteinflößende Vorschläge, und eine solche Perspektive aus dem Krieg zurückgekehrten Soldaten und insbesondere auch der breiten Bevölkerung schmackhaft zu machen, dürfte nicht leicht sein. Aus diesem Grund hat ein früherer DARPA-Direktor und jetziges Google-Vorstandsmitglied auch schon an der Entwicklung essbarer Mikrochips und elektronischer Tätowierungen gearbeitet.

 

Transhumanismus liegt also voll im Trend.

 

 

 


 

 

 

 

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

Nervenimplantate: Die bionische Handprothese mit Tastsinn

Andreas von Rétyi

Am 5. Februar berichtete eine internationale Forschergruppe von einer sensationellen Operation, ausgeführt im römischen Gemelli-Krankenhaus. Dort wurden einem 36-jährigen Dänen mehrere Elektroden implantiert, um eine bionische Hand nicht nur mittels direkter Hirnimpulse zu steuern, sondern auch einen bereits weitgehend natürlichen Tastsinn zu  mehr …

Boten eines neuen Zeitalters: Maschinenmenschen auf dem Vormarsch

Andreas von Rétyi

Was wie Utopie klingt, ist bereits Realität. Nur schleicht sie sich eher langsam in unser Zeitalter ein, fällt in der technologischen Vielfalt und mitten in der Reizüberflutung kaum als revolutionär auf: Biologische und kybernetische Systeme werden an der vordersten Front der Forschung mehr und mehr miteinander verschmolzen. Zunächst scheint das  mehr …

Skynet im Anmarsch: Google kauft 512-Qubit-Quantencomputer, NSA-Überwachung soll an KI-Maschinen übergeben werden

Mike Adams

Die meisten Menschen wissen gar nicht, dass es Quantencomputer gibt. Fast niemand versteht, wie sie arbeiten, aber unter den vorgebrachten Theorien finden sich bizarr klingende Erklärungen wie: »Sie greifen auf Paralleluniversen zurück, um die richtige Antwort auf höchst komplizierte Rechenaufgaben abzuleiten.«  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Beste Eiche für die Leiche? Ruhe sanft, aber billig!

Andreas von Rétyi

Unser Wertesystem verändert sich rasend schnell. Das merkt man vor allem an der »Bestattungskultur«. In der Spaßgesellschaft muss der Tod jetzt billig sein. Die schnelle Entsorgung der Angehörigen verdrängt den würdigen Abschied.  mehr …

Korruptionsskandal um zwei britische Generäle

F. William Engdahl

Ein großer Skandal erhitzt die Gemüter in Großbritannien, nachdem bekannt wurde, dass zwei Generäle kurz nach ihrem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst für wichtige Vertragspartner des Verteidigungsministeriums arbeiten und damit Einfluss auf die Politik nehmen. Der Vorfall wirft ein Licht darauf, dass systematische Einflussnahme und Missbrauch des  mehr …

50 Jahre alte Fakten zur Dresdner Bombennacht

Redaktion

Dresden im Bombenhagel. Am 13. Februar, also am Donnerstag, jährte sich dieses schreckliche Ereignis zum 69. Mal. Die öffentlichen Medien berichteten von Demonstrationen, Zeitungen schrieben wenige Zeilen. Wer etwas weiter in den Unterlagen stöbert, wird selbst im Mainstream allerdings Hinweise darauf finden, dass alles noch dramatischer ist als  mehr …

Einfach nur atmen – die uralte Praxis des Pranayama kann Ihnen helfen, den Körper zu entgiften, überschüssige Pfunde loszuwerden und die allgemeine Lebenskraft zu stärken

Carolanne Wright

Vergessen Sie die Entgiftungspillen, das Fasten und all die anderen unangenehmen Reinigungstechniken – lernen Sie stattdessen von den indischen Yogis und achten Sie auf den Atem. Durch Yoga-Atemtechniken können wir den Körper mühelos entgiften, Fett verbrennen und den Stoffwechsel ankurbeln. Allein dadurch, dass wir mehr Sauerstoff aufnehmen,  mehr …

Werbung

Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.