Bestimmen die Launen der Sonne Wetter und Klima ?
Edgar Gärtner
Aus der Überschrift der Pressemitteilung der Goethe-Universität Frankfurt vom 24. August 2011, 19 Uhr, über Forschungsergebnisse, an denen einer ihrer Professoren, Joachim Curtius vom Institut für Atmosphärenforschung, sowie einige ihrer Doktoranden maßgeblichen Anteil hatten, geht nicht hervor, dass sie eine Sensation verkündet. Warum die Abteilung Marketing und Kommunikation einer der 100 besten Universitäten der Welt diese Sensation verschämt im Innern der Pressemitteilung verbirgt, liegt auf der Hand: Die Forschungsergebnisse, von denen die Rede ist, rütteln am politischen Dogma der angeblich hauptsächlich vom Menschen verursachten Erderwärmung.

Anlass der genannten Pressemitteilung ist die Veröffentlichung erster Ergebnisse eines Experiments namens CLOUD (Cosmics Leaving Outdoor Droplets) am Europäischen Kernforschungszentrum CERN in Genf, über das wir kürzlich berichteten, im angesehenen britischen Wissenschaftsjournal nature. Der Artikel wurde schon vor fast einem Jahr zur Publikation eingereicht.
Neben dem schottischen Kernphysiker Jasper Kirkby und seinen Mitarbeitern am CERN spielte das Frankfurter Institut eine wichtige Rolle bei der Anlage des CLOUD-Experiments. Vordergründig ging
es dabei nicht primär um die Überprüfung der vom dänischen Astrophysiker Henrik Svensmark schon in den 90er Jahren publizierten Hypothese eines indirekten Einflusses der schwankenden Sonnenaktivität und der kosmischen Höhenstrahlung auf die Wolkenbildung und die Entwicklung der irdischen Durchschnittstemperatur. Vielmehr sollte das Experiment klären, wie Wolken überhaupt entstehen. Schon lange wissen die Meteorologen, dass eine hohe Luftfeuchtigkeit allein nicht ausreicht, um Wolken entstehen zu lassen. Es bedarf so genannter Kondensationskeime, an die sich so lange Wassermoleküle anlagern, bis sichtbare Tröpfchen entstehen. Bislang dachten die Wissenschaftler, dass dieser Prozess der Nukleation im Wesentlichen durch Schwefelsäure- und Ammoniakdämpfe ausgelöst wird. Doch mithilfe kontrollierter Veränderungen der Zusammensetzung der in einem vier Meter hohen Tank eingeschlossenen künstlichen Atmosphäre konnten die CLOUD-Forscher zeigen, dass die genannten Luftverunreinigungen alleine nicht für die Tröpfchenbildung ausreichen. Durch eine Simulation der kosmischen Strahlung mithilfe des großen Teilchenbeschleunigers des CERN wurde hingegen die Nukleation bis zum Zehnfachen verstärkt.
Allerdings entstanden dabei nur sehr kleine, wenige Nanometer große Tröpfchen. Ob diese sich zu sichtbaren Wolken weiter entwickeln können, konnten die Wissenschaftler am CERN noch nicht demonstrieren. Es ist durchaus möglich, dass daran noch weitere Faktoren beteiligt sind. Deshalb erlaubt das CLOUD-Experiment bis auf weiteres keine klare Aussage über den Hauptfaktor der Wolkenentstehung. Daher auch der sehr vorsichtige Ton des redaktionellen Kommentars zum CLOUD-Experiment in nature.
Henrik Svensmark gibt sich jedoch überzeugt davon, dass das CLOUD-Experiment am Ende seine Hypothese des Einflusses der Sonnenzyklen auf die Wolkenentstehung erhärten wird. Danach schirmt der bei starker Sonnenaktivität (sichtbar an der Zahl und der Größe der Sonnenflecken) besonders starke Sonnenwind (ein Strom von elektrisch geladenen Teilchen) die Erde gegen kosmische Strahlen ab. Schwächelt die Sonne jedoch, dann können die kosmischen Strahlen tief in die Atmosphäre eindringen und dort durch die elektrische Aufladung von Gasmolekülen
Kondensationskerne für die Wolkenbildung erzeugen. Schon eine geringe Zunahme der Wolkenbedeckung könnte zu einer spürbaren Abkühlung der Erde führen. Umgekehrt müsste eine Verstärkung der Sonnenaktivität, wie sie im 20. Jahrhundert beobachtet wurde, zur globalen Erwärmung führen. Es wäre nicht notwendig, für deren Erklärung einen hypothetischen Treibhauseffekt zu bemühen.
Selbst wenn sich diese Hypothese als nicht stichhaltig herausstellen sollte, machen die bisher durch das CLOUD-Experiment gewonnenen Erkenntnisse über die Wolkenbildung eine grundlegende Revision der Klimamodelle nötig, mit deren Hilfe der »Weltklimarat« IPCC die Entwicklung der irdischen Durchschnittstemperatur in den nächsten 100 Jahren abschätzt. Das unterstreicht auch Prof. Joachim Curtius von der Frankfurter Goethe-Universität: »Aufgrund dieser ersten Resultate von CLOUD ist nun klar, dass die Beschreibung der Aerosolnukleation in Atmosphären- und Klimamodellen revidiert werden muss.«
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