Thursday, 30. October 2014
15.10.2010
 
 

»Am Anfang war das Licht« – ein kontroverser Dokumentarfilm über Nahrungslosigkeit und neue Weltbilder

Armin Risi

Ein Dokumentarfilm sorgt für Furore. In Österreich und in der Schweiz läuft er seit dem 17. September in den Kinos, Filmstart in Deutschland ist der 28. Oktober. »Am Anfang war das Licht« zeigt Menschen aus aller Welt, die von sich sagen, dass sie ohne Nahrung leben – und das bereits seit Jahren oder gar Jahrzehnten.
Andere erklären, sie hätten dieses Experiment selbst für mehrere Monate oder Jahre ausgeführt, und sie hätten dabei erlebt, dass »Lichtnahrung« möglich sei. Fazit des Films: Diese Menschen sind keine Bluffer und Schwindler, wie die Kritiker behaupten; Phänomene wie die Nahrungslosigkeit sind Hinweise auf die höheren Dimensionen des Lebens jenseits der bloß physisch-materiellen Funktionen. Die Kritiker sagen, diese Schlussfolgerung sei »extrem einseitig und manipulativ«, der Großteil des Publikums hingegen sieht in diesem Film eine wertvolle Diskussionsanregung und einen wichtigen, ja bahnbrechenden Beitrag zum Paradigmenwechsel und zur Überwindung des materialistischen Weltbildes.

Der Film Am Anfang war das Licht ist der erste Dokumentarfilm des jungen österreichischen Filmemachers und ORF-Mitarbeiters Peter Arthur Straubinger (geb. 1970), produziert von »Allegro Film«, der Produktionsfirma, die auch die kritischen Dokumentarfilme We Feed the World und Let’s Make Money in die Kinos gebracht hat.

Der Film lief in Österreich mit einem solchen Erfolg an, dass nach dem ersten Wochenende 20 weitere Filmkopien eingesetzt werden mussten. Der Film läuft momentan in 51 Kinos. Auch nach vier Wochen ist dieser Film in Österreich auf Platz 5 bzw. 6 der Filmhitparade. Neben Michael Moores Film Fahrenheit 9/11 hat in Österreich bisher noch kein Dokumentarfilm einen solchen Erfolg gehabt. In Deutschland kommt der Film am 28. Oktober 2010 in die Kinos.

 

Wie der Filmemacher zu diesem Thema kam

Das Phänomen ist zeitlos wie revolutionär zugleich. Dass Menschen ohne Nahrung leben können, wurde durch die Jahrhunderte hindurch immer wieder berichtet. Bekannte Beispiele aus unseren Breitengraden sind »Bruder Klaus« (der Schweizer Nationalheilige Nikolaus von Flüe (1417–1487) und »Theres von Konnersreuth« (Therese Neumann, 1898–1962). Diese beiden Personen werden auch im Film erwähnt. Mit »Bruder Klaus« beginnt der Film, weil eine Fernsehdokumentation über diesen Heiligen in den 1990er-Jahren für P. A. Straubinger den ersten Kontakt mit dem Thema »Nahrungslosigkeit« darstellte. Damals vergaß er dieses Thema wieder, wurde aber einige Jahre später erneut damit konfrontiert, als er jemanden kennenlernte, der anscheinend seit über einem Jahr nichts mehr aß. Im Interview auf der offiziellen Website erzählt P.A. Straubinger:

»Als ich das erste Mal auf dieses Thema gestoßen bin, war ich noch überzeugter Agnostiker mit einem geschlossen mechanistisch-materialistischen Weltbild. […]
Später habe ich mich dann ein bisschen mit Yoga und Meditation beschäftigt und dabei den Meditationslehrer kennengelernt, den man auch im Film sieht. Und der hat mir, das war im Jahr 2000, sehr authentisch vermittelt, dass er seit über einem Jahr nichts isst und nur Wasser trinkt. […] Die naheliegende Antwort ist natürlich: Das ist alles Blödsinn, das sind ein paar esoterische Spinner, vergessen wir das wieder. Aber eben durch diesen persönlichen Kontakt gab es eine andere Triebkraft. Ich habe dann begonnen, mich privat damit zu beschäftigen.«

Während rund zehn Jahren untersuchte P. A. Straubinger das Thema Nahrungslosigkeit / Lichtnahrung und betrieb aufwendige Recherchen, die ihn um die Welt führten. Man kann ihm also nicht unterstellen, der Film sei ein Schnellschuss gewesen oder er habe sich nur oberflächlich mit dem Thema befasst. Hätte es sich herausgestellt, dass diese »nahrungslosen« Menschen in aller Welt Schwindler oder Selbstbetrüger sind, hätte er das Thema selbstverständlich fallen lassen. Aber anscheinend ist das Phänomen nicht so leicht vom Tisch zu wischen, wie das die Skeptiker und Kritiker gern hätten.

Ich will im Folgenden nicht einfach den Film zusammenfassen und alle Protagonisten einzeln vorstellen. Das wird auf der offiziellen Website hinlänglich getan. Ich möchte vielmehr auf die Kritikpunkte eingehen, die in den ersten Wochen nach dem Filmstart laut geworden sind, um zu fragen, wie fundiert diese Kritik ist und welche Schlussfolgerungen wir aus dem Phänomen und der Kritik ziehen können.

 

Sensation oder Betrug?

Wenn es stimmt, was in diesem Film gezeigt wird, nämlich dass es Menschen gibt, die seit Jahren oder sogar Jahrzehnten ohne Nahrung leben können, dann würde dadurch das materialistisch-wissenschaftliche Weltbild gesprengt. »Das ist ein Hammer«, sagt Prof. Dr. Anton Luger von der Medizinischen Universität Wien im Film, nachdem er sich die von P. A. Straubinger zusammengetragenen Filmdokumentationen angeschaut hat.

»Möglicherweise gibt es da etwas«, sagt auch Prof. Dr. Wolfgang Marktl (ebenfalls von der Medizinischen Universität Wien) gegen Schluss des Films, nachdem er sich am Anfang, als er diese Dokumentationen noch nicht gesehen hatte, völlig abweisend geäußert hatte. Prof. Marktls Öffnung gegenüber dem Thema wird auch schon im Film-Trailer gezeigt:

 

 

Aber nicht alle Wissenschaftler sind so offen für neue Perspektiven. Skeptiker schreiben polemische Rezensionen und laufen Sturm gegen diesen »esoterischen Propagandafilm«. Die selbst in die Kritik geratene Website esowatch veröffentlichte kurz nach dem Filmstart in Österreich eine komplett negative Abhandlung, ebenso der Science-Blog-Autor Ulrich Berger, der sogar einen offenen Brief an das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur, Abt. Jugendmedienkommission (JMK), sandte, weil diese Kommission dem Film eine Positivkennzeichnung (»Annehmbar als Diskussionsfilm ab 12 Jahren«) verliehen hat.

 

Berechtigte Warnungen

Nachdem der Film in Österreich derart erfolgreich angelaufen war und viele gute Kritiken bekommen hatte, wurde im ORF am 24. September in der Sendung konkret eine kurze, aber sehr kritische Sendung ausgestrahlt. In dieser Sendung kam zuerst Ulrich Berger zu Wort, der den Film »ein antiaufklärerisches Machwerk« nennt. Und er warnt: »Es sind mehrere Todesfälle dokumentiert. Wenn weitere Todesfälle auftreten sollten, dann trägt dieser Film sicher einen Teil der Verantwortung dafür.« Ebenso wird der Kabarettist Martin Puntigam von Science Busters interviewt. Er nennt Straubingers Film »einen esoterischen Propagandafilm«.

Im nachfolgenden kurzen Streitgespräch im Studio zwischen P. A. Straubinger und der Gesundheitspsychologin Beate Wimmer-Puchinger ging es um die Gefahren, die mit diesem Film verbunden sein könnten. Frau Wimmer-Puchinger befürchtet, dieser Film könnte Menschen, die darunter leiden, kein Idealgewicht zu haben, zu falschem Fasten animineren. Ebenso könnten magersüchtige junge Menschen in ihrer Ernährungsstörung bekräftigt werden.

P. A. Sraubinger betont demgegenüber zweimal, dass im Film rund ein Drittel der Zeit darauf verwendet wird, die Menschen zu warnen. »Wir sagen: Bitte nicht machen. Wir zeigen die Todesfälle, wir haben Experten, die sagen: Bitte nicht ausprobieren.«

Das Phänomen an sich – die Frage der Nahrungslosigkeit – wurde in dem kurzen Fernsehbeitrag nicht wirklich angesprochen. Der junge Filmemacher musste sogar große Vorwürfe entgegennehmen, dass er diesen Film überhaupt gemacht hat. Frau Wimmer-Puchinger sagt zum Schluss des Streitgesprächs: »Ich kann nicht begreifen, warum Sie das Thema aufgegriffen haben.«

Warum er dieses Thema aufgegriffen hat, ist jedoch nicht sehr schwer herauszufinden. P. A. Straubinger sagt im Interview auf der offiziellen Website deutlich:

»Bei AM ANFANG WAR DAS LICHT geht es definitiv nicht darum, Lichtnahrung zu propagieren oder jemandem zu sagen, er soll nichts oder weniger essen. Dass wir gesund essen sollen oder dass wir alle zu viel essen, das weiß sowieso jeder. Das ist nichts Neues.«

Er betont, dass es ihm nicht so sehr um das Phänomen an sich geht, sondern um das, was dieses Phänomen zeigen kann, nämlich »dass unser klassisches, mechanistisches, naturwissenschaftliches Weltbild unvollständig ist […], dass es nur einen Teil der Wirklichkeit erklärt«.

Im Film wird die Australierin Jasmuheen, die das Thema »Lichtnahrung« in den 1990er-Jahren bekanntgemacht hat, kritisch, aber nicht polemisch dargestellt. Es werden auch die Todesfälle beim falschen Fasten (im Rahmen des »Lichtnahrungsprozesses« nach Jasmuheen) zur Sprache gebracht. Der Bestsellerautor Dr. med. Rüdiger Dahlke, der selbst schon seit Jahren Fastenseminare leitet, warnt eindringlich vor einem Fasten ohne Trinken; beim Fasten würden Schadstoffe gelöst, die unbedingt mit Wasser ausgeführt werden müssen usw. Es wird auch gezeigt, wie ein junger Mann einen Selbstversuch startet, aber abbricht.

Der Film geht mit dem Thema verantwortungsvoll um und will tatsächlich in keiner Weise die »Lichtnahrung« als Esoterik-Trend propagieren. Es stellt sich deshalb die Frage, ob die Kritiker hier nur berechtigte Warnungen aussprechen oder ob es ihnen nicht vielmehr um die Verteidigung ihres Weltbildes geht.

 

Die Frage nach der Realität des Phänomens

Dass Bruder Klaus und Therese Neumann über viele Jahre hinweg praktisch nahrungslos gelebt haben, wird heute kaum mehr ernsthaft bestritten. Auch die vehementen Kritiker des »Licht«-Filmes erwähnen diese beiden Personen nicht. Aber nun erfahren wir aus dem Film, dass wir es hier nicht nur mit vereinzelten Personen der Vergangenheit zu tun haben, sondern mit einem aktuellen weltweiten Phänomen. In Indien und China gehört dieses Phänomen zur mystischen Tradition. Im Chinesischen existiert dazu sogar ein eigenes Standardwort: bigu, wörtlich »ohne Nahrung«.

P. A. Straubinger interviewte Expertinnen und Experten der chinesischen Medizin und des Chi-Gong und reiste sogar nach China in ein entlegenes Kloster, um dem Phänomen des Bigu nachzugehen. Der interviewte Abt macht ebenfalls klar, dass Bigu eine Ausnahmeerscheinung ist und ein entsprechendes Bewusstsein erfordert. Aber auch in Deutschland leben anscheinend Personen im Bigu-Zustand. Im Film wird die Chi-Gong-Meisterin Tian Ying vorgestellt, die in Berlin das Tian-Gong-Institut gegründet hat. Sie lebt seit 1993 im Bigu-Zustand, lebt also weitgehend ohne feste Nahrung. Nur wenn sie körperlich intensiv gefordert werde, esse sie manchmal vielleicht »etwas Obst«, wie sie im Film sagt. Auch Jasmuheen gibt zu, manchmal kleine Häppchen zu sich zu nehmen. Auch andere Menschen, die auf Nahrungslosigkeit umgestellt haben, nehmen ab und zu etwas zu sich. Diese Menschen deshalb sogleich als Betrüger zu bezeichnen, wie das die Kritiker tun, wird dem Phänomen nicht gerecht. Denn die Tatsache, dass die »Nichtesser« ab und zu auch etwas essen, zeigt, dass hier keine krankhafte Essensstörung vorliegt, auch keine Magersucht. Sie alle betonen, dass sie nicht fasten, sondern dass sie sich einfach auf eine andere, eben nichtphysische Weise ernähren. Von entscheidender Bedeutung, so wird immer wieder betont, ist die Lebensenergie, die Chi, Ki oder Prana genannt wird. Menschen auf Lichtnahrung werden deshalb manchmal auch »Pranier« genannt.

Weil »Pranier« nicht fasten und hungern, sind sie nicht mager und kränklich, sondern fit und gesund. Zinaida Baranova, eine Russin im Rentenalter, ist sogar ziemlich beleibt. Ihr Umfeld bestätigt ihre Nahrungslosigkeit, wie im Film zu sehen ist. Ulrich Berger hat aus der Ferne aber nur Spott übrig: »Wenn also in Straubingers Doku eine übergewichtige Russin von sich behauptet, seit neun Jahren nicht zu essen oder zu trinken, dann ist das allenfalls ein witziges Kuriosum, mehr aber schon nicht.«

 

Zwei »Pranier« in wissenschaftlichen Untersuchungen

Im Frühjahr 2010 ging die Meldung um die Welt, dass ein 83-jähriger Yogi in Indien von sich behaupte, seit über 70 Jahren ohne Nahrung und weitgehend sogar ohne Wasser zu leben. Er wurde 2003 und nochmals 2010 für zehn bzw. 15 Tage in einem High-Tech-Krankenhaus in Indien (Sterling Hospital, Ahmedabad) unter akribischen Bedingungen untersucht. Ich habe über dieses Phänomen bereits im Juni auf Kopp Online berichtet.

P. A. Straubinger besuchte auch diesen Yogi sowie dessen Familie und das Krankenhaus, in dem die Untersuchungen durchgeführt wurden. Der Studienleiter, Dr. med. Sudhir Shah, ist nach all den Untersuchungen am Yogi »Mataji« (Prahlad Jani) von dessen Authentizität überzeugt und äußerst sich im Filminterview entsprechend beeindruckt:

»Wir sind alle wissenschaftlich ausgebildete, forschungsorientierte Ärzte und wir kratzten uns nur noch am Kopf. Es war die größte Überraschung unseres bisherigen Lebens […] Es ist eine Bombe. Die ganze Wissenschaft muss neu geschrieben werden, unser ganzes Wissen ist erschüttert.«

Ebenfalls zwei wissenschaftlichen Untersuchungen unterzog sich Dr. Michael Werner aus Basel, der angibt, seit 2001 ohne physische Nahrung zu leben. Michael Werner macht dies als Selbstexperiment und sagt, es könne auch sein, dass er irgendwann wieder aufhöre, ohne physische Nahrung zu leben. Ganz selten esse er einige Häppchen, aber nicht aus Hunger, sondern aus sozialen Gründen oder einfach als Witz, wie er einmal in einem Vortrag, dem ich beiwohnte, sagte.

 

2005 hat Michael Werner zusammen mit dem Wissenschaftsautor Thomas Stöckli im Schweizer AT Verlag ein Buch veröffentlicht: Leben durch Lichtnahrung – Der Erfahrungsbericht eines Wissenschaftlers.

Weil sich gerade diese beiden sehr unterschiedlichen Menschen – der Yogi Prahlad Jani und der arbeitstätige Dr. Michael Werner – wissenschaftlichen Untersuchungen zur Verfügung stellten, sind sie die besonderen Zielscheiben der Kritiker. Esowatch schreibt über sie:

»Prahlad Jani, ein indischer Yogi, der behauptet, seit über 70 Jahren weder gegessen noch getrunken zu haben. Kritiker sehen in ihm einen Betrüger. Die Möglichkeit, dass Jani betrogen hat, wird im Film nicht ernsthaft in Betracht gezogen. […]

Michael Werner, der behauptet, seit 2001 ohne herkömmliche Nahrung zu leben. Werner gibt selbst zu, geringe Mengen (aus seiner Sicht) an Nahrungsmitteln zu sich zu nehmen. Eine medizinische Studie entlarvte ihn als ›Selbstbetrüger‹ – der Film macht daraus einen ›erstaunlich geringen Gewichtsverlust‹.«

 

Die Problematik der wissenschaftlichen Untersuchungen: Die Probanden sind in einer künstlichen, sterilen Umgebung

Ulrich Berger schreibt auf seiner Blog-Seite über Michael Werner:

»Der in der Schweiz lebende Chemiker Michael Werner, so der Film, habe sich einem Test an der Uniklinik Bern unterzogen, wo er zehn Tage lang nur Wasser und ungesüßten Tee zu sich genommen habe. Werner selbst meint, der Test sei überraschenderweise ›ein bisschen enttäuschend‹ verlaufen. Er habe nämlich ein wenig abgenommen und sei etwas geschwächt gewesen, was wohl irgendwie mit der Klimaanlage zu tun gehabt habe. […] Tatsächlich hat Michael Werner 2,6 kg abgenommen und war am Ende entkräftet. Was beweist das nun? Der Test mit Michael Werner beweist: Es ist möglich, zehn Tage lang nichts zu essen und dabei 2,6 kg abzunehmen. Die publizierte Studie schließt mit der Bemerkung, Werner habe sich in einem Fastenzustand befunden. Diese wenig aufregende Erkenntnis lockt freilich keinen Hund hinter dem Ofen hervor. Als Versuch eines Beweises für das Phänomen Lichtnahrung ist der Test aus wissenschaftlicher Sicht grandios gescheitert.«

Diese beiden Beispiele von kritischen Meinungen zeigen, dass der Standpunkt der Skeptiker nicht objektiv ist. Wenn esowatch schreibt: »Die Möglichkeit, dass Jani betrogen hat, wird im Film nicht ernsthaft in Betracht gezogen«, so müssen wir auch sagen, dass die Kritiker ihrerseits die Möglichkeit, dass diese Personen keine Betrüger sind, nicht ernsthaft in Betracht ziehen.

Wirkliche Wissenschaft würde jedoch sagen: Wenn wir das Phänomen untersuchen wollen, dann sind wir neutral und müssen auch in Betracht ziehen, dass es echt sein könnte. Das würde bedeuten, dass die Probanden sich in einem außergewöhnlichen physischen Zustand befinden und einen Energiehaushalt und Stoffwechsel haben, der sich von der bekannten Norm auf eine unbekannte Weise unterscheidet. Tatsächlich geben die Probanden an, sich von »Chi« oder »Prana«, einer hypothetischen subtilen Lebensenergie der Natur, zu ernähren. Da diese Lebensenergie in unnatürlichen Umgebungen, wie Stahl- und Betonbauten, weniger präsent ist als in natürlichen Umgebungen, müsste auch der Faktor »Umgebung« besonders berücksichtigt werden.

Bei den wissenschaftlichen Studien an Prahlad Jani und Michael Werner wurden diese Menschen aus ihrer gewohnten Lebensumgebung und aus dem gewohnten Rhythmus herausgeholt und in eine künstliche, sterile Umgebung gebracht. Wenn es stimmt, dass diese Menschen ein derart außergewöhnliches Phänomen darstellen, dann ist zu erwarten, dass dieser Umgebungswechsel einen Einfluss auf den Normalzustand haben könnte – und genau das zeigten die Studien. Michael Werner war zehn Tage in einem Krankenhaus aus Beton »eingesperrt«, mit künstlicher Belüftung, und war ständig irgendwelchen High-Tech-Untersuchungen ausgesetzt. Dass der Körper eines Menschen, der sich auf eine energetische, nicht-physische Weise ernährt, in diesen plötzlich neuen Konditionen stark reagiert, zum Beispiel mit Gewichtverlust, wäre zumindest eine hypothetische Erwartung. Wenn Ulrich Berger Michael Werners Hinweis auf die Klimaanlage, das heißt die unnatürliche, künstliche Umgebung, nur mit einer spöttischen Nebenbemerkung abtut, dann hat er sich als wissenschaftlicher Kommentator selbst disqualifiziert. Dementsprechend sieht er sich selbst scharfer Kritik gegenüber.

 

Die Untersuchungen an Prahlad Jani

Ebenso vorurteilsbelastet ist die Aburteilung des Falls »Prahlad Jani« durch esowatch und Ulrich Berger. Auch hier wird bemängelt, dass der Proband während der Untersuchung an Gewicht verlor. Wie bei Michael Werner wird auch bei diesem Yogi sogleich ein Betrug als die einzige Erklärung in Betracht gezogen: Diese Männer würden normalerweise heimlich essen, und wenn sie dann im Krankenhaus fasten, würden sie an Gewicht verlieren.

Wie sehr die eigenen Vorurteile sogar kritische Geister wie Ulrich Berger beeinflussen können, zeigt sich in seiner folgenden Argumentation:

»In Janis Blase wurde per Ultraschall Urin nachgewiesen. Das Volumen stieg stetig an und sank gegen Ende der Untersuchungsperiode wieder. Wie erklärt sich Shah das? Ganz einfach: Der Urin wurde von der Blasenwand wieder absorbiert, meint er. Andere mögliche Erklärungen werden nicht einmal andiskutiert. Ich hätte eine anzubieten: Jani hat uriniert. Wie das? Er wurde doch überwacht? Richtig, und die Kamera zeigt, wie Jani am siebenten Tag in einer Wanne sitzt und ein Bad nimmt. Noch einmal: Er nimmt ein Bad! Prahlad Jani kippt sich einen Eimer Wasser über den Kopf und sitzt dabei in einer mit Wasser gefüllten Wanne! Könnte das vielleicht ein Ansatz zur Erklärung des mysteriösen Urinschwunds sein? Für Shah und Straubinger ist es kein Thema.«

Selbst wenn dieser Argwohn von Ulrich Berger stimmen würde und Prahlad Jani tatsächlich heimlich in die Wanne gepinkelt hat, als er denn endlich mal ein Bad nehmen durfte, würde dies doch bedeuten: Dieser alte Mann hat mindestens über sechs Tage lang nicht uriniert! Und er hat zehn Tage lang nichts getrunken, nur einige wenige Male gegurgelt, aber unter strikter Kontrolle. Dass allein diese Fakten ein Rätsel darstellen würden, ist für Ulrich Berger anscheinend »kein Thema«.

Noch mehr als bei Michael Werner muss bei diesem Yogi die natürliche Umgebung ein entscheidender Faktor sein. Im Film werden Fotos von Prahlad Jani in jungen Jahren gezeigt: wie er fast ohne Bekleidung im Himalaya lebte. Seit mehreren Jahrzehnten lebt er meistens in einer Dschungelumgebung. Wenn ein solcher Mensch nach Jahrzehnten plötzlich für zehn bzw. 15 Tage in ein medizinisches Beobachtungslabor gesperrt wird, dann müsste man als kritischer Wissenschaftler zumindest die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass der Körper des Probanden auf diese Umgebungsveränderung reagiert, vor allem wenn der Proband 76 bzw. 83 Jahre alt ist (wie Prahlad Jani 2003 und 2010).

 

Alles Betrug und Verschwörung?

In der Geschichte der westlichen und östlichen Religionen ist Nahrungslosigkeit ein bekanntes Phänomen, und es werden viele Personen genannt, von denen gesagt wird, sie hätten ohne Nahrung gelebt. Auch im Film werden einige erwähnt. Alles nur Legende, alles nur Betrug oder Wunschdenken?

Ich kenne die genannten Kritiker nicht persönlich, aber ich nehme an, sie sind vehemente Gegner aller »Verschwörungstheorien«. Erstaunlicherweise vertreten diese Kritiker jedoch selbst Verschwörungstheorien, wenn es darum geht, alle Hinweise auf etwas »Paranormales« kategorisch zu bestreiten. Alle Personen, die im Film erscheinen, werden pauschal als unglaubwürdig und »esoterisch« verunglimpft, egal ob es sich dabei um Professoren oder sogar um einen Nobelpreisträger der Physik (Brian Josephson) handelt. Die Ehefrau von Michael Werner wird im Film ebenfalls interviewt, und sie bestätigt die Nahrungslosigkeit ihres Ehemannes. Das Zeugnis der Ehefrau, das Zeugnis des begleitenden Wissenschaftsautors, Thomas Stöckli – all dies wird ignoriert und pauschal unter den Vorwurf des Betrugs oder der Selbsttäuschung gestellt.

Was die beiden Untersuchungen an Prahlad Jani betrifft, so kann es sich hier gemäß den Kritikern ebenfalls nur um Betrug oder Verschwörung handeln: Unausgesprochen wird suggeriert, das Team von 35 Wissenschaftlern, das den alten Yogi zehn bzw. 15 Tage lang untersucht habe, habe sich täuschen lassen oder habe eine Verschwörung durchgezogen. Denn es wird bemängelt, dass der Chef-Atheist von Indien, Sanal Edamaruku (Generalsekretär der Indian Rationalist Association) nicht in das Team aufgenommen wurde, obwohl dieser das gefordert hatte. »Offenbar hatte man etwas zu verbergen«, schlussfolgert Ulrich Berger daraus. Zudem unterstellt er dem leitenden Arzt, Sudhir Shah, Befangenheit und religiöse Ziele. Denn Shah gehört zum Jainismus, einer Religion, in der viele Menschen den Weg der Askese wählen und einige anscheinend auch Nahrungslosigkeit erlangen. Ulrich Berger: »Shahs deklariertes Ziel ist es, Wissenschaft mit dem Jainismus in Einklang zu bringen. Das bedeutet, er unterliegt einem gewaltigen Interessenskonflikt.« Ulrich Berger suggeriert hier also, dass Dr. Shah die wissenschaftliche Studie nur schlampig oder sogar unehrlich durchgeführt hat, nur um sein »deklariertes Ziel« zu erreichen.

 

Weitere Reaktionen

Die große österreichische Zeitung Der Standard veröffentlichte am 23. September 2010 über den Film einen Verrissartikel von Klaus Taschwer, der weitgehend der Argumentationsweise von Ulrich Berger folgt.

Eineinhalb Wochen später, am 4. Oktober, wurde dann fairerweise die – sehr lesenswerte – Antwort von P. A. Straubinger veröffentlicht: »Die Schattenseite der Skepsis am Beispiel des angeblichen ›Pseudo-Phänomens‹ Lichtnahrung – eine Replik«.

 

Neue Dimensionen der Wissenschaft

Esowatch wirft dem Film vor: »Esoteriker und Parawissenschaftler mit fragwürdiger Reputation werden als Wissenschaftler präsentiert.« Eine andere Sichtweise wäre jedoch, dass hier Pioniere der neuen Dimensionen der Wissenschaft zu Wort kommen. Der Physiknobelpreisträger Prof. Brian Josephson von der Cambridge-Universität (ein Wissenschaftler »mit fragwürdiger Reputation«?), sagt im Film:

»Ich glaube, die Physik befindet sich in einer Sackgasse, solange sie geistige Effekte ignoriert. […] Es ist ein trauriges Faktum, dass gewisse Forschungsfelder – Telekinese oder Telepathie sind nur Beispiele – von der Wissenschaft als Täuschung oder Schwachsinn abgetan werden. Sobald das aber geschieht, können auch sämtliche Beweise, die kein Schwachsinn sind, nicht mehr veröffentlicht werden, und deshalb glauben die Menschen weiterhin, dass alles Täuschung ist.«

Der Quantenphysiker Prof. Amit Goswami von der University of Oregon, kommentiert: »Fälle wie der von Prahlad Jani sind sehr interessant, aber keine Einzelfälle. Was wie ein Wunder wirkt, ist offensichtlich eine Bewusstseinsleistung. Bewusstsein muss also in einer bestimmten Weise neue Materie erschaffen können.«

Die Rolle des Bewusstseins in der Quantenphysik betont auch Prof. Herbert Pietschmann in einem gefilmten Interview, das aus Platzgründen nicht im Film verwendet werden konnte und nun auf der offiziellen Website veröffentlicht wurde. Herbert Pietschmann, von 1971 bis 2004 Ordinarius am Institut für theoretische Physik der Universität Wien, spricht in seinen Ausführungen über die neuen Erkenntnisse der Quantenphysik, insbesondere im Hinblick auf die Rolle des Bewusstseins bei der Beobachtung der Materie: »Und das ist das Revolutionäre, weil es natürlich an den Grundfesten unserer philosophischen Einstellung der Welt gegenüber rüttelt. So hat zum Beispiel Erwin Schrödinger manchmal die Idee geäußert, dass es gar keine Materie gibt, sondern dass das Bewusstsein die einzige Realität ist.« Und er sagt unumwunden, er hoffe, »dass die Ideologie der Neuzeit, wonach die Materie die einzige Realität ist und alles Geistige nur subjektive Einbildung oder ähnliches ist, dass damit aufgeräumt wird«.

»Dass das Bewusstsein die einzige Realität ist« – dies war und ist eine Grunderkenntnis aller spirituellen Mysterienschulen, der sich nun auch die moderne Wissenschaft annähert. Was diese Erkenntnis in philosophischer und wissenschaftlicher Konsequenz bedeutet, insbesondere für die Frage nach dem Wesen und der Herkunft des Menschen, sollte heute im Brennpunkt der philosophischen und wissenschaftlichen Forschung stehen. Ein wegweisendes Buch hierzu ist »Der radikale Mittelweg – Überwindung von Atheismus und Monotheismus. Das Buch zum aktuellen Paradigmenwechsel«.

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