Monday, 25. July 2016
31.07.2010
 
 

Reinkarnation auf RTL

Armin Risi

Am Sonntag, 1. August (19.05) beginnt auf RTL die neue Staffel der Serie »Mein erstes Leben – Mich hat es schon einmal gegeben«. Die erste Sendung ist ein Prominenten-Spezial, denn erstmals ließen sich für RTL auch öffentlich bekannte Personen in ein früheres Leben zurückführen. Eine Schauspielerin sieht sich als Heilerin im 17. Jahrhundert – und sieht eine Hexenverbrennung. Ein bekannter TV-Mann erlebt sich in einer Situation von Zwang und Verrat in Venedig. Die historischen Angaben, die die Probanden unter Hypnose machen, werden von Historikern überprüft, und die Moderatorin Katja Burkhard reist mit den Probanden an die beschriebenen Orte. »Ein unglaubliches TV-Experiment«, heißt es im Trailer.

»Ist es nur ein Zufall oder doch Realität? Können in Trance versetzte Menschen wirklich von einem früheren Leben berichten? Darüber, wann, wo und wie sie einmal gelebt haben?« So lauten die Fragen auf der Website von RTL im Hinblick auf die neuen Folgen von »Mein erstes Leben«. Diese Fragen sollen soweit wie möglich wissenschaftlich beantwortet werden – durch eine akademisch anerkannte Rückführungsexpertin, durch historische Gutachten und durch Untersuchungen vor Ort.

 

Wissenschaftlicher Anspruch

Die Probanden sind bereit, sich vor laufender Kamera in Hypnose versetzen zu lassen. Bereits während der Rückführung sitzt ein Historiker mit im Raum und gibt erste Einschätzungen zum Wahrheitsgehalt und zur Glaubwürdigkeit der unter Trance gemachten Angaben. Zu diesen Angaben gehören Jahreszahlen, Details über historische Gegebenheiten und Ereignisse, Beschreibungen von Kleidern, Häusern, Landschaften usw.

Nach der Rückführung beginnen die meistens aufwendigen Detailüberprüfungen. Fand an dem genannten Ort in dem genannten Jahr eine Hexenverbrennung statt? Gibt es Akten zu diesem Hexenprozeß? Gibt es in Schottland an dem genannten Ort eine Burg? Stimmen die Trance-Angaben mit der Geschichte dieser Burg überein? usw. usf.

Die kritischen Historiker und Experten überprüfen jede einzelne Angabe der Probanden – »mit dem erstaunlichen Ergebnis, dass ihre Beschreibungen der Orte und damaligen Lebensumstände zum Teil zu einhundert Prozent mit historisch belegten Fakten übereinstimmen«, resümiert RTL.

Aber damit nicht genug. Die Probanden – oder »Protagonisten«, wie sie auch genannt werden – reisen mit der Moderatorin Katja Burkard zu den Orten, die sie in Trance gesehen und beschrieben haben. Die Emotionen vor Ort sind völlig unterschiedlich, aber immer intensiv: Freude, Wiedererkennen, Erschütterung. »Gänsehaut«, sagt der deutsche TV-Prominente bei seinem Besuch in Venedig.

Dass die Männer und Frauen, die sich auf dieses Experiment einlassen, an den beschriebenen Orten erschüttert sind oder sogar ein altes Trauma reaktivieren, gehört zum Risiko, denn diese Orte haben meistens auch direkt mit dem Tod im damaligen Leben zu tun – und die Leben endeten nicht selten gewaltsam. RTL: »Am Ende ihrer Reise sind jedoch alle sehr erleichtert, denn das tröstende Gefühl überwiegt, ›dass nach dem Tod nicht wirklich alles vorbei sein muss‹.«

 

Seriöse Rückführung

Durchgeführt werden die Trance-Rückführungen von der Schweizerin Ursula Demarmels (53), die an der Universität Salzburg Lehrbeauftragte für Entspannungs- und Hypnosetechniken ist. Sie ist auch Autorin des Buches »Wer war ich im Vorleben?« (3. Aufl. 2007)

»Noch vor 100 Jahren hätte man mich für meine Gabe auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Heute erhalte ich meine eigene TV-Sendung«, wird Ursula Demarmels von Blick im entsprechenden Online-Artikel zitiert (»Hypnotisch: Schweizerin bringt Stars im TV in die Vergangenheit«, 28. Juli 2010)

Sie hat europaweit mit über 1700 Menschen Trance-Rückführungen durchgeführt, darunter auch Sportler und Personen aus dem kirchlichen, gesellschaftlichen, politischen Umfeld.

Auch Katja Burkhard ist nach all den Sitzungen, die sie live mit erleben durfte, überzeugt, »dass unsere Expertin Ursula Demarmels nicht nur eine erfahrene, sondern auch eine absolut glaubwürdige Frau ist«, wie sie in ihrem RTL-Interview sagt.

»Ich selbst habe aber noch keine Rückführung gemacht, da ich als Moderatorin dem Thema weiterhin neutral begegnen möchte«, betont sie in ihrem Interview. »Als wir mit der Sendung angefangen haben, war ich absolut skeptisch. Doch nach dem, was wir inzwischen alles mit den Probanden erlebt haben, halte ich es durchaus für möglich, dass an dem Thema Reinkarnation mehr dran ist, als wir wissenschaftlich beweisen können.«

 

Folge 1: Prominenten-Spezial

Die beiden Prominenten, die sich für die erste Sendung einer Rückführung unterzogen, sind die Schauspielerin Xenia Seeberg und Casting-Direktor Rolfe Scheider, bekannt z.B. als Juror bei »Germany’s Next Topmodel« und zuletzt bei der RTL-Sendung »Let’s Dance«.

Die RTL-Website verrät vorab schon soviel, dass Xenia Seeberg als Heilerin im 17. Jahrhundert in Rothenburg gelebt hat – sie nennt sogar ihren Namen. Sie konnte bereits als junge Frau Menschen durch Handauflegen heilen, was ihr einen gewissen Bekanntheitsgrad gab, sie geriet dadurch aber auch in die Fängen der kirchlichen Inquisition. Xenia Seeberg beschreibt während der Rückführung mit starken Emotionen eine öffentliche Hexenverbrennung …

Auf eine andere Art aufwühlend ist auch das, was Rolfe Scheider in der Rückführung zu sehen bekommt. Seinen Beschreibungen gemäß lebte er in der Zeit um 1530 in Venedig als renommierter Glasmacher-Meister. Er nennt seinen Namen und beschreibt das historisch wenig bekannte, aber richtige Detail, dass die Glasmacher von Venedig damals auf der Insel Murano leben mussten, quasi als Gefangene, weil sie aufgrund des Berufsgeheimnisses die Insel nicht verlassen durften. Denn Venedigs Reichtum beruhte zu einem großen Teil auf der Glasherstellung. Rolfe Scheider erwähnt sogar einen geheimen »Rat der Zehn«, der die Glasmacher mit Spionen beobachtete und Flüchtlinge verfolgen und ermorden ließ. Rolfe als Glasmacher sehnt sich nach Freiheit, aber hat wegen dieses verbotenen Wunsches ein schlechtes Gewissen – und beichtet einem Priester …

»Diese Erfahrung war unglaublich, beängstigend und überwältigend zugleich. Ich habe mich genau in meinem früheren Leben wiedererkannt bis ins letzte Detail«, sagt Rolfe Scheider auf der RTL-Website.

Rolfe Scheider weiter (zitiert im oben erwähnten Artikel auf Blick-online): »Ich weiß nun, dass ich einst Glasbläser in Italien war. Seit ich das gemacht habe und die Historiker die von mir genannten Details bestätigten, glaube ich an ein Leben nach dem Tod.«

 

8. August (Folge 2): Drama im alten Schottland

Ab Folge 2 werden wieder, wie in den früheren Folgen, nichtprominente Menschen auf Reinkarnationsreise geschickt. Das »Drama im alten Schottland« erlebt eine 39-jährige verheiratete Krankenschwester aus Köln. Sie beschreibt, wie sie in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts an der Westküste von Schottland auf der Burg ihres Vaters aufwächst. Als sie heiratet, zieht ihr Ehemann zu ihr auf die Burg, aber ihre erste Tochter verunglückt mit eineinhalb Jahren tödlich. Sie stürzt in einen Abgrund. Die junge Mutter macht sich große Vorwürfe …

Die Historiker haben hier viele konkrete Angaben, die sich genau überprüfen lassen.

 

15. August (Folge 3): Liebesgeschichte einer Schankmaid

Die RTL-Ankündigungen erwähnen vorab jeweils nur eine Geschichte, obwohl in den Sendungen mehr als nur eine Rückführung dokumentiert wird. Was wir über Folge 3 erfahren, ist Folgendes: Eine Kölner Studentin sieht sich als bildhübsche, lebenslustige Schankmaid in der englischen Stadt Warwick im späten 15. Jahrhundert. Von ihr wird mehr als nur das Servieren von Getränken verlangt. Sie ist angewidert, will weg, aber der Wirt, der sich ebenfalls regelmäßig an ihr vergreift, will sie nicht gehen lassen. Dann verliebt sie sich in einen fahrenden Musikanten, und die Dinge überstürzen sich …

 

Ausblick: Beweis für Reinkarnation?

In ihrem RTL-Interview sagt Katja Burkard zum Erfolg dieser TV-Serie: »Die Frage: ›Was kommt nach dem Tod?‹ ist eine ganz zentrale Frage für viele Menschen. In ›Mein erstes Leben‹ berichten wir anschaulich darüber, dass Menschen schon einmal gelebt haben und wie ihr vorheriges Leben aussah. Das ist natürlich sehr spannend, zumal wir mit Hilfe von Experten auch fast alle genannten Fakten unserer Probanden rekonstruieren und belegen können.«

Lässt sich Reinkarnation überhaupt wissenschaftlich beweisen? Nein, denn die Beantwortung dieser Frage gehört nicht in den Bereich der Wissenschaft. Was wissenschaftlich möglich ist, wird in den RTL-Sendungen weitgehend ausgeschöpft, und diese Indizien weisen stark auf Reinkarnation hin. Die RTL-Experimente sind ja bei weitem nicht die ersten. Besonders bekannt sind die Arbeiten von Prof. Ian Stevenson, der sich hauptsächlich auf Kinder konzentrierte, die von früheren Leben berichteten. Auch er führte viele dieser Kinder zu den von ihnen beschriebenen Orten, und immer wieder zeigte es sich, dass die Kinder problemlos alle Personen aus ihrem letzten Leben erkannten, viele unbekannte Details berichteten und sich wie Ortskundige bewegten.

Was wären andere Erklärungen außer Reinkarnation? Vertreter des materialistischen Weltbildes sagen, Bewusstsein entstehe im Gehirn und könne nicht unabhängig vom Gehirn bestehen, weshalb sie diese Phänomene nur als Zufall oder als Halluzination bezeichnen können. Diese Erklärungsversuche sind aber bei vielen Fallbeispielen unzureichend und unglaubhaft. Gedankenübertragung und telepathische Wahrnehmungen kommen als Erklärungsversuche ebenfalls nicht in Frage, da diese Phänomene genauso wenig ins materialistische Weltbild passen.

Vertreter jener Religionen, die Reinkarnation per Dogma ablehnen, sagen, bei den Trance-Rückführungen würden teuflische Geister Täuschungen einspielen, um die Menschen zur Irrlehre der Reinkarnation zu verführen. Dies sagen sie auch bei den Kindern, die sich an frührere Leben erinnern können, was jedoch eine ziemlich absurde Behauptung ist, denn diese Kinder haben ihre Reinkarnationserinnerungen in ihrem normalem Tagesbewusstsein, also nicht in Trance, und sie verlieren diese Erinnerungen im Lauf der Jahre auf eine ganz natürliche Weise. Spätestens mit der Pubertät haben sie diese aktiven Erinnerungen nicht mehr. Wie auch aus der Bibel hervorgeht, verhalten sich »von bösen Geistern« besessene Menschen ganz anders, und diese »Geister« geben ihre Opfer nie freiwillig frei.

Die Sichtweise der Reinkarnation ist also ein ernstzunehmender Aspekt jenes Paradigmenwechsels, der in den abrahamitischen Religionen und in den Schulwissenschaften ein grundlegendes Umdenken auslösen könnte. Dies wiederum erfordert eine umfassende Erforschung der Faktoren Karma, Kausalität und freier Wille. Hier steht die akademische Welt im Westen in vielen Punkten noch in den Kinderschuhen, muss aber nicht bei Null anfangen, da viele Vordenker diesbezüglich bereits seit über zweihundert Jahren pionierhafte Arbeiten geleistet haben.

Da Reinkarnation auch in den RTL-Sendungen als die plausibelste Erklärung angenommen wird, müsste vielleicht der Titel der Serie geändert werden, denn dieses eine Leben, das die Probanden sehen, war dann bestimmt nicht ihr »erstes Leben«.

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