Asteroid rast an Erde vorbei
Andreas von Rétyi
Am 29. Januar näherte sich ein größerer Asteroid der Erde und zog in selten geringem Abstand an ihr vorbei. Das am 11. Oktober 2007 mit Hilfe der Catalina-Himmelsdurchmusterung der NASA aufgespürte Objekt mit der nüchternen Bezeichnung 2007 TU24 erreicht ungefähr 250 Meter im Durchmesser.
Es geschah am helllichten Tage – am Vormittag des 29. Januar 2008, gegen 9.33 Uhr mitteleuropäischer Zeit, raste ein beachtlicher Asteroid an unserem Planeten vorbei. Er kam dabei auf weniger als 1,5-fache Monddistanz an die Erde heran, für astronomische Verhältnisse schon eine sehr knappe Begegnung. Zum letzten Mal rückte ein Kleinplanet der Erde im September 1985 ähnlich nahe auf den Pelz. Und erst im Jahr 2027 wird es wieder soweit sein, wenn nicht aus dem Dunkel des Raumes ein unbekanntes Objekt auftaucht.

Seit dem 23. Januar verfolgen Astronomen den Asteroiden 2007 TU24 mithilfe der 70-Meter-Parabolantenne des NASA Deep Space Network in Goldstone, Kalifornien. Niemand ging von einer Kollision mit der Erde aus, doch hat in den letzten Jahren die Überwachung erdnaher Asteroiden ganz allgemein einen höheren Stellenwert in der Astronomie erreicht. So nimmt auch die Zahl der Entdeckungen zu. Rein statistisch stößt unser Planet etwa alle 250.000 Jahre mit einem Kilometer-Brocken aus dem All zusammen. Ein solcher Zusammenstoß erfolgt am Ort des Aufpralls mit alles vernichtender Gewalt.
Als vor knapp 15 Millionen Jahren ein solches Objekt dort niederging, wo heute schwäbische und fränkische Alb angrenzen, herrschte im Zentrum des weiten Explosionskraters die fünf- bis sechsfache Oberflächentemperatur der Sonne. Das ausgesprengte Loch war zunächst drei Kilometer tief; eine unvorstellbare Druckwelle fegte über das Land, und zwischen Alpen und Norddeutschland war alles höhere Leben mit einem Schlag vernichtet.
Noch heute sind zahlreiche Spuren in der Landschaft zu finden, auch der Krater selbst ist trotz starker Verwitterung an einigen Stellen noch gut zu sehen. In der Mitte der 23 Kilometer weiten, fast kreisförmigen Senke liegt die schöne Stadt Nördlingen, und nach ihr ist auch der alte Einschlagskrater benannt: das Nördlinger Ries. Rein statistisch gesehen wäre sogar ein neuer Impakt dieser Klasse bereits überfällig. Gerade in unserer Zeit und einer immer dichter besiedelten Welt sind Fahndungs- und Abwehrprogramme gegen solche Bedrohungen aus dem All immer wichtiger. Das hat letztlich auch der Asteroid 2007 TU24 gezeigt. Bei einem Zusammenstoß hätte er ein Energieäquivalent von 1500 Megatonnen TNT freigesetzt und einen Krater von rund fünf Kilometer Durchmesser in den Boden gesprengt. Ein Absturz ins Meer hätte gewaltige Tsunamis erzeugt. 2007 TU24 stellt allerdings in der nächsten Zeit glücklicherweise kein Problem für die Erde dar. In den kommenden 2000 Jahren wird er nicht mehr so nahe an uns herankommen.
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