Monday, 29. August 2016
13.03.2014
 
 

Offiziell bestätigt: Menschliche Aktivität löst Erdbeben aus

Andreas von Rétyi

Fachleute der wichtigsten geologischen US-Behörde haben vor wenigen Tagen bestätigt, dass Erdbeben sogar bereits durch relativ geringfügige künstliche Eingriffe ausgelöst werden können. Die Geologen erklären jetzt: Ein Beben, das sich 2011 in Oklahoma ereignete, entstand durch injiziertes Abwasser. Die verbreitete Praxis konventioneller Ölbohrungen und insbesondere Hydrofracking stehen schon lange unter verschärftem Verdacht, selbst größere Erdstöße auslösen zu können. Seismologen warnen vor den Gefahren.

Am späten Abend des 5. November 2011 begann in Prague im US-Bundesstaat Oklahoma die Erde zu beben. Die Erschütterungen erreichten die Stärke 5,6 und verursachten teils größere Schäden an Gebäuden und Straßen. Asphalt wölbte sich, Fensterglas klirrte, an einem Haus stürzte der Kamin ein. Auch das Gebäude der Shawnee State University erlitt Schäden. Die

Erdstöße lösten das größte Beben aus, das je in Oklahoma verzeichnet wurde. Weitere Nachbeben folgten.

 

Geologen stellten schnell einen Zusammenhang zur Wilzetta-Falte her, einer Faltungszone von insgesamt fast 200 Kilometern Länge. Allerdings kamen bald auch Verdachtsmomente zum eigentlichen Verursacher auf. Schon im Januar 2011 hatte es eine Reihe schwächerer Erdbeben gegeben, deren Entstehung teils dem Fracking als künstlichem Aufbrechen von Tiefengestein bei der Ölgewinnung zugeschrieben wurde.

 

In einer aktuellen Pressemeldung des US Geological Survey (USGS), der federführenden amerikanischen Geologie- und Kartografiebehörde, bestätigen Experten: Menschliche Aktivitäten verursachen tatsächlich Erdbeben. Im Bestreben, die letzten konventionellen Reserven an Erdöl und -gas anzuzapfen, kommen immer riskantere Methoden zum Einsatz. In aller Regel wiegeln Betreiber wie Behörden gerne ab und beteuern die Harmlosigkeit ihres Tuns.

 

Doch die Fakten sehen anders aus. So wurde nun auch nachgewiesen, dass das Erdbeben, das im Jahr 2011 die Stadt Prague im US-Bundesstaat Oklahoma heimsuchte und die Stärke 5,7 erreichte, auf künstliche Eingriffe zurückzuführen war.

 

Heute finden zahlreiche Manipulationen der Erdkruste statt, vor allem im wirtschaftlichen Interesse, einmal ganz abgesehen von verdeckten Militäroperationen oder wissenschaftlichen Projekten. Die Geothermie entwickelte sich zu einem wesentlichen Zweig der Energiegewinnung, um die innere Wärme unseres Planeten effektiv anzuzapfen.

 

Doch die Verfahren hierzu erfordern einigen Aufwand und gehen mit zuweilen bedenklichen Eingriffen in tieferen Schichten einher. Natürlich bietet sich förmlich an, den internen Speicherofen der Erde zu nutzen. Eine große Zahl schwedischer Haushalte wird bereits auf diesem Weg versorgt, und Island bezieht mehr als die Hälfte seiner Energie aus Geothermie. Nur gibt es eben verschiedene Reservoirs der Erdwärme, wobei die Unterschiede entscheidend sind.

 

Die direkt unter der Oberfläche liegenden »Heizkissen« stellen kein sonderliches Problem dar. Ihre Energie wird mit Wärmepumpen gefördert und einer direkten Nutzung zugeführt. Tiefenwasser gelangt mit verschiedenen Methoden ans Licht. Schließlich gibt es noch heißes, trockenes Gestein, dessen Energie über einen Wärmeträger aufgenommen und transportiert wird. Wasser oder auch Kohlendioxid wird in die Tiefe geleitet, erhitzt sich dort und steigt wieder in die Höhe. Um schlecht durchlässiges Gestein porös werden zu lassen und Zugang zu tiefen Reservoirs zu erhalten, erzeugen die Geo-Ingenieure künstliche Risse, indem sie für extrem hohen Druck in solchen Schichten sorgen.

 

Genau dieses hydrothermale Aufbrechen, eben das Fracking mittels Wasser und Dampf hat es in sich: Die Erdkruste wird so stark belastet, dass während solcher Stimulationsphasen bereits vielfach Erdstöße auftraten. Das hält Betreiber zwar keineswegs davon ab, weiterzumachen. Doch muss es wohl einen Grund gehabt haben, dass das Projekt Deep Heat Mining Basel nach einer ganzen Serie von Erdstößen im Jahr 2006 dann schließlich eingestellt wurde. Es gibt viele weitere Beispiele für deutliche geologische Veränderungen durch ähnliche Unternehmen.

 

Wie Geologen des USGS jetzt erklären, ging auch das größere Beben vom 5. November auf menschliche Aktivität zurück und wurde am Tag zuvor durch Einspritzung von Abwasser in einen Injektionsschacht ausgelöst. Diese vertikalen Röhren gelten weithin als umweltverträglichste Methode zur Entsorgung von Abwasser, das als Nebenprodukt von Fracking wie auch konventioneller Ölförderung anfällt. In den vergangenen Jahrzehnten sind in den Vereinigten Staaten enorm viele Anlagen zur Energieproduktion gebaut worden, was laut einem Artikel im Fachblatt Geology allein innerhalb der letzten vier Jahre einen elffachen Anstieg der Erdbebenrate in tektonisch ruhigen US-Regionen bewirkt habe – in Arkansas, Texas, Ohio und Colorado.

 

Das Beben von Prague, Oklahoma, folgte ziemlich direkt auf die Wasserinjektion, die lediglich 200 Meter entfernt von der Wilzetta-Zone durchgeführt wurde. Insgesamt aktivierte die Einspritzung drei verschiedene Stellen entlang dieses sensiblen Streifens. Forscher gehen davon aus, dass der erhöhte Druck, der erforderlich ist, um Wasser in die vormals mit Erdöl gefüllten Kavernen zu pressen, eine geologische Verwerfung regelrecht »springen« lässt. Das bestehende Kräftegleichgewicht verschiebt sich, es geht ein kräftiger Ruck durchs Gestein. »Setzt man die Falte einem Überdruck aus, wird die sie in Position haltende Last reduziert – und genau dann kommt es zum Beben«, so erläutert die Geophysikerin Heather Savage vom Lamont-Doherty-Erdobservatorium der Columbia-Universität, New York.

 

Einen entscheidenden Faktor betont dabei ihr Kollege Geoffrey Abers. Der Seismologe stellt klar heraus, dass relativ kleine Eingriffe zu unerwartet starken Beben führen können: »Das Risiko, dass Menschen selbst durch kleine Injektionsaktivitäten große Erdbeben auslösen können, ist wahrscheinlich höher als vermutet.« Es reichen geringfügige Verschiebungen völlig aus, um das labile Gleichgewicht zu stören. Mit erheblichen Konsequenzen. Das allerdings hat die Behörden in Oklahoma nicht dazu veranlasst, die Injektionen dort zu stoppen.

 

 

 


 

 

 

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