Sunday, 25. September 2016
27.06.2010
 
 

Nina Hagen: zum evangelischen Christentum konvertiert

Armin Risi

Nina Hagen (geb. 1955 in Ostberlin), die extravagante Sängerin und Provokateurin, die 1976 aus der DDR nach England und dann in die BRD emigrierte, liess sich im August 2009 von einem evangelisch-reformierten Pastor taufen. Am 18. März 2010 erschien ihre Autobiographie mit dem Titel »Bekenntnisse«. Dieses Buch beschreibt den Werdegang ihrer Karriere und gewährt Einblicke in ihre religiösen Erfahrungen.

Schon seit längerer Zeit verrät Nina Hagen in ihren Interviews, wie sie bereits in jungen Jahren Gotteserfahrungen machte. Insbesondere erwähnt sie ein Drogenerlebnis, als sie 17 Jahre alt war: Sie nahm LSD und kam auf einen Horror-Trip und rief in ihrer Verzweiflung nach Gott. Gott sei dann »mit ausgestreckten Armen« auf sie zugekommen, was die Horror-Erfahrung schlagartig beendete. Sie fand sich in einer wunderschönen Welt und erlebte Friede, Geborgenheit, Seligkeit.

 

Überkonfessionelle Spiritualität

Als sie vier Jahre später die DDR verließ und in Westdeutschland für Furore sorgte, war auf den ersten Blick von ihrer inneren religiösen Ausrichtung nichts zu erkennen. Sie machte aus ihren spirituellen und esoterischen Ansichten jedoch nie ein Geheimnis. Schon bald sprach sie öffentlich über Ufos, erschien an Ufo-Kongressen und sympathisierte mit der indischen Shiva- und Krishna-Religion. Als 1981 ihr erstes Kind zur Welt kam, gab sie ihrer Tochter den Namen Cosma Shiva.

 

Sie reiste nach Indien, sang auf einem ihrer Lieder – nach dem Vorbild von George Harrison – den Hare-Krishna-Mantra und veröffentlichte 1999 das Album »Om namo shivay«, was eine indische Gebetszeile ist, die inhaltlich dem »Dein Wille geschehe« des Vaterunser enstpricht. Dieser Mantra war insbesondere vom indischen Wunderheiligen Babaji (gesprochen: »Babadschi«) empfohlen worden, von dem gesagt wird, er habe sich 1970 aus einer höheren Dimension materialisiert; 1984 verstarb Babaji.

 

 

Haidhakan Babaji

Nina Hagen pilgerte in das von Babaji gegründete Kloster im nordindischen Haidhakan und sprach nach ihrer Rückkehr begeistert von  ihren Erfahrungen, so zum Beispiel im März 2000 bei ihrem Auftritt auf der Bühne des Berliner Ensembles (BE), wo die von ihr organisierte „Indische Nacht“ stattfand. Barfuss, in einen Sari gekleidet und mit viel Räucherstäbchenduft sagte sie: »Ich bin noch aufgetankt voll guter Energien aus meiner zweiten Heimat. Ich war sechs Wochen oben im Himalaya und habe bei Navaratri (»Neun Nächte«, ein wichtiges Fest im hinduistischen Kalender) im Haidhakan Vishva Mahadham (Babaji-Tempel von Haidhakan) große mystische Sachen gemacht und Kräfte entfesselt, die bei meinem indischen Abend im BE vor einem Jahr noch nicht da waren.«

 

Trotz ihrer Liebe zu Indien, das sie, wie oben zitiert, als ihre »zweite Heimat« bezeichnete, behielt Nina Hagen immer einen umfassenden Respekt für alle Religionen. Dies änderte sich jedoch, als sie zum evangelischen Christentum übertrat, kulminierend in ihrer Taufe im August 2009.

 

 

Shiva = Satan ?

Auf ihrer »offiziellen Interim«-Website www.beepworld.de/members77/ninahagendas präsentiert Nina Hagen heute ihre momentanen Glaubensvorstellungen. Sie schreibt unter anderem:

 

»WARUM CHRISTUS KOMMEN MUSSTE: shiva / satan, es gibt ja etliche jünger von Shiva, die in indien auf den atomtestgeländen  radioaktiven sand sammeln  um den in ihren schreinen dann anzubeten – weil sie überzeugt sind, daß das ende der welt durch den sint-brand kommt, und dieser dem gott shiva – dem großen transformator – übertragen ist.«

 

Was Nina hier über »etliche jünger von Shiva« schreibt, trifft höchstens auf einige extremistische Shiva-Anhänger zu. Wie sie bei ihren Pilgerreisen nach Indien bestimmt selber gesehen hat, besteht die indische Religion nicht nur aus diesen Negativbeispielen.

 

Wer nur schon die Grundzüge der indischen Theologie kennt, weiß, dass die Gleichsetzung von Shiva mit Satan einem extremen Unverständnis entspringt, wie dies leider für fanatische Christen (und Moslems) typisch ist, die alles außerhalb der eigenen Religionsinterpretation verteufeln.

 

 

»Die Menschen werden schlecht gemacht!«

Wie ihre aktuelle Website zeigt, hat Nina Hagen ihre rebellische Art jedoch beibehalten. Sie wehrt sich gegen die Ansicht, die Welt müsse untergehen oder durch ein Strafgericht heimgesucht werden, »weil die menschen schlecht sind«.

 

Sie betont, dass die Menschen nicht einfach schlecht sind – und widerspricht damit dem bibelchristlichen Dogma, das sagt, alle Menschen seien seit dem Sündenfall von Adam und Eva von Natur aus Sünder. Aus ihrem Wissen um die Hintergründe des Weltgeschehens schreibt sie:

 

»mit all den drogen, der pornografie, dem konsummaterialismus, den killerspielen, den ‚ultimate fights’, dem von oben verordneten haifischbeckenliberalismus, den vorführ-auslach-anschreishows – DIE MENSCHEN WERDEN SCHLECHT GEMACHT!

das ganze hat agenda , hat programm, (…) HILF UNS VATER, so dass sie es NICHT schaffen, den göttlichen lichtfunken in unseren seelen zu löschen !

HELP US JESUS!

WARUM JESUS hierher geschickt wurde ?

um diesen bann, diese okkulte gefangenschaft zu brechen.

aber er kam auf einen planeten, der im besitz eines anderen ist.«

 

Überwindung des spaltenden Geistes

Im Buch »Der radikale Mittelweg« beschreibe ich, wie die Menschheit bereits seit mehr als zweitausend Jahren von einem spaltenden Geist beherrscht wird – und jede Spaltung erzeugt zwei Hälften: zwei Einseitigkeiten, die sich gegenseitig mit ihren halben Wahrheiten bekämpfen. Die eine Seite der Spaltung ist der Atheismus (vom Materialismus bis Monismus), die andere Seite der Monotheismus: die sektiererischen Formen von Religion mit Monopolansprüchen auf »DIE Wahrheit«. Hierzu gehört auch die Neigung, andere Religionen zu verteufeln.

 

Wie es aussieht, hat Nina Hagen nun ebenfalls diese ihr bisher fremde Neigung angenommen. Aber wir dürfen hoffen, dass sie authentisch und rebellisch genug ist, um auch diese Dogmen zu durchschauen und zur inneren Essenz des Christentums bzw. der Lehren Jesu zu kommen, die nicht mono-theistisch ist, sondern »theistisch« (siehe Kap. 30 im Buch »Der radikale Mittelweg«: »Der theistische Kern des Christentums«).

 

Diese Hoffnung ist nicht unberechtigt angesichts der schrill-bunten Website von Nina Hagen, auf der sie auch Gospel-Songs des undogmatischen Elvis Presley verlinkt hat  und biblische Sätze anklingen läßt, wie zum Beispiel:

 

»Lasst alles, was ihr tut, von der LIEBE bestimmen. Sie ist das vollkommene Band, das alles zusammenhält.«

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