Tuesday, 21. May 2013
27.06.2012
 

»Wir sind alle in Gottes Hand« – Interview mit Eva Herman

Brigitte Hamann

Eva Herman ist eine der bekanntesten Frauen Deutschlands. Millionen von Zuschauern sahen sie allabendlich als Sprecherin der Tagesschau und als Moderatorin verschiedener Sendungen. Viele lasen ihre Bücher und Artikel und hörten ihre Vorträge. In einer Emnid-Umfrage wurde sie 2003 zur beliebtesten Fernsehmoderatorin gewählt. Noch heute polarisiert die Journalistin, die sich für eine kindgerechtere Familienpolitik und Stärkung der Rolle der Mutter einsetzt, die Gemüter. Eva Herman wird verehrt und verteufelt. Wer ist der Mensch Eva Herman, die Frau, die die Höhen und Tiefen beruflichen Erfolgs ausgelotet hat?

 

Brigitte Hamann: Ihr Leben und Ihre Arbeit haben viele Menschen fasziniert und angeregt, über ihre Einstellungen zu Familie, Kindern, zu Wahrheit und Unwahrheit in den Medien und über den Sinn und Zweck des Lebens nachzudenken. Erlauben Sie mir, einige Fragen zum Geheimnis Ihres Erfolgs zu stellen. Ihr Vater ist früh gestorben, als Sie sechs Jahre alt waren. Wie wurde Ihr Leben dadurch beeinflusst und wie haben Sie das Familienleben, das Leben Ihrer Mutter und Ihre Rolle darin erlebt?

Der frühe Tod meines Vaters hat mich sicherlich deutlicher geprägt, als mir dies zunächst bewusst war: Er hat mir einfach gefehlt. Meine Erinnerungen an ihn sind nur sehr undeutlich. Er kam verletzt aus dem Krieg zurück, die zum Teil grauenvollen Ereignisse hatten ihn gezeichnet. Meine Mutter und meine Großmutter sprachen nach seinem Tod nicht viel über meinen Vater, doch eines war wichtig: Wenn am Abendhimmel die Sterne funkelten, zeigte Mama uns den hellsten und leuchtendsten Stern mit den Worten: Das ist euer Vater, der auf euch aufpasst. Dies war wohl ein wichtiger Hinweis für mich, vor allem auch den allerhöchsten Vater in den Wolken zu erkennen, der mich natürlich immer beschützt: Ich fand zum Glauben.

 

Was gab Ihrer Mutter die Kraft, die neue Situation zu meistern?

Meine Mutter war eine ausgesprochene Optimistin. Ihr Glas war immer halb voll, nie halb leer. Es war damals zwar eine sehr schwierige Lebenssituation, mit drei kleinen Kindern plötzlich zur Witwe zu werden, aber sie bündelte ihre Kräfte gemeinsam mit unserer Großmutter, und so waren wir zunächst in Frauenhand. Etwa zwei Jahre später heiratete meine Mutter wieder, mit meinem

Stiefvater, der aus dem Schwabenland stammte, war sie bis zum Tode glücklich verheiratet. Ihr Lebensmotto lautete: Wir sind alle in Gottes Hand. Sie hatte grenzenloses Vertrauen in die Macht des Himmels.

 

Welche anderen Menschen in der Familie, der Umgebung und darüber hinaus haben Sie beeindruckt?

Mich beeindruckte und prägte am deutlichsten meine allerbeste Freundin Petra Schürmann. Ich lernte sie Anfang der 80-er Jahre beim Bayerischen Rundfunk kennen. Sie brachte mir alles Notwendige bei, was eine Frau in den Medien benötigt, um ihren Weg erfolgreich gehen zu können. Sie hatte Stil, Eleganz, Charme, Klasse, Courage. Und sie war sehr klug und sehr schön. Sie mahnte stets, Sitten und Regeln einzuhalten, niemals den »modernen« Verführungen zu folgen und damit zum Opfer der Eitelkeiten zu werden. Benehmen und Anstand zählten zu ihrem höchsten Gut. Ohne sie und ihre liebevollen, aber ernsten Empfehlungen wäre ich in meinem Fernsehleben wohl niemals so erfolgreich geworden.

 

Welche Wünsche und Träume haben Sie schon sehr früh gefühlt? Wie sehen diese Wünsche und Visionen heute aus?

Meine Wünsche und Visionen hatten immer schon zwei Gewichte: Einerseits wollte ich eine gleißende Karriere hinlegen, mit sechs Jahren verkündete ich meiner Familie vollkommen überzeugt, zum Fernsehen zu gehen. Andererseits hatte ich immer auch das klare Ziel einer Familie: Mindestens drei Kinder sollten es sein. Unterm Strich lief es nicht wirklich wie geplant: Durch die gleißende Karriere beim Fernsehen, die ich ja dann tatsächlich machte, entwickelte ich mich immer mehr zu einem egozentrischen Menschenpaket. Und so kam es nicht zu drei Kindern, sondern zu drei Scheidungen, und nur zu einem Kind, das ich praktisch (biologisch betrachtet) in letzter Sekunde bekam. Ich würde heute andere Prioritäten setzen, wenn ich die Chance noch einmal hätte. Denn die Karriere befriedigt nur einen gewissen Teil in uns, der andere, die Seele nämlich, will sich jedoch stetig empor entwickeln. Wer heute auf dem Sterbebett liegt und sein Leben Revue passieren lässt, spricht nur selten über seine beruflichen Verdienste. Vielmehr erkennt er seine Fehler in menschlichen Beziehungsdefiziten. In den letzten Jahren hielt ich die Hand meiner sterbenden Mutter, meines Stiefvaters und die mehrerer Freunde: Es war immer das Gleiche. Man muss ja nicht erst kurz vor dem Tod anfangen, über diese enorm wichtigen Lebensgrundsätze nachzudenken, sondern lieber dann, wenn man noch etwas ändern kann.

 

Was genießen Sie am meisten daran, Mutter zu sein?

Wer zur Mutter oder zum Vater wird, dem muss klar sein, dass damit eine intensive Zeit des Lernens und der ständigen Weiterentwicklung einsetzt. Sie stellen uns täglich vor neue Herausforderungen. Kinder sind unkalkulierbar, und zwar in jeder Lebensphase. Sie sind in ihrem Urteil gegenüber Mutter und Vater von einer manchmal schmerzhaften Ehrlichkeit. Wer dies ernst nimmt und dem Nachwuchs nicht einfach gekränkt den Mund verbietet, hat die Chance auf Weiterentwicklung. Die Kinder sind unser Spiegel: Bei Auffälligkeiten gilt zunächst auch der eigene Blick in den Spiegel. Mit seismografischem Gespür nehmen die Kinder unsere Probleme auf und diese kommen in ihrem Verhalten zum Ausdruck. Ebenso natürlich auch Glück und Zufriedenheit. Man kann seinen Kindern niemals zu viel Liebe geben, auch wenn moderne Erziehungsregeln uns dies glauben machen wollen.

 

Was war die bisher größte Veränderung in Ihrem Leben und wie haben Sie sie gemeistert?

Es hat in meinem Leben viele Veränderungen gegeben, meist waren es Abschiede: Der frühe Tod  meines Vaters, der frühe Tod meines Bruders, meiner kleinen Schwester, meiner besten Freundin… Doch gab es zwei entscheidende Veränderungen, die mein Leben nachhaltig veränderten. Zum einen war es die ersehnte Geburt meines Kindes: Die Prioritäten verschoben sich deutlich, nicht ich war noch der Mittelpunkt, sondern nun gab es ein kleines, neues Leben zu beschützen. Die zweite Veränderung war natürlich der große Medienskandal 2007, als man mich generalstabsmäßig aus dem öffentlichen System entfernte, weil ich aufgrund der eigentlich selbstverständlichen Einsicht, dass Mütter und ihre Säuglinge zusammengehören, offenbar zu einer politischen Gefahr geworden war.

 

Sie haben erlebt, dass langjährige Kollegen und Freunde sich plötzlich abwandten, als Sie öffentlich kritisiert wurden. Das umstrittene Zitat, das den persönlichen und beruflichen Eklat ausgelöst hat, haben Sie auf Ihrer Homepage als mp3-Download und pdf-Datei veröffentlicht. Wie hat diese Erfahrung Ihren Umgang mit Menschen und  Ihr eigenes Verhältnis zu Loyalität, Treue und Zusammenhalt beeinflusst?

Durch diesen Lebensabschnitt durfte ich lernen, dass nichts so ist, wie es scheint. Mein Mann hatte mich schon vor zwölf Jahren gewarnt, dass viele Menschen um mich herum es nicht ernst meinten, sondern sich mit im Lichte der Öffentlichkeit sonnen wollten. Damals hielt ich das kaum für möglich. Doch er hatte leider Recht. Es gab schwerste Enttäuschungen, manche pieken mich hin und wieder noch heute. Man wird durch solche Ereignisse gezwungen, loszulassen, und man lernt, dass alles im Leben vergänglich ist, bis auf die wahre Liebe. Diese hat für mich einen besonderen Stellenwert bekommen, und sie bezieht sich nicht nur auf meine Familie, sondern findet sich vor allem auch in unserer wunderschönen Schöpfung und natürlich anderen Menschen wieder. Ich musste von meinen ehemaligen  Kollegen und den so genannten Freunden innerlich Abschied nehmen. Das war zu meinem Schutz notwendig. Heute bin ich niemandem böse, denn jeder ist seines eigenen Glückes Schmied.

 

Mit Ihrem vor Kurzem erschienenen Buch Weltenwende haben Sie eine neue Ära Ihrer Arbeit eingeleitet. Wie ist Ihre Faszination für die Themen entstanden?

Es geht in diesem Buch um die turbulente Jetztzeit. Banken, Finanzen, Systeme, ganze Länder brechen zusammen, die Naturkatastrophen nehmen weltweit zu, Menschenbindungen zerfallen, Gesellschaften und Religionen zerstören sich selbst und gegenseitig. Viele Menschen spüren natürlich, dass etwas auf uns zurollt, das man kaum in Worte fassen kann. In der Johannes-Offenbarung des Neuen Testaments erfahren wir viel über diese Zeit des Gerichts, die Geschehnisse auf der ganzen Welt werden hier verblüffend genau beschrieben und sie decken sich mit etlichen jahrtausendealten Prophetien und Weissagungen. Diese Zeit macht vielen Menschen Angst. Dabei birgt sie jedoch große Chancen, dass wir nämlich rechtzeitig erkennen, worum es im Leben wirklich geht: nicht um Geld, Beruf und irdische Auszeichnungen alleine, sondern um das wahre Glück, Seelenfrieden, ein verantwortungsvolles Miteinander, es geht darum, die Liebe zu retten. Das können wir nur schaffen, indem wir erkennen, dass die Schöpfungsgesetze eingehalten werden müssen. Wir schwingen in ihnen wie alles andere auch, was hier auf Erden existiert. Wer sich nicht einfügt und seinen eigenen Willen darüber stellen möchte, der wird eine schwere Zeit vor sich haben. Wer jedoch rechtzeitig erkennt, worum es geht, und wer sich redlich müht, der braucht keine Angst zu haben. Keinen fremden Feind haben wir zu fürchten, sondern nur unsere eigene Schwäche.

 

Vielen Dank für das interessante und offene Gespräch.

 

 

 


 

 

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