Sunday, 28. August 2016
08.09.2010
 
 

Als roter Regen über Indien fiel – Was geschah im Juli 2001?

Andreas von Rétyi

Nur wenige Monate, bevor eine gigantische, vorwiegend hausgemachte Terrorkatastrophe über die USA hereinbrach und unsere Welt für immer verändern sollte, trug sich Tausende von Kilometern entfernt ein Ereignis zu, das in früheren Zeiten wohl unweigerlich als böses Omen gedeutet worden wäre: Im Sommer 2001 begann der Himmel über weiten Teilen Indiens blutrot zu leuchten. Bald folgten Regenfälle, deren Wasser ebenfalls eigenartig gefärbt war. Zeigten sich hier wirklich Vorboten nahenden Unheils? Wohl weniger. Doch moderne Analysen lieferten nicht minder verwirrende und rätselhafte Ergebnisse. Der Physiker Godfrey Louis untersuchte damals die Wasserproben und entwickelte in den vergangenen Jahren eine ziemlich ungewöhnliche Theorie.

An ein vergleichbares Phänomen konnte sich niemand erinnern. Unzählige Menschen meldeten ihre Sichtungen, die großen Tageszeitungen des Landes berichteten von der Veränderung über Indiens Himmel. Damals, im Juli 2001, druckte das Blatt The Hindu etliche Schilderungen verwunderter Augenzeugen ab, die von rotem, gelbem, schwarzen und auch grünem Regen berichtet hatten, einem Regen, der aus ungewöhnlich gefärbten Wolken vom Himmel gefallen sei. Nun sind derlei Veränderungen an sich nicht wirklich etwas Ungewöhnliches oder Geheimnisvolles. Nach Vulkanausbrüchen ist die Atmosphäre voller Russ und Asche. Bei totalen Mondfinsternissen zeigt sich der Mond daher tief kupferrot oder wird im Erdschatten sogar völlig unsichtbar, obwohl normalerweise selbst die komplett verdeckten Bereiche sonst noch von einigen, durch unsere irdische Lufthülle abgelenkten Sonnenstrahlen getroffen werden. Auch Staubstürme, die Sand aus den Wüstengebieten mittragen, sorgen immer wieder für rötliche Lichteffekte, ungewöhnliche Sonnenuntergänge und »blutigen« Regen. Hier in Deutschland dürften wir dann überall Sahara-Sand wegwischen, der aus großer Ferne zu uns herüber getragen wurde.

Nicht viel mehr schien sich auch hinter dem indischen »Blutregen« zu verbergen.

Dann aber kam der Physiker Dr. Godfrey Louis und plötzlich sah alles wieder anders aus. Er nahm Proben des besonderen Regenwassers und untersuchte sie unter dem Mikroskop. Dabei stieß er auf zellenartige Strukturen, die Mikroben ähneln. Fünf Jahre befasste er sich mit der Untersuchung dieser seltsamen Spuren. Dann veröffentlichte er seine Schlussfolgerungen. Demnach war der rote Regen das Ergebnis einer Kometenexplosion knapp oberhalb der Erde, ähnlich wie das Tunguska-Ereignis aus dem Jahr 1908. Damals explodierte ein bis heute nicht identifizierter Himmelskörper in der irdischen Hochatmosphäre. Die Detonation scheint in mehreren Kilometer Höhe erfolgt zu sein und entfachte einen Feuersturm über jener Region, dem einsamen sibirischen Waldland beim Tunguska-Fluss. Bis heute bleiben hier ungeklärte Fragen bestehen.

Beim Regen von 2001 gab es keinen Feuerball, keine Verwüstungen und auch keine Spuren eines kosmischen Phänomens. Oder doch? Zumindest Dr. Louis ist überzeugt davon, dass die zellartigen Strukturen den entscheidenden Hinweis auf einen nicht-irdischen Ursprung des blutroten Regens liefern. Nach der ersten Publikation vergingen weitere vier Jahre intensiver Forschungen und Diskussionen. Jetzt veröffentlichte der Physiker neue Erkenntnisse und ergänzt seine Kometentheorie. Seine Gedanken, die er mit Unterstützung seines britischen Kollegen Chandra Wickramasinghe entwickelte, klingen wahrhaft erstaunlich. Die aufgefundenen Zellen seien allem Irdischen völlig unähnlich und stammten aus einer Materiewolke, die ihren Ursprung im berühmten Red-Rectangle-Nebel nahm, der auch vom Hubble-Weltraumteleskop als eines der wohl faszinierendsten kosmischen Gebilde fotografiert wurde. Von hier stammen auch die mikrobenartigen Strukturen, so vermutet das Forscherduo. Das klingt allerdings schon ziemlich verrückt! Denn immerhin ist dieser galaktische Nebel rund 2300 Lichtjahre von uns entfernt. Alles andere als ein Pappenstil!

Die beiden Forscher betonen auch, dass ihre Ergebnisse einen entsprechenden Zusammenhang zwar nahe legen, jedoch nicht belegen könnten. Zumindest aber zeige das Fluoreszenzverhalten der Zellen unter UV-Licht eine bemerkenswerte Ähnlichkeit mit der roten Emission des planetarischen Nebels.

Vor allem aber die Eigenschaften der Zellstrukturen selbst erscheinen Louis und Wickramasinghe mehr als erstaunlich. Diese »Zellen« sind bei Raumtemperatur völlig träge, da tut sich nicht viel. Ganz anders, wenn sie erhitzt werden. Und erst bei 121 Grad Celsius beginnen sie dann damit, sich zu reproduzieren! 121 Grad, das ist aufs Grad genau die Temperatur, bei der Nährsubstanzen für Bakterienkulturen sterilisiert werden. Nur bei Prionen, jenen Proteinen mit einer pathogen wirkenden und demnach gesundheitsgefährdenden Struktur, wird zur Sterilisation auf 134° C aufgedreht. Die beiden Wissenschaftler ließen die Hitze allerdings noch andauernder einwirken. Statt der für die Prionen üblichen Stunde kochten sie die Proben doppelt so lange. Doch innerhalb der Mutterzellen entwickelten sich trotzdem Tochtergebilde. Eine echte Reproduktion? Leben?

Das wäre in der Tat eine Sensation. Zwar können einige Lebensformen derartigen Temperaturen widerstehen, doch beginnen sie dann nicht, sich zu vermehren. Normalerweise aber gehört zu jedem Organismus auch eine Erbsubstanz. Die Zellen des roten Regens jedoch enthalten keine DNA. Worum kann es sich dann handeln? Eine endgültige Antwort darauf scheint noch nicht zu existieren. Etliche Forscherkollegen zeigen größeres Interesse an dem sehr eigenartigen Fund. Die Grundthese, es könne sich um außerirdische Lebenskeime handeln, lehnen die meisten unter ihnen ab.

Prof. Wickramasinghe gilt seit vielen Jahren als einer der größten Befürworter der heftig umstrittenen Theorie, alles irdische Leben könne einst aus dem Weltraum auf die Erde gefallen sein. Zusammen mit dem unkonventionellen Forschergenie Prof. Fred Hoyle ging er auch der Frage nach, inwieweit Mikroben noch heute aus dem All niedergehen und ob die großen, die echten Pandemien, durch stets neue, eben nicht-irdische Mikroorganismen ausgelöst wurden. Selbst in Zeiten vor dem Interkontinentalflug, der zu einer sehr schnellen globalen Verbreitung von Keimen führen kann, traten entsprechende Erkrankungen weltweit beinahe zeitgleich auf. Aus solchen und zahlreichen ähnlichen Beobachtungen entwickelten Hoyle und Wickramasinghe eine immer umfangreichere Theorie. In der etablierten Forschung stießen sie mit diesen Gedanken sowie ihrer Idee einer vielleicht sogar von Fremdintelligenz gelenkten »Panspermie« nicht gerade auf Gegenliebe und galten als echte Außenseiter der Wissenschaft – auch heute noch, wo klar ist, dass bestimmte Lebensformen sogar im All dauerhaft überleben können. Es wird wohl noch einige Zeit verstreichen müssen, bis sich die eigentlich zuständige Fachwelt solchen Gedanken ausreichend öffnet, um sämtliche Möglichkeiten und Szenarien sinnvoll weiter erforschen zu können.

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